(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die johanneische Christologie"

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



I 





1«« 

lörkrung t|)rl)llttt)cr i:i)eologtf. 



D. ^. $^tait€x, uTiö D. ^. grcmer, 

¥nif. in Ziltiitigin. $nif. in ©»iferudHi. 



dritter Jaljcflang 1899. 
Die jof^anneifd^c Ct^riftologie. 



trud unb ^Berloe Don 6. »ertcUmniitt. 
ISO». 



SS z(^o/ 
AS- 



^ • 






•-• 






* .• • • 



* 









r 



PortDort 3um brittcn 3al^rgang. 



i)er Perfuc^, bntd} unfcre „Beiträge 5ur ^öröerung c^rtft» 
lieber C^eologte" einer regen unö fruchtbaren Jtrbeitsgemeinfc^aft 
unter bemn 5U öienen, öie für ftdj felbft oöer für einen mettern 
Kreis öie t^eologifdje Jtrbeit beöürfen unö betreiben, ^at nun 
feine beiöen erften 3a^re hinter ftc^. VOas aus i^m gemoröen 
ift, liegt unfern Cefern vor 2tugen; uns felbft liegt beiöes gleic^» 
mä^ig fern, Klage u>ie Hu^m. 

IDir fe^en öen Perfuc^ fort, meil uns öie t^eologifc^e 
2trbeit nidft als ein Spiel unö £u^s gilt, ipeldjer öer Kirche 
im ©runöe entbehrlich märe, fonöern 5U öen i^r gefteüten 2tuf« 
gaben gehört, öie fie nidft ungeftraft rerfäumt. 2tuc^ für unfere 
(ßeiftlidjen , fo menig fie fxd) ausfdjlieflidj unö einfeitig als 
iptffenfc^aftlidje Jtrbeiter füllen öürfen, liegt für i^r perfönlidfes 
u>ie amtliches ©eöei^en riel öaran, öaf jte fic^ immer u>ieöer 
ernft unö 5ufammen^ängenö öer ^ndft unö 2tnftrengung u>iffen= 
fdfaftlidjer 2lrbeit Eingeben. Der Dienft, öen mir unfern Cefern 
hierbei leiften, fann freilidj nicijt öarin befte^en, öaf mir i^nen 
nur genufreic^e, unmittelbar öas 3nnerfte belebenöe Ceftüre 
öarbieten. C^eologie ift itrbeit; bcnn fie i)ai es mit öer 
Seoliftif öes mirflic^en ©efc^e^ens 5U t^un, öas fic^ auf unferm 
iröifdjen Boöen PoUsogen ifai, unö fann fic^ öarum nidjt nur 
mit öem, mas öes ©eiftes ift, befc^äftigen, fonöern ifai and} 
ein reic^Iidfes IRaf Don „Stoff" 5U be^errfdjen, öeffen 3e» 
arbeitung langfam unö mü^fam gelingt. Dodj meröen es öie 
Beiträge immer als ^xel im Jtuge behalten, nic^t ins ^anö* 
werf oereinselter Stoffbearbeitung 5U perjtnfen, fonöern öen Blicf 
je unö je mieöer bis $u jener ^ö^e öurc^öringen 5U laffen, mo 
öerfelbe an (ßottes lüort unö lüerf (Sott faft unö öaöurc^ öen 
gansen inneren Cebensfdfa^ me^rt unö ftärft. 

258948 



— IV — 

Den PortDürfen, 6ie uns u>egen unfrer Jtuffc^rift trafen, 
6af wxv „auf Büdjertitcin bas ZHonopoI c^riftlidjer QT^eoIogic 
für uns refcroierten" u, ögl., fielen u>ir in 6er guten ^^perftc^t 
gegenüber, öaf es fidf auc^ an öen Beiträgen ermeifen ipir6, 
öaf es feinen jidjereren Sc^u^ gegen felbftifdje Korruption 
giebt, als 6ie ernfte Unterfteüung unter C^riftus, Ijoffen auc^, 
6af öie „Beiträge" geraöe nadf öiefer Seite einen Beruf ^aben 
un6 öie ©efa^r eines feftenljaften QTreibens auf 6em u>iffen= 
fc^aftlidfen Jtrbeitsgebiete 5U minöern permögen, 6as 5U>ar nidjt 
6en Hamen C^rifti, tpo^l aber öen Oel öer „miffenfdjaftlidjen 
QT^eoIogie" für fic^ als ZHonopoI begeljrt. XDenn öie polemif 
Don jener Seite gelegentlich ^erb tperöen foUte, bitten wir unfere 
2Ttitarbeiter unö £efer um ruhige ©eöulö. Das freiließ ift uns 
unperftänölic^, vok jidj ein QT^eoIoge im Blicf auf öie moöerne 
(ßeöanfenbemegung Derbergen fann, öaf öie C^riftologie bis 5U 
iljrem erften, einfac^ften Poröerfa^ in ^rage gefteüt u>irö, unö 
öaf es für öie epangelifdje QTIjeoIogie pon grunölegenöer Be- 
öeutung ift, was im Hamen C^rifti pon 3efus ausgefagt mirö. 



Stftlatfer^ arr^mcr* 



®ie 



Uc. theol. W. Xütgxvl, 

a- D- pToT- fat DntroMib. 



las» 



^nUtt 



€ate 
(Einleitung - 1—3 

1. Kapitel. 

^er ©ol^n ®otte§ 4—38 

3)ie Wlextmale bcr aKeffianität Sefu. — ^tx §crr ber Söelt. — 
S)er ei^riftuS unb ber ®eift. — ^er OJel^orfam beg ©ol^ne^. — 
^er ©ol^n fielet unb l^ört ben ^ater. — S)ie 5lb^&ngtg!eit 
Sefu öon ©Ott. — 2)ie ©tunbe Sefu. — ^ie einlädt 3efu mit 
®ott. — ®ie ©ottl^eit 3efu. — ^er ÖJel^orfam gegen OJott 
unb bie (Sinl^eit mit @ott in il^rer SSerlnitpfung. 

2. Äapitel. 

^er Urfprung Sefu au§ bem §imme( .... 39—67 

3)te trabitioneUe (Erträrung. — ©tatifti! be« ^uöbrucfg. — ^ie 
Stinontjma unb Dp^ofita. — 2)ie 2)efinition. — S)er 3Renfd§en* 
fol^n, ber im §immel ift. — SSerborgenl^eit unb Offenbarung 
feiner $errlid^!eit. — ^a§ ©elbftbewugtfein 3efu. — 2)er ©in* 
geborne. — 2)ie 3Ktematiöe, fittlid^er ober meto^l^^fifd^er Ur* 
fprung auS @ott, befielet bei Sol^anneS nid^t. — ^ie Unmög(id§!eit 
ju fünbigen. — S)ie SSerfud^ungen. — SSoUtommenl^eit unb 
(SntWitllung. 

3. Ädpiter. 

t)ie SRenfd^^eit gefu 68—88 

^ie gteifd^ttJerbung beg SBorte^. — ^ie ^Betonung ber SKenfd^* 
^eit 3efu. — ^er SRenfd^enfol^n. — S)ie ©r^l^ung be§ 
aßenfd^enfo^ncg. — 2)er „9Jame" Sefu. — S)a§ SeugniS 
3efu. — S)ie grei^eit bom ©efe^. — Sefu« unb bag 5irtc 
Xeftamcnt. — ^er 2;ob Sefu. 

4. ^o^itel. 

5)ie ßiebc Sefu 84—99 

^ie Siebe (Sottet. — ^ie S^oUtommenl^eit ber Siebe 3efu. — 
^er S^ergid^t auf ba§ ©erid^t. — ^ie SBunber Sefu al§ ^ülfc 
unb arg Seid^en. — ®ie SBerle unb ba8 SBer! Sefu. — ^ie 
^err(id§leit. — ®ie ©elbftöerleugnung S^fu unb ber Söeräic^t 



— VIII — 



€fite 



ouf feine ^errlid^lcit. — 2)a§ 2)ienen unb Sterben. — t)te 
i&cUigung. — 2)et gotn 3^fu. 

5. §tQpM. 

2)ic ®aben 3efu an bie SBelt 100—114 

einlädt Don ®obc unb $erfon. — DaS ßid^t. — t)ie ©eilung 
beS ©Unbgebomen. — Die SBal^rl^eit. — DoS Seben. — 
Dai^ ^en unb ^rinlen feinet Steifd^ed unb 8(ute$. — 
Der ©eift. — Der SBcinftorf unb bie »leben. 

6. ^o^itel. 

Die Sogo«le]^re 115—139 

^ie ?(nlnitpfung on bie borl^anbene fiogoSlel^re. -- '^a^ 
aSort QJotteS in ber opoftolifc^en (SJemeinbe. — öer^dltni« 
Don aSort unb SBcrl im 3ol^onne«eöangeliuni. — Die 3Wotiöe 
be$ @rfa^e<S ber pneuntatifc^en (E^riftologie burd^ bie SogoS^^ 
djriftologie. — DoS SJer^altniö beS ßogoS ju ®ott unb jur 
SBea. — ^ie ©c^öpfung ber Sßelt bur(^ bo« 28ort. — Die 
S5ebeutung biefeiJ 6Jebanfen§ im ©öangetium. — SBort, fieben 
unb Sid^t. — Die (iWenntniStl^eorie he^ 3ol^anne§. 



j • V • •• , • • 



rf • 



• •• • 



• ••••• *• «% 



^ine Untetfud^ung ber jol^anneifd^en Sl^rifiologie lann bei 
bct gcöcnroättigcn Soge ber biblifd^^tJ^eologifd^en SCtbeit nid&t mit 
einer S)arfieIIung ber Sogoölel^te anfangen. SBenn ber ®t)angelifi 
mit berfelben beginnt, fo fefet er freilidö Dorauä, bafe ber ©e^ 
meinfae, für bie er fd^reibt, biefer Segriff tJoHfiänbig burd^fld^tig 
unb beöwegen geeignet ift, bem SBerftänbniä ber 5|Jerfon gefu ju 
biencn. 3n ber gegenwärtigen tl^eologifd^en 3lrbeit aber ift bie 
Sebeutung beä Sluöbrudö unb fein SBerl^dltnid jur ßl^rifiologie 
beö ®t)angeliumä fel^r umftritten. 3)ie Unterführung wirb be«- 
wegen tjereinfad^t, wenn man }unä# bie ßl^riftologie beä @t)ans 
geliumö barfteHt unb t)on t)ier aus bie Sogoölei^re TJerftel^t. ©teBt 
man bie Sogoölel^re an bie ©pifee, fo erläutert man fie aus ber 
in ber apoftoUf(3&en 3cit tjorl^anbenen Sogoölel^re, an bie Sol^anne« 
anfttüpft. 3)ann aber trägt man leidet au(^ biejenigen 3*8^ i>^^ 
Sogoötel^re, bie fi^ bei S^^^^^^ö ^^^^ mieberfinben , in bad 
®DangcKum l^inein. Sufeerbem erroedEt bie SJarfieHung felbfi bann 
ben ©d^ein, afe fei bie jol^anneifd&e ßl^riftologie auö ber Sogoß- 
leiere l^eraudgefponnen, unb bie Sejiel^ung ber ©ebanfen auf baä 
gefd^id^tUd^e SBirfeit 3efu wirb tjon tjom^erein gelodfert. 3n ber 
©efd^id^te bed ©ebanlend ifl ed l^äufig pedfmä^ig, t)on ber 
Sruc^t auöjugel^en unb ii^re ©ntfiei^ung bis in bie SEBurjel J^inein 
ju ijerfolgen. SRur fo ift man fid&er, alle SEBurjeln }u finben unb 
fein Clement in bie 3)arfteIIung J^ineinjujiel^en , ba« auf bie 
Silbung ber §ru(^t feinen ©influfe geliabt l^at. 3Kan mufe alfo 
oerfud^en, bie jol^anneifd^e Sogoöletire auö ber ßl^riftologie beö 
©oongeliumö ju t)erftel)en. — ®rft menn man bie jol^anneifd&e 
Sogoöle^re bargeftettt l^at, fann man feftfteUen, roeld^e ©lemente 
ber t)oroufgegangenen ©efi^id^te Sol&anneö aufgenommen l^at. 

S)ie SBoranfteUung ber Sogoölelire ift au(^ beöroegen irre- 
fül^renb, meil ber Slnfd^ein entjiet)t, als wäre ber ganje 3lufbau 
l^^r lOJ^anneifd^en 6t)riftologie bem ©oangelium im Unterfd&iebe 
JJon ben übrigen neuteftamentlid^en ©d^riften ebenfo eigentümlid^ 
roie biefer Unterbau. S)aö 3ot)anne§et)angelium t)at aber ebenfo- 



• • • ". 



a. % • .~ • 



— 2 — 

roeniö auöfd&licfelid^ inbtoibucHc 3^0^ / «^^^ itßcnb eine neu- 
teftamentlid^e ©d^rift. ©ie aUe l^aben }u iJ^ret aSotauöfefeung beit 
©emeinbeglauben bet apojiolifd^en '^txK. 3lu(3^ bie iot)antteif(ä&e 
ß^riftoloöie erbaut ftd^ auf einet bem ganzen bleuen 2^eftamcnt 
gemeinfanten Safts. 3lad& ,,l^ifiotif(ä^et'' 9Ketl^obe wirb baö 33ilb 
nur bann entworfen, wenn man bie bem gotiannedeoangelium 
mit allen neutefiamentUd^en ©d^riften gemeinfamen 3^0^ W^^ 
jei^net. ®ö ift nid^t ganj ridötig, ben Sogoßbegriff ben ©runb:: 
begriff ber iot)anneif(^en ßi^rifiologie ju nennen. ®l^er ift er bie 
©pifte, baö '^x^, auf mel(^eö ber ©ebanfengang juftrebt. 3)ie^ 
wirb baburd^, ba§ gol^anneö mit bem Sogoönamen beginnt, nid&t 
roiberlegt, fonbem betätigt. Sefanntlid^ ift eö d^arafteriftifd^ für 
ben Soangeliften , bafe er feine ©ebanfengänge nid&t genetifd^ 
barfteHt. 3)ie SJarftettung verfolgt nid^t baö SBerben ber ©e^ 
baufen, fo bafe baö %^x^%t am ©d^lufe ftel)t, fonbem fie beginnt 
mit bem ©anjen unb fteigt abmärtö ju ben einzelnen 2^eilen. 
®r benft intuitio, nid^t inbuftit). 

Slnfnitpfungöpunfte l)at bie jol^anneifd^e ßliriftologie nid^t 
nur im ©emeinbeglauben ber apofiolifd^en Äird^e, fonbem aud^ 
im 3iubentum. 3lud& t)om Soi^anneöeoangelium gilt, bafe feine 
ganje Segrifföraelt an bie f^nagogale S^l)eoIogie anfnüpft.^) SJaia 
®oangelium fd^liefet fid^ aber nid&t (xxk baö alejanbrinifd^e, fonbem 
an baö paläftinenfifdbe ^ubentum an. 6in Seroeid bafür ifi bie 
©prad&e.2) ©in weiterer Seioeiö ift bie 35egrifföreit)e beö ©oan- 
geliften.^) gür bie (S^riftologie wirb bie folgenbe S)arfiettunft 
bieö jeigen. 

©er ©runbbegriff , ber 3luögangdpunft ber jol^anneifd^en 
e^riftologie ift ber jübifd&e ßl^riftuögebanfe. 3u jeigen, bafe 
Sefus ber e^riftuö, ber ©ol^n ©otteö ift, baö ift baä 3tcl be& 
eoangeliumö, 20, 31. SBon ber 3lnfnüpfung ^x^ ben ©^rijiuö- 
gebanfen wirb bie Unterfud^ung bal)er augjuge^en t)aben. Slud^ 
bie aibfid^t, bie ben SBerfaffer bei ber 3lnfnüpfung an bie SogoS:^ 
lelire leitete, läfet fid6 nidfet auö bem 3lnfang beö ®üangelium^ 
attein feftftetten. SDie golge biefer aKetf)obc ift bie, bag xa^Xi 



1) S^gl. .<Qol^mann, SReuteftamentlid^e X^cologie n, 368. SSeiafäder, 
2)a§ ojjoftoIifcS^e Seitarter, 530 f. 

2) ©glatter, %tx ©taube. 1. Slufl. @. 5. %xm. i. 

3) $8gl. l^ierüber neuerbingö ©d^latter, ®ie ^araUelen in ben SSorten 
3efu bei gol^anneS unb SJlattl^äuS. (33ettTäge, II. S^i^rgang, 5. §eft.) 



— 3 — 

naäi einem aus bem beginn bed Sud^cö fcftgefefetcn ^xozd aUeö 
golgenbe etflärt, enltüebet gemattfam naö) biefem ^xoed beutet, 
ober xmbetüdfi(|tigt läfet. 

3)ie Slbjtd^t, bie man in bem ©üauöelium etfenut, bebingt 
bie ©teHung, bie man i^m in bet ©ef^id^te giebt. 3Ke^t als 
bei irgenb einer neutejiamentlid^en ©(^rift l)äugt beim ^o^anneö- 
eoangetium bie ^rage na6^ bem SBerfaffer unb ber 3^it mit ber 
X^eologie, befonberß mit bet ß^rijiologie beö ®oangettum§, ju^ 
fammen. S)ie 3)atierung beö ©oangetiumö ^öngt faft auö? 
fd^lie^tid^ von ber grage ab, in roeti^er 3cit «tan bie ß^tiftologie 
beö SSud^eö motioiert unb t)erfiänblid& finbet. 

Sie folgenbe 2)arftetlung fe^t ben jof)auneif($en Urfprung 
beö vierten ®oangeliumö unb ber "^oifanm^bxk^e oorauä. 3)ie 
Unterfud^ung ift oou biefer SBorauöfe^ung unabl^ängig, aber bie 
Stefultate ber biblifd^-t^eologifd^cn 3lrbeit fpred^en bei Seantroortung 
ber fritifc^en fragen emfci&eibenb mit. Bä^on baö SSer^ältniö ber 
io^anneijcöen ß^riftologie jum jübifd^en ß^rifiuöbitbe ift bebejitfam 
für bie Datierung beß ©tjangetiumS. 

Unter aßen neuteftamentUd^en ©(^riften roirb man am 
menigften bem jol^anneifd^en ®oangelium burd^ eine ftatiftif(^e 
@jegefe, bie fid^ auö ©injelunterfud^ungen jufammenfe^t, geredet. 
6§ l^anbelt fid^ um eine l)ijiorifd^e unb nid^t um eine p^itologifd^e 
Unterfud^ung. 3)ie 2lufgabe roirb nur burd& eine jufammen^ 
faffenbe organifd&e Sieprobuftion gelöft. 3Bie bie ©ebanfenbilbung 
beö So^anneö ein eigentümlid&eö 3i«^inanber von 3inbuftion unb 
©pefulation jeigt, fo ifi ein fold^eß aud^ bei ber SBiebergabe 
feiner ©ebanfen erfovberlid^, mobei jtd^ über baö 3Sorn)iegen beö 
einen ober beö anbern ©lementeö von Dornl^erein nid^tö auö^^ 
mad^en läfet.^) 

^) ^on ber Sittetatur finb mir ber jweite S3anb ber ©inreitung in§ 
^em 2:eftament öon 3a^n unb bie Sd^riften öon Sd^tatter, ^u§(egung be§ 
Sol^anneSeöangeliumö, ©alw unb Stuttgart 1899, ^ie ^araHeren in hm 
aöorten 3efu bei So^anne« unb 9)latt^äu§ (S3eiträge, II. Sal^rgang, 5. §eft) 
unb ber auffaßt ^er S3rud^ Qefu mit ber ^w^cnfd^aft in ben Drelli ge* 
Wibmeten ^b^aubtungen : „3lu§ ©d^rift unb ©efc^id^te" erft beim ^bfd^Iug 
be§ SJianuffripteS sugegangen. ^od^ waren nod^ einjefne 9lac§träge unb 
^luSeinanberfe^ungen mit biefen ©d^riften, bie in ber ßitteratur über ha^ 
Soi^anneSeöangelium eine bebeutenbe Stellung einnel^men, möglid). 



per §of^n #otte$- 

2)cr ©runbbegriff ber jol^anncifd&en ©l^rifloloflic iji bcr 
öcgttff : ©ol^n ©ottcö. 35ie öcjeid&nung ifl bef anntlid^ mcffianif d& 
unb aud& bei 3fol^anneö burd&auö f^nonpm bcm ©l^tifluÄtitel/) 

Dgl. 11, 27 rxt; f? XQiarog 6 viog rnv dsov, 20, 31 ^Itjaovg 

iativ 6 XQiaxog b vlog xov dsov, DgL im crfieii 33ricfc 5, 1 : 

^Ifjoovg iativ 6 Xgioxog mit SB. 5: l^aovg iativ 6 viog roü 

d^eov a[d bad ^efenntnid bed ®(au6end. 

35a6 ber öegtiff bei So^anncö Qtnan ebenfo mie im ganjen 
bleuen ^leftament bie 33afifi ber ©^riftologie ift, jeigt ber ©d&tug 
bed (Soangeliumd am ftarften: ^ad 3^^'' ^^^ SDangeliumd ift 
bie 33e9rünbun0 bed ©lauben«, bafe 3efu« ber ©J^riflu«, ber 
©ol^n ©otted ift. 3)em entfprid^t eö, wenn ber erfie 33rief alö 
ben entfd&eibenben 3lbfall t)on ber ©emeinbe bie SBerneinung ber 
aRefRanität 3efu bejeid&net, 2, 22. 8Q3ie in ber gefamten apofto= 
Ufd^en ©emeinbe bebingt a\xi) bei 3ol^annefi bad öefenntni« jur 
3Keffianität 3efu bie 3w9^^öriflfeit jur ©emeinbe. 

allein l^iermit ifi ber Slufibrucf nod& nid&t oerfianben. 3Rit 
roeld^em SRed^te 3efuö ber 5Rame bed ßl^rifiud, beö ©ol^neä 
@otteö gß'&ö^i^^ jeigen junäcjft bie SEBorte, in benen bie Über- 
tragung biefe« S^itefä auf Sefuö begrünbet wirb. Slm ©d&lufe 
beö (SDangeliumö, 20, 31, l^eifet eö, bafe bie im ©oangelium 
erjäl^lten 3^^^^^ gefd^rieben feien, Iva matsvfjts ort 'Ifjaovg 
iativ Xgiatog 6 vlog tov d^sov. 3)a3felbe Urteil fprid&t bafi 



») ^ie§ befttcitet ga^n, (Sinreitung 11, ©. 533. mdn aud§ bie mu 
faffenbften ^uöfagcn. über ben @o^n öJottc^ begrilnben hä 3o^annc§, 
warum i^m ber e^riftuöname gebührt, ^cn 33eweiö bafür fott bie gange 
obige ?lu§fü^rung geben. 



— 5 - 

SSoIf aus, 7/ 31 ; 6 XQtarog orav sldtj /urj nXslova atjfxfta 

noiTjasi &v ovTog noiet; 10, 25 beantwortet 3efnö felbfl bie 
fjtage, ob et bcr ß^tijiuö fei, mit ben SSBotten: r« sgya ä 

iydj noicS €V t^ ovi/uari rov natQog /uov, tuvtu /uaorvQft nsQi 

i/Liov. 3(n jToei ©teilen wirb baö wunbcrbatc SBiffen 3efu ald 
aJierfmal feiner 3Keffianität genannt. 1, 50 begtünbet bad 
rounberbare 2Biffen 3efu bei Slat^anael bad 33efenntniö: av d 

6 viog Tov &(ov, av ßaaiXfvg si tov ^lagai^X, 2)er gleite 
©d^IujS liegt 4, 29 DOt: Sevrs Idtrs uvdQtanov og sinev /lioi 
navra a inolfjaa fniJTi. ovrog 6(ttiv o Xgtarog] l^ietnad^ liegt 

bei So^anneö genau berfelbe ©d^lufe t)or wie bei ben ©rinoptifern : 
aus ben 3^'^^^/ i>^^ 3)laijt Sefu, fd^liefet man auf feine 
SReffianität, pe finb ber (Sr!enntniögrunb berfclben. 2)ie jol^an- 
neifd^e ßl^tiftologie ift genau mie bie ß^riftologie ber ©pnoptüer 
t)om SKefpaöbilb auö entworfen, fie ift burd^ Übertragung be3= 
felben auf ^efuö gewonnen. 2Bie bei ben ©pnoptifern ift aucj 
bei Sö^annes ber ©ol^n ber, ben ber 3Sater liebt, 3, 35; 5, 20; 
10, 17; 15, 9; 17, 23 ff. ©r ift ber ^eilige ©otted, b. ^. ber, 
ber ber SBelt entnommen ift, ber (Sott gel^ört unb ben ©Ott 
gebrau(ä&t, 6, 69; 10, 30. SDer ©ol^n liebt ben Sßater, 14, 31, 
unb bieö äufeert [x^ barin, bafe er feinen SBillen t^ut, 4, 34; 
5, 30; 6, 38; 8, 29. 46. 55; 15, 10. SDie erfüttung beö 
aBiffen« ©otteß alfo ift baö aWer!mal feiner ©ottcfifol^nfd&aft. 
3Bie bie Siebe 3^fw ju ©Ott nii^t verborgene, rul^enbe ©efinnung 
ift, fonbem fid& barin äufeert, bafe er ben SBillen ©otteö tl^ut, fo 
befielet aud^ bie Siebe ©otteö ju Sefuö barin, bafe ©Ott ben 
SBillen 3efu tl^ut, auf il^n l^ört, fein SBort mal^r mai^t (ogl. bie 
3flegel 9, 31). ©Ott giebt Sefuö feine SBerfe, 5, 36. Sefuö 
t^ut bie SBerfe ©otteö, 10, 37. ©ott ^ört i^n aaejeit, 11, 42.^ 
aSor allen S)ingen entfprid^t ber jol^anneifd^e ©ol^neögebanfc bem 
jübifd&en 3Kefftaöbitbe barin, bafe bie 2iotenauferwedhtng il^m 
übertragen ift: man erwartete t)om ©^riftuö bie ©rwedfung ber 
SCoten, ogl. 5, 21 ff., bef. 29; 11, 27. Sßad& bem jübifd&en 
ßl^riftuögebanfen ift ber gefalbte ^önig 3örael§ aud^ ber, ber 
©Ott nid^t nur Sörael, fonbem aud& bie SBBelt unterwerfen wirb, 



») S« fommt borldufig nid^t barauf an, bie ^rt, wie bicfer Sufammen* 
l^ong 3efu mit öJott gebadet ift, barjufteKen, fonbcrn nur gu äeigen, baß 
bie ^luSfagen bc§ goi^anneg über ben @ol^n bem iübifd^en (E^riftuögebanfen 
cntf|)red§en. 



— 6 — 

ber $crr, bcm ©ott bic SBBclt jum ©iflcntum gegeben l^at, für 
bcffen ^errfd^aft ©Ott fte fd&uf. ©ie gehört i^m, felbji wenn ftc 
il^m nod& nid^t ge^otd^t, eben beöroegen, weil fie ®ott gehört. 
@ie wirb ®ott untettl^an hnxi) ben ©^riftuö imb bem 6^rijiu§ burd^ 
©Ott. 5Diefeö aWerfmal beö ß^riftufibilbeö fie^t in ber nteffianifd&cn 
ißoffnung butd^ g}f. 2 oöttig fefi. 2)en SBotten: 2)u bift mein 
©o^n, idfe ^abe bid^ l^eute gejeugt, tolrb bort afe unmittelbar fidb 
barauf bauenbe Folgerung angefi^loffen : gorbere Don mir, unb idö 
roid bir bie aSötfet jum 6rbe geben unb bie ®nben ber 6rbe jum 
©igentum. 2lud& biefeö 3JJer!mal ber ß^riftuö^offnung erflärt 
eine Sieil^e oon Sufifprüd^en beö jol^anneifd&en ©oangeliumö unb 
ftellt i^ren Sinn unb i^re SBerbiubung mit bem ß^riftuögebanfen 
feft. 3n ben SBortcn beö Käufer« 3, 35 fd^lie^t fid^ ben 
SBorten: ber Sßater liebt ben ©o^n, alö felbftoerftönblid^e gort- 
fefcung bas 39e!enntni§ an: unb er ^at aUe« in feine ^anb 
gegeben. @§ ift ganj roidfürlid^ unb burd^ ben ßwfammenl^ang 
in feiner SBeife begrfmbet, einjutragen: „35ie ganje 3luöfü^rung 
beö göttlid^en ^eilöratfdbluffeö/' wie SEBeife, $ol|mann u. a. er- 
flären. S)ie ©rflärung, bafe er i^m bie 2Belt jum ©igentum 
übergeben, if)n jum ^errn ber Sffielt gemad^t ^at, mirb nid^t nur 
burd^ ben SKuöbrud! felbft, fonbern aud^ burd& ben jübifd&en 
3Keffia§gebanfen, bem biefer 3^0 mefentlid^ ift, geforbert. 2)er 
gleid^e ©ebanfe mirb 13, 3 au3gefprod6en : navra eScuxsv aii^ 
nuxriQ sig rag yuQag. 3)ie SEBorte brüd^cu in gleid^er Seife 
baö ßl^riftusberou^tfein au§, mie 3Rattl^. 11, 27 navx(s. fioi 
noQsSo&f] V7i6 Tov nargog /uov, unb fo roittfürlid^ eö ift, bie|e 
SBorte in irgenb einer SBeife einjuf d&ränf en , etioa burd^ ben 
3ufa|: „alles, maö jur 2lu«fü^rung bed göttlid^en ^eite- 
ratfd^luffes gehört" (SBeife),^ fo mittfürlid^ ift eö aud^, bie jo^an^- 



») ßbcnfo beutet ^ol^mann, 9ieuteftamentUd^e S^l^eologie I, 274 f. 2)ie 
SBorte lönnten fic^ „fd^werlic^ auf bic Übergabe be^ SBeltregimente« an 
gefuS beäie^en", „nad^bem ®ott foeben als iperr §imme(ö unb ber @rbc 
bejeid^net war." SJreilic^, wenn bie „Übergabe beö SBcltrcgimente«" on 
Sefu§ im ©cgcufa^ baju ftünbc, ha^ öJott §err be§ §immel§ unb ber 
(Bxhe ift, bann würbe nid^t nur bic borl^crgel^enbc (Erinnerung l^ieran, 
fonbern ba§ gange (SJotteöbewufttfein 3efu ein folc^eS SBort unmöglich 
machen. 9?un aber fte^en beibe 33efenntniffe für hk 5lpofte( nid^t im ®egcn* 
fa^ ju einanber, fonbern fie finb laufal miteinanber öerbunben. GJerabc 
weil ÖJott ber §err ber SBelt ift, fo ift e§ auc^ Scfuö, unb burd^ ScfuS 



— 7 — 

tteif^cn SBottc mit anbctcm 3Kafeftabc als bem ©^riftuöberoufetfcin 
3U tncffen unb jlc alfo cinjufi^Tättfcn. 3lu(^ baö ift falfd^, il^rc 
SSebcutung auf baö 3Ka§ l^eTabjubrüdcn, tocld^eö an etnpirifd^er 
•SBcltl^cnf^aft im ßcbcn 3cfu fid^tbar mitb. 3Kan octfcnnt bamit 
ten ©laubcnfiaft, bcr in biefcm änfptud^ liegt. 3)a§ Urteil ift 
ttii^t bem (Stabe angepaßt, in bem bie SBelt tl^atfäcjlidö Sefuß 
iitttett^an wirb, fonbetn e§ ftüfet [x^ auf ben ©otteögebanfen : 
5Die SBelt gel^ört Sefuö, roeil ©Ott fte i^m gab. 3ln ©ottes 
^ad^t wirb 3«fu S3eftfe gemeffen. 8Ba§ ®ott gel^ött, gel^ött au(J 

^efuö. Sßgl. 16, 14: ndvTa oaa €/€i 6 naTTjQ e/na iariv. 

17, 10 enti^ält bcibe Seiten biefeö Urteite: xai t« i/Lia navra 

3)ieö ift aber tbtn ber ^nl^alt ber jübifiä^en g^riftuöl^offnung : 
©Ott unterwirft fid^ bie Sffielt burd^ ben Äönig, unb ber ^önig 
xintermirft fi($ bie 2Belt burd^ ©otteö SKad^t : inbem fic bem einen 
fiel^ört unb gel^ord^t, geprt unb gel^ord^t fie anä) bem anbern. 
9lud& bem Silbe von bem Wirten unb ber $erbe liegt baö 
^l^riftuöberouMcte ju ©runbe. 2)aburd§ unterfd^eibet fid^ ber 
^irte oon ben aWietlingen, bafe bie ©d^afe fein ©igentum finb. 
©ie gel^ören il^m, f(^on el^e er in bie ^ürbe tritt, unb a\xi) bie, 
Jbei benen er je^t nid^t ift, gel^ören i^m bod^ f(^on jefet. 9lur 
weil fie i^m gel^ören, fo gel^ord^en fie il^m. 

SDenfelben ©ebanfen brüdt in ber 5Rebe be§ Xäuferö 3, 29 
ias S3ilb t)om Sräutigam auö. Sie SRebe ift eine aintroort auf 
ben 33erid&t ber jünger bes 2:äuferö: alle fommen ju t^m. 
^ieö miß fie erflären unb red^tfertigen. ©ö mürbe nid^t ge- 
fd^e^en, menn eö nid^t SBille unb 2Bir!ung ©otteö märe. Sefuö 
^at fid^ bieg nid^t „genommen", eö ift nid^tö fünftlid^ ©emad^teö 
unb ©efud^teö. 6ö ift i^m gegeben au§ bem ^immel. 3)en 
3;äufer oerläfet baö Sßolf unb ge^t ju Sefuö, weil nid^t er, 



bringt GJott fein Sdcid^. ^ic tönigSftdlunö Scfu begrenzt bie aScltl^errfd^aft 
<sjotte§ nid^t, ba fie ja nur in 3cfu ©cl^otfam gegen ©Ott begrünbet ift. 
%ie^ ju geigen, ift eines bcr bel^crrfd^cnbcn ^ntcreffen beS gol^anneg* 
©bangettumö, wie unten beriefen werben wirb. — ^ie SWißbeutungen be§ 
2Borte§ ftammen entweber bal^er, bag man bie SJereinigung beSfclben mit 
bem QJotteSgebanfen nid^t erfennt, ober bal^er, ba% man e§ an ber im 
gefd§i(3^trid§cn Seben 3efu erlennbaren ©rfa^rung mißt, ^iefeg le^tere M^^ 
tjcrftänbnis ift im Sejt befproc^en. 9Jad^ „^iftorifc^er" SÄetl^obc barf ba« 
28ort nur nad^ bem (5]§riftu§gebanlen öerftanben werben. 



- 8 — 

fonbetn Sefuö ber ©l^tiftuÄ ifi. ,,SBcr bic 33taut ^at, bet ifi ber 
Sräutiöam." 35atau8, bafe boö 5Bott, fobolb Sefuö aufttitt, ft(ä& 
Dom S^äufct fort ju il^m g^ogen fü^tt, ift etfcnnbat, bafe et ber 
,,39räuti0am", ber ©l^riftuö ifi. Jlid&t fo wirb gcfd&loffcn: 
baburd^, bafe ftc ju il^tn fommcn, gcl^ören fte i^tn — vizlme^x 
ifi baö Äommcn bcd 3Solfcö ju 3cfuö ber ©rfenntnifigrunb feiner 
3Kefftanität : weil fie il^m gehören, fo fommen fie ju ü^tn. ©r 
ift i^r $crr unb Scfifecr, fcjon e^e fie ju il^m tarnen, ^iernad^ 
ift nun aud^ baö SBort 1, 11 ju beuten: eig tä l'dta ^kdsv xai 
Ol idini avTov ov naQeXaßov. SWau beutet biefeS SBort über- 
wieflenb auf ba§ Sßolf Sßroel.^) Stud^ wenn bieö ber gaff wäre, 
würbe bad SBort au3 bent ©l^riftuögebanfen Derftönblid^ fein, ja 
e§ wäre bann affein au§ biefem ©ebanfcn ju oerfie^en. 

Saffein^) 58. 11 ift paraffel 58. 10. mm ^at eingeroorfen, 
58. 11 fafle 58. 10 gegenüber nid&tö 5Reueö, wenn mit tu Uta 
ebenfaffö bie 5Belt gemeint fei.*) Snbeffen beibe 58erfe bejeid^nen 
ben unnatürlid^en Sl^arafter bed Unglauben^ ber 5lBelt naSi jtoei 
üerfd^iebcnen ©eiten l^in: bie 5Belt na^m ü^n nid&t auf, obgleid^ 
fie burd^ il^n gemacht mar unb obgleid^ fie fein ©igentum mar. 
greilid^ Rängen beibe ©ebanfen jufammen. Slber fie finb nidftt 
ibentifd^. ©ie merben in ber neuteftamentlid^en ©l^rifiologie aud^ 
fonft nebeneinanber geftefft. 2)er jmeite ©ebanle, bafe bie 9Befl 
bas eigentum beö ßl^riftud ift, f^liejst ben erften nod^ nid^t 
unmittelbar in fid§. ©r brüdft einfad^ ben Snl^alt beß ©^riftu«^ 
gebanfenö aw^. 3in bem ©ebanfen aber, bafe bie 5Belt bem 
9JJeffia§ gel^ört, liegt no(^ nid^t, bafs er fie gemad^t l^at. Slfo 
ift 58. 11 aud^ bann, menn man unter r« Uta bie SBelt Derfie^t, 
feine SBieberl^olung. 58ielmel^r fann 58. 11 nur alö ^araffele 
JU 58. 10 gebeutet merben unb r« Yöia bejeid^net bie 5!Bclt, t)on 
ber biöl^er affein bie 3lebe mar. 3)er ©ebanfenfreiö ift unioerfa- 
lifiifd^. greilid^ ift er mit bem ßogoögcbanfen in 58crbinbun8 
gebrad^t, affein er ift nid&t etma erft auö bemfelben t)erflänblid^. 
58ielmel^r fagt er bur(^auö nid^t me^r, afe bie Stnmenbung be« 
G^riftuögebanfenö auf Sefuö ergiebt: bie 5BeIt ift fein ©igentum. 



*) 5Sgr. j. S3. §amad a. a. D. ©. 220. SBciß j. b. @t. 

>) Sßgl aud§ ipol^mann j. b. @t. unb aSeigfödEer a. a. D. 520. 

8) S8albcnf|)crger, ^cr Prolog be§ biertcn @bangerium§, @. 18, fc^riegt 
üuS fel^r ungurdd^enbcn iBeobad^tungen, „bag ot Utoi in ben frommen 
Reifen eine ftcl^enbc SScjcid^nung für baS SubenöoK geworben war." 



— 9 — 

2)aö SBott T« idia feiert ou(^ itn 33ilbc t)om Ritten unb bcr 
iQCtbe toicbct 10, 3 f. 12. — 1, 11 jcigt aber beutlid^, n)ic baö 
Urteil, bafe bie SBelt boö ©igentum 3efu tft, in feiner SBeife 
baoon abl^ängig ift, ob fie il^m gel^ord^t. 3)ie 9)lenfd^en werben 
fein ©igentutti genannt, obgleich fte i^n nid^t aufnehmen. @ben 
weil biefer ©ebanfe ben ©laubenßaft in jld^ f^ä&liefet, wirb er 
feineönjegö bur(^ bie ^Beobachtung burd^freujt, bafe in anberen 
SBorten nur biejenigen, bie gläubig geworben finb, als fold^e 
3efu ©igentutti genannt werben, ogl. 13, 1. %üx jxe ift bafi 
©laubenöurteil jum ©rfa^rungöurteil geworben, wä^renb baö 
Urteil, bafe bie ganje SBelt 3efu ©igentum ift, jur 2Birfli(^feit 
in berjenigen Spannung fielet, bie eö eben junt ©laubenö- 
urteil mad^t. 

hiermit finb auö bem begriffe: @o^n ©otteö nur bie^ 
jenigen SJiomente ^eroorgel^oben; bie ber ©i^riftuögebanfe in fid^ 
fd^liefet unb in benen bie jol^anneifd^e ©l^riftologie bie ©^riftologie 
ber ©pnoptifer nid&t überfd^reitet. 5Rur wenn man bie fpnoptifd^e 
ß^riftologie willfürlii^ einfd^ränft unb nid^t nad& bem jübifc^en 
9Keffiaöbilbe beutet, fann man bicö oerfennen. 3lu(^ bei ben 
©pnoptifern wirb Sefuö an feiner SWad^t alö ber oon @ott jum 
^erm ber SBelt beftimmte 6^rifiu§ erfannt. ©ß ift aud^ für bie 
fpnoptifd^e ©l^riftologie eine SSerfennung beö im S3efcnntni9 jur 
aWeffianität 3efu liegenben ©laubenö, wenn man befiniert, 
baj3 Sefuö ber 3Reffiad nid^t fei, fonbern bafe er jum SKefflafi 
nur beftimmt fei. 3)a er oon (Sott baju beftimmt ift, fo 
bel^anbelt er feine SKeffianität nid^t alö rein jufünftig, fonbern 
mit bem Flamen giebt il^m ©Ott baö 3leid^. B^^^f^g ift nur 
bie Offenbarung feiner 9)leffianität. 

3)ie Übereinftimmung erftredt fid^ nod^ auf einen anbern 
^unft. Slämlid^ aud& Sol^anneö leitet wie bie ©pnoptifer bie 
©otteöfo^nfd^aft 3efu auö bem ©eifte ©otteö ab. 1, 33 f. be= 
grünbet ber Säufer fein B^^gniö, bafe Sefuö ber ©o^n ©otteö 
fei, bamit, ba§ er ben ®eift f)abz auf il|n l^erabfommen feigen. 
2)er ju ©runbe liegenbe ©c^lufe ift alfo ber: wer ©otteö ®eift 
l^at, ber ift ©otteö ©ol^n. 2lud^ in bem äBorte beö ^läuferö 
3, 34 wirb bie SBebeutung S^fw barauö erflärt, bafe @ott i^m 
feinen ©eift gegeben l^at. 33. 34 fagt, bafe Sefuö, weil ©Ott il^n 
fanbte, ®otte§ SBorte rebet. 35ieö wirb bamit begrünbet, ba& 
©Ott ben ©eift o^ne 3Wa6 giebt. SDafe er ©otteö SBorte rebet. 



- 10 — 

ettl&xi ^x^ batauö; bafe et bcn ßanjcn ©cift ©otteö empfangen 
l^at. ®r ift bct XxäQei beö ©eifieö ©otteö. 35atum rebet er 
nid^t ,,auö ber erbe". aSgl. SB. 31. 

®erfel6e ©ebanfe erflärt baö SBort 6, 63 t6 nvtvfiu ianv 

ro l^(oo7ioiovv, ri (Juq'% ovx (oq)Xft ovSiv. ®a3 SBott foff ben 

3lttfio6 befcitigen, ben bie Sänget an bet DOt^etgel^enben 3tebe 
ncl^men, an bet Sel^auptung bet lebenfd^affenben SWac^t feines 
gleifd&eö. 2)aö SBBott ifi abet felbftüetjiänblic^ nid&t ate SRegation 
bet biöl^etigcn Sluöfül^rung, fonbetn ate beten ©tHätung gemeint, 
€ö foll alfo crflätcn, roatum bem gleif^e 3efu eine foK^e Ättoft 
innerool^nt. 2Bie getabe biefe ©teile jeigt, empfängt au(^ bei 
Sol^anneö bet SBegtiff feine 39ebeutung butd^ bcn ®egenfa| gegen 
nvev/Lia, SBBenn man 1, 14 unb 1. Sol^. 4, 2 einetfeitö t)er- 

gleid^t unb anbctetfeitö 3, 6: ro ysyewrifjiivov ix rtjg caQxog 

ca^i i(TTiv, mo ebenfattß nvsvfla ben ©egenfafe bilbet, fo ift 
etftc^tlid^ , ba§ aag'^ bei Sol^anneö fo wenig alö bei ^aulud 
,,einen au§ itbifd^em §leif(^ beftel^enben 3Wenfd^enlcib" bejeid&net, 
loie 5)8fleibetet befiniett/) fonbetn bafe es bie ganjc menfd^Iic^e 
3ltt, baö menfd&Ii(^c SBefen bcjeid&net, ogl. aud& 17, 2. 2)iefeö 
gleifd^ als fol<^eö roitft ni(|t Seben, fonft roäxt jene leben- 
fdfeaffenbe SBitfung ni(^t 3efu eigentümlid^ , benn fein gleif4 
fein menfd&Iid&cö SBefen teilt Sefuö mit bet gefamten 2Renfd&l^eit. 
2lbet nut 3efu gleif(^ übt jene 2Bitfung am. Sffiaö alfo Scben 
fd^afft, baö ift nid^t baö gleifd^, fonbetn bet (Seifl. ^ietbutci^ 
mitb bet ootl^etgel^enbe ©ebanfe in folgenbet 3Beife etflätt: 
toenn baö %ld\i^ 3efu &tbtn fdbafft, fo liegt baö nid&t am 
gleifd^ als fold^em, fonbetn am (Seift. 3)ct ®eift ift es, bet 
but(i baö gleifd& ^efu Seben fd&afft. SDaS gleifd^ 3efu ifi baö 
aJlittel, but(| meld^cs bas Seben allein gemitft mitb:*) maS aber 
butd^ baö gleifd^ ^efu bas Seben mitft, bas ift bet ©eift. SJBcil 
but(^ bie 5D?enfd^l^eit, bie menfd^lid&e 9ltt ^efu, bet ©eift mitft, 
f f(|afft fie Seben. 9llfo aucj in biefem SBotte ift bie Sebeutung 
Sefu aus feinem ©eiftbeftfe etflätt. 2lls SCtäget be« ©eiftcä 
loitft et in feinet menfd^lid^en Sttt. 

3n biefen SSBottcn ift nut auöbtü(fli(| auSgefptod^en, was 
fidb aus anbeten 2luöfagcn als il^te SBotauSfefeung etgiebt. S)er 



') Urc^riftentum, @. 258. 

2) tiefer (SJebanfe wirb f|)ätcr feine ©rlduterung flnbcn. 



— 11 — 

©tfenntniögrunb ber 3Kcffiiamtöt 3cfu ift audfe bei Sol^anneö bic 
3Ka(|t fcincö 2Bortc9 unb feiner Xi)at, übernatürlid^eö SSBiffen 
itnb übernatüTli(^e 9Jlad^t. S)iefe beiben nun finb na(| bent 
allgemeinen Urteil ber apoftolifd^en ©emeinbe bie SBirfungen beö 

©eifteö.O 

2)a§ SSerl^dltnid ^t\\x jum ©eifte nadfe bem jol^anneifd^en 

@t)angelium wirb fpäter no(| weiter unterfud^t werben. 2ln 

bicfer ©teile fomntt eö nur barauf an, bie 39ebeutung beö 

©eiftbeRleä für bie Übertragung beö ©ol^neönamenö feftjuftellen, 

iinb jroar fo weit feftjuftellen, afe fie Rd^ mit ber f9noptif(j^en 

€^riftologie bedt: 3efu« ift bet ©ofin ©olteö, ber e^riftuö aU 

ber 2^räger bes ©eifteö. 9lu(^ bie Semerfung t)on ^olfemann,^) 

bafe baö oon ^o^annes mel^rfa(^ fieroorgel^obene ,,39leiben" beö 

©eifteö etxoa^ 5Reueö fei, ift ni(^t begrünbet. 3lu(^ bie ©pnoptifer 

benfen nid&t nur an ,,momentane unb ftofeweife ©inwirfungen 

bed ©eifteö".^) ©ie leiten aHeö ^anbeln unb SReben 3efu, feine 

ganje ^Perfon t)om ©eijie ©otteö ab: 2)urd^ ben 33efi| beö 

©eifteä ift er ber ©^riftuö. 8Ba§ bebeutet bie 3Kitteilung beß 

©eifieö in ber ^laufe anbereö, als bieö, bafe SefuS jum S^räger 

bed ©eifteö wirb? 2)a ber ®eift baö 33anb jwifd&en ©Ott unb 

ilWenfd^ bebeutet, fo f(^lieJ3t fi(| au(ä& bei ben ©pnoptifern an 

ia^ Äommen beö ©eifteö fein Sleiben. Ober benfen fie fidfe 

etwa bie ©emeinfcjaft 3efu mit ©ott nur „momentan unb fto6= 

weife", unb nid^t Dielmel^r bleibenb? 

Slud) ber 2Biberfprud& ber beiben S^aufberid^te ift fünftlid^ 

eingetragen. SSBenn nod^ So^anneö ber 3;äufer a\i^ bem auf 



^) SSgl. ®unfe(, 2)ic Söirfungcn he^ ^eiligen QJciftcö unb @(3^lattcr in 
ben ©xeifswalber ©tubien, ©. 101; cbenbort ©. 216. 

«) II, 459. * 

*) ®iefe üRigbeutung ber fgnoptifd^en d^riftoloöie pngt bamit 
^ufammcn, baß man feit ber @d§rift öon ®unfc( ben ncuteftamentlid^en 
©eiftgebanfen cinfcitig unter ba§ SWad^lfd^ema fubjumiert. ©d^on ber 
^mitt %eil be§ 8u(^e§ öon QJunfel beweift, bag fid^ ber paulinifd^e GJeift* 
^thanU fo nid^t berftel^en lögt. Stm Harften geigt fid§ ber ?lbftanb ber 
^un!e(fd§en Klärungen t>om paulinifd^en ^ebanlen barin, ha^ er nid§t gu 
€r!laren öermag, ha% ba§ Seufjen auS bem Reifte ©otteS ftammt. ^enn 
biefe§ 3Bort ift bei $aulu§ nid^t gelegentlich, fonbem ftel^t an entfd^eibenber 
©teile unb bie öon ®unfel gegebene ©rllärung jerreigt ben 3ufammen]§ang. 

gür bie ©l^riftologie ift e§ öerl^öngniSöoK, baß burd§ biefen öJeiftgebanfen 
bie „©ntdußcrung" S^rifti ööllig unöerftänblid^ wirb. 



— 12 - 

Scfuö l^crabfommcnbcn ©cijie f(ilic6t, bofe 3efu3 bcr (So'^n 
OottcS ifi, fo ift cö loibcrfinnig, bcm ©üangclißcn bcn ®tbanten 
untetiufd^icben, bafe bic 2iiufe bei tl^m nid&t mel^t für Sfefuß, 
fonbctn nur itod^ für bcn 2^öufer Scbcutung l^abc. SBie fönntc 
bad ^crabfommcn bcö (Scifteö auf gcfud feine SBebeutung für 
Sefus felbft l^aben! SBicImel^r fe|t bod^ ber ©(ä^lufe bed 2;äuferö 
beutlid^ ben ©ebanfcn Dorau«, bafe 3efu3 burd^ ©otteö &eift 
©otteö ©o^n ift. 2)ieö ift genau berfelbe @eban!e, ber fid^ bei 
ben ©pnoptifern finbet.*) 2)er ©^riftuögebanfe iß alfo wie bei 
ben ©pnoptifern bie 33afi§ ber jol^anneifd^en ©^riftologie. 3tn 
allen biefen ©tüden überfd^reitet bie jol^anneif(i^e ß^riftologie bic 
ftinoptifd^e nid^t. 

Mein ber ©ol^neögebanfe etl^ält bei Sol^anneö nod& eine 
roeitergefienbe ©riförung unb SSegrünbung. 6ö fragt fid^ nun, in 
roeld^em 3Serl^ältniö biefelbe ju bcrjenigen gorm ber ß^riftologte 
ftel^t, bie bei ben ©pnoptifern t)orIiegt. 3Son einer boppeltcn 
Sebeutung beö 9luSbrudö ;,©ol^n ©otteö" bei Sol^anneö ju 
reben, l^eifet auf ba« SBerftänbnid feiner ©^riftofogie t)er- 
jid^ten.*) 5Run ift aber ber innere g^föntmenl^ang aller 3lu^= 
fagen über ben ©ol^n @otte§ bei ^^flönneö beutlid^ erfennbar. 
2)er ©el^orfam, ber au(| nad^ ben ©pnoptifern ^efuö afö beni 
©o^ne eigentüntli(^ ift, wirb bei ^ol^anneö in folgenben SBorten 



*) ^et eigenttt(3^e ®runb ber $o(emif ^ol^mann« liegt aud^ flor ni^t 
in ber gorm ber jol^anneifd^en ©rjöl^lung, fonbern in folgcnber Sfte^lcjioti: 
„3ft in (£l^riftu§ ber ßogo§ erfd^icnen unb ftammt feine l^öl^ere ©rlenntniS 
au§ feinem borgefc^id^tlid^en ©ein beim 58ater, fo öerliert boneben bie Xaufe 
i^ren eigentlid^en Snl^alt. 68 bebarf feine§ nad^gel^enben ®eburt§momcnte§ 
feiner (SJotteSfol^nfc^aft; fein öon Anfang an übermenfd§lid§e8 SScnjufetfein 
lann feine Steigerung burd§ öJcifte^begabung erfal^ren." 3)iefe gonje 
^olemil berul^t, wie fid§ geigen wirb, auf einem burc^gel^cnben EJHS* 
öcrftanbni§ ber jol^anneifd^cn ©l^riftologie. @d§on bie f^noptifd^e Sl^riftologie 
wirb burd§ biefe 5luffaffung ber QJeifteSmitteilung befanntlid^ ben meiften 
unberftanbli(3^. ^ol^mann bemerkt: „^ungfraugeburt unb ^orbantaufe finb 
Doppelgänger, bie fi(3^ eigentlid^ auSfc^liegen." greili(3^ ift biefe ^tif l^er^ 
öorgerufen burd§ Deutungen ber ®eifte8mitteilung, bie fid§ au§ ber ©in* 
tragung ber mobemen fogcnannten fenotifd^en S^riftologie in bie ©bangelien 
erlldren. 

2) iBalbenfperger ©. 159 fonftatiert brei öerfd^iebene (j^riftologifd^e 
S3etra(^tung§weifen, ol^ne aud§ nur einen §Berfud§ ju mad^en, bie ßinl^eit ju 
er!ennen. ©ein Sntcreffe erfd^öpft fid^ in ber ©rforfd^ung anberer 3"^ 
fammenpnge. 



— 13 — 

bcf^ticben. 5, 19: 3)er ©ol^n fann nid&td dou ft(i^ fcl6fi aud 
tt)un, Tocnn er nid^t ben Sßatcr etwas tl^un fielet. SB. 30: 3d^ 
fann ni(ä^td t)Ott mir felbft aud tl^un, wie id^ ^öre, rid^te iä^. 
1, 28: Sßon mir felbft auö bin id^ nid^t gefommen, fonbem eä 
ift ein SJBa^r^aftiger, ber mid& gefanbt l^at. 8, 28: 3d& tl^ue 
nid^tä Don mir felbft, fonbem mie mid^ ber SBater gelehrt l^at, 
baö rebe id&. 35. 42 : 3d^ bin nid^t oon mir felbft aus ithxtmtxi, 
fonbem jener ^at mid^ g^f^^i^t. 12, 49: 3luö mir felbft ^erauö 
\iOibt id§ nid&ts gerebet, fonbem ber Sßater, ber mid^ fanbte, ber 
l^at mir Sluftrag gegeben. 14, 10: 35ie SJBorte, weld^e id^ ju 
eud& rebe, bie rebe id^ ni(^t oon mir. 2)iefer Sieil^e oon SBorten 
ift ber (Segenfafe: nid^t oon mir auö, fonbem oon ©Ott l^er — 
cigentümli^. 3)em SReben, ^anbeln, Äommen oon (Sott l^er 
fte^t ber Urfprung ber aiftion ^cfu oon ftd^ felbft aud ate ein 
©egenfafe, ber l^ierburd^ auögefd^loffen wirb, gegenüber. 3)ie 
SBenbung ov^ afp' eavrov finbet ftd6 bei Sol^anneö jroeimal ol^ne 
eine Sejiel^ung auf 3efuö. 11, 51 wirb oom ^oi^enpriefter 

gefagt: rovre äi afp savTOv ovx einsv, dXXa dQ)^i€QBvq coV xov 

iviavTov ixslvov snQOfpfixevasv, @egenfa| jum SReben oon ftd^ 
felbft aus ift l^ier bad SBeißfagen, b. ^. ba§ SReben auö Sn^ 
fpiration, auö bem ©eifte ©otted. 3)aö 2Bort entftammt nic^t 
feinem eigenen SBeioufetf ein , fonbem c§ mar ein gegebenes, 
empfangenes. ^I^nlid^ wirb bie Sffienbung 18, 38 gebrandet: 

dq)' eavTOv av tovto Xdyeig, ij aXka aoi emov negi i/nov. 

3)aS SBort entftammt ni(^t il^m felbft, fonbem anberen. 2)aS 
ei^arafteriftifd^e an biefer SRei^e oon 2Borten ift bies, bafe ber 
Urfpmng ' „oon ftd^ felbft" jum Urfpmng „aus ©Ott" in 
©egenfafc gefiellt mirb: feine SBorte ftammen aus ©Ott, fofern 
fie nid^t aus il^m felbft ftammen. 3)ai5 SBort unb 2:i^at Sefu 
il^ren Urfprung in ©Ott ^aben, fd&liefet ben Urfprung aus bem 
S3emu6tfci« 3efu aus. 3)aS Sßer^ältnis ift alfo nid&t fo oor^ 
gefteHt, bafe Sfefus aus ©Ott ftammt unb besmegen aud^ inbireft 
alles, was er fagt unb tl^ut. Diefer ©ebanfe ift burd§ bie auS:: 
brüdflid^e SRegation: „nid^t aus mir" auSgefd^loffen. SBielme^r 
ftammen Sffiorte unb 2^^aten S^f« '^^^^^^ ^«^ gegenwärtig aus 
©Ott. aSBir l^aben jwei SRei^en oon SKusfagen: feine 3Borte l^aben 
nid^t i^ren Urfprung in i^m, fonbem in ©Ott, er rebet, was 
©Ott il^m fagt, er ift infpiriert, unb feine SBerfe ftammen aus 
©Ott, ftnb burd^ ©ottes SBitten unb äBirfen begrünbet. Unb 



— 14 — 

gioar cntfpringcn olle feine SBotte unb alle feine SBcrfc ouö 
©Ott, et fonn gar nid^tö ol^ne ©Ott. 3n jroei SBotten wirb 
nid^t blofe Don ben Sffiotten unb SBerfen, fonbem t)om Qe^amten 
9luftrcten, t)om „kommen" ^t\n gefaßt, bafe e« nid^t il)ttt fclbfi, 
fonbem ®ott entftammc, nämlid^ 7, 28 unb 8, 42. 

2)a6 3efu6 nicjt oon jtd& felbft l^er gefommen ift, rotrb an 
ber erften ©tette burd^ ben ©cgenfafe erläutert, bafe er oon &ott 
f)tx ift unb ©Ott i^n fanbte. 3lud6 an ber jroeiten ©teile 
begrünbet bie 3U)roeifung beö ©ebanfend, bafe er oon fid^ felbft 
l^er fottime, bie SBerftd^erung, bafe er oon ©ott ausging. ^ier= 
nad& erhalten wir ate ©cgenfa| jum Urfprung 3fefu auä &ott 
ben be§ Äommenö oon fid^ felbft ^er. ©ein gefamted 9luftreten 
cntfpringt ni(|t feinem eigenen SBillen, fonbem ifi in @ott 
begrünbet. ©iefeö ©enben ©oited ifi alfo nid^t afe ein bem 
gefd^id^tUd^en Lebenslauf 3efu gegenüber oergangeneö, in feine 
^räejiftenj jurüdEreid6enbefi gebadl^t, fonbem ald ein feinem 
gefd^id^tlid^en auftreten gleid^jeitigeö , alfi ein baöfelbe bireft 
begrünbenbeö. ©ott ift ber fein 2luftreten bireft unb gegenwärtig 
^eroorrufenbe. 3n bem SBorte 12, 49 fefet Sefud bem SBefenntniö, 
bafe er nid^t oon fid6 felbft gerebet l^abe, bie SBorte l^inju: 
fonbern ber 3Sater, ber mi(^ fanbte, felbft l^at mir ein ©e6o/ 
gegeben, load id§ reben unb roaö id^ fagen foH. 3)aö 5ßerfetam 
fann fid^ nid^t auf bie ^räeEiftenj ^z]u bejiel^en, fonbem eä 
bejie^t fid& auf bie nun abgefd^loffene 3cit beö SRebenö 3fefu jum 
33olf: ^ier ^at er nid^t au§ ftd^ felbft gerebet, fonbem er ^t 
gefagt, roaö ©ott i^m geboten ^at. 35Jie l^ier ba« SReben, fo 
wirb 14, 31 ba§ 2^^un 3efu mit einem ©ebot ©otteö begrünbet: 
wie ber Sßater mir ein ©ebot gegeben l^at, fo t^ue id§. ©benfo 
finbet [xä) 15, 10: icb l^abe bie ©ebote meines SBaterö bema^rt. 

3n biefen äßorten mirb bie 39egrünbung beß 3lebend unb 
^^unö Sefu in ©ott genauer befd^rieben : fie oolljiefit [xä) burd^ ein 
©ebieten ©otteö unb ein ©el^ord^en 3>efu. aiHein eine anbere SRei^e 
oon SBorten läfet bie Slrt, roie baö JReben, 2^^un unb baö gefamte 
Huftreten 3efu auö ©Ott ftammt, nod& beutlid^er erfennen. S)ie 
Segrünbung beö SBirfenö ^efu in ©ott wirb l^äufig in ben 
2luöbrudf gefaxt, ba§ ^t^m ©ott fcfie unb ^öre. 3)er ©ebanfe 
finbet fid^ an folgenben ©teilen: 1, 18: &€6v ovSetg ico()ax6v 

TKonoTS' jiiovoysvrjg &€og 6 (ov ug xov xoXnov tov nar^og, 
e'AsVvog i'^fjy/^aaTO, 3, 11: o oidafj,ev kakov/Liev xai o icoQa- 



— 15 — 

jeafisv fiuQxvQOVfxsv, SB. 31 : o 6i€ Tov ovQuvov SQxoiLievog 
ecoQuxsv xai ijxovaBV fna^ivgel^. Ö, 19: ov dvvaxai o vlog 
noisiv «9* eavTOV ovdsv, äv /lij^ti ßkinfj rov nariga noi^ 
ovvra, 33. 30: ov ^vva/nfxL eyw nouiv an i/navTOv f)v6li^ 

xa&(og dxovco xgcvia. SB. 37 faßt ScfuS ju fciticn gcittbcu: 

ovTC qxavrjV avxov nuinoTe dxfjxoars, ovts sMog avrov 
efogaxars. 6, 46: ov^ ori tov nariga ecigaxiv rig, ei /ufj 
(OV naga tov d'sov, ovvog hcigaxsv tov d'eov, 8, 26: o 
nefxxpag fis aXTj&fjg ioriv, xdyta ä ijxovaa nag^ avrov ravra 
XaXw elg rov xoaf,iov. 8, 38: a eyoi> i(ogaxa naga T(p nargi 

XaXöS. aitt bicfcr ©teile ift bcr Oegenfafe lel^rretd^: xai v/ustg 

ovv a ijxovaars naga ro{5 nargog noetrs. SB. 40: dXi^d'eiav 
v/Liiv XskaXyjxa, i]V ijxovaa naga rov &€0v. SB. 47 l^eifet eö in 

einem attgemcin gültigen @a|e, bcr aber auf ^efus angewaubt 

toeiben foll: 6 wv €X rov d'eov rä g^j/nara rov deov dxovet ' 
6ia TOVTO v/usig ovx dxovere, ort ix rov d'eov ovx iari. 

S)em entfptid^t eine SReil^e von äuöfagen, bie baö aSet^ältnid 
T)on ber ©eite ©otteö auö befd^teiben. 5, 20: 6 yag narijg 

(ptXet TOV vlov xai ndvra öeixvvoLV avrfp a avrog noiet, xai 
/Lielt^ova Tovrcoy öef^ei avrt^ i'gya, 8, 28 : an if,tavTOv noito 
ovSev , akXa xadajg idida^ev f,ie b narrjg y ravra AaAco. 
12, 49: ^1 ifiavrov ovx ikdXrjfTa, dkV 6 nif-ix^jag f,i€ nartjg 

avTog jLioi ivToXriv SiöcDxev. 2)ie ttieiflen biefer SJBorte bejie^t 
man auf bie Sßtäepfienj 3efu. SKUein bei einigen ift bie§ nid^t 
möglid&. S)ieö gilt jebenfallö von benjenigen SßJotten, in benen 
audgefptod^en wirb, bafe baö 3;^un unb Sieben ^t\n nid^t in 
i^m felbft entfptingt, fonbem in @ott. 5, 19 n)itb bie 3lrt, wie 
Sefuä fein 2:i^un auö ®ott f(3&öpft, fo auögebrüdt, bafe er t^ut, 
roaö er ben SBater tl^un ,,fiel^t". ^ier fann felbftDcrftänblid^ nur 
von einem gegenwärtigen ©e^en beö X\)nm ©otteö bie SRebe 
fein, in bem baö gegenwärtige ^anbeln Sefu begrünbet ift. 3)em 
entfpricbt bie Segrünbung in SB. 20: 3)er SBater „jeigt" bem 
©ol^ne alles, roaö er felbft tl^ut. 35aö S^i^m ©otteS unb bad 
©el^en 3fcfu fäHt natürlid^ in ben gegenwärtigen Lebenslauf Sefu. 
@benfo liegt baö SBerl^ältniS 5, 30. $ier wirb von einem ^ören 
3efu gerebet, burd^ wel($ed er fein 2^^un, in biefem galle fein 
3tid&ten von ©Ott, Einnimmt. SttuS i^m felber ftammt fein X^nn 
unb alfo aud& fein SRid^ten nid&t. ©r empfängt es t)on ©Ott» 
2)ieS wirb fo auSgebrüdt: er rid^tet, wie er „^ört". Jtatürlid^ 



— 16 — 

tann aud^ l^tet bem ganjen 3ufammenl^ange nad^ nur t)on einem 
gegeniDättigen Q'dxtn bet Stimme ®otted, burd^ xoeUit^ bad 
Urteil 3efu bcgtünbet roitb, bie SRebe fein. 2)otin, bafe 3«fuö 
©ottcd Stimme „^ört", ift fein Sieben, barin, bafe er @otted 
£^at fie^t, fein ^anbetn begränbet. S)arum flammt ed nid^t aud 
i^m felbfl, fonbern aufi @ott, auö bem Fimmel. 

Slllein man erflärt bie meiften biefer SBorte, nömtid^ alte 
biejenigen, in benen bie SBorte 3efu über bad i^m eigentümlid^e 
$ören unb ©e^en ©otteö in perfeftifd^en ober aoriftifd&en SBen- 
bungen miebergegeben finb, t)on einem $ören unb ©el^en bcd 
^räcEiftenten. ©d^on baö wäre auffallenb, bafe bann mit bem- 
felben aiudbrud jroei ganj T)erfd^iebene SBerl^äÜniffe bejeid^net 
mürben. Unb jmar begrünbet Sefu« jebefimal bie Sebeutung 
feines Sffiirfenö auf biefe SBeife. ©ie Mre bann alfo in jmet 
fel^r Derfd^iebenen, miteinanber nid^t üergleid^baren fjormen be- 
grünbet. Snbeffen einige jener 3Borte jeigen beutlid^, bafe in ber 
ganjcn Slnfd^auung nid^t auf bie ^Präejiftenj jurüdgegangen mirb. 
8, 38 ftettt 3efuö fein aSer^dltnid ju ©Ott bem »er^ältni« ber 
©egner jum 2^eufel gegenüber. 2Bie er rebet, roas er von feinem 
SSater gefeiten l^at, fo t^un aud^ fie, maß fie von i^rem 95ater 
l^örten. SGBie Sefuö ©Ott gefe^en l^at, fo prten bie ©egner bcn 
2^eufel. (So ^anbelt fid^ alfo um oergleid&bare SBerl^ältniffe. 3n 
ber aoriftifd&en 58erbalform l^anbclt ed fid& felbfioerflänblid^ nid^t 
um irgenb ein t)orgefd^id&tli(|e§ ©reigniö, fonbern um eine in bie 
SSergangen^eit, aber natürlid^ in baö irbifd&e &tUn fadenbe ©in- 
mirfung beö ^leufelö. ©ie ift nid^t jeitlid^ i^rem gegenmdrtigen 
Sebcn ooraufgc^cnb gebadet, fonbern fie fommt „oon unten" l^er, 
auö bem 3enfeit§. SJergangcnl^eit ift bie ^i^fpi^^tion befi 2;eufeld 
nur gegenüber ber burd^ fie begrünbeten 2^l^at. SBie bie eine 
©inroirfung t)orgefteIlt ifl, fo au(^ bie anbere: in gleid^er SBeife 
ift in einer SBirfung ©otteö baß Xf^nn 3efu begrünbet. SEBie 
ber aiuöbrudE, fo ift aud6 bie aSorftcHung ganj bie gleid&e wie in 
bem aSJorte 5, 19. SBeife bcmerft: ,,35ad icooaxa barf nidfet 
wegen beö 5ßarallelidmuö mit bem ^xovaats oon feinem jeitlid^en 
aSerfel^r mit ©Ott genommen werben, ba ehzn, um ben Untere 
fd^ieb beö beiberfeitigcn SSerl^ältniffeö ju marfiercn, ber Sluöbrud 
rocd^felt." Sllfo ben SBed&fel beS SCempuö fü^rt aud^ SEBeife nid^t 
aU ©runb an, benn freilid^, wenn ba§ birefte unb gegenwärtige 
aScri^ältniS ber ©egner jum S^eufel in aoriftifd^en SBenbungen 



— 17 — 

fccf^ticbcn woetben fann, fo ifi aud& im erften ©Itcbe ba« ^ßct^ 
fcftutn fein 33cn)cid bafür, bafe on ein t)otjeitli(i^ed SBet^ältni« 
Qeba^i ift. ^uh^m finbet fxd^ bet äotift aud& in SBorten, in 
benen boö SBetl^ältniä 3efu ju (Sott befd^rieben wirb, nämlic^ 

8, 40: ijxovaa nuQa rov &€0v unb 35. 28: sSlia^iv fie o 

nar^Q. Sluö bem ©ebtaud^ beö 3lotifi in 8, 38 bei bcr 33cs 

fd^reibung beö aSerl^ältniffcd ber ©egner jum 2^cufel, etgiebt fid§, 

bafe bie aSetbalfotmen, roeld^e Die aSergangenl^eit auöbtücfen, nid^t 

ate Sewoeiö bafftr vetroettct werben bürfen, bafe eö ftd& um bie 

^täefifienj ^anbelt. SÄbet SQBcife fü^tt ate »eteg ben SBed^fel 

beä Sluöbrudö: ©e^en unb $öten an. SBenn inbejfen unbefititten 

in anbeten ©teilen fx(^ aufigefptod&en finbet, bafe 3efuÄ aud6 in 

feinem öegennrnttiflen 2thtn ©Ott fielet, fo ift au(^ l^ier ber 

©ebraud^ biefed Sluöbrucffi fein SBeroei« bafür, bafe an bie ^rä- 

ejiften} ^t\\x gebad&t ifi. ^eilid^ ift ber SBecJfel be« Sttuöbrucf« 

abfid&töooH. Slllein er l^at ein gönj anbereö SKotio. ©en 

©egnem wirb freilid^ ein $örcn beö 2^eufefe jugefd&rieben, aber 

nid^t ein ©el^en bedfelben. ©benfo aber wirb 6, 45 ein $ören 

©otted ate etwad bem SDtenfd^en ^öglid^ed bejeid^net, audbräcfUd^ 

aber wirb ^injugefügt, bafe ein ©el^en ©otted oon 3Renfd^en 

nid&t gelten fönne. ©o mirb benn freißd^ 5, 37 bafi fjaftum, 

ta^ bie ©egner ©otteö ©timme hörten, beftritten, aber ald 

Unmöglidfeit für einen 3Kenfd§en wirb bei Sol^anned mit einer 

offenbar abftd&tlid&en ©leic^mö&igfeit immer nur baö ©el^en ©ottefi 

b^eid&net, 1, 18; 6, 46; 1. 3o^. 4, 20. SDieö fommt nur 

Sefuö ju, aber nidbt etwa nur bem präejiftenten , mie bie 

angefül^rten ©teilen beweifen. — 3lud& in bem SBorte 8, 38 

wirb baö ,,©(6auen" ©otteö ate ein in baö gegenwärtige Seben 

2Scfu fallenbeö, fein 2^^un begrünbenbed SBa^rne^men ©otteö 

gebadet. S)ieö ift perfeftifd^ auSgebrüdt, weil eö in bem SRomente 

beö SRebenö 3«fW/ weld^es eö ^eroorruft, ate eine abgefc^loffene 

S^^atfacje fiintcr il^m liegt. 33eftätigt wirb biefe 3)eutung burd^ 

baö SBort 8, 47. 3)er ©prud§ erflärt, unter wcld^er Sebingung 

bad SBort ©ottefi gehört wirb. ®s ift eine allgemeine Siegel, 

bie ben ©runb angiebt, um beö Witten bie 3uben baö SBort 

©otted nid&t l^ören. 3)ie SRegel wirb um fo mel^r aud§ auf 

3iefud angewanbt, ate gerabe Sefuö aus ©Ott ift: weil er in 

ooUftem ©inne aud ©Ott ift, fo ^ört er bie SBorte ©otteö. 9lud§ 

in biefem ©prud^e ift, wie fowo^l bie präfentifd^e gorm, ate bie 

Stttaert, S)ie H. (S^rifloloaie. 2 



— 18 — 

äniDenbunfl bct Stegcl auf btc ©egner jcigt, von einem gegens 
toättigen ^öten bed S93orted ®otted unb t>on einet ind gegen:: 
n)ärtige fieben faSenben älbftammung aud (Sott bie Stebe. 

^iernadö iji e« nun tjon t)oml^erein roal^rfd^einlid^, bafe oud^ 
bie anbeten SBotte, in benen bet gleid&e ©ebanfe au«gefptod&en 
ifi, t)on einem gegenw&ttigen Sßetfe^t ^t^n mit ®ott tebcit. 
Dad aaSott 3, 11 fann ft(6 nad& bem 3wfötti»^c«^önge ttofe beö 
^lutafe nut auf 3efuö be^ie^en. 2)et entfd&eibenbe Seroeiö 
bafüt liegt im Sn^alte befi SBotted felbft. SJa« SBott gicbt 
Slntmott auf bie fjtage be« Slifobemuö, wie eine ®ebutt auö 
bem ©eifte möglid^ fei. Sefuö betuft fxd& auf fein SBiffen. ©r 
tebet, xomn et t)on bet Oebutt auö bem ©eifie fptid&t, nid&t von 
S)ingen, bie il^m ftemb Rnb, fonbetn von fold&en, bie et fennt. 
6t fann beömegen bejeugen. ^iuqtvqbTv bejeid&net ftetö bie 
SBetfünbigung einet 2:i^atfad^e, bie nut bet SBetfÜnbigenbe felbfi 
ma^tgenommen l^at, fo bafe bet $ötet auf ben ©tauben an fein 
2Bott angewiefen ifi. Slifobemuö ^t ju glauben. 3)aÄ jroeite 
©lieb bed SBotteö fptid^t auö, motauf M bafi SBiffen 3efu 
gtünbet. SBenn et oon einet 3^wgung butd^ ben ©eift fpti(|t, 
fo bejeugt et bamit eine 3;^atfad^e, bie in ben 33eteid& feinet 
®tfal^tung fällt: et bejeugt, xooA et ,,gcfel^en" l^at. 3lud& i^tet 
ift baö ©(^auen beffen, mas S^fwö gefeiten l^at, ein in fein 
gegenmättiges ^thtn faHenbeö. 33ei bet B^wßwng aus bem ©elfte 
l^anbett ed fid^ um ein SC^un ©otted. SDiefe« SCI^un ©otteö fäUt 
in ben SJeteid^ bet 2Bal^tne^mung 3efu: il^m ift ed fein ©e- 
^eimnis, et etföl^tt eö an fid^. ®ö ift beutlid^, bafe fid^ in biefet 
2luöfage 3efu§ mit niemanbem gufammenfaffen fann, mebet mit 
bem 3;äufet, nod^ mit ben ^topl^eten, no($ mit feinet ©emeinbe. 
3lad& ben bisset batgeftellten ©ebanfen ift thtn bad ©e^en beö 
SBitfenö ©otteö etroad Sefuö attein ©igentümlic^eö. 

3n benfelben SBotftettungöfteiö fügt fid^ aud^ bad SSBott beö 
2;äufetö 3, 31 f. ein: SDet 2:äufet ftettt fein SQBott bem 2Botte 
3efu gegenübet. 6t ift oon bet Stbe l^et unb tebet beöroegen 
oon bet 6tbe l^et. 3^fw^ bagegen ift bet auö bem ^immel 
Äommenbe. 3lfe ein fold^et bejeugt et, uoaö et gefeiten unb 
ge^ött ^at.O 3lu(ä& biefeö SBott bejie^t p* nid&t auf bie gStäepftenj 

1) 3u lefcn: 6 ix tov oiüquvov iQX^^f^^f^og S lajQaxev xai ijxovOiv 

judQivQd. Übrigen« wirb bcr ©ebanle burd§ bieg @d§tt)anfcn ber Xejte 
nid^t in gragc gejieHt. 



— 19 — 

Sefit. S^fwö ifi bet au« bcm ^Imtnel Äotntnenbe: fein flcflen- 
roärtigeö SKuftteten ifi ein Äotntnen auö bcm Fimmel, cntftatnmt 
bem ^itntnel.^) 2)a« Äomtncn 3cfu aud bcm ^immel ift bcm 
Äommcn bcs 2^äufetS auö bct ®tbc analog. Site ©cßenfaft jum 
Äommcn bcö 2iäufetö axx^ bct 6rbc fann ba« Äommcn 3cfu 
auö bcm ^immcl nicfet bic SScrtaufd^ung feinet ftfi^eten ©p^äte 
mit feinet jefeißcn bejcid6ncn. @ö fommt abet in biefem 3^^- 
fammen^ange auf bic Äoncftl^eit bcö ©egenfafeeö an. 2)et 
2^äufet fiammt infofetn von bct ®tbc, als jtc bie il^n Mlbenbe, 
ßcfialtcnbe ©p^äte ift: roaö et ift, ba« ift et butd& bie ®tbc: fte 
fd^liefet bie i^n ßcftaltenben ^aftoten in ftd^. analog ift bct 
Utfptung 3efu auö bcm ^immcl gebadet: bet ^immel ift bie 
Scfum geftaltenbc ©p^äte, roaö et ift, baö ift et butci^ ben 
^immcl. aiö ein fold^ct bejeugt et, roaö et gefeiten l^at unb 
l^öttc. 3>a et bem ^immel entftammt, teici^t feine SBa^tne^mung 
in ben Fimmel hinein. ®t tcbet t)on 2)ingcn, bie in feine 
©tfa^tung fallen, b. 1^. et jeugt, et ift ein 3^wge beffcn, mooon 
et fptic^t. 2)ie ©pl^äte, bic il^n bilbct, ift eben babutd& feinem 
©c^en unb $ötcn jugönglid^ gemad^t. ^atum ift fein 3Bott 
Seugniö unb ^at Autorität. 2)ie äutotität bcö SBotte« 3efu 
mitb in bem fd&on befptod&enen SSJotte SB. 34 babut(J begtünbet, 
ba§ et ben ®eift o^ne 3Wafe ^at. 2)ie ©in^eitlid^feit biefet 
fd^einbat boppelten Segtünbung ift nut butd^ftd^tig, wenn man 
ben l^tmmlifd^en Utfptung 3efu nid&t afe Sßettaufd^ung feine« 
Dtteö, fonbctn ate gegenroättigeö ©ebilbctfein butd& ben ^immel 
oetftel^t.*) 3ltlcin bieö fann etft bie folgenbe Untetfuc^ung im 
3ufammcnl^angc bcroeifen. 2)aö SSJott ift inl^altlid^ genau pataHel 
bem aSBotte 8, 47 : SSJet auö ®ott ift, bet ^ött bie SSJotte ©otteö. 



^) ®cn abj(^lic6cnbcn ©ctt)ei§ füt biefc Deutung bc« SBortcS bringt 
ba^ folgenbe. 

*) 2)a ^olgmann, Sf^cuteftamcntlid^c X^cologic II, ©. 402, bie l^imm* 
(ifc^c Slbhinft 3efu o^ne genauere Unterfut^ung tro^ ben au^ öon il^m 
bemerften entgegcnftc^enben ©eobad^tungcn mit ber ^röejiftenj ibcntifijicrt, 
fo entbecft er frcilid^ @. 460 einen SBiberf))ru(^, ben er fel^r ungenügenb 
löft: „(ginerfeitS ift 6;]^riftuS öon oben gelommen 3, 21 unb bejeugt, wo« 
er oben gefeiten unb gel^ört l^at 3, 32: anbrerfeitS tl^ut er bieg aber bod^ 
nur, weil er 3, 34 in ft^ranlenlofer SBeife mit bem QJcift begabt ift. 
tiefer Q^otteSgeift {d^eint i^n bemnac^ ebenfo an baS, tt)a« er beim $ater 
gehört unb gefeiten ]§at, ju erinnern, wie bann ber l^etlige ®eift 14, 26 bie 
günger baran erinnern foll, toaS 3efug getrau l^at." 

2* 



- 20 - 

2)lefe bitcfte gcgentpärtiöc SBal^me^tnunö ©ottcö i|i Scfitd 
allein eigen. 2)ieö wirb 1, 18 unb 6, 46 auSgefprocfeen. 1, 18 
^eigt ed: ®ott \)at niemanb jemato gefeiten. Slatütlic^ fann 
na^ ben bldl^et befptod^enen SBorten, befonberö aber nad^ 6, 46, 
Sefuö nid^t mit in bicfed Urteil eingefci^loffen fein. aSielmcl^r 
fefet ber jweite 2^eil bed ©pmd^eö^) loorau«, bafe ber ©ol^n 
©otteg toon biefem Urteil audgenommen x% hierauf berul^t, 
was in biefem jroeiten 2^eil üon il^m gefagt ijt. 3^ ilfjy^aaTo 
fann nur tov &sov Dbjeft fein, ^r biefed i^ystadai gicbt 
ber ©aft 6 äv sig roi' xoXnov tov nargog ben ®runb an. 
©onft l^ätte er im g^f^mmenl^ange gar fein SJtotit). 6r gicbt 
eben bie ©tettung 3efu an, vermöge beren oon i^m nicfet gilt, 
bafe er ®ott nid^t gefeiten l^at. Sllö ber, t)t)n bem gilt, 6 äv eig 
TOV xoXnov TOV nazifog, fann er ©Ott funb tl^un. 2)iefer 
3ufa| fann alfo unmöglid^ „auf ben erl^öl^ten ß^riftuö gelten", 
mie SBeife urteilt. 3lu(!& ^arnad unb ^oI|mann finben burd^ 
ben Swföl auögebrücft, bafe ^efuö ju ©Ott jurüdgefel^rt ift unb 
bei i^m roeilt. 9Wan folgert bieö aus ber präfentif<3&en gorm 
beö ^articipiumö unb aus ber 5ßräpofition eig, burd^ meldte bie 
SSorfteHung beö ^ingelangtfeinö auögebrüdt fei. ätttein eine 
Erinnerung an bie ®rl^öl^ung ^t^n i)at im 3ufammenl^ange ^ax 
feinen ©inn. ®er Ba% fügt fid^ nur bann in ben ©ebanten- 
gang ein, menn man nid&tö weiter in i^m lieft, afe was er 
unmittelbar auöbrüdEt, nämti(J ben 2luöbrudE ber unmittelbaren 
m^t Sefu bei ©Ott, ber oöttigen ©emeinfd^aft mit ©Ott, in ber 
eö begrünbet ift, bafe er ©Ott gefeiten ^at unb il^n beöl^alb funb 
tl^un fann. ®er ^n^al^ ift aud^ nid^t auf bie 5ßräefiftenj ju 
befd^ränfen. SBielme^r jagt er in feiner präfentifd&en gorm ein- 
fad^, bafe er ber ®tngeborne im ©d^ofee bes SSaterö ift. 3)as 
Urteil gilt oon bem ©ol^ne ©otteö ganj allgemein: er ifi aud^ 
in feinem gefd&id&tli(^en Seben bei ©Ott, in feiner näd^ften SRöl^e, 
tinb in innigfter ©emeinfd^aft mit ifim. ^olfemann roirft ein, 
i)aj3 bie antifen SBorftettungen oon „oben" unb „unten" ju bid^te 
9lealität befi|en, als „bafe fle ben ©ebanfeu einer ben Slaum 
ignorierenben ©emeinfd^aft unb ©inl^eit juliefeen." @ö mirb jtd^ 
fpäter jeigen, bafe mit biefer attgemeinen 33emerfung fid^ über bie 



2)a§ ©(^wanlen ber Xc^tc ift für bie geftftellung be« ^ier öcrfolöten 
<5Jebanlengange§ ol^ne ^öebeutung. 



— 21 - 

io!^anneif(i^e S^rifiologie nid^td audmad^en lägt. 2)Qd Utteil, bog 
Sefuö anä) loä^rcnb fcincö gefd&id^tUcfeen Scbenö im ©d^ofee 
@otted fl^t, ift nid^t auffaUenbet ald bad anbete, bog ®ott in 
il^m unb er in ®ott ifi. Qn biefen SBotten ift bod^ no(% loiel 
ftötfet eine „ben SRaum ignorierenbc ©emeinfd^aft itnb @inl^eit" 
auöge^prod^en, S)er Stuöbrud, bet Swfammen^anfl unb bet biöl^er 
t)etfolgte ©ebanfengang ber jol^anneifd^en ß^tifiologie fotbctt 
btttd^au«, baö SBort afe Sejeid^nung betienigen 3läl^e bei ©Ott 
ju beuten, vermöge beten Sefuö aud^ in feinem gefd^id&tlid^en 
ßcben ©Ott gefeiten \)at unb il^n beSmegen funb t^un fonnte.^) 

2llfo aud6 an biefet ©teile ift, wie bie ©emeinfd^aft 3efu 
mit ©Ott, fo audb fein Böhmen ©otteö als ein in fein gefd^id^ts 
lid^eö Seben fattenbeä SBetl^ältniö üotgeftellt. S)icfe 2)eutung wirb 
butd^ ba§ patattele SSJort 6, 46 beftätigt. ^iet mitb ausbtüdflid^ 
bet, bet t)on ©Ott l^ct jiammt, als bet einjige begeid^net, bet üon 
bet Siegel ausgenommen ift, bajj niemanb ©Ott gefeiten ^at. 
3llS jroeite patattele gut ©tläutetung beö SBotteö bietet fid& 8, 47 

wv ix jov &fOV Ja ^rjfxuTa tov &€0v dxovsi. SSeiben SEßotteU 

gemeinfam ift bie ©tunbangabe bet SBa^tnel^mung ©otteö: 6 (ov 
ix (tefp. naQcc) tov ^bov. SSBie beteits bei bet ©tläutetung bed 
SBotteS 8, 47 feftgeftettt ift, ift bet Utfptung auö ©Ott als 
gcgcnioättiget gebadet. 2)em entfptid^t in bem SßJotte 1, 18 
o wv fig TOV xoXnov to,v nuTQog, ebenfalls olS ein baS gefd^id^ 
lid^e Seben 3efu bebingenbes aSet^ältnis. 2)et @pn4 6, 46 ttitt 
als ®infd^tänfung obet Segtenjung beS lootlietge^enben ©ptud^eS 
auf. 3n biefem mitb ein ^öten ©ottcS aud^ ben 3Wenfd6en ju- 
gefd&tieben. 3lllcin bet ©ol^n allein l^at il^n nid^t nut gel^ött, 
fonbetn au^ gefe^en. 3lud^ biefet 5ßatatleliSmuS nötigt baju, bas 
„^öten" 3efu in feinem gefd^idbtlid^en ßebeuslauf ju fud^en. 

S)en cntf(Jeibenben Seioeis füt bie S^^efe, bajg bei Sol^annes 
baS ^öten unb ©el^en ©ottes fi(J nut auf bie 5ßtäeEi|ienj 
bcjiel^t, btingt bie 3«fönimenftettung unb SSetgleid^ung bet be= 
fptod^cnen SBotte. 2)a6 einige t)on il^nen fi(^ auf bas gefd^id^t^^ 
lid^c Sebcn 3efu bejie^en, ifi unbefttitten. 2)iefe SBotte abet 



^er ©cbraud^ ber ^rc^jofition €ig beeinftufet ben öJebanten ntt^t 
wcfentlic^. SSielleid^t l^at ba§ SBilb, miä^e^ ben 9(u§bruc! gcftaltete, bie 
SBa^l ber ^räpofition beftimmt. SSgl. befonberg ©remer s. v. x6Xno<:^ 
maf^t\ä^einÜ^ aber ift bie ^o^jofition einfad^ « iy- «gl. ma% ®rammatil 
beS neuteftamentn(^en ®rie(j^if(j^, @. 119 f. 



— 22 — 

jicl^en auf einer Sinie mit ben anbeten, bie man auf bie ^ä- 
elften; }u bejiel^en pflegt. 2)amit aber ift bie Unrid^tiglett 
biefet Sejiel^unö naij&geroiefen. 3n atten SSJotten mirb au« 
biefex SBorftettung bie Sebeutung unb Äraft t)on SBott unb %\)at 
Sefu, bie buxd& i^n t)ermittelte Offenbarung @otte«, gefolgert. 
@ie lann unmöglid^ burd^ {mei fo l^eterogene @ebanlenreil^en 
begrünbet fein, gemer finben ^ä^ biejenigen JBJenbungen be« 
Sludbrudö, auf bie man in einigen SBorten bie SSejiel^ung auf 
bie ^räefiftenj grünbet, j. 33. bie auf bie SSergangenl^it bejüg= 
liefen Xempora, auci^ in benjenigen SBorten, bie ftd^ ol^ne S^eifel 
nid^t auf bie ^räefiftenj bejiel^en. @ö ift alfo notwenbig, atte 
biefc SBorte auf ein in baö gefd^id&tlid^e 2tbtn ^e\n fattenbed 
aSerl^ältniö ju ®ott ju bcjie^en. 

^örcn unb ©el^en lommen als bie formen unb SSebingungen 
ungel^emmten Sßerfe^td in 33etra(i^t. 2)er ©Dangelift empfinbet 
ben Slnftofe ber SBerborgenl^eit ©otteö, burd^ bie er ber aBal^r= 
nel^mung entjogen ift, aU befonberd fdbroer. 3)ieö ift ber @runb, 
um bedmiQen bad @oangelium ben ß^f^^^^^^^^d S^f^ ^ii 
©Ott unter bem Silbe bed ©eigens unb ^ören« barftettt: jene 
©efd^iebenl^eit von (Sott fättt für 3efu« fort: er fielet in Döttig 
freier ®emeinf(Jaft mit (Sott, ©eine ©ebunben^eit unter bie 
Sebingungen ber irbifd^en ©jifienj bebeutet feine ©d^eibung oon 
©Ott. 2)iefer ungel^emmte, burd& feine ©d^ranfe gefiörte SScrfei^r 
mit ©Ott ift bie grei^eit Sefu. Sroifd^en i^m unb ©Ott giebt 
es feine ©renje unb SJrennung: er ift ber ©ol^n, ber nidftt oom 
aSater gefd^ieben mirb, fonbem im ^aufe bed SSaterö bleibt — 
natürlid^ aud^ mdl^renb feines irbifd^en Sebenö, ogl. 8, 35. 

SDie SEBorte 5, 19 u. 37; 8, 28; 12, 49 loerbinben bie 
©ebanfen, bafe 3efu« ©ott fielet unb l^ört, mit ben anberen, bafe 
er nid^td oon fid& felbft auö t^ut, fonbem bafe fein 3^un in 
©Ott begrünbet ift. SSJeil ^efus tl^ut, ma« il^m ber 58ater jeigt, 
unb rebet, maö il^m ber SBatcr fagt, fo fiammt fein Xl^un nid^t 
aud il^m, fonbem aus ©Ott. 2)ie jmeite Steige oon Äuöfagen 
erläutert alfo bie erfte unb jeigt, mie bie 33egrünbung be« Xi)\in^ 
3efu in ©Ott oorgeftetlt ift. ©ie ift nid^t naturl^aft gebadet, 
fonbern oolljie^t fid^ burd^ ein ^nn, SReben unb ©ebieten 
©ottes, ein ©el^en, $ören unb ©e^ordl^en 3efu. 2)iefeö SSer- 
l^ältniö JU ©Ott iji i^m, alö bem ©o^ne, eigentümlid^. 2)er 
©ebanfe xoxxh nai) jmei ©eiten geroenbet: meil er fo l^anbelt, ift 



— 23 - 

er hex ©ol^tt unb: weil er ber ©ol^n i% fo l^anbelt er in biefer 
SBeife. Sil« ber ©ol^n ifi er ®ott gel^orfam itnb aU ber, ber 
©Ott gel^otd&t, ift er ber ©o^n. ^n feiner t)onflänbi8en 3lb- 
l^änßiflfeit t)on ©Ott befielet feine ©ottedfol^nfd&aft. 5Diefe at^ 
i^ängiflleit befielet barin, bafe ©Ott il^m fein SSJerf jeigt unb fein 
aSSort fagt, nnb bafe 3efu« tl^ut, load er jte^t, itnb fagt, roaö er 
l^ört. ©ie Slb^ängigfeit . oon ©ött ifi bie gorm ber ©otteö- 
fol^nfd&aft 3efu. 2)ie ©ottedföl^nfd^aft 3efu nnb fein ©el^orfam 
gegen ©Ott ftcl^en in aBed^fetoirfung. SBeil aber ©Ott babei ber 
3lnl^ebenbe, SSegrünbenbe, Übergeorbnete bleibt, fo wirb ber Äern 
ber jo^anneifd^ert ©l^rifiologie oerlannt , wenn man biefen 3^== 
fammen^ang fo beutet, afe maä^e na<3& bem ©oangelium 3efu« 
ftd^ felbft burd^ feinen ©e^orfam jum ©ol^ne. 2)ad Urteil, bafe 
er als ber ©ol^n ben SBillen ©otteö tl^ut, fie^t über bem anberen, 
bafe er ald ber, ber ben SBitten ©otteö t^ut, ber ©ol^n ifi, fo 
gut ©Ott über 3efu« fielet. 5Die %f)at 3efu, bie ©otteö SBitten 
t)ottjire(It, fiammt eben nid^t aus il^m, fonbem er t^ut fie, meil 
©Ott fie i^m jeigt unb giebt. 2)ad ifi bie 9lrt, mie ©Ott il^n ju 
feinem ©ol^ne mad^t, bafe er il^m fein SBerl unb fein SBort giebt. 
SKber eben beötoegen ift bie Slrt, wie Sefuö ©o^n ifi, baö ^\xn 
bed il^m oon ©Ott gegebenen SBerfed. Qn ©otteö ©abe ifi 3efu 
%^at unb in 3efu ^at ©otteä ©abe begrünbet. 5Dad SBer- 
l^ältntd ifi ald bauernbe, ba$ ganje S^un unb £eben ^t^n 
begrünbenbe, gefialtenbe SBe<3&feln)irIung jmifd^en i^m unb ©Ott 
gebadet. 

3>ie« wirb am flarften burd^ baö SBort 4, 34 auögebrüdEt: 
^eine ©peife ift, bafe id& tl^ue ben SBitten beffen, ber mid& 
fanbte, unb fein SBerf ooHenbe. 2)ie ©peife !ommt l^ier nid^t 
ate baö in SBetrad&t, „roaö Sefriebigung unb ©enüge giebt," wie 
SBeig eiflärt, fonbem alö bad, mad bad Seben erhält, nid^t aU 
©enufemittel, fonbem alö Sebenömittel. 3)urd& baö %i)Vin beij 
SBitten« ©otteö bilbet 3efuö ftd^ felbft, mad&t er ftd^ ju bem, 
roa« er ifi. ©ott ift ber il^n ©peifenbe, fein &tbm Unterl^altenbe, 
inbem er i^m fein SBerf unb SBort giebt; baö ^innel^men biefer 
©peife burd& 3efuö begrünbet baö 2%un feined SBerfed. 3)urd^ 
badfelbe bilbet er Rd^ felbfi, feine 5ßerfon. 2)urd^ biefe« SSilb 
mirb bad ^un bed SBiQend ©otted als bie Sebingung bejeid^net, 
unter ber Sefuö fid& afe baö, ma« er ifi, aud^ erplt: er ift ber 
©ol^n, aber er ift eö nur in ber gorm, bafe er ©otteö SBitten 



— 24 — 

ti)\xt: wie bie ©pcifc baö t)otl^anbcne Scbcn itnterl^ält. 9lus bet^ 
fclbcn Slnfd&auuitfl ctflärt fld^ bad SBott 6, 57: 3<3& ^^^ rocßcn 
beö SBatcrS: bic ßebcnbigfeit 3efu ifi in ber Scbenbigfcit @ottc^ 
begtünbet. ®ott ift ber baö Scben 3^f^ ftänbig Unterl^altcnbe^ 
33cgtünbcnbe, ©rjcugenbe. 3)abuxd^, bafe er attc feine einjelnen 
2;i^aten fo auöfd^Iicfelid^ l^erDorbringt; bafe ber ©ol^n hnxä) Rd^ 
felbft ö^r nid^tö tl^un fann, bringt er feine gonjc ©jifienj, fein 
ßeben l^erDor; babur<^, ba§ er bie Xi)attn 3efu l^erporbringt, 
fpeift er i{)n, b. 1^. erhält er il^n felbftänbig aU baö, was er ift, 
b. 1^. als feinen ©ol^n: bitrd^ bie Xl^at roirb bie ^erfon. 

3n einen eigenartigen Sludbrud wirb biefe völlige Wo- 
^ängigfeit 3efu von ©Ott gefaxt, 2, 4; 7, 30; 8, 20; 12, 23. 27; 
13, 1; 17, 1. Xl^at unb ©rlebniö 3efu ift bapon abhängig, ob 
feine ;,@tunbe" gefommen ift ober nid^t. SWan l^at bel^anptet, 
bafe biefer Sluöbrud bei 3ol^anncö immer bie Xobeöftunbe be- 
jeid^ne. 2)iefe ©rfläruttg läjjt Rd^ an ben meijien ©teilen nur 
mit Eintragungen burd^fül^rcn. 3o^anneö menbet ben Segriff 
ni(ä^t nur auf ^^fwö an. 2lm burd^fid^tigften ift ber ©inn ber 
Sffienbung 16, 21: SBenn ein Sffieib gebiert, fo l^at fie Trauer, 
weil il^re ©tunbe gefommen ift S)aö SBort bejeid^nct l^ier baö 
(greigniö alö oom SBotten beö SKenfd&en unabhängig, naä) einer 
objeftioen Siegel il^n treffenb. 2)ie ^ext ift fijiert, unb sraar 
burd^ göttlid^e 33eftimmung. 2inbem aber nic^t gefagt mirb: bie 
©tunbe ber ©eburt, fonbern l^re ©tunbe, mirb auögebrücft, 
bafe baö in biefer SEßeifc burd^ göttli(Je SSeftimmung figierte 
©reigniö ber Seftimmung beö SBeibeö entfprid^t: baö ©rlebniö 
geprt roefentlic]^ ju bem il^r oon ®ott beftimmten ®ef(i&idEc, in 
bie il^r oon ®ott gegebene 2lufgabe. ©inen ganj analogen ©inn 
l^at baö aöBort in feiner Slnroenbung auf '^e\n^: eö bejeid^net 
S^l^at unb ©rlebniö 3efu alö ©lieber beö il^m oon ©Ott gegebenen 
Serufeö, unb baö Eintreten beiber alö allein oom 3Billen ©otteö 
abl^ängig. gn einigen ©rjäl^lungen jeigt ber ®oangelift biefe 
oöttige äbl^ängigfeit beö Sebenölaufö 3efu allein t)om SBitten unb 
%^m ©otteö. 

S)aö ©efprä* mit ber aWutter 3efu 2, 3 f. I^at bie S3e^ 
beutung, bieö ^eroorjul^eben. 3lxä^t baö 33ebürfniö für fid^ giebt 
für 3efuö baö 3Jlotit) jum ^anbeln ab, an6) nid&t bie in bem- 
felben begrünbete 33ittc, felbft bann nicfet, m^nn fie oon feiner 
3Rutter auöge^t. 2lu<3& oom SBitten Sefu ^ängt bie X^at nid&t 



j 



— 25 - 

ab, er t^ui fte nid^t ^^üon ftd^ fclbjt auö'', fonbcrn ftc l^äußt 
allem t)om aBiHen ©otteö ab. ©ofort naä) bicfem ©efptäd^ 
n)itb bie StfüHunö ber SBitte erjäl^It. ®ö tritt fein neue^ 
3Kt)tnettt ein, roeli^eö bie Xf)at äufeerlid^ motiviert. 33. 4 unb 5 
fönnten fel^len. ©ie l^aben aber niäit ben 3"^^*^ ^^^ ©tettung 
Sefu ju feiner 9Wutter barjuftetten, fonbern nur ben, ju jeigen, 
bafe bie Xf)at 3efu überl^aupt nid^t buri äujjere Sebinöunßen 
l^erooröerufen wirb, fonbern attein t)om SBillen ©otteö abfiängt. 
9f?od& ftärfer wirb biefe Slb^änöigfeit 3efu t)om SBitten ©otteö 
in ber ©rjäl^Iung 7, 1 — 10 Ijeroorge^oben. S)ie Slufforberunft 
feiner 33rüber, inm gefte ju jiel^n, beantwortet Sefuö mit ben 
SQBorten: aWeine 3eit tft no* nid^t ba (58. 6). 3(| gtl^e ni^t 
l^inauf JU biefem geft, benn meine 3^it ift no(J nid^t erfüllt.^) 
xaiQ6g f)ai benfelben ©inn wie in ben anbern SSBorten cSpo. 
2lud^ bieö 3Bort bebeutet nid^t: meine Slobeöftunbe ift nod^ nid^t 
gefommen, fonbern ber t)on @ott befiimmte S^i^punft ift nod^ 
nid^t gefommen. aWan trifft bie aWeinunß beö ©oangeliften nid^t, 
wenn man bie 3lblel^nung 3efu nid|t ernft nimmt, fonbern 
meint, bafe er burd^ eine unbeftimmte 3lntn)ort feinen maleren 
(gntfd^lufe oerfd^roeige. 2lud& ift eö pöttig oerfel^It, nad^.®rünben 
ju fud^en, roeämegen Qefuö nid|t fofort, fonbern erft fpäter ging. 
SlUeö, maö man bafür angefül^rt l^at, erflärt bie ©rjäl^lung nid^t. 
3lbfid&tlid& nennt ber ©oangelift feinen ®runb, um beßroillen 
3cfuß fpäter bod& l^inaufjog, benn bie 33emerfung, bajj er nid^t 
öffentlid&, fonbern l^eimlid^ l^inau^og, fann nid^t als änbeutung 
bicfe§ ©runbeö aufgefaßt werben. S)enn 3efus l^at oorl^er eben 
nid^t nur verneint, bafe er „bel^ufä öffentlid&er meffianifd^er ©elbft= 
barftettung" l^inaufjiel^en motte. ®ie ©ituation l^at fid^ äufeerlid& 
in feiner Sejiel^ung geänbert. äud^ in S^^ufalem änbert fid^ 
nid&ts baburd&, bafe 3efuö erft fpäter eintritt, jebenfattö wirb bieö 
nid^t aU baö SKotio ber 3Serjögerung angegeben. 3lm roenigften 
gicbt man bie SKeinung beö ©oangeliften mit ber S)efinition 
miebcr, bafe Sefuö injmifd&en feinen ®ntf(|luJ3 geänbert l^abe. 
Sßielmel^r fott au(| biefe ©rjäl^lung nur jeigen, roie 3efu X^at 
vom aBitten ©otteö abfängt, ©erabe inbem fein 4u6ereö 3Jioür> 
für fein fpätereö ^inaufgie^en angegeben mirb, fott gejeigt werben, 
bafe eben äufeere ©ituationen überl^aupt bie S^l^at ^e\M nic^t 



@S ift ovx JU lefcn, oi;n<a ift ^orrrttur na^ bem golgenben. 



— 26 ~ 

bcjiimmen, fonbcm nur ber SBitte ©ottcd. SBann bie „Bttxnhe" 
3efu ift, baö ifl nid^t empitif<3& erfcnnbar. 2)et ©oauBeKfi ßiebt 
a\x(b ben 3«^^* ©ottcö bei bicfcr SScrjögerung nid^t an. 2lu(ä& 
ber ©d&ein, bafe 3cfu X\)at butd& äufeere SttJ^^tnäfeigfeit bcftlmmt 
fei, voixh t)ermiebcn. SRid^t aM ber 3we(fmäfeigfeit fd^Iiefet er 
auf @t)tted äBiQen, fonbem ber ©laube, bog l^ier @otted 3BilIe 
regiert, fci^läßt atte gragen nad^ ber S^täm&^XQUit nicbcr. 
2)arwtn finbet er aitd^ gar feinen Slnftofe barin, bafe 3efud juerfl 
verneint, roaö er fpäter bod^ tl^ut. SSielmel^r will er gcrabe 
barauf aufmerffam mad^en. ©in aBiberfprud^ in SBort unb X^at 
Sefu würbe für il^n nur bann vorliegen, wenn er für feine 
aßeigerung einen anbem ©runb angäbe alö ben, bafe feine 3^^ 
nod^ nid^t gefommen ifi, itnb wenn feine X^ai ein anbere« 3Äotio 
l^ätte, als eben ben, bafe feine ©tnnbc gefommen war. 3lber bie 
@rjäl^lung jeigt atterbing«, wie ernji^aft ber ®t)angelijt ftd^ bie 
Slbl^ängigfeit Sefu t)on @ott, bie loöllige SSegrünbnng feines 
gefamten 2^l^unö in ©ott, t)t)rfiettt. @r bemerft aud& gar ni($t 
ausbrücflid^, bafe ber 2lufbrud6 Qefu in einer i^m ju teil gc^ 
roorbenen SBeifung ©otted begrünbet ifi. @r beutet bie« nur 
baburdi an, bafe er üon gar feinem 2Motit) erjäl^lt. 2)a6 nad& 
ber 3lrt, wie 3efuö t)orl^er feine SBeigerung begrünbet l^at, bieö 
nur baran liegen fann, bafe injicifd^en ©otteö SBeifung eintrat, 
bieö Urteil fd&liefet baö SBertrauen beö ©oangelifien auf 3efu 
aSort unb ben ©lauben an bie faftifd^e 33egrünbung feiner 2^l^at 
in ©Ott in ftd^. ®benfo ift bie »erjögerung be« aufbrud&ö 3efu 
beim SJobe beö ßajaruö gemeint, ^ie 5Rot an fid& unb bie 
33itte ftnb noä) nid^t baö jureid&enbe SMotio für bie $ülfe. 3)er 
fpätere 2lufbru(| Sefu wirb anä) ^ier in feiner 2Beife äufeerlid^ 
motioiert: ein äußerer ©runb, ba§ er gerabe nad^ jwei klagen 
aufbrid^t, wirb abfid&tlid^ nid^t angegeben, ©erabe l^ierburd^ wirb 
beutlid^, baj3 nur ber aSille ©otteö bie S^^at 3efu regiert. 

2Bie bie X^aten, fo l^ängt aud^ ber ©ang beö äußeren 
Sebenölaufö 3efu allein t)om SBiUen ©otteö ab. @ö mag jeber^ 
mann gewillt unb atleö bereit fein, 3efum ju ergreifen — ni(^t 
baö 3itfömmentreffen ber äußeren 33ebingungen , fonbem ber 
gSBitte ©otteö entfd^eibet über fein ©efd^idE. 5Der ®oangelift giebt 
mit beutlid^er Slbftd&t feinen äußeren ©runb an, warum ber 
^lan nid^t jur Sluöfül^rung fommt: niemanb fann i^m etwaö 
anl^aben, wenn feine ©tunbe nid&t gefommen ift, 7, 30; 8, 20. 



«- 27 — 

©benfowcntg ucranlafet ixflenb ein äujsctefi Slnjeid&cn, fonbctn 
allein bie innere Überjeugung Qefu baö Urteil, bafe bie ©tunbc 
eefommen ift, 13, 1 ; 17, 1, 2)icfe ßenfung beä äußeren Sebend 
3>efu gel^ört ebenfo ju bem, roaö il^m ate bent ©o^ne eigen ift, 
n)ie bie ©eftaltung. feineö inneren ßebenö. S)iefe t)öHiflc ©eftaltung 
feines fiebenö bur<3& @ott ift etroaö S^fuö allein ®igentümli(6e§ ; 
von feinen 33rübem gilt fie nid^t: il^re ßcit ift immer ba, 7, 6. 
2Bie beö ©ol^neö SBiHen unb ^ll^at attein ber SBater bcjiimmt, 
fo befiimmt aud& fein ©efd&id attein ber SBater. 2lte ber @of|n 
l^ängt 3efuö allein von ®ott ab; aber von (Sott ^ängt er 
iDoHfiänbig ab. ®er @eban!e beö unbebingten ©d^u|eö t)or SRot 
unb ©efal^r, ber bem ©ol^ne gebül^rt, wie er fid^ in ben Sluf- 
forberungcn ber SBerfud^ungSgefd^id^te auöfprid&t, ift aufgenommen 
burd^ ben ©ebanfen, bafe ©Ott eö ift, ber atteö, roaö ben ©ol^n 
trifft, befiimmt. 

2luö ber ©rfenntniö, bafe ©Ott SBort unb Sfficr! ^efu wirft, 
folgt, bafe ©Ott in 3efu unb 3efud in ©Ott ift. 10, 38: „2Benn 
i(ä^ (bie SBcrfc meines SBaterö) t^ue, fo glaubet, wenn il^r aud^ 
mir ni(^t glaubt, boci^ ben SßJcrfen, bamit i^r jur Srfenntniö 
fommt unb erfennt, bafe in mir ber 58ater ift unb iä) in bem 
«ater/' 5Der glei(|e ©(i^lufe liegt 14, 10 vor: „©laubjt bu nid^t, 
i)a§ id^ im Sßater unb ber SBater in mir ift? SDie SJBorte, weld^e 
i^ ju eud& rcbe, bie rebe id6 nid^t von mir felbft. 2)er SBater 
aber, ber in mir bleibt, t^ut feine SSBerfe." 5Daö ©bötafteriftifd^e 
an bicfen SBorten ift bie«, bafe nid^t etwa nur 3efuö ober ber 
eoangelift an bie 2:^aten gefu bicfe Folgerung als eine ®r^ 
Weiterung beffen anfügt, waö fonft t)on 3efuö gefagt ifi, fonbern, 
ba^ er t)on ben Jüngern unb ben ©egnern biefen ©d^lufe forbert: 
barin fprid^t Rd^ auö, wie notwenbig bem 6t)angeliften biefe 
Folgerung ift. ©ie ift mit bem Urteil, bafe 3efuö nid^t aus [x^ 
felbft, fonbern auö ©Ott l^anbelt, unmittelbar alö barin ein^ 
gefd&loffen gegeben, ^n beiben ©teilen wirb bireft alö ber 
3wedE ber SBerfe gefu angegeben, bafe fie bie ®r!enntniö erwedten 
foHcn, bafe ©ott in Sefuö unb Sefuö in ©Ott ift. 2)a Sefuö 
bie SBorte, bie er rebet, niä^t am fid^ felbfi rebet, fo ifi 
ber SBater in i^m. 2)ie aSerfld^erung : 3d& bin im SSater 
unb ber SBater in mir, wirb einfad^ burd^ bie Berufung barauf, 
bafe Sefu SBorte nid&t aus i^m felber ftammen, begrünbet. ©ie 
flammen, fä^rt bet ©ebanfengang fort, nid^t aus Sefuö, fonbern 



- 28 — 

aus bcm aSatcT. hieran wirb nun nid^t etwa aU weitete ^oU 
öerung angefdllojfen, bafe bet SBatet in 3efuö ift. 2)ie8 liegt 
x)ielme^t fo felbfioetftänbUd^ bereits barin, bafe ©Ott eö ifi, ber 
bie SBerfe 3efu tl^ut, ba§ eö cinfad^ in ben jweiten ©oft auf:^ 
genommen mirb: S)er SBater, ber in mir bleibt, t^ut feine 
SBerfe.^ S)ie gortfft^rung beö @eban!enö 95. 11 jerlegt blefen 
©ebanfen in einen (Sd^lufe: ©laubt mir, baß id& im SBater bin 
unb ber 3Sater in mir; menn aber nid^t, fo glaubt bod^ um ber 
SCBerfe felbft roiHen. S^^^d^ft forbert 3^fwö ©lauben auf feine 
einfädle SSerfid^erung l^in. 3BoIIen fie biefer nid^t glauben, fo 
finb bie SBerfc jebenfaHö ein unmiberleglidler 33emei«, vqI. 
17, 21. 23. 5Darin, bafe 3efu SOBerf burd^ ©Ott gemirft iji, 
liegt, bafe ®ott Sefuö innerool^nt, il^n ju feinem Drte gemad^t 
^at. Umgefe^rt ift ®ott ber Ort 3efu, 3efuö ift in ©Ott. SDie 
aSorftettung ift ganj realiftifd^. ©ott ift ber S^f^m Umfangenbe 
unb in fid^ Sd^liefeenbe. 2)er SluöbrudE bejei(^net bie 3la^t 3efu 
bei ©Ott noc^ ftärfer als ber anbere, bajj 3efu§ im ©d&ofee 
©otteö ift: er ifl in ©Ott felbft, roie ©Ott i^m innemol^nt, 
14, 10 wirb mit biefen SEßorten erläutert, baft, mer Sefum 
gefeiten l^at, ben 3Sater gefeiten l^at. SBeil ©Ott i^m innerool^nt 
unb atte feine S^^aten unb 3Botte begri'mbet, fo ba§ 3^fu %^at 
©otteö 5C^at, ^efu SBort ©otteö SBort, 3efu SBiUe ©ottcö Sitte 
ift, unb roeil er, inbem er alle feine Slfte l^eroorbringt , i^ 
felbft, feine ^erfon, l^eroonuft, fo ift 3ßf«ö bie Offenbarung 
©otteö. 3n il^m ift ©Ott ftd^tbar geworben. Unb jmar too^nt 
©Ott il^m Qaxii inne. 2)ieö ift ganj gleid^bebeutenb mit bem 
bereitö erläuterten äBort, bajs Sefuö ben ©eift ol^ne SWafe |at. 
S)en gleid^en ©ebanfen brüdfen bie äßorte auö: ällleö, maä ber 
aSater l^at, ift mein, 16, 15. S)aö 2Bort überfd^reitet in biefem 
3ufammenl^ange ben unmittelbaren ©inn, ben e§ burd^ äln^ 
menbung beä ©l^riftuägebanfenö auf S^fw^ erl^ält. Slfe einfad^er 
Sttuöbrud beö ß^riftuöbemufetfeinä fagt baö SBort, bafe bie SBelt, 
roeil fte ©ott gel^ört, aud& 3^1«^ gel^ört. ^ier rid^tet ftd& ber 
SlidE auf ben äujjeren Umfang be§ 33eftfteö ^t\\x: in biefem 



SBenn im erften ©liebe nur öon ben SSottcn, im ^weiten nur Don 
ben SSerifen bie 'Siehe ift, fo l^at ha^ felbftöerftänblid^ ni(^t ben ©inn, bie 
SBerle im Unterfd^iebe öon ben SSorten in befonberer SSeife Don öJott ab* 
juleiten. SBielmel^r ift wa^rft^einlid^ l^ier SSerfe ber umfaffenberc aud^ bie 
Sporte in fid^ fd^Ueßcnbe SScgriff. 



— 29 — 

©innc gel^ört allcö, roa« ©Ott gehört, i^m. 16, 15 ifl inbcffen 

ni(ä^t t)on bcr SBelt bic Siebe, fonbern t)on bem, road ®ott ate 

inneren Sejtfe an Ätaft unb ®eiji in |t(J trägt. ^\xä^ bie« 

nennt 3efu§ fein eigen. Überfd^ritten iji l^iernüt, wie überl^aupt 

in ber jo^anneifd&en ©^riftologie, ber tnefjtanifd&e ©ebanle in^ 

fofem, alö l^iermit ber innere @runb angegeben wirb, nm beß- 

willen 3efu§ ben mefltanif^en ©ebanfen auf fi(| anroenben barf 

unb fann. 2)ie 9Belt gel^ört il^m beöioegeu, fo roal^r fie @ott 

gel^ört, weil ©otteö eigener innerer SSefife, eben baö, n)obur<3& er 

©Ott unb ^err ber SBelt ifi, il^m gel^ört unb fein innered 

©igentum bilbet. 2)aö 9Bort erläutert nur, loaö ed ju bebeuten 

l)at, bafe ©Ott 3efud inneiool^nt, ober, bafe er il^m ben ®eifi 

ol^ne 3Ra^ gegeben l^at. 

3}lm barf aud^ aud beut ftonte^t feine 9efd§ränhtng 
nel^men, etioa bie : bafe eö jtd^ um „ben gefamten Sffial^rl^eitdbefife" 
bed SSaterö l^anble (SBeig). ^ieö erlaubt ber aUgemeine unb 
toeite SuöbrudE nid&t. Slnbere 2Borte aber überbieten biefen 
(Sebanfen auöbrürflid&. 2)ie SMad^t über aM gleif* gehört 
Sefuö, 17, 2, bie ^errlid&feit geprt Sefuö, 93. 22 unb 24: ©Ott 
l^at fi(^ felbji, ben gefamten Snl^alt feine« eigenen SBefenö, 3efu« 
mitgeteilt, inbem er il^m inneiool^nt. 

2)iefe ®rfenntnid loottenbet fi(6 in bem Urteil: 3d& unb 
ber aSater jtnb ein«, 10, 30. 3)iefed SBort empfängt feine 
Erläuterung eben burd^ bie bargefiettte ©ebanfenreil^e, in bcr 
ed }um 3U)f(i^lu^ lommt. SBeil niemanb ©Ott fein (Eigentum 
entreißen fann, fo fann aucfe niemanb 3efu« biefeö Eigentum 
nehmen: pe finb in Sefu SRad^t fici^er, weil jte in ©otte« 
9)la4t fuiber finb, benn Sefuö unb ©ott jtnb eins. 2)ad 
3Bort begrünbet an biefer ©teDe alfo ben ©ebanfen, bafe 
©otteö 3Kad^t Sefud gel^ört. 3lber eö ifl attgemeiner: nid^t 
nur ©otteö 3Ka<3&t, fonbern ©otteö ^eulid^feit, ©otteö ©eift, 
©otteö gefamtcr innerer Sefife, bieö alleö ge^rt 3efuö. 
©otteö SBort, SBitte unb %i)at ifl 3efu aBort, SBiOe unb 
5C^at. 3efu aWad^t l^at nur an ©otteö 'maijt, feine $en= 
li^feit nur an ©otteö ^enlicfefeit, fein 33ejt| nur an ©otteö 
35eftfe feine ©renjc. ©o meit baö eine reid^t, fo weit reid^t eben 
beöioegen aud& baö anbere: barum finb beibe einö. S)amit ifl 
auögefprod&en, bafe 3efuö ju ©Ott gel^ört, er ifl ©ott. 20, 28 
ifl biefe ©rfenntniö natürlich nid&t alö ein gelegentlid& aufbliftenber 



— 30 — 

©ebanfc gemeint, fonbem eö ifi bafi ßiel, ju betn ba« ©oan^ 
gelium l^inftrebt. 2)ieö Sefenntniö fott jum ©d^Iitfe ouöflcfpro^en 
werben. 

3)ie Übertraßung bed ^Präbifateß bet ©ottl^eit auf Scfuö 
wirb ani) 10, 33—38 begrünbet. 2)ie 3«bcn warfen Sefufi auf 
®runb beö SSJorteö: 3(^ unb ber SSater pnb ein«, Säfterung 
vox, weil er, ber bo(| SWenfd^ ift, ft^ felbft ju ®ott maä^t. 
Offenbar folgern fie nad^ ber 3Weinung befi 6t)angelifien l^ierauö 
mit Siedet, ba^ er [xi^ babttrd^ @ott^eit beilegt. 2)ied jeigt ftd^ 
aud^ barin, bafe 3efu« in feiner äntwort feineßwegfi bcn SSor^ 
wurf jurüdtwcift. Sßielmel^r fotl bie Slntwort fein 3ie6)t jeigen, 
[xä) baö 5ßräbifat ber ©ott^eit jujufd^reiben. 2)ie ganje Sluö^ 
fül^rung jeigt, wie eng für ben ©Dangeliften bie loerfc^iebenen 
(feriftologifd^en Segriffe miteinanber jufammenl^ängen. SBeil Scfuö 
fagt: x6) unb ber Sßater Rnb ein«, fo mad^t er fi<3& felbft 
}u ©Ott: legt er fl(| ©in^eit mit ©ott bei, fo legt 
er jtd& ©ottl^eit bei. S)ie Slntwort 3«f« bejiel^t ben Sßorwurf 
ber ßäfterung auf bie ©elbftbejeid^nung 3efu alfi ©ol^n ©otteö. 
9latürli(| fott baö nid^t bebeuten, bafe er jtd§ ja nid^t: @ott, 
fonbem nur: ©otteö ©ol^n genannt l^abe,^) fonbern cö jeigt nur, 
bafe mä) ber aibfid^t beö ©oangeliften '^t^M mit bem SBortc: 
Sd^ unb ber SBater finb einö — eben nid^tö anbereö ald fein 
©o^neöbewufetfein auögefprod^en l^at: er l^at mit jenem SBorte 
nid^tö anbereö gefagt, afe wad er aud^ mit ber 2lnnal^me be& 
2:itelö: ©o^n ©otteö fagt.^) SBer Rd^ ben ©ol^n ©otteö nennt, 
ber barf aud^ fagen: 3d& unb ber aSater finb einö. Unb mit 
bemfelben SBorte ^at er pd^ aud& ©ott^eit beigelegt. 58. 37 u. 38 
forbert S^fwö «tn feiner SSJerfe willen ©lauben für baö, roa^ er 
von [xäj fagte. SBaö pe aber a\x^ ben SSJerfen erfennen fotten, 
ift bieö, ba§ ber SBater in il^m unb' er im aSater ifi. Sllfo aud^ 
bieö l^at benfelben ©inn wie ba« 33efenntnid, bafe er unb ber 
SSater eins finb. 

S)er entfd^eibenbe Seweiö für feinen änfprud^ finb alfo feine 
SBerfe. 5Die 3luöfü^rung SB. 34—36 beweift nid&t, bafe er ein 



^) ®cöen ^amad, Settft^rift für X^coloöte unb mt^t 1892, 6. 196: 
„öebü^rt in biefem ©inne aud§ gefu bie SSejcid^nung „öJott", fo l^at er bod§ 
felbft für fid^ bie SSegcid^nunö vtog tov ^eov, nid^t d^eos für ft(j§ in 9ln* 
fprud^ öenommen." 

>) SSgl. aSeiß j. b. ©t. 



— 31 — 

9flc(^t l^at, fid& bcn 2Stcl bet ©ott^cit bcijulcgcn, fonbcrn roeifi 
nur bcn SSortDitrf jurücf, bafe fein SBort fd^on bcfirocgen eine 
Saflerung fei, n)eil er als 9Renfd^ ft^ ju @t)tt mai^z. ^axan^, 
ha% et 3Kenfd^ ift, folgt ntd^t, bofe et läftett, wenn et fic^ 
©ottl^eit beilegt, ^ietfüt roitb jnnä# ein ©d&riftbeioci« bei- 
gebta^t. SRatütliÄ ifi bicfet etnfil^aft gemeint, wie nod& au«= 

btttcflid^ butd^ ben S^iW^^föfe : xai ov dvvarai Xv&^vai tj ygatpri 

petfid^ert roitb. SBad bie ©d&tift fagt, ift SSJol^tl^cit. SRun abet 

giebt es fol(|e, bie bie ©d^rift felbft ^foi nennt, nämlid^ bie^? 

jenigen uQoq ovq o koyoq Tov &sov iyivsto. 2)iefer Saft fann 

nid^t blofe bebeuten: bie in jenem ©ottedwott ängetebeten.*) 

2)ann wöte bet @aft bebeutttngdlos. S)iefet ätelatiofoft entfptid^t 

melmel^t beutli(i^ bem SRelatiofaft in 93; 36: ov 6 naxr^Q i^ylaaev 

xai änioTBiXsv Big rov xog/hov. @o gut nun biefet ben @tunb 

baffit angiebt, ba^ 2i^fud bad ^ied^t ^at, fid^ <3ol^n ®otted }U 

nennen, fo gut giebt bet etfie Slclatiofafe ben ®tunb bafüt an, 

ba^ ©Ott jene im ^falm Slngetebeten ©ötter nannte. 2)ie' 

jenigen, ju benen baö SBott ©otteö fam, bie nennt et ©öttet. 

93. 34 u. 35 jeigt junäd^ft, bafe ®ott felbft aWcnfd&en ©öttet 

nannte, bafe eö alfo nid^t eine ©otteöläfietung ju fein btaud^t, 

wenn Sefuö fid^ baö ^ptäbilat bet ©ottl^eit beilegt. @ö ift 

natütlid& nid^t gletd&gültig , bafe bet Scioeid bie gotm eines 

©d^tiftbemeifcfi annimmt. 3n bet ©d&tift ift @ott bet Slebenbe. 

©Ott l^at bas 9ted^t unb bie 3Rad^t, äRenfd^en ®ottl^eit beijulegen. 

2Bem ®ott ©ottl^eit beilegt, nut bet batf fte ftd^ felbft beilegen. 

2)et »emeiö fagt alfo: ein aWenfd^, bem butd^ ©otte« aBille, 

SBott unb ©abc ©ott^eit beigelegt witb, bet läftett nid&t, wenn 

et Re ftd^ beilegt. S)utd& ©otteö ©abe giebt e« füt aWcnfd^en 

©ott^eit, wie jene« ©d&tiftroott bemeift. Unb jroat legt ©Ott 

benen baö 5ßtäbifat bet ©ottl^eit bei, ju benen bad SBott ©otteö 

fam. 5Dieö giebt i^m ba« SRed&t, jie ©öttet }U nennen, ^iet^ 

butd^ i^aben fte 2:eil empfangen an göttlid&em SBefen. S)utd^ 

fein SBott teilt ©Ott ftd^ felbft, fein SBefen mit. 5Datum nennt 

et fte ©öttet. SDutd& fein SBott fann ©Ott SKenfd&en ©ott^eit 

geben. 

S)et ©d&lufe fteigt nun aufroättö. 5Denn bet 9lelatiofa|: 
„toeld&en bet 93atet heiligte unb in bie SBelt fanbte," bebeutet 



@o ^ei|, ^ol^mann u. a. 



— 32 — 

natürlid^ bent Sa^ gegenfi6er: „i\x rotl6jtn bad Sßort ®oM 
fommt" eine ©teiöerung. 2)et ©d&Iufefaft l^at bemnad^ ben 
©Inn: bcr l^at um fo t)iel tne^r xeä^t, fld^ ©ott ju nennen, roas 
er eben fd&on bamit tl^ut, bafe er itd& ben ©o^n ©otteö nennt. 
®ö ifi alfo beutlid^, bafe ba« gjräbifat ber ©ottl^eit Sefud in 
befonberem Sinne beigelegt werben foD. 3)er ©d^riftbemeiö jeigt, 
bafe ©Ott ©ottl^eit geben fann unb giebt burci^ fein 9Bort. 2)et 
jroeite ©afe jeigt, mit welchem SRed^te 3«fwö fte jtd^ getabe in 
befonberem ©inne beilegen fann. ,;J)er 58ater heiligte il^n unb 
fanbte i^n in bie SBelt/' S)ie ©tette ift nid^t audreid&enb bomit 
erflärt; bafe man fagt, ber 2^on liege ouf: 6 nar/^Q, fo ba§ bcr 
©inn etma ber wäre: ®ott, ber il^m gegenüber Sßatet ifi, fo 
bafe bieö alfo eine Umfd&teibung beö ^of)m&namenQ wäre, ©o 
etwa erflärt SBeife: ^©ofetn ber t)om Sßater ©efanbte then bcr 
©o^n ift/' 2lber ber ©afe foll bod^ gerabe ben ®runb bafüt 
angeben, bafe 3efud jtd& ©ol^n ®otte« nennt. 2)iefen geben b« 
tßräbifate an. S)er SSater l^eiligte il^n. 2)al^er ifi er o «yio? 
TotJ .%ov, ogl. 6, 69. ,öeilig ift ber, ber in ©otteö SRäl^e fie^t, 
in feiner ©p^äre unb unter feinem ©(ä^ufte. S)er Segriff fd^liefet 
inbeffen nid^t nur ben ©ebanfen in fi<3&, bafe er ®ott gel^ört, 
fonbern ben, bafe il^n @ott gebrauii^t, il^n ju feinem Drgan 
macfet. S)aö jroeite ^JJräbifat aniarsilfv eig t6v xoafiov b^eid^inct 
nid^t einen jeitlicfe vom erften gefd&iebenen 2lft, fo ba§ bie 
Heiligung 3efu alö oorange^enb gebadet würbe. "Me baö 
Äommen 3efu im @oangelium fein gefamteö auftreten umfaßt, 
fo bejci(Jnet bie ©enbung bie Segrünbung beöfelben burd^ ®ott. 
SBeife bejiel^t bie Heiligung auf bie Xaufe 3efu unb bie 
©enbung auf baö barauf folgenbe öffcntlid&e auftreten. SMein 
bie ©enbung in bie SBelt umfafet bei Sol^anne« bie gefamtc 
irbifd^e ©jiftenj 3efu, fein gefamtcr Sebenölauf unb bamit feine 
ganje 5ßerfon in aDen il&ren Xl^aten unb 3Borten entjiammt bem 
SBirlen ®otte«: er fommt oon ®ott l^er in bie SSJelt. 2)em' 
entfpred&enb barf man aud^ ayial^eiv nic^t auf bie 2^aufe 
befd^ränfen. Slid^tig ifl inbeffen an biefer 2)eutung bie Sejie^ung 
auf bie 2ludräftung mit bem ®eifte. 3)iefelbe ift fd^on burd^ 
ben äuöbrudE üyioLi,siv nal^e gelegt. Slud^ biefe befd^ränft itd&, 
wie fd^on gejeigt ift unb ftd^ fpäter nod6 genauer ergeben wirb, 
nid&t auf bie Xaufe, fonbern fte umfafet ebenfallö bad gefamte 
Seben 3efu: er felbft, feine aaQi, er in feiner meufd^lid^en %xt 



— 33 — 

flammt auö bcm (Seifte. ®er äuöbrurf entfpTld6t alfo bem 
Umfange nad^ butd^auö bem 5ßräbif at äniarBilBv. 3bxx bejeid&net 
et baö 9Set{)ältniö , in weld^eö S^fuö ju ©Ott gefeit wirb, 
mäl^renb ber jtDeite fein aSerl^ältniö jur SBelt ausbrüdt. S)utd^ 
t)ie in biefe SBorte gefaxte S3egabung itnb ©tettung fielet Sefuö 
übet benen, ju benen baä 2Bort ©otteö fam. ®ä tft oft barauf 
axtfmerffam gemad&t worben, bafe bie beiben auf S^fuö belogenen 
^täbifate biefelben finb, bie für bie Sluötüftung bet 5ßtopI)eten 
öcbtaud^t werben. ' 

gut ba§ 3Setftänbni§ biefet ©tette genügt eö, feftjufteHen, 
bag 3ef u§ but(^ biefe SBotte als bet S3ote ©otteö bejeid^net witb, 
b. 1^. als bet, mit bem baö 2Bott ®otte§ in bie 2BeIt fommt, 
benn bet 5ptopI)et ift bet, bet baö SBott OotteS btingt. ^n 
befonbetS einjigattiget SCBeife fommt mit S^fwö ba§ SBott ©otteö 
in bie SEBelt. 2)atauö , bajj bieö bet im jroeiten Stelatiofaß 
auögebtürfte ©ebanfe ift, etHätt eö fi(^, bafe bet SBotjug betet, 
bie d^soi genannt roetben, in bie SBotte gefaxt toitb: ju il^nen 
fam baö SEBott ©otteö. ®ä ifi nun oerftänblid^ , inrotefetn bet 
jmeite $Relatit)fa| getabe biefem ©ebanfen gegenübet eine BXtv 
getung bebeutet. SDie Sßütbe bet einen befielet batin, bafe baö 
SBott ©otteö JU il^nen fommt, bie SBütbe beö anbetn batin, bajg 
eö butd& unb mit il^m fommt. S)en einen bleibt baö SBott 
(Sotteö tXvoa^ äufeetlid^eö: e§ fommt alö ein neueß, jraeiteä ju 
i^nen l^inju. ^efus bagegen etl^ält eö babutd^, bafe ®ott il^n 
t)utd& ben ©eift bilbet unb fein SSuftteten begtünbet unb geftaltet. 
(§x mitb nid&t babutd^ jum 33efi|et beö SBotteö gemaijt, ba§ e§ 
als ein jroeiteS ju i^m {)injufommt, fonbern but(| bie 2ltt, wie 
©Ott ü^n felbet butc]^ ben ©eift bilbet. Äautet nun bie %oh 
öetung auö bem Sd^tiftroott : butd^ ©ottes SBott fommt ©otteö 
aitt }um aRenfd&en, butd^ fein SBott teilt et fein SBefen, b. 1^. 
<Sottl^eit mit, fo gilt bieö oon S^fw^ w fo t)iel {)öl^etem 3Kafee, 
afö nid^t nut ju il^m baä 2Bott ©otteö fam, fonbetn but(| i{)n 
bas SBott ©otteö in bie SBelt fam. 3n bemfelben S8et{)ältniö, 
tu bem et jum SBotte ©otteö ftefit, fielet et jum SBefen ©otteö: 
€t ift mit ©Ott einö, ift ©ott. 

35ie 35atfteIIung l^at beteitö gejeigt, bafe bie t)ottftänbige 
tabl^ängigfeit gefu, feine gänjlid&e Untetotbnung untet ©Ott, nid^t 
einen ©egenfaft ju feinet (ginl^eit mit ©ott bebeutet, fonbetn bafe 
beibeö faufal miteinanbet oetbunben, ja ibentifd^ ift. aitte SBotte, 



— 34 - 

in bcncn 3cfud auöfprid^t, bafe er nid^t aus |t(i& fclbft rcbc unb 
l^anblc, fonbcm SBort unb SBcrf Don Oott empfange, follen eben 
bte Sebeutung feined 9(ufttetend audbtüden. ®ben bedtoegen ifl 
fein SBort unb SBerf Ootteö SBerf. 2)urd& feinen Oel^orfam 
gegen ®ott, Dermöge beffen ©otted SBitte fein SBille ift, fein 
SBerf Ootteö SBirfung, fein SBort ©otteö ®abe ift, maä)t er p* 
felbft jum Drgan ®otte«, jum Drt ®otteö, unb ifi eins mit 
©Ott. Ober Dielmel^r: nid^t er felbft ma^t fid& ju ©otteö Drgan, 
fonbem inbem er ©Ott gegenüber feinen eigenen SBitten l^at, 
mad^t ©Ott il^n ju feinem Drgan; er ,, heiligt" il^n unb mai^t 
fid& mit i^m einö, mad^t fid& ju feinem Drt. SefuS ifi ©Ott 
gegenüber bcr SBartenbe, ©mpfangenbe, ©ott ift ber ©ebcnbe. 
Sie Überorbnung ©otteö über 3efuö befielt nid&t barin, ba^ 
©Ott etroaö für jid^ bcl^ält, Dielmc^r teilt er fid^ Sefuö ganj mit 
unb mad^t il^n jum Jtönig ber ganjen SBelt, fonbertt @otte$ 
Überorbnung befielet barin, bafe er ber 2lnl^ebenbe, ©ebenbe, 
Segrünbenbe, SefuS ber ©el^ord^enbe, ©mpfangenbe, äusfül^renbe 
ifi. SRid&t Sefuö jie^t burd& feine grömmigfcit baö ©eben ©otteft 
auf fld& l^erab, fonbem in ©otteö @abe ift fd&on ber anl^ebenbe 
©cl^orfam 3efu begrünbet. 

3)ieö ift f^on bamit auögcfprod&en, ba§ 3efuS feinen ©el^orfam 
gegen ©Ott barauf jurüdffül^rt, bafe er ber ©ol^n ift. ©eöl^alb ifl 
ba§ SBort 14, 28 : bcr SSater ift größer alö ii), nid^t ein SBiberfprud^ 
ober eine ©dbroierigfeit in biefer ß^riftologie, fonbem eö ift bie 
biefelbe tragcnbe SSorauöfe^ung. 2)ie SBed^felroirfung jroifdfeen 
©Ott unb. gefuö üerläuft fo, bafe ©Ott, inbem Sefuö ftd^ t^m 
unterorbnet, 3efum neben fid^ ftellt, ober Dielme^r, ba Sfol^anned 
abfi(^tlid& ben 3luöbrudE ber SRebenorbnung üermeibet, i^n in ftc^ 
aufnimmt. @ö ift beöroegen ein feltfameß aJiifeoerftänbniö ber 
jo^anneifi^en ß^riftologie, wenn man auf baö 93eten Sefu auf- 
merffam mad^t alö auf einen 3^0^ t^wrd^ ben feine ©inl^eit mit 
©Ott irgenbroie eingcfd&ränft würbe: bur(^ bic völlige, ftetige 
3?cceptit)ität gcfu ©Ott gegenüber ift ja feine @in^eit mit ©Ott 
gcrabe bcbingt. 2)cutHd& fprid^t So^anneö bicö in bem ©ebct 
am ©rabe beö Sajaruö 11, 41 f. auö. ©ä ift eine ©ntftettung 
beö ©ebanfenö, wenn man'üon einem „©d^cingebet" rebct. 3)a^ 
©ebct beginnt mit mol^lcrmogcncr 2lbfid^t mit bcm 2)anfc: 3cfu^ 
ift bcr ©rl^örung gemife, er meife bereits, bafe er crl^ört werben 
Tüirb, bafe er erhört ift, ba§ ©Ott il^n allejeit l^ört. hiermit 



- 35 — 

Toitb auöflefptod^en, bafe attcö ^\xn 3efu, eben roeil eö i^m 

von ©Ott ßeßeben wirb, burd& fein ©ebet Dermittelt ifi. 3)er 

©a^: bu l^örft mid& att^eit, ift bie notroenbige ©rgänjung beö 

anberen, ba§ ^efu gefamteö SBirfen (Sott entfpringt, ja, bafe et 

nt^tö t^un lann ol^ne ben aSater. SBie Sefuö ben SBatet attejeit 

^öxi, fo l^ört bet SBater allejeit S^fwwi- ©ö wirb burd^ biefeö 

2Bott nur auöbrüdlid^ auSgefprod&en, bafe 3efuö |tdb in biefem 

SSetl^ältniö ju ©Ott nid&t pafjio, fonbetn teceptio oerl^ält. 3)ie 

Sttpnßißfeit g^f« oon ©Ott erfd^eint nad& aufeen ate ein S^l^un 

beö SBittenö ©otteö, nad^ innen ate ein ftänbigeö auf ©Ott 

flerid&teteö Segel^ren, ein Sitten. ®ie Senjirfung bcö SBerfeä ifi 

bcmgemäfe ein beftänbigeö erböten ©otteö. SBeil ^efuS ©otteö 

SBiUen t^ut, t^ut ©ott ben SBittcn Sefu. 2)eöroeßen fprid^t et 

auöbtücflid^ auö, bafe il^n biefe ftänbige ©eroifel^eit bet etl^örung 

feines Sittenö begleitet. SRii^t etroa, weil i^m bieö etft jefit unb 

nut in biefem äugenblid geioife ift, fpti(^t et eö auö, fonbetn 

um T)ot bem SBoH ju befennen, bafe ©ott eö ift, ber biefe Xf)at 

tl^ut, bamit bem aSolf bie 2I|at jum ©laubenömotio roitb, bamit eö 

in 3efu X^at ©otteö 2:^at unb in feinem auftreten ©otteö 

©enbung etfenne. ^olfemann bemetft ju bet ©tette, „bie Ableitung 

beö unl^iftotifd^en 3^0^^ öuö bet Sbee beö ßogoö, beffen ©ebete 

felbfh)etftänbli(^ etl^ött roetben," fei fid&et. allein biefet 3m9 

etgtcbt fid6 bireft auö bem ©ol^neögebanfen. SBeil et bet ©o^n 

if*/ fo ift 3ef«ö geroife, bafe ©ott fein SBott mal^t mad^en mitb. 

SInbetö jietten fid^ abet aud& bie ©pnoptifet baö SBirfen 3efu 

ni^t oot. Sefu SBet! ift eben beömegen mad&toott, meil eö butd& 

©Ott gemitlt mitb, unb wenn Sefuö bei ben ©pnoptifetn nid^t 

nut felbft mit unbebingtet ^woex^xä^t tebet, fonbetn aud^ oom 

SBolfe unbebingteö SBettrauen auf bie SRad^t feineö SBotteö fotbett, 

fo fefet bieö uatütlid^ ootauö, bafe et aud& nad& ben ©pnoptifetn 

gemiB ift, bafe ©ott i^n „attejeit ptt". 

aßenn in 3efu SBirfen ©otteö 2Bitfen in bie 2BeIt ^inein^- 
tritt, fo mitb bamit ^e^\xQ nid&t auf bie Stufe eineö „2)ut(^' 
gangöpunfteö" füt bie göttlid^e S^ätigfeit f)etabgebtüdEt. 3)ie 
oöllige g^ieceptioität ©Ott gegenübet jetbrüdEt bie ^ßerfönlid^feit 
3efu nid^t. 2)ie oon ©ott in il^m geroedfte SCf)at i)at bie SSe- 
beutung eineö eigenen 2Bittenöafteö .^efu unb fein 2Berf ift nidfet 
tixoa nur „empttif($" betrad^tet fein eigeneö 2Bet!, mäfirenb eö 
untet „teligiöfet Setrad^tungömeife" alö ©otteö SBetf etfd^eint. 



— 36 — 

^iefe 2)eutung bet jol^anneifd^en ^^rifiologie ertoeifl ftd^ aud^ 
no(^ an einet fpäter ju etörtcmben Slcil^e t)on äuöfagen gcmcffen 
al§ ö^wi^Ioö. 3cfuö fiettt fein eigene« SBetf neben Oottcö 2Bert 
alö bejfen aSottenbunß. ©ein SBirlen fe^t baö ßöttlid&c SBirfen 
fort unb bringt es an^ ^uL Si^ö brüdt ber Xexminn^ 
TsXeioo) auö: er mait baö t)om SBater begonnene SBBerf fertig, 
4, 34; 5, 36; 17, 4. S)ie SRegel, bafe ber ajJenfd^ [xd^ nid^tö 
nel^men fann, roaö i^m nidit auö bem ^immel gegeben ift, 
3, 27, wirb befonberö auf ben ©rfolg beö SEBirfenS 3^1« <J"- 
geroanbt. 2Ber ju '^t^n^ fommt, ben ^at @ott i^m eegeben, 
6, 37: QÜeö, toqö mir ber SBater giebt, wirb ju mir tommen, 
Dgl. SB. 39. SBaö er f)at, l^ält er beöroegen feft, weil ©Ott es 
i^m gegeben ^ai, 10, 29. 58gl. femer 17, 2. 6. 7. 9. ,12. 24; 
18, 9: ©eine jünger gab ©ott i^m. 3)er ©ebanfe wirb ni<]^t 
nur auf bie 3Jlenf(ä&en angeroanbt: SRiemanb fann ju i^m 
fommen, wenn eö if)m ni(^t t)om SBater l^er gegeben ift, 6, 65, 
ober, menn il^n ber 58ater nid&t jiel^t, 33. 44, fonbern aud^ auf 
3efus. Slud^ SefuS fann [xS) ni($tö nehmen, mag @ott il^m 
nid^t giebt: er ift ®ott gegenüber ni(^t nur in 33ejug auf SBort, 
^raft unb 2Berf rein receptit), fonbern aud^ in Sejug auf feinen 
©rfolg ift er ber ©mpfangenbe. Unb nid^t nur ben ©rfolg feines 
2BirfenS grenjt ®ott ab, fonbern anä) bie 3Kenf(^en, an bencn 
3efuö überl^aupt mirfen fott, fü^rt ©Ott i^m ju. ^efus ge^t 
nidfet aus, um ju fud&en, fonbern er läfet bie aJJenf(^en ju ftd^ 
fommen. ©eine ®üte äufeert fid& nid^t im 3luffu(^en berer, bie 
feiner bebürfen, fonbern barin, bafe er bie, bie ju i^m fommen, 
ni(ä^t IjinauSfiöfet, 6, 37. SBie fid& l)ierin fein ©el^orfam gegen 
©Ott äußert, fo liegt eben in ber abmartenben, nur l^inne^menben 
Haltung 3^fw ^^^ SRenfd^en gegenüber ber ©laubenSaft. S)iefeö 
3ufammenn)irfen ©otteS unb ^efu jeigt mieber, mie uöttig für 
SefuS feine Unterorbnung unter ©ott mit feiner ©teHung neben 
©Ott üerbunben ift. ©inerfeits vermag er nur bort ju mirfen, 
mo ©otteS SBirfen ilim vorgearbeitet f|at, anbererfeits fefit fxi) 
©otteS SBirfen in feinem 2Birfen fort unb erreid^t erft bur(| 
Sefu X^ai fein 3iel. SDaS 58erl)ältniö mirb 4, 36 burd^ baS 
SBilb t)om ©äemann unb ©(ä^nitter erläutert. S^fn SBerf oer- 
gleiiä^t fic^ ber 2lrbeit bes ©c^uitters, ber ben ©rtrag ber aJlül^e 
beS ©demanns einfammelt. B^Ö^^i^ "tit bem ©rntenben erlebt 
ber ©äenbe ©rtrag unb greube feiner 3lrbeit. aJJit ber 3lrbeit 



^ H ^. l -i,.W„ ' .jajJg n 



— 37 — 

teilt ©Ott aiid^ feine greube mit S^fuö: bie DöHiße ©inl^eit 

bctber jeiflt [x6) barin, bafe jebet fic^ am SEBerfe bcö anbern freut. 

SDicfcr ©eft(^töpunft bcf)errfd^t bie ^arftettuna ber SBirffamfeit 

Scfu im ®t)anöelium. 3lxä^t ein SBort ober eine 5C^at S^f« 

üctanlafet ben Seginn feiner ^l^ätigfeit ober mad^t feine SSe- 

bcutung erfennbar. S)ur(^ eine göttlid&e Offenbarung mirb er 

bcm 2^äufer bejeid^net. 3l\ä)t auf einen SRuf l^in folgen il)m bie 

erftcn 3ä"8^i^f fonbem junäd^ft folgen fie il&m auf SSeranlaffung 

jeneö S^äuferroorteö unb bann erft fommt $^efu§ iljnen entgegen. 

(Sl^arafteriftifd^ ift in ber ®rjäl)lung ber @ebrau($ beö 5JBorte§: 

svQLoxsiv, n)el(ä^eö baö jufäHige 2lntreffen bejeid^net, ogl 35. 42. 

44. 46.^) 3)er ©oangelift mad^t baburd^ barauf aufmerffam, 

ba§ ^ier ni($t bered&nete W\\i^i, menf(^li(^er SBiHe, überl)aupt 

nid&tö ©efud&teö unb ©emad&teö oorliegt. ^arin liegt il^m bie 

@eu)äl^r, bafe l^ier ©otteö Seitung maltet. 

S8on bemfelben ©efid^töpunft au§ ift ber ©injug ^^f^ i^ 
Scrufalem 12, 12 ff. bargeftettt. 2Bäl|renb bie ©pnoptifer bie 
Slbfid^t S^fu ^ert)orl)eben, burd& bie gorm beö einjugeö an bie 
SBeiöjagung ju erinnern unb bie Slnorbnungen unb 58or:= 
bereitungen, burd^ meld&e fid& ^efuö baö SCier oerfd^afft, auö- 
fü^rlid^ erjä^len, erjäl^lt 3ol)anneö nur: er fanb einen ©fei unb 
fcfete ^\i^ barauf. er l)ebt alfo nidfjt %^Oii unb Sabfid^t 3efu, 
fonbern bie göttlii^e ©(^idfung l)eroor, bie biefe gorm beö ®in= 
jugeö bemirfte. 

SDie bargefieate 3lbl)ängigfeit Sefu oon ©Ott ftel)t alfo nid^t 
im ©egenfafe ju feiner ©inl^eit mit ©Ott, fonbern begrünbet bie= 
felbe. Snbem feine gefamte 3l!tioität in feiner Sieceptioität ©Ott 
gegenüber begrünbet ift, ift fein 3Bir!en ©otteö SBirfen, ©otteö 
. 93efi% fein 95efi^ unb er felbfi einä mit ©Ott. 5Die ganje 
©ebanfenreil^e aber ift ©rläutcrung ber 95ejeid^nung „@ol;n 
©otteö". ^ie Sejeid^nung ift bei ^o^önneö fo gut wie bei ben 
©^noptifem meffianifd^: ber ©ol)n ©otteö ift ber 6l)riftuö. 
Mein ber bargeftettte ©ebanfenfreiä ftettt bar, moburdö er ber 
e^riftuö ifi: burd^ biefeö aSer^ältniö ju ©Ott ift er ber ©ol^n. 
2)er 6f)riftuöname ift nid^t ein äufeerlic^ il^m angeliefteter S^itel, 
fonbern eö ift in ^efu gjerfon begrünbet, bafe i^m biefer SCitel 
jufommt. Unb basjenigc aSerl^ältniS ju ©Ott, burd^ meld^eö er 



SJgl. SSeiJ au biefen Stellen. 



— 38 — 

jum ßl^rifitud wirb, ficttt eben Sol^anneö bar. 3lud§ bte ©pnoptifer 
beantworten bie grage, warum gerabe 3efud ber @l^tifhtd ifi, 
inbem fie fagcn: burd^ ben ®ei^ l^at il^n ®ott jum ß^rifhiö 
ßemad^t: ate ber Präger beö ©eifteö ijl er ber (S^rifiuö. 
So^anneö gc^t in ber SJeutung beö Sßerl^ältniffe« }u ©Ott, burd^ 
n)eld&eö 3efuö jum ß^riftuö wirb, nur nod^ weiter. ®ö ifi aber 
beutli(i&, bafe nid&t jwei begriffe Dom ©ol^ne ©otteö bei ü^m 
nebeneinanber ficl^en, ein fogenannter „meffianifd&er" unb ein 
,,metapl^pjifd^er". ^Sielmel^r l^at ber äuöbrurf burd&gel^cnb bie 
flleid^e Sebeutung.^) 



») ^iefciS an fic| ganj cinfa^e SJctl^dltni« bcburftc bcSwcgcn einer fo 
augfül^rlid^en Darlegung, weil eine lutje SJcmcrtung leicht migberpanbcn 
wirb. <So bel^auptet ^olftmann, Sf^cutcftamcntlicle Xl^cologic I, @. 265, 
^nm. 1, i(^ l^ättc ben meffianifd^en ©inn ber ^Se^eii^nung „©ol^n ©otte^" 
geleugnet. 3(^ l^offe, ba| bie obige ^orfteKung beuttic^ genug ift. 



_i 



Per lltfpruttg §iefu m^ bem ^xvxml. 

3um Dottftänbiflcn SBcrftänbniö bcö Scgriffd „©ol^n ©ottcö" 
flc^ört bic ©tläutctung bcö Sefcnntniffeö t)om ^immlifd^cn Urfptung 
3efu, tüelc^cö in bcr jol^anncifd^cn ©^rtftologic eine bcbeutfame 
©tellunfl einnimmt. SJian pflegt biefen ©ebanfen mit bem 
^äepiftenjöebanfen jufammenjufteffen unb and bemfelben jn er^ 
flären. 3)afe ^efuö auö bem ^immel gefommen ifi, bebeutet, bafe 
«t üor feinem gefd^id^tlid&en Seben im ^immel roat, biefe feine 
^immlifd^e ©jifienj aber aufgegeben unb mit feiner irbifdfeen 3)afeinö- 
flcjialt Dertaufd^t ^at. SBBeife erllärt : ,,3luö bem ^immel ifi er jur 
®rbe tierabgefiiegen, roeil fein mefjianifd&er 33eruf fein ©rfd^einen 
auf ßrben forberte. 3lfe ber, melier urfprüngtt(^ im ^immel 
geroefen iji, ifi ^t\\x^ ber einjigartige ajJenf^enfo^n, ber je^t 
jmor bie göttli^e ^errlid^feit nid^t befi^t, aber ber fteten gött- 
ßd^en 2Bunberl^ülfe geroife ift."0 //®ö ift nid^t gefagt, ba§ ber 
Sogoö gleifd& annahm, fonbcrn, bafe ber ßogoö 5leif(^ würbe, 
't^^x^ er alfo etmaö anbereö rourbe, ate er früher roar."^) @leid&- 
TOOl^I bemerft SBeife: „®ie ©enbung beö eingcbornen Sol^neä 
toirb bei ^joi^anneö nid^t, wie bei ^JJauluö, unter ben ©efid^tö^ 
punit einer ©miebrigung gejtellt; fie l^at uielmel^r nur 'baju 
beigetragen, bafe biefelbe feinem SBefen nad& offenbar unb er 
fo unter ben ©laubigen, meldte feine ^errlid^feit erfannten. Der- 
^crrlid^t murbe."^) Sßad^ SBeife wirb alfo burd^ bie SBorte t)on 
bcr i^immlifc^en ^erfunft 3efu gefagt, bafe ber fiogoö pd& in 
einen aRenfd&en üerroanbelte. 3lnberö beutet ^Jjpeiberer*) ben 
©ebanfen: „(gö (b. \ baö SEBort marb gleifd^) Reifet einfad^, bafe 
et einen aus irbifd^em gleifd^ befie^enben aWenf(^enleib am 



*) SRciitcftamcntL 2:]^coto9ie, § U4. 

«) § 145«. 

«) § 145 c. 

*) ^aS Urt^riftentum, 6. 758. 



— 40 — 

genommen ^abe. 2)ie ^etfönlid^feit be« uranfänflnd^cn ]^imm= 
Iif(i^en ©otteöfol^ncö blieb babei unoeränbcrt , nur ^eim ®r= 
fd&cinungöform rourbe eine anbete, inbcm er feinen ^immctöglanj 
Der^üttte imler bem ©rbcnfleib beö iierbli(^en 3Kenfdöen Scfuö, 
um batin feine oorübetöel^enbc „^dtroü\)n\xnQ^^ unter unö ©rbcm 
menf(^en aufjufi^Iaöen. 2)er jo^Qnneif^e G^riftuö ift alfo nid&t 
ein eigentlicher 3Kenf(ä&, ber t)on ber 6rbe l^er ift, fonbcrn er f/i 
iüefentli(ä& ber göttUd^e Sogoö ober ©otteöfo^n .t)om ^immel/' 
^arnacf^) erflärt „bie SBorftettung ber ^immlifd^en ^erfunft unb 
^räeEiftenj" naä) ben jübifd^en Sßorftettungen über bie gJräejifiens 
beä aneffiaä. ,,2llfo bleibt nur ber SCI^atbeftanb übrig, bafe ber 
3Weffia§ jroar ävdgcanog ift, ober bennod^, unb jnjar als fold^et, t)or 
feiner jeitlid^en @rf(i^einung bei (Sott geroeilt ^at." „SBic jcmanb, 
ber alö 2Renfd& geboren werben wirb, fd&on oor ©rfd^Qffung ber SBelt 
bei ©Ott meilen fann, fragte man nid&t, weil man nid^t pl^ilo-- 
fopl^ierte." „ßö finb feine äuöfagen über „^räefifienj" in bot 
Sinne, ben man f)eute mit biefem SBorte oerbinbet; benn fie bej^anpten 
nid^t, ba§ Sefuö alö göttlid^eö Oeiftmefen oor feiner irbifdfeen ©fiftenj 
e^ifüert t)abe, fonbern fie Dcrfeßen ben ganjen 3Kenf(^en in 
bie oorroeltlidfte 3^^^ J" ©Ott." 2lnbeutungen ju einer nnbern 
erflärung beö „kommend 3efu in bie SBelt" giebt Äö^Ier,^) 
inbem er ben ©inn ber begriffe „^immel" unb „SBelt" bar^ 
ftettt. „®ie ©runboorftcttung , meldte bie jol^anneifd^e SEBclt^ 
anfi^auung mit bem SEBorte „^immel" Derbinbet, unb welche and^ 
in ber jur aSergeiftigung fortf(^reitenben ©ntioidEIung beä begriffe* 
fi^ geltenb mad^t, ift atterbingö bie SBorftedung beö über bie 
@rbe auögefpannten ^immetegeroölbeä mit bem baliinter befinb^ 
lid^en SRaume." 3)ann aber bemerft er, bafe ^immel unb ©Ott 
9BBc(^f elbegriffe finb, ferner: „3)ie ganje ©umme ber gottfremben 
unb gottf einbüßen 3Jfotit)e unb Äräfte, wie fie im Seben unb 
treiben ber aKenf(^en ineinanber mirfen unb jufammen^ängenb 
fid& ausprägen, bie in ber aKenfd&l)eit oenoirflid&te lebenbige 
Drganifation beö SBöfen — baö ift bie aSBelt." „SBirb nun ber 
in biefem ©inne aufgefaßten SBelt ber ^immcl gegenübergeftellt, 
fo ift unter le^terem ber Sereid^ ©otteö, bad l)ei6t baö ©cbiet 
ber reinen, oon feinblid^en ©infläffen freien unb unoerf ehrten 



1) 8eitfd§rift für 2:^eoroöic unb mx^e. 2. Sal^rgang 1892, @. 200 ff. 
«) ^on ber SBcU sunt §immetrcid§, ©. 1—7. 



— 41 — 

ööttlidfecn Dtbnunö ju oerfte^cn. SBon einer lofalen Segrenjung 

tft babei nic^t bie SRebe." SBon l^ier au« fommt Äö^ler fd^üefelid^ 

}u bem ©(J^lufe: „®r tft in bie SBelt gefommen, baß will 

bcbeuten : 6r ift in bicfeö uerfel^rte 2^reiben, in biefeä ^errfd^aftö= 

gebiet bcö 33öjen mit einer bejHmmten Seruföaufßabe eingetreten, 

^0 bafe er fi($ von Slmtö roegen mit einem Äreife ju fd^affen 

ma<^t, bem er felbft naä) feiner 5Ratur= unb fiebenßrid^tung nid)t 

angehört." ©leid^roo^l finbct Äö^ler ben lofalen Sinn beö 

Äommenö S^fw öuö bem ^immel in ben 2luöbrü(fen dvaßalvsiv 

imb xaraßacveiv, 6 ävcDd-sp sQ/ofisvoq unb bemgemäfe in einer 

ganjen Sieil^e t)on 3luöfagen beö @oangeliumö mieber.^) gerner 

fragt cö fid&, mie ber fo ober anberö uorgeftedte l^immlifd^e 

Urfprung 3efu fi(| ju feiner ^ßräe^ifienj oer^ält. Äötjler fagt: 

,,3Bie DoHjiel^t fi(^ nun baö Äommen ^efu oom ^immel in bie 

aSelt? 2Bo ift ber Übergangöpunft ? 3luf ©runb ber ße^re 

Dom präejiftenten Sogoö liegt eö noi^t, biefen ^JJunft in ben 

5lugenblicf ber ©eburt ju Derlegen." ^iernai^ f^eint eö, alö 

forbere nad^ Kollier bie ^räeEiftenjoorftettung bie Sejie^ung beä 

,,Äommenä in bie JBelt" auf bie ©eburt 3^fu. 3Benn nun 

biejer Segriff gelegentlid^ einen anbern Sinn ^at, fo bliebe mi^ 

^ier ein ungelöfteö 5ßroblem. 

2)a6 ^ol^anneä Don einer realen perfonl^aften ^räeEiftenj 
S^rifti rebet, fte^t feft. ^arnad^) bemerlt über biefen ^unft: 
,,@ö tann fd^roerlid^ bezweifelt werben, bafe er nicifet nur eine 
,,ibeale" — wenn man fie fo nennen n)itt — meffianifd^e ^rä- 
cfiftcnj 3^fu Dorgeftellt l)at, fonbern eine reale ©fiftenj bei 
©Ott," S)ieö erfennt au(J& Sepfd^lag^) (xn\ ,,2)a6 berfelbe fid& 
ben präeyiftenten ß^riftuö ate eine oon ©Ott unterfd^iebene, thtn- 
fallö gottgel^ciligte ^erfon oorgeftellt l^at, mirb nad& bem ©ingang 
feines ©oangeliumö, fotoie nad^ ber ©teile 12, 41, in meld&er 
er bie bem Sefaia erfd&ienene ^errlid^feit ©otteö auf Sefum 
beutet, nid^t }u beftreiten fein." 3)ie grage ift alfo bie: 2Bie 
oerl^ält fi^ ber gef(^id^tlid&e 3efu§ jum präejiftenten ? 2Bie ift 
bie ^erfunft 3efu auö bem ^immel Dorgeftefft? 

S)cr SluöbrudE finbet fic6 an folgenben ©teilen: 3, 13: 

ix Tov ovQavov xaraßdg, 6 viog tov dv&Qconov, 3, 31 : 



©. 2. 

») 31. a. D. @ 204. 

«») SRcutcftamcntt. 2:]^eorogic. 2. Slufl. 2. 39anb. <S. 430. 



— 42 - 

o ix Tov ovQuvov iQX^ofXBVoq inavco navrcov sotIv. 6, 32ff. : 
öldoyaiv v/ntv tov agxov ix tov ovgavov tov dXtj^ivov. 33. 38: 
xuTaßsßtjxa ano tov ovquvov, SB, 41 : iyd si/tu 6 uQTOt; o 
xaTußaq ix tov ovquvov, 38. 42 : ix tov ovgavov xaraßdßfjxa, 
58. 50: ovTog ioTtv 6 uQToq 6 ix tov ovquvov xaTaßalvcDV. 
33. 51 : iyci sifxi uQToq 6 l^cav 6 ix tov ovquvov xaraßag. 

6ö finbcn fid^ al\o in bicfcn a3crbinbun8en bie SBottc xaraßalvBiv 
unb einmal sg/ja&ui, unb jroar in aoriftifd&cn, pctfeftifd^cn unb 
präfentifd&en gormcn. 

S)ct ©inn bcö SKuöbturfd wirb burcfe bie parallelen unb 
fpnonpmen SBenbungen beleud&tet. 3, 31 bietet ate parallele ju 

o ix TOV ovgavov ig/o/nsvog bie SBotte o avcodsv SQX^f^^'^^^ 

inavo) nuvTcov ioTiv, S, 28 bringt bie SBenbung iyco ix Tm 
(xv(o eifiL 2lm tiäufiöften finbet fid& al« ^arattele ber Sluöbruct 
t)on ©Ott fein. 2)ie ©tette 16, 28 jeigt am beutlid&ftcn burd 
ben nad^folflenben ©egenfal, bafe biefe SBenbung bem Sluöbrud: 
,,auö bem ^immel fommen" burd^auö fpnonpm ift: i'^ijX&ov ix 

TOV nuTQog xai iXrj'kvd'a sig tov xoa/nov' nuhv aq)l7]fxi tov 
y.OG/uov xai noQSvojuav ngog tov tiutsqu, ©leid^ beutltci^ jeigt 
fldfe als ^Parattele ba« 2Bort VI, 8: ayvia^av aXtj&ojg Sn nuga 

<Tov i^ldov. §iema4 i^at man ein SRe^t, biefe SBenbunfl 
überl)aupt alö fpnonpm anjufelien. Sie finbet jid^ noc^ 3, 2: 

ano d'sov iXrjXvd'ug, 6, 46: o (ov naga tov &sov, S, 42: 

ix TOV &eov ilrjl^ov xai tjxa). 9, 16 fäHen bie ©egner ba^ 
Urteil: ovx sgtiv naga tov ^sov, 3)em entfprid^t 33. 33: h 

f-irj rjv ovTog naga d'sov, 13, 3: ano d'sov i^?jk&€v xai 
ngog tov &s6v vndysi. 16, 30: niGTSvo/nsv oti dno Ssov 

iiijkdsg. S)iefem SKuöbrud entfpred^en bie ja^lreid&en SBorte, in 
benen baö 3luftreten ^efu alö ein Äommen in bie SBelt ober al3 
ein (Sefanbtfein in bie SBelt bejeii^net mirb, nämlid^ 1, 9; 
3, 17. 19; 6, 14; 9, 39; 10, 36; 11, 27; 12, 46; 16, 28; 
17, 18; 18, 37. ^n biefen Sorten finben fi* bie «ßräbifate 
i'g/sG&ai, dnoaTsllsiv in perfeftifd^en unb aorifiifd^en , bie 
^JJarticipia ßeleöentlid^ in präfentif(^en formen. 

Site Dppojttum tritt am l^äufißften ber Sluöbrud auf: au§ 
ber 2Belt fein. 8, 23 : iyo) ovx stfii . ix tov xog/liov tovtov. 
17, 14: iyco ovx sifxl ix tov xoGfiov, ebenfo 17, 16. 2)a3 
aSBort 8, 23 bietet afe ^Parallele: vf^stg ix t(ov xarw iarl 

8, 44: vfistg ix TOV nuTQog tov diaßoXov ioTS. 3, 31 bietet 



— 43 — 

alä ©Cgcnfafe jU 6 ix rov ovgavov ig/oitisvog blC SBottc: o cov 
€x Tfjg yijg ix rtjg yijg iariv xai ix rijg yiJQ XaXsi. SBgl. aud& 
au^ bctn crfteu Sricfc 3, 8: 6 noicSv r?jv afia^rluv ix roif dia- 
ßokov ioTiv. 

35cr Sinn bcr angefül^rten SBcnbungen erläutert fic^ burd^ 
bcn ©ebraud^, ber in anbern aSerbinbungen von i^nen gemad^t 
totrb. SDaö Urteil, bafe ^efuö nid&t auö ber SBelt ift, wirb 17, 
14 aud& auf bie Sö^Ö^^ auögebefint: ovx slaiv ix rov xog/uov 
xa^üi^ iy(o ovx si/ni ix tov xogjliov. ©erfelbc ©ebanfe finbet 
fid^ 15, 19, roo er burdö ben Oegenfa^ erläutert wirb: ix rov 

x6a/nov ovx iari, dXV iyco i'^sXe'^djUfjv v/näg ix rot» xoa/Liov, 

SDaö SQBort 19, 36 oerbinbet baöfelbe ^räbifat mit bem SReid^e 

ß^rifti: ^ ßaoiXfla fj ifirj ovx sgtlv ix rov xog/uov tovtov. 

©agegen gilt t)on ben geinben ^efu 8, 23: v/usig ix tovtov 
TOV xoG/Liov iGTl 3luö bettt etftcn 33riefe läfet jtd& nod> 2, 16 

l^erbeijief)en : ^ imSv/uia rijg Ga^xog xai ^ inidv/Lila toov 
ocp&aX/Liwv xai rj dXa^ovia tov ßlov ovx SGiiv ix rov nuTQog, 

dXld ix tov' xoGfiov €gtIv. gerner ifi ju üergleid&en 4, 4. 
§ier werben bie ©laubigen ben falfd^en ^ropl^eten gegenüber- 

gefiettt: v/xstg ix tov d-€ov iGTS — avToi ix tov xog/liov sigIv, 

Sßgl. aS. 6. SDaöfelbe Urteil mit bem subj. rifing, 5, 19, 
ol'dafXBv oTi ix tov dsov iGfiev. Sie ©eifter jtnb ju prüfen st 
6x tov &£ov iGTLVy 4, 1. 58. 2 wirb 't^a^ 9JJer!mal beö Urfprungö 
aus ©Ott angegeben. aSgl. 3, 10: ndg 6 (xrj noiSv 6ixai.oGvvfjv 

ovx iGTiv ix TOV dsov. ©em entfprid^t 4, 7 jj dydnij ix TOV 

^sov iGTLv. — 3llfo au(^ auf bie ^ropl^eten, bie ©lieber ber 
©emeinbe unb auf baö, raad il^ren 33efife auömad^t, auf bie ©e= 
red^tigfeit unb Siebe wirb baö Urteil auögebel^nt: jie Rnb auö 
©Ott. 2lud^ für bie 93ejei(^nung beä Äommenö 3efu alö Äommen 
in bie SBelt bietet ber erfte 33rief eine parallele 4, 1: noXXot 

xf/Bv^07iQoq)rJTav s^fXfjXvd-aGiv sig tov xog/liov. 

aSoIlftänbig fpnonpm bem 3lu§brudE: auö ©Ott fein ift bei 
Sol^anned ber 3luöbrudE: auö ©ott geboren fein. Sieö jeigt fid& 
am beutlid^ften im erften Briefe 3, 9 f. 3)ort entfprid^t nag 6 

yeysvvtjfiivog ix tov dsov d/uaQTtuv ov noist, SB. 9, ben 
äßorten näg firj noitav ÖixaioGvvrjv ovx sgtiv ix tov d'eov, 
93. 10. @benfo 4, 7 ij dydnri ex tov &sov iGTiv unb ndg o 
dyancov ix ror Sbov ysyivvrjTai. 5, 1 l^eifet eä : ndg o niGT£va}v 
ort ^IfjGOvg iGTiv 6 XgiGTog ix tov dsov ysyivvtjTai. SDieS 



— 44 — 

ifi Döttig parallel bcm SBottc 4, 1, na* rocWem baö ^efenntni§ 
jum Äommen G^rifti im gleifd&c baö 3WerfmaI beö ©cinö auö 

©Ott ift. ©benfo ift 2, 29 7r«c o noicov rrjp öiy,aiOO'uV7]V €§ av- 

Tov yfyevvrjTui gcitau pataHcl bcu SBorten 3, 10, in bcnen baö 
^räbifat nur lautet: er ift nic^t aus (Sott, ^icmad^ ift bei 
3luöbru(f: auä ©Ott geboren fein bei Sol^anneö vöüxq fpnonpm 
bem 2luöbrucf: a\x^ ©ott fein, unb atte ©ebanfenrci^icn, bie von 
ber ©eburt aus ©ott l^anbeln, finb jum aSergleidfe ficranjusid^en.^ 
3nt ©Dangelium finbet fi(^ ber 3luöbrud ix &sov yewrj&fjvai 
1, 13 alö ©rläutermtö beö Slußbrudö Tsycva &€ov 58. 12. 65 
ift alfo ber B^fönimenl^anö beS ©ebanfenfreifeö mit bcm Seöriff 
ber ©ottesfinbfd^aft auögefprod^en. 3lud^ 3, 10 ift rexpa tov 
i^sov ölßi<$tt)ertiö mit shai ix tov d'sov gebrandet. 3lllc Se- 
griffe, bie burdö bie aufgejätjlten 3lusbrü(fe bejei(^net werbe/;, 
bilben, roie ber nad&geroiefene ^aratteliömuS berfelben jeigt, einen 
in fid^ jufammenl)ängenben Sßorjiettungöfreis, unb eö ift roiüfürlii 
l)ier ©renjen ju jiel)en, bie ber @t)angelift nid6t innel^ält. 3n 
ben ganzen ©ebanfenfreiö gel)ört natürli(^ aud^ baö ©efprd'c^ 
3, 3 ff. über bie ©eburt aus bem ©eifte. 5Dieö brandete ni(|t 
erft bemerft ju werben, wmn nid&t SEBeife bagegen ©infprud^ er- 
l)oben l)ätte:^) „9iirgenbS bagegen ift ber ©eift, mie au§f(3^lie6li(| 
bei ^auluö, als baö ^rincip beö neuen fittlid^en Sebenö gcbad&t." 
§ 150 d. ainm. 8: „dagegen ift ber ©eift aud^ bei ^ol^anneö 
nid^t alö ber ajJittler biefer ©otteömirfung (nämlid^ ber 3^WÖW"9 
auö ©Ott) gebac^t." hiergegen fprid^t bie auöbrüdflic^e ©rflärung 
beö ©oangeli ften felbft. S)afe ein ©ejeugtfein auö bem ©eifte 
©otteö ein ©ejeugtfein auö ©ott ift, ift felbftoerftänblidö. 3Jun 
fott eö auffallenb fein, bafe 3ol)anneö an ben anbern Stellen, an 
benen er oon ber ©eburt auö ©ott rebet, ben ©eift nid&t oö 
baö 9JJittel berfelben nennt. 2lber roenn er il^n aud^ nur ön 
einer Stelle unb noc^ baju an fo bebeutfamer ©teile unb in 



^) ^te 33eobad§tung, baß bie 5lu§bnldfe ^x loC s^eov dvai wnb /x lov 
d-soC yevt^qOijvai, ht\ gol^anneS böötg f^non^m finb, entwertet bie S3e^ 
ttierJung §arnadf§, a. a. D. ©. 198, äl^nüc^ aud^ SBetg § 145, a. Sinnt. 2. 
^a§ ber 5luöbrudf: auö ®ott geboren fein nid§t für ©l^riftuö, fonbcrn nur 
für bie ©laubigen gebraucht werbe. %a% ift nac§ ber oben gegebenen 
Statiftif ganj gleid^gültig. ^a^ bem ©prad^gebrauij^ beö So^anneö lönnte 
d yfyyfj^fig ix tov d^fov 5, 18 fi^ fel^r wol^l auf Sefttö bejiel^en. 

2) § 155, c. 5lnm. 5. 



. 



— 45 — 

einem fo auöößfül)tten ©ebonfengang als baö 3Jlittel ber ^tn- 

ßunß auö ©Ott bejcid^nct, unb tocnn er, toie in 58. 6 Qt^ä^k^t, 

nod^ auöbrü(fU(^ bcgrüubet, roarum mit ©cift cö fein fann, n)0= 

burcä^ eine neue ©eburt bewirft roitb, fo fte{)t bod^ l^inreid^enb 

feft, baJ5 er fi($ bie ©eburt auä ©Ott aU burd^ ben ©eift ©otteö 

Demüttelt Dorgeftettt l)at. ®ine bie cinjelnen StuöfüJ^rungen in 

biefer aSeife ifolierenbe Sarftellung ift am aHerroenigfteu auf baö 

Sol^anneöeoangelium anroenbbar. "^an üergifet babei, bafe ber 

aScrfaffer auö einer ©emeinbe unb für eine ©emeinbe fd^rieb, in 

ber eö, vok übrigens fdbon im ^wi^^ntum beftimmte 3SorfteIIungen 

über ben ©eift ©otteö gab.*) öeftimmte SBirfungen leitete man 

einfad^ unb ganj allgemein t)om ©eift ©otteö ab, roeöroegen bieö 

nid^t iebeämal gefagt ju werben brandete. 

3lIfo nad^ SolianneS ift bie ©eburt auö ©ott bur(^ ben 
©eift vermittelt. 

3n biefen ©ebanfenfreiö nun fügt fid& bie feftgeftedte Deu- 
tung bc§ 5Ramen§: ,,@ol^n ©otteö" ergänjenb ein. @ö ift felbft^ 
Derftänblid^, bafe mit bem 5Wamen (Sol)n ©otteö eine 3^fwö allein 
eigene Stellung bejei(^net werben foll. ®r ift 6 inovoysv^g 
vi6q, l, 18; 3, 16. 18. SÖBaS er ift, ift er attein. ©leid&wo^l 
jeigt bie gegebene Statiftif, bafe bie 3luöfagen über 3efuö 
erläuternbe ?ßarallelen an ben 3luöfagen über bie ©emeinbe, bie 
Äinber ©otteö, l^aben, auö benen entnommen werben fann, wie 
ber Urfprung 3efu auö bem ^immel oorgeftellt ift. 3)er ©r* 
jeugung burd^ ©Ott entfpric^t, wie bie ©tatiftif beweift, ber SRame 
ber ©ottesfinber für bie ©lieber ber ©emeinbe. ©o jeigt nun 
aud^ bie gegebene Erläuterung beö Segriffeö, bafe in ganj ana- 
loger aßeife ber Slbftammung ^efu auö ©ott ber auf i^n an- 
geroanbte SRame beö ©o^neö ©otted entfprid&t. SBie baö aWerf- 
mal bcö l^inimlifd^en Urfprungö unb ber ©otteöfinbfdfeaft baö 
SC^un ber ©eredfetigfeit unb beö SEBiaenä ©otteö, bie Übung ber 
Siebe unb bie ©ünbloRgfeit ift, fo tl|ut aud& Sefuö eben als ber 
©o^n ©otteö ben SBitten ©otteö, er :ift geredet, 1. 3ol). 3, 7; 
2, 29. aSeijs bemerft fiierju (§ 150 d), inbem er erwägt, ob bie 
^täbifate „Äinber ©otteö" unb „©o^n ©otteö" oerwanbt feien: 
„Offenbar l^eifet Gfiriftuö I, 3, 8 ber ©of)n ©ottes wegen feiner 
©ünbloftgfeit (58. 5) ober pofttio wegen feiner gottgleid^en ©e- 

^Ql mmd, ^er ^eilige QJeift. 



— 46 — 

rcd^tigfeit (58. 7, vqI 2, 29); imb aud^ I, 1, 7 f^ä^cint bcr 
5rtamc bc« ©ottcöfo^ncö auf feine ©ünbloftgfeit J^iujutoeifcn." 
6r fä^rt bann aber fort: ^.SBaö abet bei i^m feinem utfprün9= 
lid&en SSefen nad^ ftattfinbet, baö wirb bei ben ©laubigen geioirft 
burcfe bic B^^wgung au« ©Ott." 3lbcr fd^on bie gegebene ©tatifiif 
jeigt, bafe bie S^wßwng auö ©Ott aud& für 3>ßfwö gilt. Ur- 
fprünglid^es 2Befen unb S^WÖ^^Ö öu§ ©Ott jtnb eben für bie 
iof)anneifd&e ß^riftologie feine ©egcnfä^e. 

S)iefe Überfid^t über ben Sprachgebrauch geftattet bereits 
einen ©d&lufe auf ben ©inn beö Urteilö, ba§ Sefuö au« bem 
^immel ftammt. ®ö ift gleic^bebeutenb mit bem anbern, bafe er 
auö ©Ott fiammt, ober auö ©Ott geboren ift, oon ©ott fam ober 
gcfanbt warb. 3luö ©Ott ftammen aud& feine jünger, bie ®e- 
meinbe, bie Äinber ©otteö finb auö ©ott ober aus bem ©eifie 
©otteö geboren. ©cre(^tig!eit unb ßiebe ftammen auö ©Ott unb 
finb baö aJierfmal göttli(^en Urfprungö. ©ünbe bagegen ift boö 
3eid^en bed Urfprungö auö ber Sßjelt, ober t)on unten ^er, ober 
aus bem S^eufel. greilid^ ftammt 3efuö in befonberem ©inne 
auö bem ^immel, er ift ber einjige ©ol^n ©otteö. 3lttein bic 
©rflärung beö 3lamm^ fomol^I ate anä^ bie parallelen unb fpno= 
npmen SßJenbungen jeigen, mie biefer l)immlif(^e Urfprung vox^ 
gefteat ift. SDaöfelbe aSer^ältniä ju ©ott, vermöge bejfcn 3efuö 
©o§n ©otteö ift, bejeid^net ani) feine ^immlif($e ^crfunft. 35iefer 
3luöbru(f fagt nid^t, bafe 3cfwö t)or feiner irbifd&en ©siftenj im 
^immel war, unb hnxä) feine gleifd^merbung ben ^immel Vit- 
laffen l^abe. @r bejeic^net alfo niäjt ben Übergang auä feinem 
präejiftenten 2)afein in fein gef(i^i(^tlid&eä 2zbm: ba§ kommen 
aus bem ^immcl ift nid^t als SBermanblung in einen 9JJenfd&en 
oorgcftettt. 2)ie SBorfieHung ift meber lofal nod^ jeitlid^. aSieU 
me^r roirb ber l^immlifd^e Urfprung ^^fu in folgenber SBeife 
üorgeftettt : alle feine S^^aten unb 2Borte finb il^m oon ©Ott 
gejeigt ober gegeben, fie finb t)on ©ott geroirft, fie ftammen aus 
©Ott. 3"bem fein gcfamteS 2^f)Un aus ©ott fiammt, ftammt 
feine ^erfon, er felbft aus ©ott. ©ein {)immlifd&er Urfprung ift 
nid&t etiDa burd^ feine ©eburt abgefd^loffen, fonbern berfelbe um- 
fafet fein ganjeS 2zbm. 3lxä)t nur ber 3lnfang feines irbifd&en 
Sebens wirb als ein ^erabfommen aus bem ^immel bejeiijnet, 
fonbern fein ganjeS Seben, S^ljun unb Sieben fommt aus bem 
^immel. Sie l)immlifd&e ^erfunft ift ber bauernbe ©runb, bie 



— 47 — 

aSurjel fcincö ganjcn Scbcnö. 3)ic 3^W6W"9 ^^^^ ®ött ift ntdfet in 
irgenb einem aMoment abgefd^Ioffen, fonbern jie ift eine lontinuierlid&e. 
SDie ftetige Scgrünbung beö äBirfenS Sefu im ©elfte ©otteö — 
bicö eben ift fein l^immlif(^cr Urfpruno. 3luö biefcr SBorftcttunö 
etflären ftd^ bie ©pnonpma unb Dppoftta beö Segtiffö allein 
unb DoUjiänbig. 

35et funbamcntale Unterfd^ieb jroifd^en bem l)immlifd^en Urs 
fptunß 3efu unb bem ber Singer ift batin begtünbet, bafe Sefuö 
in ber ganjen Sici^e feiner S:^aten unb bamit in feiner 5ßerfon 
ttuö bem ,^immel ftommt. @ö liegt in ber Sal^n biefeö ®c^ 
banfenö, bafe ^ol^anneö ebenfo wie bie ©poptifer gerabe aud^ 
ben ainfang beö 2tbm^ 3efu, feine ®eburt au§ bem Oeifte 
®ottcö abgeleitet ^at. 35aö Urteil, bafe nid&t nur wie bei ben 
5ßropl^eten einzelne aSorte unb Saaten, fonbern ber ganje 3Renfd^ 
auä bem ©eifte ©otteö abfiammt, märe au^ für if)n ol^ne biefcn 
abfd^lufe faum begrünbet.^) 

3luö ber bargeftettten aSorftellung erflärt fid& nun aud& baö 

Sßort 1, 51: il^r werbet ben ^immel geöffnet fe^en unb bie 

engel ©otteö ^erauffieigenb unb l^erabfteigenb auf ben ©o^rt beö 

3Jlen?(i&en. S)em 3wfömmenl^ange nai^ giebt baö SQBort baö 

Dottenbete ©laubenömotit) an, meld^eö ben Sö^ß^^ gegeben mer^ 

ben mirb. Man mufe ben ©ebanfen nid^t burd^ Deutung ber 

eitiielnen 3üge beä Silbeö ju gewinnen fud&en. @ö ift an^ 

ber hetanntm altteftamentlic^en (Srjäl^lung übernommen unb 

vtxfte^t ftd& einfad^ als plaftifdfte SDarftettung beö Urfprungö 

3efu auö bem Fimmel. 6ä l^anbelt fid^ nid^t nur um bie SBer- 

tnittlung ber SBunber 3efu. Sllleö, ma« Sefuö bcfl^t, wirb i^m 

t)om Fimmel ^er gegeben. 6ö befielet eine aBed&felroirfung jwifd^en 



') 2Bciffcnba(3§, X^eot. Sitteraturjeitunö 1896, 9hr. 20, (Bp. 518 wenbet 
fleflcn biefcn ®cban!en, ben i(j§ in iBejug auf $autuS au§gef:prod^en l^atte, 
ein, e§ fei bie§ eine /uerdßaoig bom geiftigen auf ba^ PW^S^^ (Gebiet. 
2)amit überträgt er aber (ebigti^ ntoberne f ategorieen, — bie SBorfteÖung 
öon einer l^immelwetten ^iftance gwifc^en $l^Qfi§ unb öJeift — inö SJeue 
2:eftoment, wogegen man bod^ fonft gerabe gegenwärtig mit 9lec§t :prote«' 
ftiert. — Übrigeng würbe oben bie iol^anneifd^e SSorfteHung bom Urfiprung 
Sefu au§ bem ^immel beöwegen fo auSfül^rli^ erläutert, weil SBeiffenba^ 
bie ^arfteHung be§ <3oraKelen ipaulinifd^en öJebanfenö uid§t einmal ber* 
ftanben l^at. Dbgleiij^ er bie ^leid^ung au§ bem §immel unb bem öJeift 
anerlcnnt, f^jric^t er bann boc§ bon einem 5lblegen ber l^immlifd§en cTdl« 
al§ ber gorm ber §er!unft 3efu aug bem §immel. 



- 48 — 

itim uttb ©Ott, ücrmögc beten et ben S^^^^It feincö Scbcnö aus 
bem ißimmel, t)Ott ®ott l^et empfängt. Seftänbig fielet bet 
^immcl il^m offen: fein aSetfel^t im ^immel ift frei unb un= 
^ctjemmt. 

SDie ^etfunft 3efu aus bem ^immel mitb 6, 32 bem 
^erniebcrfommen beö 3Ranna aus bem ^immel geaenübcrgeflettt. 
9lus bem Fimmel fiammenbeö 93rot ift nid^t baö, wa§ 2WofeS 
gab, fonbetu baS n)itfli(^ oom ißimmel fommenbe 33rot ift 3efuß. 
2)as aJianna fommt Dom ißimmel wie bet 3tegen, in räumlid^et 
SBeife. 3lxä^i in lofalem ©inne, abet titn beö^alb rccH fommt 
Sefuö aus bem ^immel, aus ©otteö Spl^äte. S)edl^aI6 ift et 
tto| feinet natütlid^en 3ltt in unglei($ l^ö^etet SBeife t)on l^imm- 
Ufd&et ^etfunft. 

3lm ftätfften ift biefe SBotfiettung in bem SBotte 3, 13 aus^ 
gefpto(^en: niemanb ift l^inaufgeftiegen in ben Fimmel afe bcr, 
bet oom ^immel fietniebetftieg, bet SKeufd^enfol^n, bet im ^immel 
ift. 3)ie SBotte: 6 äv iv t(o ovquvi^ finb lebiglid^ um bet 
fd^einbat unoottjiel^baten aSotftettung mitten, alfo aus bogmatifdjen 
©tünben meggefatten. S)tü(fen fie einen ©ebanfen aus, bet M 
in bie 33al)n bet jol^anneifd^en 6l)tiftologie einfügt, fo gcminnt 
bie aSetmutung, \^(x^ fie fd^on ftül^ um il^tet Unoetftänblid&feit 
mitten ausfielen, an SBal^tfc^einlid^feit. 

3lm unn}al)tf(^einlid&ften ift biejenige ^Deutung bes SBotteS, 
nac^ bet bem aSetfajfet beS ©oangeliums ein plumpet Stnad&toniö' 
muS jugettaut metben mufe. ©o bejiel^t 2Beijfä(fet^) baS ^xn- 
auffteigen in ben ^immel auf bie ^immelfal^tt ^efu. 2)ann 
bejiefit man bas ©ein im ißimmel auf ben 6tl)öt|ten. SBciJB ^ 

etflätt: „S)a nun aud^ baS xaraßag ex Tov ovgavov xiaä) bet 

gefamten Sel^tanfd^auung beS ©oangeliums bet flnnbilbli($e SluS- 
btud ift filt bie ^etfunft aus einem ftülieten Ijimmlifd^en Seben 
bei ©Ott, fo batf bie aSotftettung beS ©emefenfeinS im ^immel 
but(ä& feine angebli(|e 9JletapI)et oetmif($t metben." @t bemetft 
bann, bafe „bei bem oom ^immel ^etabgeftiegenen fein ©emefen- 
fein im ^immel ni(i^t etft butdi ein ^etauffteigen uetmittelt xoax, 
mie es bei atten anbetn SJlenfd&enfinbetn bet %a\L fein mufete." 
9Bie ungenau mäte bann bet SluSbtudE: niemanb ift in ben 
^immel tjinaufgeftiegen, als bet, bet oom ^immel lietniebetftieg! 



^Ipoftor. BettaUer, @. 529. 






— 49 — 

3)iefer 2luöbTiidf fann bo$ nur jagen: bcr, bcr auö bcm ^immel 

l^crabfam, S^fwö, bct allein ift eben beöroegen aud& in ben ^immel 

l^inauföefiiegen. 3laä^ bet ©rllärung t)on SBeife pafet bet 2Cuö5 

t)tud: ,;3n ben ^immel J^inaufgeftiegen fein" alfo bod^ nid^t auf 

^efus. Slbet abgefcl^en baoon ergiebt biefe ®rflärung einen ©e* 

banfen, bet bem bcö ®oangeliften entgegengefefet ift. 3lai^ SBeife 

lann bet ©afe nur bebeuten: man mufe in ben Fimmel l^inauf= 

gejHegen fein, obct genauer: man mu§ im ^immel geroefen fein, 

looju füT ben 3roenfd^en ein ^inauffieigen gepten mürbe, um auö 

bem Fimmel l^erabfteigen ju fönnen. 2)aj5 Sefuö göttlid&e 3)inge 

offenbaren fann, erflärt fld^ barauö, bafe er im ^immel mar unb 

aus il^m l^erabgefommen ift. S)er ©ebanfe beö ©üangeliften aber 

ift ber: man mufe Dom ^inrntet l^erabgefommen fein, um in ben 

^immel l^inaufftcigcn ju fönnen. 3)aö ^erabgefommenfein aus 

bem Fimmel ifi Sebingung bes ißinauffieigens in ben ißimmel. 

^Ifo fann mit biefem ißinauffieigen in ben ^immel, fofem e§ 

loon 3S«f«ö fliitt, bod^ ni(^t bie feinem irbifd^en Seben üorangel^enbe 

^immlifd^e ©fifienj gemeint fein, ©ott ber ©a| forreft fein, fo 

fann er nur ein in baS gefd^id&tlid^c Seben 3efu fattenbes ißinauf= 

fleigen in ben §immel bejeid^nen, melc^eö i^m beSroegen möglid^ 

toar, roeil er oom ißimmel l^erabfiieg, unb mcld&eS beöroegen, weil 

er allein loom ^immel l^erabftieg, nur il^m möglidfe mar. 3)eS= 

megen pa^t aud^ bie 2)eutung Don ©teinmeper^) nid^t: „3Jein, 

memanb ift je in ben ißimtnel geftiegen, bafe er bie inovQuvia 

1)&tte f($auen fönnen. aber nid^t baö ijl mit bcm nad^folgenben 

€1 firj geroofft, als griffe für ben einen, meld^er l^ier gerebet l^at, 

ein fold^es dvaßeßrjxdvai ^lafe. 3lxijt aufgcfal^ren ifi biefer 

€ine in ben Fimmel, fonbem l^ernieber ift er von bal^er ge= 

fommen." 

S)as SBort geprt jur Stntmort 3efu auf bie gragc bes 
HWfobemuä : mie fann bics, b. \). bie ©eburt aus bem ©eifte, t)on 
ber 3efuS fprad^, gefd&el^en. S)ic ^age fd^Kefet einen S^^eifel in 
ftd^. hierauf bejie^t ftd^ 35. 11.^ ©er 3mcifel beS 9«fobemuS 
l^ot fein SRed^t, benn SefuS rebet, mas er meife unb bcjeugt, mas 
er gefeiten l^at. ®s ift bereits feftgefteHt, bafe biefes ©e^en in 
i>en gefd^id&tlid^en ßebenslauf Sefu fällt. SefuS fprid^t t)on Singen, 



*) S^citrdge jum SSerftanbniS bcS jol^anncifdjen ©öangeliumS IV, S. 50. 
«) »gl. oben @. U. 

«tttoert, SHe io^ S^TifloIooie. 4 



~ 50 - 

bic in feine SBal^mel^mung fatten. 2)em S^f^^wien^ange naä^ 
bejiei^t Rd^ baö aBott auf baö aCBitfen bcä ©eifteö ©otteö. 3)a§s 
felbe ift i^m nid^t etwas gemes unb grembe«, fonbem er erfährt 
eß. aSie et ®ott fennt unb ,,fie^t", fo „fie^t" er baö SBitfen beö 
©eifteö. ©aö SBort üetfte^t [x(^ auß bet jol^anneifd&en ©J^tiftologie 
fel^t cinfa(i^ : Sefu« fclbft erlebt es an fid^, bafe er aus bem ©eifte 
geboten u)itb, et roitb felbft t)on ®ott butd^ ben ©eift ßejeuflt unb 
besroegen fptid^t et t)on SJingen, bie i^m nid^t fetn unb ftemb flnb, 
wenn et von einet ©ebutt aus bem ©eifte ©ottes tebet. ©et ben 
jTOölften SBetS bel^ettfd^enbe ©egenfaft : inovQana unb Iniyua ift 
befanntlid^ fel^t ftteitig. allein bie geftfiettung feines ©inneS ift füt 
bie Deutung beS bteijc^nten SBetfeS DOtläufig nid^t notroenbig. S)iefet 
SSetS et^ält butd^ ben 3wfammenl^ang unb butd^ ben feftgeftettten 
©inn beS äluSbtudS: ,,2)et aus bem ißimmel ^etabgeftiegene" 
eine Deutung, bie bem SBottlaut geted^t roitb. 3)as 2Bott foff 
etfläten, bafe bie l^immlifd^en S)inge in bie SSal^tnel^mung 3efu 
fallen, bafe S^fwö cS oetmag, oon l^immlifd^en 3)ingen ju teben. 
@t üetmag bies allein, benn als bet, bet t)om ^immel ^etniebet^ 
ftieg, ift et in ben ^immel l^inaufgeftiegen. SBie baS ^etab^ 
fommen 3efu aus bem Fimmel ein fein ganjeS Seben umfpannen^ 
beS unb begtünbenbes lontinuietlid^es ©efd&el^en ift, mie baö 
©d^auen ©ottes in bas gegenmättige Seben 3efu fällt, fo fällt 
aud^ baS ^inauffteigen in ben ißimmel in fein gegenroättigeö 
Seben. S)ies etgiebt fid^ mit ©oibenj bataus, bafe eS etfläten 
foU, intoiefetn SefuS oon l^immlifd^en 2)ingen tcben fann, unb 
bafe es anbtetfcits bebingt ift , butd^ fein ^etabfteigen aus bem 
^immel. 35ie 3Sotftellung ift alfo genau biefelbe, bie butd^ baö 
SBilb 1, 51 auSgebtüdt ift. SefuS fann l^immlifd^e S)inge be^ 
jeugen, ba et fidb in ben ^immel ju etl^eben oetmag, unb bieö 
fann et, weil et aus bem ^immel l^etnicbetftieg. 3)ie SBot- 
fteHung ift alfo nid^t lofal. ®S ift abet ganj falfd^, pe bilblid^ 
JU oetftel^en, oielme^ ift fie ganj tealiftifd^ gemeint. 3efu (Sfi- 
ftenj etfttcdEt fi(^ in ben ^immel l^inein, et ftel^t in bet ©pl^äte 
©ottes, feine innere ©rfal^tung umfaßt ben Fimmel. 3)aS ^immet 
tei(^ fielet ifim offen, eS liegt jroifd^en ifim unb bem ^immeltcid^ 
feine ©d^tanfe. 

35ie 3Sotftellung* übetfi^teitet but(^auS nid^t ben bisl^et bat- 
geftellten ©ebanfenfteis. ®et o.n biefet ©teile ootliegenbe SluS* 
btud ift fteilid^ bet am meiften mifeoctftanbene , abet bod^ nid^t 



— 51 — 

bcr ftätfftc. 2)cn ftätfftcn Sluöbrud finbct ber ©cbanfc in ber 

%oxmzl: iä) in @ott unb @ott in mit. @o rcaliftifd^ bicS vox^ 

gcftcttt ift, fo ifi cö ho^ nitfet lofal 9cba(]^t: in bcmfclbcn Sinne 

jtnb bie tJOtUcgcnbcn SSottc gemeint, älllein fie bereichern unb 

oerbeutlic^en bie Slnfc^^auung beö ©oangeliften , inbem fie bie 

2Be(i^feln)iTfunfl beutlid^ ausfpred^en, bie baö Seben 3efu ßeftaltet: 

er fteiflt anä bem ißimmel ^emicber unb fteigt l^inauf, unb jroar 

wirb betont, bafe baö erfte ^Moment bas bel^errfd^enbe ift. 3lur 

roeil er auö bem ^immel lommt, fo oermag er eö, fid& in ben 

Fimmel ju ergeben. 5Riemanb oermag eö, fi(3^ au§ fid^ felbft 

l^erauS in ben ^immel ju erl^eben, feine l^immlifd&e 3lrt ift niii^t 

feine X\)at, roäd&ft nid^t nadf unb na6) am x\)m ^eroor. greilid^ 

ift fie anä) feine %})at, hmä) eigenen SBiHen unb eigene 2^^at 

ergebt er fic^ in bie @pf)äre @otte§ unb plt fid^ in feiner Stalle. 

Slttein bie§ vermag er eben nur beöroegen, roeil er au§ bem 

^immel l^emieberfam. SBeil feine %\)at eine oon ©Ott ftammenbe, 

eine gegebene, eine auö bem ^immel empfangene ift, fo ergebt er 

% burd^ fie in ben ^immel l^inein. ®r erl^ebt fi(^ nid^t eigene 

ttiä(3^tiö unb eigenroiHig }u ®ott empor, fonbern nur, weil er Don 

©Ott !am, oon i^m gebilbet unb geftaltet ift, fo erl^ebt er fid^ in 

bie ©p^dre ©otteö. 3)er ©ebanfe ift inl^altlid^ völlig parallel 

hem bereits erläutemben ©ebanfen, ba§ Sefuö einerfeits burd^ 

©otteö @abe, anbrerfeitö burd^ eigene 2^^at ®otte§ So^n ifi. 

2Bie bettJtefen ifi, bleibt aud^ ^ier ber erfte ©ebanfe bem jroeiten 

übergeorbnet, fo mafir ®ott 3efuö übergeorbnet ift: @otte§ ®aht 

begrünbet ^^f« "^W- Stuf biefeä 58er^ältni§ mirb aud^ ^ier l^in^ 

gcroiefen but(^ ben äuöbrud: nur mer vom ^immel fommt, er= 

^cbt fid^ in ben ^immel. S)aö Sein 3efu bei ®ott ift nid&t 

5ßrobuft feiner S^l^at, fo fidler eö nur burd& feine S^l^at befielet, 

fonbern eä ift @abe ©otteö. 

Surd^ biefeö SBort wirb eine ©eutung ber jofianneifi^en 
©l^riftologie au^brüdlid^ auögefi^loffen, bie o^ne^in mit bem ganjen 
©otteögebanfen unb 6f|riftu§bilb beä ©oangeliften oöllig unoer- 
einbar ift, nämlidö bie Sel^auptung, bafe fid& nad^ ^ofianneö ^efuö 
jur ©ottl^eit emporhebe, bafe burd^ feine 2^^at bie ©ottfieit aus 
i^m empormad^fe. ®a§ S^fwö feine ©inl^eit mit ©Ott inxä) fein 
^anbeln feftf)ält, l^at freilidö bie 33ebeutung, bafe fein ©el^orfam 
gegen ©ott wie bie gorm, fo bie Sebingung feiner ©inl^eit mit 

©Ott ift. SDieö gilt für ben @of|n ©otte§, mie eä für bie Äinber 

4* 



— 52 — 

©ottcö flilt.^) 3[bcr fo fern bcm S^i^önncS bct ©cbanfc licöt, 
bafe bcr 3Rcnfd^ burd^ feine 2^at jum Äinbe ©otteö wirb, fo 
fem liegt il^m bie SKeinung, bafe Scfuö fi(3& burd^ feine 2^at ju 
©Ott emporgei^oben fiabe. SBie bei ben Äinbern ©otteö il^re 
®eburt aus @ott baö ^anbeln crft ermöglid^t unb begrünbet, 
burd^ toelcä^es fle bie ©emeinfd^aft mit @ott fcfil^alten, fo bleibt 
aud^ bem ©ol^ne gegenüber ®ott ber bie ©in^eit . mit 3efuö 
©tiftenbe, Segrünbenbe. 3lu(3& S^f^ö ^^^t bie ©otti^eit nid^t an 
fid^ geriffen, fie entfielt nid&t t)on unten, fonbem fommt il^m von 
oben al§ ©otteö ©abe. 2)er SBater ift gröfecr alö ber ©o^n, 
©ottl^eit ift eine ©abe ©otteö, nid^t ein ^robuft menfd^Iid^er 
J^i^at, nur mer t)on oben geftiegen ift, fann fid& nad^ oben er= 
lieben. — 2)iefeö ©otteöberoufetfein ift ber 2^räger ber ganjen 
jo^anncifd&en ©firiftologie. 

3Son liierauö verliert ber S^f^fe o äv iv r<p ovQav^ aßeö 
33efremblid^e, unb eö ifi fein fad^lid^er ©runb, il^n ju ftreid^cn. 
2)ie äluölegung: „2)er 3J?enfd^enfo^n, ber im ^immel war" ift 
nun freilid^ nid^t nur unnötig, fonbem unmöglid^. ©ie pafet 
roebcr in ben unmittelbaren S^förnmenl^ang , nod^ in bie jo^an= 
neifd&e ©liriftologie. 3Jur ift freiließ ber ©ebanfe gefteigert: in- 
bem ^efuö Dom ißimmel l^emieber^ unb in ben ißimmel l^inauf= 
fteigt, ift er im §immel, er fielet in ber ©pl^äre ©otteö unb 
jroar gegenwärtig unb in ganj realiftifd&em ©inne. 2)a fein 
Äommen auö bem ^immel nid^t alö eine in feiner ©eburt t)ott:= 
brad^te SBertaufd^ung ber ©pl^äre gebadet ift, fonbem alö ein 
ftänbigeö Empfangen feincö Sebenöinl^alteö auö bem ißimmel, fo 
ift baö SBort: bafe er im Fimmel ift, neben ben SSorten, meldfee 
befagen, bafe er auö bem ißimmel ftammt, üerftänblid^. 

greilidö überfieigt bie in biefen SluöbrudE gefaxte SBorftellung 
biejenige, bie burd^ ben 33egriff beö ^immlifd^en Urfprungö 3efu 
auögebrüdEt wirb. 2)iefer lefeteren 2lnfd^auung entfprid^t unmittel= 
bar ein Sffiort, meld^eö baö ©ein 3}efu in bem ißimmel in bie 
3Sergangenl^eit ©erlegt, 6, 62: iav ovv &€(OQijrs t6v vlov rov 

uvd-QcoTtov avaßaivovxa onov tjV ro tiqotsqov ; alö ©ergangen 

unb jufünftig wirb ber ©tanb 3^fw im §immel aud& bcieid^net 

in ben SSorten 17, 28: i'^ijXdov ix rov nargoq xai sXrjKvdu 
sig TOP xoa/Liov' nauv dcpcrjfii tov xoafiov xai noQSVofjLai ngog 



1) SSgl. (B^iattex, ^cr eJtaubc. ©. 317. 



- 53 — 

Tov nard^a. ®bcnfo tüttb bic (gr^ö^ung 3cfu l^äufiö ^^^ ^^^ 
©ci^cn }um aSatcr bcjeid&net, 7, 33; U, 12. 28; 16, 5. 10; 
17, 11, 13, ®ö ctgiebt fid^ alfo f(i^cinbat eine boppelte SSe^ 
trad^tuttööTOeife : einetfeitß ift 3}cfuö au(^ in feinem gefd^id^tlid&cn 
Seben bei ©Ott unb im ^immel, anbterfeitß fällt fein ^immlifd^et 
Stanb in bie Qext feiner ^PtäeEifienj unb feinet ©r^ö^ung. 2)aö 
^oblem, Toeldbeö fid^ l^ierauö ergiebt, batf man nid^t baburd^ 
beifeite fd^icben, bafe man bie eine ber beiben 33eobad^tung§rei^en 
leugnet. 9iun finbet fid^ baö gleid^e Problem in ben SBorten 
über bie ^6'ia 3efu. 3« einigen SSorten roirb fle bem ^rä= 
cjiftenten unb ©rl^öl^ten beigelegt, 12, 41. 2)as an biefer ©teile 
citicrte SEBott fptad^ Sefaiaö ort eiöfv t^v So^av avrov,^) 17, 5 

TJ] So^JI Jl Sl^OV 71Q0 TOV TOV XOOfXOV SlVUl nUQOt Ool. SSgl. 

33. 24 iva d'saygwGiv Trjv öo^av ttjv if^J]V, rjv Siäcaxdg fxoi 

oTi ijyanfjadg fxs tiqo xuTaßoXijg xodfiov, ®ine anbre Steige 
Don SBorten bejeid^net bie äo^a ^e\u ate feinen gegenu)ärtigen 

3äeft^. 1, 14: i&saaafied^a Trjv do^av avTOv, 2, 11 €Cpav€Q(oa€ 
TTjV do^av avTov, SBgl. 11, 40: iav niaTSvafjg oxpfi Tfjv 

^ogay TOV deov. hiermit finb bie SSorte, in benen pd^ ber 
2!ertninuä öoii^siv jtnbet, ju x)ergleid&en. 7, 39 oinco yuQ tjv 

nveviÄU, ort ^Irjaovg ovSinoj iSo'^da&rj, 12, 16 wirb bie ®r= 

i^ö^ung 3^fu ebenfattö mit ben SEßorten bejeid^net ots ido^da&tj 
^Ifjaovg. ^ambtxi [teilt eine SReil^e x)on Sßorten, in benen oon 
einem in bie ©egenroart beö Seben§ S^fu fattenben 6oid^Biv bie 
SRebe ifi. 11, 4, bie Äranfl^eit be§ Sajaruö liat ben 3"^^^ ^^'w 

So'^aad'fj 6 vlog tov dsov dt' avTrjg. 12, 23: iXijXvdsv tj Sga 
ha dol^aad'f} 6 vlog tov dvd'Qoinov, 13, 31 : vvv iSo'^da&tj 6 
viog TOV dvd'Q(onov, xai o d^sog i^o'^dad-f] ev avTt^, 3lm un^ 

jroeibeutigfien wirb 1, 14 außgefprod^en, bafe bie ^errlid^feit 3efu 
i§m in feinem gefd^id^tlid^en Seben gel^örte. ®ö ift n)infürlidb, an 
biefer ©teile bem SQBorte einen anbern ©inn unterjufd^ieben, ober 
feine Sebeutung einjufd&ränfen, etwa oon ber göttlid^en eine „gott^ 
menfd^lid^e" doia ju unterfd^eiben, ober oon „etliifd^cr" @ott= 
gleld^l^eit ju fpred&en. SBeife bemerft ju ber ©teile: „©emijs ift 
^ier nid&tö anbere« als bie uranfänglid^e göttlid^e ^enlid^feit beö 
Sogoö gemeint ; aber biefelbe fonnte bod^ an bem gleifd^geroorbenen, 
ber fid^, um gleifd^ ju werben, notmenbig i^rer entäußert l^aben 



^) ai/roü bestellt fid^ auf ©l^riftuS. Sögt. SBeiß j. b. @t. 



— 54 — 

tnujgte, nur Qe^ä^ant tocrbcn, fofcrn @ott il^m fpccififiä^ QötUi^e 
SBcrfc ju tl^un unb eben fold^c SEBorte ju reben gab." ättein bet 
©ebanfe, „bafe et ftd^, um %kx\^ ju werben, notroenbig il^ret 
entäußert l^aben mufete/' ben Sffieife ol^ne weiteres afe felbfiDet:: 
ftänblid^ befianbelt, tfi eben eingetragen. Db bicfer ©ebanfe ft^ 
mit bem beö ®oanöeUften bedt, baö ift gcrabe bie grage. 6ä mufe 
unterfu(i^t werben, ob ftd^ bies SEBort nur baburd^ mit 17, 5 üer^ 
einigen läfet, bafe man e§ umbiegt. 2)aS SBBort fagt, bajg am 
fleifd^geworbenen Sogoä bie göttlid^e ^errlid^feit ftd^tbar war, alfo 
bafe er fte befafe unb nid^t, bafe er jte abgelegt l^atte. ©eutlid^er 
jeigt 2, 11, wie baö SBerl^ältniS üorgeftettt ifi. 3)urd^ bie SBer^ 
wanblung beö SBafferä in SEBein offenbarte SefuS feine ^enlid^feit. 
3)ie ©teile jeigt junäd^ft, bajs bas aSunber äöirfung unb STOerfc 
mal feiner So^a ift: bieö wirb aud& 11 , 4 unb 33. 40 auö= 
gcfprod^en: in feiner göttlid^en aJiad^t beftel^t feine göttlid^e Jo|a. 
S)er Sluöbrucf icpavsQooGsv bejeii^net nun bie einjelne 2^l^at aU 
„Offenbarung" feiner do^a. 

SDie ^Borftettung ift alfo bie: ^efuö beftfet bie göttlid^e 66'^a, 
aber biefer Sefife wirb nur in einjelnen feiner 2^^aten fid^tbar: 
er ift oerborgen, ber 33eobad^tung nur in einjelnen feiner 2!l^aten 
jugänglid^. 2)er ©ebanfe t)erftel)t fid^ nur auä ber SKrt, wie 
3efu Äommen auö bem ^immel gebadet ift. greilid^ wäre mit 
biefem 3luöbrudE feine ©eburt bejeid^net, fo wäre cö forreft, oon 
einem „2lblegen" feiner äo^a ju reben. 3lllein wie 3^fwö gegen= 
wärtlg auö bem ^immel fommt, fo ift aud^ feine Jo?« ate ber 
gegenwärtig l^inter unb über ifim fte^enbe, jenfeitige 33efi^ ge- 
bad^t, ber burc^ feine ^aim auö bem ißimmel lierauötritt : in 
feinen X\)attn leud^tet fein fiimmlifd^er Urfprung burd^ feine 
wenfd^lid^e 9lrt l^inburd^. @o gut ©Ott in i^m wolint, fo gut 
befl^t er bie göttlid^e do^a. @o oereinigen fid^ aud& bie beiben 
einanber fd^einbar wiberfpred^enben SReil^en oon 3Borten über bie 
do'^a 3efu. 2)er SSefife ber öo^a ift für ^efuS infofern etwas 
aSergangeneö unb Sw'fünftigeö , alä bie äo'^a gegenwärtig für 
3efuä etwas Senfeitigeö, über i^m SiegenbeS ift, weld^eö aud^ in 
feine eigene ®rfa^rung unb äujsere 3Ba^rnel^mung nur burd^ feine 
S^l^aten tritt. 2)ie äo^a ift einerfeits bem ^ßräejiftenten unb ®rl)öl^ten 
eigen, anbrerfeitö gel^ört fie '^t]m in feinem gefd^id^tlid^en Seben, 
aber in verborgener SBeife, fo bafe fie nur in einjelnen S^^aten 
fid^tbar wirb, ^m gefd^id^tlid^en Seben 3>efu befte^t eine Span- 



— 55 — 

nung, ittbcm feine ©rfd^einung feine ^ertlid^feit nid^t nur offen- 
bart, fonbem ani) Derl^üllt. 3)a« 3wf<tt«wienfaIIen feiner (grfd^ei- 
nung mit bem Sefife ber ^enlid^feit ifi für 3efuö etroaö ber 
aSergangenl^eit unb ber S^h^^ft Sngel^öriöe«. ©er gegenioärtige 
SeRfe ber ißerrKcä^feit wirb nid^t aU ein Don ®ott abgelöfter ge^: 
bad^t, fonbem er befielet in einer fortlaufenben Begabung 3efu 
burd^ ©Ott, burd& locld^e i^m ißenlid^feit mitgeteilt wirb, ©urd^ 
bie ©noecfung be§ Sajaruö toirb ber ©o^n ®otte§ Derl^errlid&t, 
11, 4, bie iQerrlid^feit ©otteö wirb burd^ biefelbe ftd^tbar: auf 
eine Begabung 3efu burd^ ®ott, eine SBcr^errlid^ung 3efu, fü^rt 
fi$ bie SC^at jurüdE. 3lud& 12, 23 ^anbelt e§ fid^ um eine 3Ser= 
Märung 3efu, von ber 33. 28 erjä^lt wirb. 3hir wenn man ben 
©ebraud^ von ä^a mifebeutet unb bas SBort auf bie S^obeöjlunbe 
bejie^en ju muffen glaubt, fann man bieö leugnen, ©aburd^, 
bafe ©Ott S^fud üerflärt, oerflärt er feinen Flamen, fo gut 11, 40 
bie ^enlid&feit @otte§ burd^ bie 2^^at fic^tbar wirb, burd^ weld^e 
Se^uö t)erl^errlid^t wirb. 12, 28 bebeutet, bafe ©Ott im SBirfen 
3eju jcinen Siamen üerl^errlid^t l^at unb roeiterl^in oerl^errlid^en 
wirb. 2)ie gleiche aSed^fetoirfung jroifd^en ber 33erl^errlid^ung 
3efu bur(ä& ©Ott unb ©ottes burd^ ^efus, bie in baö Seben 3iefu 
felbÜ fällt, fprid^t 13, 31 f. auö: jefet roarb ber ^Kenfd^enfo^n 
oer^errlid^t, unb ©Ott warb üer^errlid&t in il^m. ®ö ift auöbrüdE= 
Ii($ von bem beftimmten S^ttpunft bie Siebe, in roeld&em ©Ott 
3efuö ^errßd^feit mitteilte unb baburd^ fid^ felbft oer^errlid&te. 2ltte 
SBorte, in benen von ber ^enlid^feit ^ßfu bie Siebe ift, brüden bie:= 
fclbe aBed&felroirfung jroifd&en ©Ott unb S^f^^ ^«^z i>i^ ^^^ hnxä^- 
fic^cnb in ber jo^anneifdben ß^riftologie beobad^ten läfet. ^efuö fud^t 
ni^t feine ißerrlid&feit, er oerlierrlid^t nid^t fli^ felbft, fonbem ©Ott 
t)cr|cnlid^t il^n, 8, 50. 54, f oioie er nid^t feinen SBiHen, fonbem ©otted 
SBiUen t^ut. S)urd& feine 2^^at wirb ©Ott oer^enlid^t, im Sol^ne 
iDirb ber Sßater üer^errlid^t, 14, 13, inbem nämlid^ 3>efuö tl^ut, 
roorum in feinem SJamen ©Ott gebeten wirb, äud^ burd^ bie 
grud^t, bie ^efu jünger bringen, mirb ©Ott ^errlid&, 15, 8. 
S)ur(^ ba§ SBirfen be§ ©eifteö wirb ^efuä oer^errlidbt, 16, 14. 
3n ben ©einigen wirb 3efuö oer^errlid^t, 17, 10. 2)ic ©pam 
nung, bie in ben SQBorten über bie ^errlid^feit 3efu oorliegt, ge^t 
burci^ bie ganje io^anneif(^e ©l^riftologie unb mirb beöl^alb burd& 
biefelbe erläutert. 5Die aSer^errlid^ung 3efu burd& ©Ott burc^jicl^t 
ben ganjen ßebenälauf Sefu: inbem i^m ©Ott SBerfe giebt, in 



- 56 — 

ff 

bcnen feine ^etrlid^feit jtd&tbat wirb, Derl^mHd&t et il^n. Mm- 
gefeiert: inbem Sefuö SBetfe t^ut, bie x\)m oon @ott ßegebcn 
fxnb, Det^etrlid^t er (Sott, ©o g^^ f^i^ SQBirfen feine ©inl^cit 
mit ©Ott offenbart, fo Q\xt offenbart eö feine göttlid^e ^errlic^feit. 
aSBie bie ©inl^eit 3efu mit ®ott oerborgen ift unb nur in feinca 
2!^aten fid^tbar wirb, fo ift aui^ bie ^enlid^feit 3^fw jenfeitig,. 
oerborgen, innerlid^ unb tritt nur in einzelnen feiner %i)attn 
am Sid^t. 

2)er SSegriff ber So^a ift bcfanntlid^ feineöroegö fpecififd^ 
jofianneifd^. 2)ie änmenbung beäfelben auf Sefuö gel^ört jum 
©emeingut ber apofioUf^en ©emeinbe. 3)ie ^errlid^feit ift bie 
Sebenögeftalt ©otteö, bie als fold^e aud^ bem erl^öl^ten ©^riftuö eigea 
ift. 3lfö fol(i^e ifi fie jenfeitig unb eö(3^atologif(ä^. ßl^arafteriftifd^ ifl 
bie 3lrt, wie ^o^anneö fie als bie ©abe ©ottes an S^fuS in feinem 
gefd^ii^tlid^en &tbm anfielet, ©ie ift realiftifi^ gebadet, als äufeerung 
einer lebenfd&affenben, bie Siatur oerflärenben 3road^t unb gel^ört ju 
ben äufeerungen beö ©eifte§. 3)ie 33emerfung oon SSeife:^) „^t^ 
fonberö bebeutfam mirb aber biefc aSorftettung burd^ bie ^t^ 
jiei^ung, in meldte fie ju bem 33egrif[ bcö nvtvfia gefefet toirb" — 
biefe Semerfung gilt nid^t nur für 5ßauluö. Sola ift äufeerung. 
be§ ©eifieö. ©o ifi aud^ bie Sola 3efu ©abe be§ ©eifieö. 
aSie bie SBunber ^efu 2Bir!ungen beö ©eifteö finb, fo finb fie 
©rfd^einungen feiner Sola. aJHt SRed^t nennt ^olfemann^) ate 
fijnoptifd^e 5ßaraIIele ju biefem jol^anneifd&en ©ebanfen bie SBcr* 
flärungSgef(^id&te. 2lud^ bie 58erHärung mirb im SRal^men bet 
fpnoptifd^cn ß^riftologie alö SSirfung beö ©eifieö oorgefieHt. 
3Bie ber über 3efu§ offenfte^enbe ^immel, auö bem er feinen 
ßebensin^alt empfängt, obrool^l nid^t lofal, fo bod6 ganj realifitfd^ 
oorgefkeHt ift, fo ift aud^ in ganj realiftifd&er SSeife alö leintet 
unb über i^m ftel^enbe 3Kad^t bie ^errlic^feit ©ottcö gebadet. 
SSerborgen ift biefelbe, infofern Sefuß aaQl ift.^) 

S)em entfpred^en nun genau bie einanber fd&einbar miber^^ 
fpred^enben 3luSfagen über baö 58erl^ältni§ S^f« ium ^immeL 
®inerfeit§ roirb ber äufent^alt 3efu bei ©Ott, ober wie e§ 3o^ 
l^anncö nodb fi^ärfer auäbrüdEt: in ©Ott, ate etroaö ©egenmärtigeö 



1) § 76 d. 

8) ^aS jtoeite Problem, weld^eS ben ^Begriff ber §errlid§leit bietet, wirb 
weiter unten befiprod^cn werben. 



— 57 — 

bejeid^net, 3^uS ft^t bei @ott, im ^immeL @ott ifi i^m nicbt 
jenfeitig, fonbem er mo^nt in i^m, ^M Ite^t unb ^rt i^n, er 
ifi nid^t gef^ieben oon i^, fonbem ift mit i^ eind. Snbrer- 
feits mirb bo^ Sein ^^fu bei @ott ald etmaiS für ^tin^ 3kr^ 
gangenes unb künftiges bargejteOt. 2)a 2^fitS ^leifcb üi, fo fte^t 
er in ber SSelt unb ifl oon @ott gefd^ieben. 

SBie eint fi$ beibed? äßie fieOt ftc^ ^o^onned bod Selbfl^ 
benm^ein ^u oor? 6d mdre mügtg, fui^ biefe ^rage ju üeOen, 
toenn ftc^ bei ^o^^^nned ni^t Sbibeutungen fönben, n>eld^e es uns 
möglid^ mad^en, uns feinen ©ebonlen na^e }u bringen. @S ftnb 
bieS bie Sßorte, mel^e für ben 93erfe^r 2[^fu mit @ott bie SuS^ 
brucfe: ®ott fe^en unb ^ören gebrouc!^ 

@S iß fd^on borouf oufmerffam gemad^ loorben, ba^ 8, 45 f. 

baS ^ören @otteS oud^ auf onbre ouSgebe^nt loirb, loa^renb boS 

Se^en @otteS nur oon 3efuS gilt Sine gonj ol^nlid^e Unterfd^eibung 

finbet fidö 8, 38. ©ort fagt 3«fuS, bafe er rebe, mos er oon 

feinem SJoter gefe^en ^abe, mo^enb bie Sejie^img ber @egner 

jum SIeufel nur ein ^ören'' genannt nrirb. S)iefe Unterfd^ibung 

fü^ auf bie Spur. 2)er @eban& ifi ni^t ^inreid^enb oerbeut= 

ti^t, toemt man oon einer intuitioen SBal^me^mung @otteS 

fpri(ä^t. S)cr @ebanle beö eoangelifien ifi befümmter. S)er eigem 

tümlid^e @ebraud^, ben er oon bem XuSbrucf: Sd^auen, mad^t 

ocrßci^t ftdj nur, menn man fid& boron erinnert, bap in ber opo= 

ftoßfd^en @emeinbe Se^en ber fionbige ©egenfaft jum ©lauben 

ifi. So ifi es aud^ bei 3o^^neö. ©ofe bieö aud& ber ©runb 

bed oorliegenben Sprad^ebraud^ ifi, }eigt am beutlid^jien bas 

ffiort 3, 11. aSBas 3efud oom SBirfen bes ©eijies ©otteä fagt, 

tÜ für BtilobemuS ein @egenfianb bes @laubenS. @r mug es 

onncl^mcn unb glauben.^) 3efuS bagegen ifi 3^«8«- 2BaS er 

fögte, „fol^" er. SSefonntUd^ bejeid^net bas ©laubcn in ben 

ncutefiamentlid^en Sd&riften nid^t nur eine Spannung ber äufeeren, 

ftnnenfalligen ©rfa^rung bes SBeltlaufS, fonbem aud^ ber inneren 

©tfa^rung gegenüber. Sludö bie innere ©rfal^rung, bie ber ®Iau= 

benbe an fid^ mad^t, bedt fid^ nid^t mit bem, was er glaubt, er 

,,^ei6t" ©ottes Ätnb. 2ß)er mas er fein wirb, ifi no(ä& nid&t er= 

dienen, b. ^. nod& nid^t in feine ©rfa^rung getreten, einen 

^egcnfal gegen biefe Spannung beS inneren Sehens mit bem 



*) lajjißdpitp ift \id ^o^anneS bem nnjxivuv f^nonl^m. 



— 58 — 

©laubcnäurtcil bcjcid^nct baö ,,@d6aucn" 3cfu. (Sott ift für i^n 
nid^t ein ©egcnfianb bcö ©laubcnö, bcr übet fid^ fclbft J^inauf- 
ßtcift. SBiclmcl^r teid^t baö SBirten ©ottcö in bic ©rfa^rung 3efu 
l^incin. 6ö DoHjie^t fid^ nld&t aufect unb übet il^m, fonbcm in 
i^m unb burd^ il^n. ®S verläuft nid^t in irgcnb einer ©ifiancc 
oom Innenleben S^fu, fonbern bedft fid& mit bemfelben. ©aä 
gefamte Seben 3efu ifi im SBirfen ©otteö begrünbet. ®r ift 
eins mit ®ott. SJeöroegen glaubt er il^n nid&t, fonbern er fte^t 
i^n. 3n biefem SBerl^ältniö ju ©Ott fielet nur Sefuä, wä^renb 
ba§ ^ören ©ottes, b. 1^. ein burd& ein S^nenroirfen @otte§ Der- 
mittelteä Empfangen feines SBorteö, feiner Seigre, feiner SBeifung 
aud^ oon 3Jlenfd^en audgefagt mirb.. 

3)ie SBal^rnel^mung ©otteö burd^ ^t\\x^ ift alfo nid^t fo 
gemeint, bafe @ott in bie äujgere ®rfa^rung, in bie pi^^fifd^c 
SBafirnel^mung ^c^u tritt, fonbern ©Ott tritt in bie innere 
©rfa^rung ^t\\x. ©ein Innenleben fielet in feiner ©pannuttg 
mit bem SBirfen ©ottes, fonbern er unb ber SBater finb 
eins. 2)arum fielet 3efu§ im ^immel, in ber ©pl)äre ©otteö. 
©ofern aber ©Ott eben nic^t in bie äufeere SBa^me^mung 
3efu fällt, fofern ift er auö bem ^immel ^erabgefommen, fte^t er 
in ber SBelt unb fern oon ©Ott. 3)a§ SBer^ältniö erl)ält eine 
parallele, an ber man e§ ftd^ Derftänblid^ mad^en fann, burd^ 
bie neuteftamentlid^en 3luöfagen über bie Stellung ber ©emeinbe. 
©ie ftel)t in ber SBelt unb bod^ im ^immelreid^. 2)aö $immel= 
reid^ ^at fie im ©lauben. ^nitm nun aber biefer 2luöbrudE: 
©lauben — im ^o^anneöeoangelium nid^t auf 3^f«ö angemanbt 
wirb, fonbern ftatt beffen ber beö ©d^auenö, wirb bie ©iftance 
jmifd^en S^fwS unb ber ©emeinbe l^eroorgel^obcn. ®r fielet nur 
in feiner äufeeren ©rfd^einung, fofern er „gleifd^" ift, in ber 
Söelt. ^n feinem Innenleben . ift er mit ©Ott f o eins , bajs er 
i^n nid^t crft in bem über fid& felbft l^inauSgreifenben ©d^lufe beö 
©laubenS erreid^t, fonbern i^n fie^t unb l^ört. ©o oerfie^t eö 
fi(^, ba§ oon il^m gleid^jeitig gefagt merben fann, bafe er aus 
bem ^immel gefommen ift, unb bafe er im ^immel ift. hiermit 
ift jugleid& flar geworben, roie etroa ber ®oangelift fid^ ba§ ©elbft- 
bemufetfein 3^fu oorftetlt. 3)ie gorm ber ßrinnerung ^at cö, 
mie gejeigt ift, nid^t. 3Jlan fann aber aud^ nid^t fagen, bafe bie 
Sejaljung feineö ^immlifd^en UrfprungS, feiner ^immlifd^en Slrt 
unb feiner ^räejiftenj ein ©laubenöaft ift. '^mn baö 3Kerfmal 



- 59 - 

bc§ @laubcn§, bajs er an^ über bie innere ©rfal^rung l^inau§- 
greift, fel^It bem 33en)uj5tfein 3efu. SlHein in ber Slnalogie be§ 
©laubenSafteä ift baö Seroufetfein S^f« t)or8efteIIt. 

2)iejcß au(3^ im SBetgleid^ mit ben Äinbern ©otteS einjig- 

artige aSerl^ältniö 3efu ju ©Ott wirb burd^ bie SSejeid^nung ^t\\x 

aU beö einjigen ©ol^neö ©otteö auSgebtücft; baj5 ber im 

SBorte /Liovoyevi^g liegenbe 33egriff ber 3^«ÖW"8 ^^' ^o^cinneö 

nid^t nur auf bie Äinber ©otteö, fonbem au(3^ auf ^^M ^^' 

geroenbet wirb, l^at bie bisi^erige S)arftellung beroiefen. 3n einer 

5Beife, bie ber ®i^eugung ber Äinber ©otteä ganj gleichartig ift, 

iji bie ©rjeugung ^z]vi bmä) ©Ott gebadet. 2)eön)egen fönnte eö 

fd^cinen, alö fei ber Unterfd^ieb jroifd^en bem ©ofine ©otte§ unb 

ben Äinbern ©otteö nur relatit) unb grabuett gebadet. Silber in= 

bem 3cfuö in feinem ganjen Sebenölauf ber 3^wgung ©otteS 

entftammt, fielet er nid^t in einer 5Rei^e mit ben Äinbern ©otteö, 

fonbem in einer il^m allein eigenen Stellung über il^nen. 35ieö 

^ott burd^ bie Benennung 3efu aU beö ©injigen auögebrüdt 

roerben. ©eöroegen genügt bem ©oangeliften au(J bie 33ejeid^nung 

3efu alö beö ®rftgebornen nid&t. 3)enn nii^t bieö, bafe er ber 

erfte in ber SReil^e ber Äinber ©otteö ift, maä)t feine 3Bürbe aus, 

fonbem bie§, bafe er ber einjige ift, ber ganj unb gar oon ©Ott 

gejcugt ijt, ber einjige, in bem nid&tö ift, roaö nid&t au§ ©otteä 

Beugung fiammt. ®r ift barum ber einjige, ber ganj unb gar 

©otteö ©ol^n ift, unb barum ber einjige Sol^n ©otteö. Set in 

hem SBorte liegenbe Segriff ber B^^ÖW^Ö l^^tf bemnac^ freilid^ 

nid^t ignoriert werben,^) aber er ift nid^t baö betonte SKoment beä 

Sluöbrucfs. betont wirb oielmel^r bur(^ baä bcfanntlid^ aud& fonft 

gebräud^Iic^e Söott, bafe 3>efu§ ber einjige Don ©Ott erjeugte 

©ol^n ift, 3)le§ mufe aber eUn barum betont roerben, weil bie 

Sfrt feiner ®rjeugimg burd^ ©Ott oon ber ©rjeugung ber Äinber 

@otte§ nid^t qualitatio, nid^t unoergleid^bar t)erf(^ieben ift. S)en 

Sluöbrud fteHt inbeffcn 3^fw§ nid^t nur oergleid^enb ben Äinbern 

©otteö gegenüber, fonbem auc^ neben ©Ott. 2)ie (Sinjigfeit 2fefu 



*) 3Äan muß überfe|cn: „ber (Sinäige", l^at fi(^ aber hahei baran ju 
erinnern, ha% für Sol^anneg ber ^nbf(^aft§gebanfe mit bem geugungSbegriff 
Jujammengel^ört. ^ie§ gitt aud^ für 3efu§, unb infofern ift ber zweite SBe* 
ftanbteit be§ SBorte^ nii^t gleid^güttig. ^ie SBebeutfamleit be^felben barf 
ni(J^t mit ber SKotiöierung beftritten werben, baß auf 3efu§ ber 35egriff ber 
Seugung ni^t angewanbt merbe. 



— 60 — 

wirb ttid^t alö ctroaS S^fättifl^^ ^^^^ Ö^t bic Unoollfommcnl^cit 
bcr ©ottcöfinbfd&aft bcr 2Rcnfd^cu als ein aWifecrfoIg öcba(3^t. 
2)aö 2Bort bcjcid&nct bic ©injigfcit 3cfu nid&t nur alö S^^atfad^c, 
fonbern afä SWotrocnbtgfcit : bcr cinjigc ©o^n fic^t neben bem 
einjigen ®ott. 3lu(^ bem 5ßauluö ift eö n)i(3^ti9, bafe bem «Ic 
^foc ber slg xvQtog entfptid^t. 3n bcr ©teHung, bie S^fw burd^ 
feine ©ol^nfcfeaft gegeben ift, Hegt f(^on, bafe er einjig in feiner 
3lrt ift. 31^m gehört bie ganje SBelt unb bie ganje gütle ®ottcö. 
6r ift baö eine ^kl beö einen ©otteö. 3)iefe ©injigfeit 3efu 
brüdt fid^ baburdö am, bafe atte anbern Äinber ©otteä ju il^rcr 
c^inbfd^aft erft burd^ il^n fommen. ®r fte^t nid&t nur jcitlid& t)or, 
fonbern fd&öpferifd^ über i^ncn. greilid^ nehmen alle Äinber 
©otteö an bem ganjen inneren unb äußeren 33efife 3efu teil, 
aber nur fo, bafe ber bireft von ®ott begabte ©ol^n 3efud ift, 
unb ba§ von i^m auö ®otte§ &aben auf feine Äinber übcrgel^cn. 
©ie ge^en aber nid^t fo an bie Äinber ©otteö über, bafe fie ^u 
einem i^nen pcrfönlid^ eingepflanjten S3ejtfe würben, ben 3efuö 
an fie abgiebt, fo bafe fie nad^ ®mpfang besfelben felbftänbig 
neben i^n treten fönnten. 3Sielme^r fommt baö eroige Seben nur 
in Sefuö in bie SBelt: baö Seugniö ©otteS für Sefuö befielt 
barin, bajs ba§ eroige 2zhen in bie Sffielt fommt unb jroar fo, 
bafe eö in bem ©ofine ift, fo bafe eö für ben 3Kenfd^en nur im 
©ol^ne befifebar ift. ©er eingeborne ©ol^n trägt eö aU feinen 
eigenen 33efi| in fid^ felbfi: bie Äinber ©otteö ^aben e§ nur, 
fofern fie ben ©ol^n ©otteö bei fid& l^aben, 1. ^oi). 5, 11 f. 

SlHe Slu^fagen über 3efu§ gelten bei ^ol^anncö allgemein, 
fie gelten aud^ für ben ^räejiftenten. 3)ie grage, ob S^fi^ö crji 
burdfi feine ©enbung jum ©ol^ne roirb, ober ob bie ©ol^nfd^aft 
aSorauöfe|ung ber ©enbung ift, befte^t für Sol^anneö nid&t. 2)a 
bie ©enbung ©otteö gebadet ift ate ein realeö, gebenbeg, fd^affem 
be§, jeugenbeö ^anbeln ®otte§, burd6 roeld^eß S^fwö ftänbig jum 



1) 2)a§ 1, 18 fxovoyiv^fjg ^sog ju tefen fei, f (Steint mir nid^t \\^tx. 
fiovoyevt'ig l^d^i für 3ol^anne§ burd§au§ nur alö Slbjeltib ju vlog. gal^n, 
©nleitung II, 544 erlldrt: „($iner welcher @ott roar, unb fomit, ha man 
nid^t aufl^ören lann, ßJott gu fein, feinem SBefen nad§ ®ott ift unb bleibt, 
unb roeld^er bod^ anbrerfeitg öermöge feiner gleifd^werbung (SJotteS einziger 
©ol^n ift." ^\x erklären rodre ber 3lu§brudf nur, wenn man ben im 33egriff 
be§ /uoyoyey/jg liegenben gcugungggebanfen betont: bcrmöge ber Beugung 
burd^ ©Ott ift er felbft ®ott. 



— 61 — 

<So\)n gemad&t wirb, fo roirb er burd& bic ©cnbung jum ©ol^nc 
ßcma^t. Mein bicfcö Icbcnbigc, fortioäl^rcnb fid^ erncuetnbc 
aScrJ^ältniö 3cfu ju ®ott wirb cb^nfo roic 3cfu ^crfon in bic 
(Sioiöfcit hinauf verfolgt. 2)arum ifi audfe bcr ^räcyiftcnte für 
Sol^anncß bct ©ol^n. 2)icd ift fo wenig ein Sffiiberfprud^ , ober 
eine unßelöfie Unflarl^eit/) ate baö entfprc(]^enbe Urteil, ba« auf 
ben l^ifiorifd^en S^f^ö angewanbt wirb, baj5 er ®otted ©ol^n ju- 
gleidb immer ift unb immer wirb. ®s lix^t fid^ jwifd^en bem 
proeEificnten unb bem „l^iftorifcä^en" nxiji fiä^eiben.^) 

2)ie Untctfud^ung jeigt ben einl^eitlid^en g^arafter ber 
jo^anneifd^en ßl^tiftologie. ®ö ifi ba« QUiä^t SSer^ältni« ju 
©Ott, weM^cö mit bem Siamen ber ©ottcöfol^nfi^aft unb mit bem 
Sefenntniä ju feinem ^immlifdften Urfprung auSgefprodfeen wirb. 
3)ie biöl^etige ©arjiettung beweifl aud^, bafe non einem ©d^wonfen 
jwifd^en metopl^pftfd^et unb ftttlid^er ä3egrfinbung ber @in^eit mit 
©Ott nid^ bic SRcbe fein fonn.^) 3)ie SHtematioe, fittlid^er ober 
maop^fifd^er Urfprung aus ©Ott, befielt für 3o^annc$ nid^t. 
^cr ^^ler ifl fdbon bann gemad^t, wenn man bic ftttlid^ 
Segrimbtmg ber ^n^eit mit ©Ott fo befiniert, aU moc^e 3eftt$ 
fld^ fclbfl burd& fein ^onbeln jum ©o^nc ©ottcö. SHefc mit 
ber gaiqcn jo^onneifd^en Geologie tn 9Btbcrfprud^ fte^be Sm 
fd^ung t^ fd^on oben nribericgt wotben. Jtraft unb Siegel bet 
X^at 3^ 6^i ^on ®0^ <ntd. 3nbem 3^u$ ben gdttlid^ 
älntrieb fox X^at mad^t, credit er fid^ in ber (^in^eit mit ©ott, 
in ber er fie^. SBeil btefes Ser^Itnid ju ©Ott feinen gonjen 
SebenSlmtf itmfponnt, fo flammt mit aäm feinen SiQendobett 
feine ^[Serfon, fein ,^'', atid bem ig^mmel. ©tammt fein Sifle 
QxA ©Ott, fo funmnt er aud (BM. Sie ^i^^Iogie be$ üvan^ 
gcitfien — imb ba er eine 3:^togie ^, io ^at er oud^ eine 
^d^ologie — ift bttid^d ooluntutiftifc^. 95om Sitten fc^eibet 
et md^t bod Seien. Xviä^ bie äUufvirfungen ber Xfytun, ber 
SßiflenSo&e bottt iiA Die ^ikrton felbit am, SicJ^ nö^er tümrst 
man bem ©ebonten 2>e4 üvar^^tUHm, warn man, ia^ Setäclmid 
afe ein receptioeö betibreitt/i lad wirb, »ie licn 5«^;*. 



>- Sie ^i^mzBM S 441 rz^it, 
• ^«901 v-^^atias II. 441 
toll Wb JJcgr:^ J<r lt«*r::r:i: er ^^x 



— 62 — 

am flarftcn unb einfai^ftcn burd^ baö SBort audgcbrüdt, bafe cä 
3cfu ©pcifc ift, bcn SBittcn ©otteö ju tl^un. 3)icfeö SSort 
bcjcic^nct nxä)t nur bic SRücfroirfung bcr ^at auf bcn SBBUIcn, 
cö ftcttt Scfum nid&t nux in ein aSerfiältni« }u feinet 'S:^at, fonbem 
JU ©Ott. ^\xä) ift baö aSerl^ältnid nid^t etwa nur fo ßebad^t, 
bafe bie SRüdtoirfung ber 2^^at auf ben SBitten in teügiöfer 
Settad&tungSroeife als SBirfung ®otte§ gebeutet würbe. S)iefe 
ßrtlärung bcö SBerl^ältniffeö roäre eine ä^nlici^e Seifcitefd^iebung 
beö ©otteögßbanfenö, wie biejenige, roeld^e bie Einigung jiDifc&en 
3efuö unb ©Ott als oon unten, von 3cfu« auögel^enb benft. 
aSiclme^r fommt bic Silbung ber ^erfon 3efu burd^ S^f« 2^N 
fo juftanbe, bafe Sefu ©el^orfam gegen ©Ott jur SBorauöfeftung 
unb golge eine Slufnal^me ©otteä, be« ©eijieö ©otte« l^at. S)ie 
©inigung mit ©Ott ift Urfad^e unb SQBirfung feines ©el^orfamö 
gegen ©Ott. ®ben meil fid^ 3ol^anneS baö SBerl^ältniö 3efu jii 
©Ott receptio benft, lann er urteilen, bafe ^^fus burd^ feine 
S^l^aten feine ^ßerfon bilbet: es befielet für i^n feine ©pannunft 
jmifd^en SBitte unb SSefen. 3)iefe ^fpd^ologie bel^crrfd^t bie 
©l^rifiologie bes ®oangelifien, weil fle feine gefamte Anthropologie 
bel^errfd^t. 2)urd^ feine 2^^at bilbet für il^n jeber 3J?enfd^ fein 
SBefen: mer bie SSai^rl^eit tl^ut, ber ijl aus ber SBal^rl^eit ober 
aus ©Ott. 3lud^ ©laube ift M 3ol^anneS ein receptioes aSer^^ 
l^alten.^) 3n irgenb einem receptit)en SSerl^ältniS fielet ber 
3J?enfdb für beS Slpoftels SlidE immer — wenn nidbt ju ©Ott, fo 
jum S^eufel. Öffnet er fid^ nid^t im ©el^orfam gegen ©Ott bem 
©influfe ©ottes, fo öffnet er fu^ burd^ bie böfen Segierben bem 
einflufe beS S^eufels ju einer fünbigen %i)at. &m beSmegen, 
meil es fid& l^ier um ein ganj reelles receptit)es SBerl^ältnis 
^anbelt, fo fann ^oi^annes t)on einem Urfprung aus bem Xeufel 
unb von Äinbern beS S^eufels fo gut reben, wie oon einem 
Urfprung aus ©ott unb oon Äinbern ©otteS. ®s ift nad^ allem 
33isl^erigen flar, bafe l^iermit nid^t an eine naturl^afte 2lbftammung 
oon oben ober von unten unb alfo ni(^t an 2)ualiSmuS gebadet 
ift. aUerbingS ift fel^r ernftfiaft unb realiftifd^ an eine Silbung 
ber ^perfon gebadet, aber an eine 33ilbung, bie oermittelt ift 
burd^ bas im Segelten in ber „Siebe jum Sid^t ober jur 
ginfternis" pd^ DoDjielienbe ©id^öffnen bes 3Renfd^en für einen 
jenfeitigen ©influjg. 

^Ql ©d^latter, @. 138. 



— 63 - 

©abutd^, bafe bic ßin^eit Sefu mit ®ott eine g^iftö^tiö^ 

ift, wirb ftc für ben ©oangeliften nid^t unfid^er unb fd^roanfenb. 

S5utd^ ben ©cblufe beS ©laubenö fielet er für 3efii§ nid^t weniger 

alö für bie ©laubigen im ©ein in ®ott, bas bleiben in 

i^m. 2lm fräftigften ift bieö 5, 30 auögebrüdt: 3d& fann nid^ts 

tl^un t)Ott mir felbfi, Dgl. SB. 19: ©er ©ol^n fann nid^tö von 

ftd^ fclbft tl^un. <öol6mannO bemerft: „2lud& nad& bem ©elbft- 

jeugniö 5, 30 ift i^m bie fittlid^e Sebenötl^at jur 5Ratur- 

notmenbißfeit geworben." Unb bod& fällt aud& biefeö SBort nid&t 

aus bem Stammen ber ß^riftologie lierauö. SSie wir für alle 

^riflologtfd^en äluöfagen bei Sol^anneä erläutembe ^parallelen in 

feineu SBorten über bie ©laubigen finben, fo wirb aud^ biefeö 

SBort erläutert burd^ 15, 5: Dl^ne mi(^ fönnt ii)x nicbt§ tl^un, 

Dgl. SB. 4: wie bie SRebe feine grud^t bringen fann, wenn fie 

nld^t im SBeinfiodE bleibt, ©o wenig jugeftanbenermajsen l^ier 

an einen pi^pfxfd^en S^f^mmen^ang gebadet ifi, ber nid^t 

mttenömäfeig wäre, fo wenig in bem ©elbftjeugniö 3efu. 

Belege bafür, bafe bie ®in^eit 3efu mit ©Ott unb fein 

©c^orfam, wenn er gläubig al§ unjerbred^lid^ bel^anbelt wirb, 

barum nid&t pl^^fifd^ gebadet wirb, bietet befanntlid^ ber erfte 

©rief: 3)er auö ®ott ©eborene fann nic&t fünbigen. ®ine 

ß^riftologie, bie fid^ in ber ällternatioe bewegt: „entweber ber 

^tifammen^ng 3efu mit ©Ott ift pi^pfifd^ ober er ift unfid^er", 

tmb bie ben ©eift ©otteö nid^t ate baß fräftigfte Sanb ber 

©inl^eit anfielet, nerjie^t nid^t ben ©lau ben beö Slpoftelö, ber 

3efu ttani, weil er ©ott glaubt. S)ie unjerjiörbare ©inl^eit '^e\\x 

mit ©Ott beruht auf ber geftigfeit feineö burd^ ©otte§ ©eift 

etjeugten SBiHend. äud^ baö ift falfd^, in biefer burd^ baö 

%l)m Sefu vermittelten ©inl^eit mit ©ott nur bie „menfd^lid^e 

Scmufetfeinöfonn ju finben, in weld^er bem fleifd^geworbenen 

ßogoö fein metap^i^Rfi^eö SBerl^ältniö jum aSater erfd^eint."^) 

S)omit wirb biefem ganjen 58erl)ältni§ 3efu ju ©ott ber ®rnft 

genommen, ben e§ für ben ®oangeliften l^at. gür il^n ift über- 

l^aupt baö SBirfen ©otteö in ber 3cit nid^t nur „ßrfd^einung" 

fcineö ewigen ©einö, fonbern ©ottes unb bamit 3efu SEBirfen 

l^at ben vollen ®mft ber 2^1^ at, ber reellen SBed^felwirfung 



1) 446. 

*) ^oii^mann, 443. 



— 64 — 

jioifd^en @ott unb il^m. ©otteö 2;^at tft genau in bcmfclben 
©innc bcbiußt butd^ 3cfu ^at, rote 3efu ^anbeln butd^ @ott 
begrünbet ift. 

2lud& benft fid^ ber ©Daußelift ben unDerbrüd^lid^cn ©el^rfam 
3efu nid^t in ber gotm eineö mül^famen Äampfeö, feine ®e? 
ted^tißfeit nid&t alö bo« SRefultot gcfol^rtjoller Äonfliftc, feine 
ßiebc nid^t ote mül^fame Slieberfäntpfung be« ^affeö. SBer in 
ber Slltemotipe bcfoneen ift: entroeber ber gute SBiHc ift alö 
pl^pfifd&er ^ro}cJ3 ßebod^t, ober olö eine burd& ©egcnfäle ftd^ 
l)tnburd&rinflenbe SBiffenäberocßunß, ber lann bie ©l^rifioloßie be§ 
©panßeliften ni(j&t t)erftcl^en. SDer ©üünßelift erjäl^lt jroar roeber 
bie 3Serfu(|unßößefd^id&te nod^ ben Äampf in ©eti^fcmane. 3)eS= 
weßen bebeutet ober boö roieberl^olte Sefenntni« ber ©ünbloftgfctt 
3iefu nid^t, bo§ er fid^ feinen Sebenölouf ol^ne Ärifcn benft. 
3Son ber Äriflö im ßeben 3efu fprid^t er nur \o, ha% er bie 
abßefd&loffene Überroinbung berfelben ouöfprid&t: 3d^ l^abe to 
SEBelt überrounben, 16, 33; ber gürft ber SBelt l^at feinen »ntcil 
an mir, 14, 31; in feiner Sejiel^unß gel^ört S^fuö feinem 
^errfd^aftößebiet, ber SBelt, an. aiud^ biefe d^riftologtfd^cn äuö- 
foßen l^aben im 1. Sriefe il^re erläuternben ^ßaraOlcIen: ber 
©laubenöaft ift ber ©ieg, ber bie SEBelt überrounben l^at, 5, 4, 
t)ßl. 4, 4: 3l^r feib auö ©Ott unb befteßtet fle, benn ber, ber in 
eud^ ift, ift ßrö^er ah ber, ber in ber SBelt ift. SBic Sol^onneö 
abfid^tlid^ üom Äampf ber ©emeinbe mit ber SBcIt unb bem 
Satan nur ate t)on einem bereits entfd^iebenen rebet, b. f), alfo 
ßläubiß, fo üerfd^meißt er aud^ bie S^l^atfad&e, baj5 3tcfuö SJe^ 
fud&unßen l)inter fid^ l^at, nid^t, aber er fprid^t nur von ber über- 
munbenen 3Serfud^unß. 3)ie anßefül^rten 5ßaraIIelen jeigen, voit 
falfd^ es ift, l^ierauS ju folßem, bafe er fid& ben ©el^orfam 
ßl^rifti nid^t in ber gorm beö bemühten SBottenö benfe. 

Snl^altlid^ bem S:obeöfampf in ©etl^femane parallel ift bie 
©rjäl^Iunß 12, 27 ff. 3lud& So^anneä Derfd^leiert nid^t bie SCobeä^ 
not gefu, bie ratlofe Slnßft, bie fid^ in ber graße äußert: voa^ 
fott id& faßen? SDenn aud& bei ^o^anneö ift baö Sterben 3efu 
ein ma^rl^aftißeö, meld&es feine „Seele erfd^üttert", nid^t nur ein 
©reißniö, baö feine SRaturfeite berül^rt. S)aö folßenbe @ebet 
jeißt anfd&aulid^, mie ernftl^aft eö Sol^anneö betont, ba§ Sefuö 
©otteö SBiUen nur fo ju tl^un oermag, ba§ er ben eigenen 
SBiUen oerleugnet. 2luöbrädElid& melbet fid^ junädöft ber natürlidje 



- 65 ~ 

5B3iOc, bcr aBiffc bc§ ,,^Icif(^cö", bct ouf ©clbfter^altung ßcl^t. 

®iefcr SBittc tft fo ftd&cr bü, alö Scfuö ,,5Icifci&" ift. ©ein 

iittuntcrbto^cnct ©cJ^otfam befielet ni(3^t barin, bafe ber auf 

^Sclbficrl^altung gcricfitctc SBiUc in U)ttt 90t nicj^t rorl^anbcn 

ift, fonbetn batin, bafe et uetleugnet wirb. 35ie übetgreifenbe 

"Sitte tfl bie um bie SBerl^etrliiiung beä ^lomenö ©ottcö. 

IBie bie ©^noptifet ben ©ieg übet bcn ©otan in bet Übet= 

Toinbung bet aSetfu(3^unß feigen, fo fnüpft il^n ^fol^onned an 

t)ic Übetroinbunö biefet SSetfud&ung an: mit bet (ginroiUißune 

^efu inö fieiben ifl bet Xeufel getid^tet. S)aö ^^ißinauöfiofeen" 

beö S^eufefe witb in ben 3Roment beS 2^obeS 3cfu retlegt, allein 

ba mit ber ©innjittigung 3efu in fein ©tetbcn fein 2^ob, fofetn 

«r feine 3:;i^at unb fein ©el^orfam ift, gefid^ett ift, fo ift bet 

Content beö ®eti(3^tcö fd^on je^t. 2lu(3^ bie fpnoptifdfte (gtjäl^lung 

fptidöt abfi(S&tIi(3& nid^t t)on einem Äampf mit bcm ©atan, bet 

^ butdö Sefu ganjcn ßefcendlauf i^injiel^t unb beffen ©ntfdbeibung 

ttftenbmie ungewiß wate, ©etattige Äonfttuftionen beö inneten 

Sebenölaufö 3efu fiub nid^t ©efd^id^tc, fonbetn betul^en auf 

^ojlulaten übet bie gotm, in bet ben aWobetnen eine etl^ifd6e 

„@ntn)idlung" allein benfbat etfd&eint. gut bie ©t)noptifet ftclit 

<xm Sln^ong be§ Sebenö 3efu ein Äampf mit bem ©atan. 3Wan 

Derfennt uöttig bie Sebeutung biefet ®tjä^Iung, menn man fie 

öfe ©atfiettung eineä Rd^ butd^ ben Sebenögang S^fu l^in^ 

jiel^enbett Äampfeö beutet, ©etabe batauf fommt e§ füt bie 

€t)an0clifien an, ba§ butd^ einen am 2lnfang beö Sebenö 3^fw 

ftcl^enben Äampf bet <Satan befiegt mitb. SefanntUd^ fiellen bie 

Teilungen bet S)ämenifd&cn bei ben ©t)noptiletn 3efu ©ieg übet 

ben ©atan bat: tocü bet ©tatfe oon einem ©tätfeten übet^ 

rounben .ift, fo roitb il^m fein Staub genommen, weil bet ©atan 

Dom ^immel fiel mie ein Slife, b. ^. mit einem ©daläge, fo 

t)etmögen bie 3)ämonen nid^t ftanb ju l^alten. 2llfo aud^ nad& 

bet fpnoptifd&en S)atfteIIung l^at Sefuö bie SBetfud^ung, inbem et 

fte beftanb, mitflidö übetrounben. Slad^ bet SSctneinung beö böfen 

^Billenö l^at et nid&t einen fottmäl^tenb f d^manfenben , fonbetn 

einen feften Sßitten. 

3ol^anneö betont eö ftat?, bafe 3efuö t)on Anfang an fettig 
ift. SBie et fid& feine gteil^eit t)om Söfen nid^t alö einen be^ 
fiänbigen Äampf benft, fo befd^teibt et aud& ben ganjen geiftigen 
Seftfe 3efu nid&t alö Sftefultat einet butdö äufeete ©tfa^tungen 

8ütö<rt, 5Die fo^. Cötifloloflie. 5 



— 66 — 

geleiteten ,,6ntn)idlun9". ©ein Innenleben entftommt in attcn 
feinen goltoren „ouö @ott" unb in feinet Sejiel^ung ,,auö bet 
aBelt". aSon Anfang an burd^fd&out 3efu« ben aSemter. ©eine 
3Kenf(ä^en!enntnis ftommt nid^t quo ®rf aljtungen , fonbem ,,et 
raupte, u)0S im 3Wenfd^en u)or", 2, 25. .©ierauf beruft fld^ ber 
©Dangelift, wenn er erjäl^lt, ba§ e« einen ©laubcn gab, ben 
Scfuö nid&t mit bem gleid&en aSertrauen beantwortete, ©inen 
@runb bafür giebt er nid&t an: warum gab e« ©laubenbe, bcnen 
fi<J 3efuS Don t)oml^erein Derfagte? S)ie Antwort beö ©oan- 
geliften fd^liefet baö völlige aSertrauen auf 3efu« in itd&. ^r 
ben »lief beö 3üngers fd^ien Sefu aSer^alten miafürlic^, aber 
3efug „fannte fie". ©benfo fielet ber ^inmei« gefu auf feinen 
%ob am Slnfang feiner aSirffamfeit. aOBeil ber ©egenfaft jmifd^en 
ber aBelt unb il^m nid^t erft nad& unb naäi entfielet unb ft(J 
Derfd^ärft, fonbem bamit gegeben ift, bafe 3iefuö auö (Sott unb 
nid^t auö ber aOBelt ift, fo ift eö bem ©Dangeliften mid^tig, ba% 
mit bem erfien Qnia'Q^ixttm biefeö Äonflifte« ber aiuöblid auf 
Sefu %ob gegeben ift. 3lud^ bie grei^eit 3efu oom Oefeft ijt 
Don Slnfang an uorl^anben, ol^ne bafe fid& 3efuö von ber ®c^ 
bunbenl^eit an ba§ ®efe| lodringen müfete: bie greil^eit ifi in 
feinem ©ol^nedberoufetfein begrlinbet. 

Siiefer von Anfang an DoDüommenen ©d^eibung t)on ber 
aSelt entfprid^t bie 2lrt, mie Sefu« bie aRenfd^en be^anbelt. gr 
erlennt feine SWittelfiufen unb Übergangöformen an, fonbem nur 
fertige unb ganjc ©rgebniffe. S)iefe ©igenart geftaltet ben 
ganjen Segriffölreiö bei go^anneö. aBie er nur ©egenfäfec 
fennt — ben Urfprung auö ©Ott unb ben auö ber aSelt ober 
bem S^eufel — fo erfennt er aU ©laube nod& nid^t baö auf gefud 
gerii^tete aSertrauen an, fonbem erft bie 2lnerfennung feiner 
aWeffianität, in ber Siebe fielet er ben aSBillen jum ©terben, wie 
im $a§ ben aBitten jum SCöten. aBeil Sefus fid& nid&t mit 
l^alben ©rfolgen unb fd^manfenben S^ftänben begnügt, fonbem 
rafdö auf ganje ®rgebniffe l^inmirft, fo mirb in ber 3)arfteDung 
beö ©efji&id&tsoerlaufö fofort auf bie befinitiuen SRcfultate l^in= 
geioiefen. aSon Slnfang an l^anbelt eö fid& um bie 3Keffianität 
3efu, im Tempel fommt eö fofort jum aSrud^. 

S)em entfprid^t bie Slrt ber ©efpräd&e unb Sieben ^efu. 
©ie fteigcn nid&t oon ben näd^ftliegenben elementaren ©ebanfen 
aufwärts, fonbem ftellen bie umfaffenbe Sluöfage, baö ©anjc, 



- 67 — 

boö 3i^I öu bic ©pifte. 3m ©efpräiä^ mit Slilobcmuö wirb bic 
Slotmenbigfcit bct SBicbcrgcburt an ben Slnfang ßcftcHt unb 
gegen ben ©inrourf cinfo^ loieberl^olt. Slbftcigenb werben bann 
bie SBebingungen bet SBiebergeburt erläutert biö l^erab ju ber 
elementaren gorberung, bie SBal^rl^eit ju tl^un. 3m ©efpräd^ 
mit bet ©amatiterin fiä^Iiefet ^t^n^ nid&t etma, fonbcm beginnt 
mit ber Slnbietung beö lebenbigen Sßafferö unb medt, rüdEmärtß 
fd^reitenb, bie Sebingungen beö 3Serftänbniffeö. ^nbtm baö ju 
erreid&enbe ^id an bie ©pifee gefteHt mirb, foH Derl^inbert werben, 
bafe bie ißörer [xä) in unfertigen Übergangdftabien fixieren. 



3. Haptol 

3)ic ganje ©cbanfenreil^e , bic ben l^tmmlifd&cn Urfprung 
Sefu erläutert, ift bie t)om ©üaußeliften felbft gegebene Deutung 
be§ 2Borte§ 1, 14: 6 Uyoq auQ% iysvero. 3)tc 3lrt, in ber er 
ben Sttuöganö 3^fw auä bem ^immel DorfteHt, jeigt, wie er ft$ 
bie gleif(^tt)erbung beö Sogoö benft. ®r benft roeber an Sßet- 
roanblung in einen 2Renf(ä^en, no(ä^ an SBertaufd^ung ber ©pl^äre. 
ad^'^ erläutert ftd& aud^ bei 3of|anneö n)ie bei ^autuö bur(ä^ 
feinen ©egenfa^ gegen nvevfxw. @eift ju fein ifi ®ott roefentlit^, 
%lt\\i^ ift baö bem 2Jlenf(^en SBefentlid^e, t)gl. 3, 6. o Aoyog 
<Tao§ eysvBTo ift alfo ju überfe^en: 3)er Sogoö warb ein ntenfd&= 
Ii(ä^e§ SBefen. 2)aö 9SerI)ältniö t)on Sogoö unb gleifd^ wirb ni(|t 
burc^ ben 2^erminuö ,,2lnnel^men beö gleifd&eö" erläutert, fonbern 
ba§ aSerl^ältniß beö göttlid^en unb menfd&Iid^en gaftorö wirb 
faufal unb f(5öpferifd& gebadet. 2)iefeö menfd^lid^e SBefen fommt 
auö bem Fimmel, inbem eö burd& feinen ganjen Sebenölouf l^in 
t)on ©Ott gebilbet, l^err)orgebra($t , burd^ ©otteö ©eifi gejeugt 
wirb. 2)aä 33en)u§tfein ^z\\x ift ein menfc^lid&eö, eö wirb meber 
qIö ein in§ S^i^f^i^^ ücrfd&mimmenbes , nod^ in ber gorm 
ber Erinnerung, am aEerroenigften aber atö ein nid&t ein- 
l)eitlid&e§, fonbern in ber Sttnalogie beö ©laubenöafteö t)orgefteIIt. 
Sie 3Jlad^t unb baö SBiffen 3efu treten in ber gorm göttlid^er 
®ahzn in fein menf($lid^eö SBemufetfein, fie pnb nid^t ein t)on 
©Ott abgelöfter Sertfe. ©ott^eit unb 2J{enfd6^eit finb für ben 
®oangeliften nid^t ©egenfäfee, bie fid^ auöfd&Iiefeen, ober gegem 
feitig begrenjen, alö fönnte t)on ^^]\x% nid^t im DoHften 3Ka6e 
gelten, bafe er %\t\\i^ ift, roeil er ber £ogo§ ift, ober nid&t in 
ganjem Umfange, bajs er ber Sogoö ift, meil er gleifd^ ift: 
beibe ©ebanfen werben auögefd&loffen bur(5 bie gormel: ber 
Sogoö marb %lt\S^. ®ö ift beöroegen ganj unrid&tig, t)on einem 



— 69 — 

,,t)on ber gleifd^rocrbunö unberül)rt gebliebenen SReftbuum beö 
Sogoö" ju tebcn.^ 2)aö ßonje S^^tereffe beö eDangelifien l^aftet 
haxan, ba§ in Scfuö nid&t nur ein „Bind r>on ®ott" in bic 
3Belt gcfornmen ifi, fonbem bafe S^fuö ®otte§ 9 an je 3Raä^t 
imb §enli(i?eit in fid& trägt, bojs (Sott ^iä) x^m Qarxi mitgeteilt 
t)at: e§ liegt ein ftarfer S^on barauf, bafe S^fuö ben ©eift 
ol^ne aWofe beftfet.^) 6r l^at boö 71X1700)^« ber ©nobe unb 
aOBal^rl^eit in ii(3^, nid^t einen Xeil, fonbern boä ©onje, bie un- 
getrübte unb beöl^alb unerfd&öpflic^e pHe. 

2lber freili(ä^, ba ber aSerroanblungögebanfe bem ®üangeliften 
fern liegt, fo bleiben für i^n alle 3lu§fagen über ben Sogoö in 
üoffem Umfange gültig: ehen besiegen ift Sefuö „ber SWenfd&en- 
fol^n, ber im Fimmel ift". Dabei benft ber 6t)angelifi nid&t an 
ein 2)oppelmefen ober an ein jroiefpältigeö Seroujstfein in S^fuö: 
nur folgt l^ierauö nid^t, bafe bie 3Jlenf($n)erbung als SSermanblung 
gebadet ifi. S)a§ Sewufetfein feiner göttli(5en unb feiner menfd^s 
Uiä^en 2lrt fielet bei ^efuö nid^t ncbeneinanber , fonbern l^at 
bic mel^rfac^ befd^riebene, bem ©laubenöaft t)ergleid^bare gorm.^) 

3lm menigfien trifft man bie 3Weinung beö ®t)angeliften, 
wenn man il^m in irgenb einer gorm bofetifd&e ober gnoftifd^e 



^) Sgl. borübcr §ol^mann II, 460, 3lnm. l unb iBalbenfpergcr, ©. 52. 

2) t)aß Scr^öltniS beg SogoS gu (SJott wirb fpäter erläutert werben. 

3j STn einer ©teHe finbet ftd§ bei ^ol^ntann ein öl)n(id§cr (SJebonle 
©. 439: „5)te ^jeugung eine0 ©elbftbettJugtfeinS , mie e« fi^ in ben 
iol^onnetf^cn ®l^riftu§rcbcn barfteHt, ift bie le^te unb l)öd§ftc Xl^at be§ auf 
bic 2Be(t Wirtenben 2ogo§." ^aju ögl. ^nm. 2: „SBenn l^iernac^ ber 
SogoS im ©ingebomen gleid§fam fein eigene^ ^robutt geworben wäre, fo 
^dttc auc§ biefe SorfteHung eine ^aroHele." ^iefe iBemerlung ift aber bei 
$o(|mann nicj^t nur ni^t ejegetifcj^ begrünbet, fonbern. wiberf:pri(^t oud^ 
feinen fonftigen 3lnfd§auungen, ba au^ §o(^mann ben Urf:prung Sefu au§ 
bem §tmme( in ber ^rt ber allgemeinen ejegetif^en Xrabition beutet. ^ud§ 
ift c§ ni(j^ ri(3§tig, gu fagen, ha% ber ßogoö „fein eigene^ ^robuft" ge* 
worbcn fei. ^er ©ol^n entftammt ber ScwQimö ÖJotteS unb baS SSerpitni^ 
beS Sogo§ ju 3efug lann man nur infofern ein fd§öpferif(^e^ nennen, al§ 
ber Sogo§ für Sol^anneS ju (SJott ge^rt, unb alfo ber ßogo^gebanle in ben 
QJotteSbegriff eingef^loffen ift. OTein ©otteS SBort wirb natürlid^ al^ 
®otte§ ®cbilbe gebadet unb jwar, wie ftd^ geigen wirb, al§ baS @räeugni§ 
feines ®cifteg. ^ie gleifij^werbung be§ SBorteS wirb beSl^alb fo gebat^t 
fein, bag burd^ biefelbe :probuItiöe ?lftion (5Jotte§, beren (SrgeugniS fein SBort 
ift; au^ Scfu „5Ceifd§", ber 9Renfc§ 3efu§, gebilbct wirb: fo ift er ba§ 
fleifd^gcworbcne Söort ©otteiS. 



— 70 - 

©cbonfen jufd^iebt. aRit bctfclben enctgic wie bcn l^immlifd&cn 
Urfprunfl 3efu betont er feine menfd^Iiiä^e 9Crt, baö „gleifd^" 
3efu, unb jroar nid&t nur int crften S5riefc, fonbcm audö im 
(gnanßelium, ngl. Stap. 6.^) 3n bcr Seugnung beö „gleifd&eö" ©l^rifH 
fielet ^ol^anneö boö aSefen beö 2lnti(ä&riften. S)ie ©egner, bie er 
befämpft, feigen boö „%UxW ©i^rifti als roertloö an, feigen feine 
Scbeutung nur im ©eifle, ber als ein non ber 5ßerfon 3^fw 
ablösbarer SeRfe gebaut ift.^) ©ie fietten ®eijt unb gleif* in 
©cgenfal ju einanber. ®egen biefe ©d^eibung beö ©eified oom 
gleifd^e 3efu rid^tet pd^ nun nid^t nur bie ^polemi? be« erften 
Sriefeö, fonbern aud^ bie ©l^riftologie beö ©uangeliumö. ^aä 
©igentümlid^e an ber 5ßoIemi? beö ^ol^anneö ift bieö, bafe er fld& 
burd& ben @egenfa| nid&t ju einer ^erabfefeung beä ©eifteö 
treiben läfet, ebenforoenig wie burd& bie antignoftifd^e 5ßoIemif ju 
einer ^erabfefeung ber 6r?enntnid.^) aSielmel^r fiettt et %U\\i\ 
unb @eift in ber ©l^riftologie ftetö in ein faufaleö aSerl^ältniö ju 
einanber. 3)er Sefife beö ©eifieö fül^rt nxä)t jur Seugnung, 
fonbern jum Selenntniö beö gleifd^eö ©l^rifti. 

2)ie ©nergie, mit ber ^iol^anneö bieö btiont, erflärt aud^ 
ben ©ebanfengang oon Raip, 6. 2)ie äuöbrüdEe: 6ffen unb 
S:rinfen ftnb Silber für bie aufnähme feiner 5ßerfon. SBaö 
Sefuö forbcrt, ift abfolute, ganje SRcceptioität feiner ^erfon 
gegenüber, ©laube ift bei ^pl^anncö alö receptioeö SBerl^alten 
gebadet. 2)iefe SReceptioität öffnet g^fu baö Innenleben beö 
ajienfd&en, fo ba§ er ber fie ©peifenbe, Seben ©rjeugenbc unb 
@r^altenbe wirb in älinlid&er SBeife, roie ©otteö 3Bitten ju tl^un 
3efu Spcife ift. 2)aö 3^^^ i^i^f^^ SReceptioität ^cfuö gegenübet 
ift baöfelbc, roeld^eö Sol^anneö fonft in ben 2luöbrudE fa§t, bafe 
Sefuö in ben ©einigen ift. 3)arum ?ann bie glaubenbe Sluf- 
nal^me Sefu bur($ baö 33ilb beö ©ffenö unb S:rin!enö bejeidönet 



2)ie ^cliaiiptung öon iBalbenfperger, 8. 31 f., bag ^o^anneö lein 
„lebcnbigeö, tieferes ^^^creffe an ber ßrfd^einung be§ Sogoö im g(eif(^e" 
i^obe, geigt, tüie ipenig fid§ bie öon il)m bel^auptete Xenbenj ber jol^anneift^en 
Sl^riftotogie mit bem im (Söangelium crlennboren ^^tcreffe öereinigen läßt. 

«) 1. 3o§. 4, 8 ift JU lefen Ive^ ögt. Mn, Einleitung II, 574. 

*) ^iefe 5:^atfa(3§e jeigt, bag man fi(^ au(^ |)ofitiöe öJebanlen ber 
jo]^anneif(3§en Si^riftologie ni(^t auö bem ®egenfafe erllären barf. @r ift 
in feiner ©rienntniö ganj öom Dbjett unb ni(^t öon feinen öJegnern 
abpngig. 



— 71 — 

tocrbcn. ^n bicfcm S^Motnmcnl^angc nun toitb cd betont, ba§ 

baö ,,^Icifd^" 3cfu cö ift, wad et bet SBelt jur 2Iufnal^me bot^ 

Metet, b. ^. feine menfd&Iid&e »tt. ©ein gleifd^ ift bie Seben 

f(ä&affcttbc aWtfiä^t. SDie 2lbjtd^t ber fiarfen Betonung biefeö ©e^ 

bonlenö faßt mit ber ^Betonung ber aJlenfd&l^cit Sefu im erften 

Sticfe jufammen. gteilid^ ift fein ^Ui^ä) nid&t in fid& fclbft leben^ 

f^affenb*, fonbcrn nur bedroeßen, roeil eö burd& ben ©eift erjeugt ift. 

S)ie Icbenfd&affenbe Tlaä)t ift allein ber ©eift. Slllcin in feiner 

anbcrn g^^^ f^^ff^ ^^ Seben, alö burd^ baö gleifd^ ^^fit- 

3nbem er bie 3Wenf(^l|cit ^^fu erjeugt unb in bie äBelt fteHt, 

fliebt ex ber SBelt baö Seben. @ine anbere SEBeife, bie SRoc^t 

bcö ©eiftcö ju erfal^ren ate biefe, ben 2Wenf(|en 3^^^^ ¥^' 

june^men, giebt eö nidfet. 3lid&t aufeer ober neben bem ^Ui^ä)^ 

Sefu wirft ber ©eift. 3n ber niebrigen unfd&einbaren gorm ber 

f^toai^en ol^nmä(5tigen 3Jlenfd&l|eit '^z^n allein fann er l^in- 

ftenommcn merben unb nur baburi^, bafe 3efu ^leifd^ auf- 

ftenommcn wirb, wirb bie Iebenf(ä^affenbe 3Kac^t beö ©eifteä 

töltt^am. 35er ©ebanfengang ftel^t alfo im f(|arfen ©egenfa| 

jum 2)ofetiömuS unb jü allen gnoftif(^en ©ebanfengängen. ©ein 

§lcl^^ ift baö S3rot, baö t)om Fimmel l^erunterfommt, b. ^, wie 

feftgeftettt ift unb jum ©(^lufe beö ©efprä(5ö ja anä^ auöbrüdtid^ 

auögefpro(ä^ett mirb: eö fommt auö bem ©eifte. 2lber bafe ba§ 

©rjeugniö bcö ©eifteö gleifd^ ift, ein menf(ä^li(|eö SBefen, barauf 

liegt ber 9?ad^bru(J in ber SRebe.^ 

S)ie 33etonung ber 3Kenfd^l^eit ^z\n im ©oangelium rid^tet 
[lä) inbeffen nid&t in erfter Sinie gegen ein bofetifd^eö S^riftuä- 
bilb, fonbern fte fprid^t ben ©egenfa^ 3efu gegen baö iübif(5e 
%iftuöbilb au§.^) 2)em SEBorte 3^u, bafe er baö t)om ^immel 
i^erobgefornmene Orot fei, feften bie Suben ben ^inroeiä auf feine 
irbif($e 9lbftammung entgegen. 3efu 3lnfpru(5, auö bem ^immel 
ju fommen, mirb burd^ feine menfd&li(5e natürlid&e 2lrt toiberlegt. 
3l\i)i an ber 3SorftelIung eineö l^immlifd^en Urfprungö überl^aupt 
ttel^men bie Suben Slnftofe, alö fei bamit etroaö an ftd^ Un- 
möglid^eö auögefprod^en : Dielmc^r befa^en fic ja in ber ©rroartung 
ber ^immlifd&en Sttbfunft beö (S^riftuö ein 3Wittet jum 3Ser^ 



1) SSgl. oben @. 9 f. 

2) ^Ql ©d^latter, ^er §8ru^ Sefu mit ber gubenf^aft, „?luö @(^rift 
unb @efd§td§te", ©. 3. 



— 72 — 

ftänbmö bicfeß 2lttfptud&d 3cfu. Smcin bafe Sefuö, beffcn äb^ 
fünft bcfannt ift, uon feinem l^immlifd&en Urfprung fprid^t, bilbet 
ben änftofe. SDer 2lnfto§ ift betfelbe, bet oud^ 7, 27 qu0' 
ftefprod^en roirb: ba man feinen Utfprung fennt, fö fann er ber 
ei^riPuö nid&t fein. Sein ^immlijd^et Urfptung fd&liefet ootte 
menfd^li^e 3ltt auö. ©eine ©rfd^einung mufe etroaö ©el^eimniö^ 
Dofleö l^oben. liefet 3^6 \^W 3^fwö. ®r tritt i^nen " mit ber 
SBirflid^feit eines menfiä^lid&en ßebenö entgeßen. 6r fonn barum 
ber ©tiriftuö, ber ©pcnber bed ewigen bebend, nid&t fein, ©egem 
über biefem ^^antafiebilb oon einem flel^eimniSüollen, ber menfd^^ 
lid^en SBirflid^feit unäl^nlid&en ©l^riftud betont Sefuö, bofe fein 
„gleifd^", feine menfd&lid^e SBirfli^feit, il^n jum Srot beö fiebernd 
mad&e. Joimmlifd^er Urfprung unb menfd^lid^e SBirflid&feit fd^lie^en 
fid^ nid^t ax\^, fonbem gerabe einen menfd&liiä^en ficbenölouf ffl^nt 
er traft feineö l^immlifd&en Urfprungd.^) 

gür So^anneö l^at eö aber in ber Äird&e bleibenbe Se^ 
beutung, bafe ^efuö feine Dotte menfd^lid&e SBirflid^feit ben ^ubcR 
gegenüber nid&t verleugnet l^at, bafe er feine ^immlifd&e Slbfunft 
nid^t etwa nur ju bel^aupten oermoAte, inbem er feine menfd^lid^e 
Slrt Derfd^leierte unb fid^ einen ber irbifd&en 2Birflid&?eit frembea 
älnftrid^ gab. 2)ie 9Wotit)e beö pl^antafkifd^en aufeermenfc^lid^en 
ß^riftuöbilbeö feieren befiänbig lieber, unb barum l^at baö- 
33efcnntniö 3efu ju feiner 3Wenfd^^eit bleibenbe 33ebeutung unt^ 
bie Sftebe ift für ^o^anneö ebenfogut gegen bie ©noftifer roie 
gegen bie ©aliläer bebeutfam. 

Siol^anneö Derfd^leiert eö in feiner SBeife, mie ftarf bad- 
aSefenntniö jur SRefftanität 3efu mit allem, wad eö in ftd^ 
fd&liefet, mit ber flaren SBal^me^mung feiner mirflid&en SUleufd^- 
lid&feit jufammenftiefe. 6r ift fid^ ber ftarfen Spannung beutli(^ 
bemufet, in ber fein ©laube an ^t]\x^ ju bem, maö an il^m 
jtdbtbar mar, ftanb. 6r mad^t baö an ber ©tärfe beö 2lnftofee& 
flar, ben man an feinem „^ki\d^^'* nat)m. 3)er ©ruft, mit bem 
er eä betont, bafe Sefuö gleifd^ mar, jeigt, bafe feine Gl^riftologie 
bie 3Wenfc^lid^feit 3efu ni(5t auögelöfd^t l^at. 3Ran barf barum 



>) ^er ©egcnfaj, in ben l^ier bie jilbif(]^cn ^räcjiftcnjöorftcßungen unb 
Gebauten über ben ^immlifd^en Urf|)rung be§ ©l^riftuö gu Scfu ©clbftjeugni« 
treten, geigt, bog ber jol^anneifd^e ©cbanlc nic^t auiS bem jübifd^cn ent* 
ftanben ift. 



— 73 — 

nid&t fagcn, ba^ eine fold^c ©J^xiftologie im (Sebonfen eines 
Oenoffcn 3cfu ni(|t bcntoar fei.^) 

35ie 5DIenfd^lid&!eit ^e]n liegt für Sol^anneö in bem 5Ramen: 

anenfd^enfo^n, ben Sefuß fid& Qab. 3Jleffianif4 ift ber auöbnid 

aud^ bei ^o^anneö, 12, 34 fielet er fpnonpm bem gl^riftuönamen, 

imb aud^ 9, 35 f. feftt bie grage beö ©el^eilten Dorauö, bafe boö 

SBort als 3Kcffiaö6cjet(j^nun0 perfianben mirb. allein bie beiben 

parallelen 9iamen: (Sot)n ©otteö unb ©ol^n bed aWenfd^en werben 

in ganj paralleler 3lrt im 3ol^anneöet)angelium ßebraudfet. SBic 

So^anneö mit ber einen meffianif(3^en Sejeid^nung bie Slbfunft 

3efu t)on (Sott auöbriidt, fo fielet er in ber anbern einen ^in^ 

Töeiö auf feine SStbftammunß t)om aWenfiä^en. $Ratürlid& wirb 

bamit fein ©d^nitt burd& bie ^erfon 3efu gemad^t, alö fiammte 

einer ber gaftoren, bie 3efu ^erfon bilben, etroa fein ®eift, t)on 

©Ott unb ber anbere oom 3Renfd&en. S)iefe ©d^eibung roiber- 

^ptid^t ber ©runbtenbenj ber jo^anneifd&en ©l^rifiologie : einerseits 

ftantmt ^efuö, unb jmar gerabe in feiner menfd&lid^ natürlid^en 

*ct, ganj t)on @ott, — fein gleifd^ auö bem ©eifte — anberer^ 

ieitä ifl er DöDig SWenfd^, ©ol^n be« SWenfd&en. 2)ie beiben il^n 

bilbenben gaftoren werben nid^t abbiert, fonbern ftetien in fau= 

falem aSer^ältniö ju einanber: jum aWenfd&en Sefuö fommt nid^t 

etwa ber ©eifi alö ein neues, i^m frembes ©lement ^inju, 

fonbern er ifi ber il^n geftaltenbe gaftor. 

®ie meffianifd&e 33e}eid&nung toirb nad6 il^rem SEBortfinn 
gebeutet. S)a§ Sefus feine menfd^lii^c SSlbfunft betont, mar allen 
©oangeliften auffaHenb. 3)ie Sejeid^nung l^ebt i^n aber in feiner 
SBeife aus ber SReilie ber 3Renfd^en empor, als bas Sbeal, ober 
bas Urbilb bes 3Wenfd&en ober äl^nlid^. ^efuS fteHt fid& bamit 
ben 3Kenfd&en gleid^: er ift ein ganjer unb mirflii^er, nid&t ein 
befonberer 9Renf($; allein eS ift für SefuS etmas 33efonbereS, ein 
3Renfd^ ju fein, ©eine 3lbftammung Dom aJlenfd&en trägt in fein 
Seben eine ©pannung hinein. 1, 51 mirb baS umfaffenbc ©laubens^^ 
motit) an bie 3Jlenfd&lid&feit 3efu angefnüpft. 3«^^^ SReil^en oon 
Erfahrungen mad^en bie jünger: er ift aKenfd^, aber ber ^immel 



^) ©0 SBeiäfädEcr, 517: „teinc 9»ad§t bc§ OJlaubenS unb ber 5ßl)Uofop]^ie 
lann örog genug öorgcfteHt ttjcrbcn, um bie Erinnerung beö ttjir!li(^en 
Scbcn§ fo auSjulöfd^en unb bicfcS SBunbcrbilb * cineS göttlicj^en SScfcnS an 
il^re ©teile ju fe^en. . . . fjür einen Uropoftel ift eS unbentbar." 



— 74 — 

fielet il^m offen unb ifi il^m ßcgenroartig, er ift ein 3Wcnfd&, bent 
fein Sebenötnl^alt auö bcm ^immel jufttömt. Seibe«, feine 
menf(ä^li(5e 2lrt unb fein l^immlifd&er Urfptunß, pnb an il^m 
fi(3^t6ar. 3n äl^nlid&cr 3Beife wirb 3, 13 gerabe bie umfajfenbe, 
roeiteft gel^enbe aiuöfage, bafe 3efud feinen Drt im ^immel l^at, 
an feine aJienfd&lid&feit angefnüpft: er ift ein 3Jlenf(ä^, allein ein 
9Kenf(^, ber im ^immel feine ©egenroart \)at Oerabe alö 
3JJenf($, ni(6t nur uor ober nad& ber 3^^^ feines irbifd&en ficbens, 
ift er im ^immel. S)iefen beiben SBorten am nä(6fien ftel^t 
6, 62, ba aud& l^ier ber l^immlif^e Drt 3efu mit feiner menfd§= 
li(ä^en 2lbftammunß in 3Serbinbung gebrad^t wirb: bafe er als 
IDienfc^ in ben ^immel l^inauffteigt — baö mirb jeben 2lnftofe 
an ben Slnfprüd&en, ben er in feiner menfd^Iid&en 3lrt mad^t, 
befeitigen. 2)er Slnftofe, ber bur(i feine Sttuffal^rt in ben ^imtnef 
gehoben wirb, ift ber, bajs 3efuö an feine aJlenfd^^eit, 6, 21, 
unb jroar an baö ®ffen beö gleifd^eß unb 2!rin!en beä SluteS 
beö aJlcnf(^enfol^ne«, 6, 53, ben 33efife beä ewigen 2zUm Inüpft. 
3n biefer SRebe jeigt fid& beutlid^, bafe.^efuö fid^ „aJienfd&enfol^n" 
nennt, weit er „ejlcif^ä^" ift. 2ln ben 3Wenfd&enfol^n wirb bas 
2eben gebunben, in bemfelben ©inne wie an baö gleifd^ 3^fw. 
33eibe Sttuöbrüde Jagen, bafe er gerabc in feiner menf(ä^li(ä^en Slrt 
ber DueE beö Sebenö ift. ©benfo beutlid^ bejeiiä^net 5, 27 ber 
Sluöbrud bie aJlenfd^lieit 3^f^- fie ift ber ©runb, bafe i^m baä 
@eri(^t übertragen ifi: burd^ einen 2Jlenf(ä^en foll bie aWenfd^i^eit 
geri(5tet werben. S)er ©ebanfe ifi be!anntUd& fe^r Derfd^iebcn 
gebeutet worben. Selbftr)erftänbli($ foH baö ©eridbt burd& ben 
3JJenf($en baö ©erid^t ©otteä nid^t auöfd^Iiefeen. ©Ott rid^tet b u r d& 
einen 3)Zenfd6en. Sefuö rid&tet, wie er „prt", aud6 ben Urteilö== 
fpru(5 empfängt er von ©Ott. ©leid^rool^t !ann „ber 3Kenfd&" in 
einem 3ufammenl)ange, in bem t)om Sßeltrid^ter bie SRebe ift, nur 
„©Ott" gegenüber ftel^en: bafe nid^t ©Ott felbft ri($tet, fonbcrn 
bafe er burd^ S^fwS xi^tzt, \)at feinen ©runb in 3efu aJienfd^l^eit. 
2)aö 2Bort roirb fid& barauö erflären, bajs baö ©erid&t fidfe 
gegenwärtig -ooEjiel^t. SoH'ä im irbif(^en Seben beö 3Jlenf(5en 
fid^ ooffftreden, fo mufe es burd^ einen 3Jlenfc^en geübt werben, 
meil es auf ®rben ergel^en foll, fo mufe eö burd^ einen auf 
@rben mirfenben 3)ienfd^en ooH/^ogen werben. S)er ©ebraud^ beö 
ffiorteö an biefer ©teile l^at ein ganj äl)nli(5e9 3Jlotio wie 2Rattl^. 
9, 6: 2)a bie ©ünben auf ®rben oergebeu werben, fo werben 
fie burd^ einen 3Kenfd^en oergeben. 



— 75 — 

SlUc übrigen SBorle, in benen [xS) 3cfuö aKenf($enfol^n 
nennt, fpreci^cn non- feiner (Srfiö^ung, 3, 14; 8, 28; 12, 34 
ober SBerl^ertlid^unö 12, 23; 13, 31. hiermit ift ouööefprociöen, 
bafe Sefuö, ba er 3Kenf(ä& ifi, onf ©r^ö^unß unb SBerl^enliiä^ung 
wartet, ©ö liegt in biefen SBBorten no(| ein anberes 9Konient, 
ofe in bencn, bie uom l^immlifd^en Drt beä aKenfd&enfol^neö 
fpred^en, nämlid^ nid^t nur bie Überjeußunß, bo§ er aU aJlenfi^em 
jo^n ber ©rl^öl^ung geroife ifi, fonbern aud& boö 33efenntniö, bafe 
ex ate 3Jlenfd&enfol^n ber ©rl^ö^unö bebarf. ®ö wirb jugleid^ 
auööcbrücft, bafe bie §enlid&feit il^m gebührt unb bafe fie x^m 
fc^It — fel)lt in bem bereits erläuterten ©inne. Site ^Kenfd&en^ 
finb fielet et mit bem 3lnfprud& auf ^errlid&feit ba, aber au^ 
mit bem Sebürfniö, t)erf|errli(3^t unb erl^öl^t ju werben, ba ^err= 
li^feit unb l^immlifii^er Drt für il^n in feiner SWenfd&lid&feit etwas 
Senfeitißeö finb. 

2lud^ jum SSerftänbniö biefeS ©ebanfenö bietet ber Sol^anneß^ 

Wef in feinen SBorten über ben ©tanb ber ©läubißen eine 

etläutembe ^ßaraHele. SDie ßiebe ©otteS befielet in ber Über:= 

traguttö i>eö $Ramenö ber ©otteöfinber, 3, 1. S)en non ®ott 

ßcgebeuen 3iamen be^dnbelt ^olianneö im ©($lu§ bcä ©laubens 

aU ^Realität: unb mir finb es. 3lber erfd&ienen, in bie 

erfal^rbarc SBirflii^feit ßetreten, ift nod& nid&t, roaS mir fein 

werben. 3)ie Unterfud&unß über ben l^immlifd^en Urfprunß 3efu 

^at flejeigt, inwieweit bie ©teHunß ^efu biefer Stettunß ber Äinber 

®otte^ uerßleid^bar ift: weßen feiner aJJenfd^lic^feit bebarf au(3^ er 

ber ©rpl^unß unb wartet auf bie „ßrfd^einunß" beffen, waö er 

ift. 2lu(^ er befifet feine ©otteöfo^nfd^aft ate einen SRamen. 3)a 

©Ott eö ifi, ber il^m ben SRamen ßab, fo befielet jwif(i&en 3latm\x 

unb SBefen feine Spannuuß. S)urd^ ©otteö SBort, weld&eö il^n 

©otteö ©ol^n nennt, ift er aud& wirfliiä^ ©otteö ©ol^n. S)a 

feine menfd&lid& = niebriße ®rfd^einunß im ®eßenfa| ju feinem 

9lamen fte^t, fo bepelzt ber ©laubenöaft barin, bafe ber aJlenfd^ 

ben 3ißfwS t)on ®ott beißeießten Flamen bejaht, ate SRealität 

bel^anbelt, i^m ate bem in ©otteS SHad^t l^anbelnben ßl^riftuä 

. vertraut. S)arum bejiel^t ^ol^anneö bcfonberS pufiß baö ©lauben 

auf ben 5Ramen 3efu: 1, 12; 2, 2:); 3, 18; 1. 3o^. 3, 23; 

5, 13; Dßl. 20, 31. 

3)iefer ©ebraud^ beö 9iamenö ^efu fiä^liefet pd^ natürlid^ an 
ben ©ebrau($ beö 9iamenö ©otteö im 2llten 2!cftamcnt an: 



— 7G — 

Sörocl \)at n\(i)t ©otteä pd&tbore ©cöenroart, fonbcrn feinen 
Flamen bei fid^. ©benfo ift mit 3efu menf^lid^et Sltt bcr 5Rame 
bed ©o^neö ®otte« bem 3Sol! jum ©laubenögrunb gegeben. 
3)a ©Ott eö ift, ber il^m biefen Flamen ^ab, fo glaubt ber 
3Renfdb an @ott, inbent er an S^f« ©otteöfol^nfd^aft gl^^itf^t/ 
foroie 3Serneinuna ber 3Reffianität S^fu Unglaube gegen ©Ott ifi.^) 

3)afe ©Ott 3efum feinen Sol^n nannte, alfo il^n burci^ 
fein aSort ju feinem ©o^ne mad^te, bieö ift baö 3^«Ö^i^ 
©otteö für Sefuö. 2)er 3«fö"^tti^»^öng, in raeld^em im erften 
Sriefe 5, 9 ff. oon ©otteö B^^Ö^i^ ^^ 3^f«ö gefprod^en mirb, 
jeigt, baj5 ^o^^önneö tooI^I junä($ft an bad bei ber 3:aufe über 
3efuö gefproc^ene 2Bort backte, meld&eö bie ©gnopti?er berid&ten. 
©Ott tritt junäd&ft für i^n burd^ fein SBort ein. SDie ©otteö-- 
fol^nfd&aft 3efu wirb nid^t etma al« in ber B^^^^^f^ Kcgenb 
augefel^en, nur liegt pe gcgenroärtig aufeerl^alb menfd&lid&er (St- 
fal^rung unb ift nur ©Ott aufgebedt. 3)e«^alb ifi ©Ott ben 
SKenfcben gegenüber ber ,,3^wge" ber ©otteöfol^nfd&aft 3efu. 
S)aö „3cu6"tö" ©otteä aber forbert t)om aWenfd^en ,,©laube". 
greili(^ befdöränft ftd^ ©otteö 3eugnid für 3efuö nid^t auf 
fein SBort, eö tritt baju 3efu SBerf, ogl. im ©oangelium 5, 32 
mit 58. 36. 3)ieö wirb im erften 33riefe 5, 11 f. ba^in erläutert, 
baj5 baö burd^ Qefuö vermittelte emige 2tbm ©otted 3^«9"i^ f^^ 
Sefuö ift. 

3n berfelben aSeife, mie ©Ott ber 3euge 3efu ifi, ifi 3efuÄ 
©otteö 3euge, 3, 11. 32; ogl. 18, 37, berfelbe äuäbrud aud^ 
8, 14. Seibeö l^ängt innerlid^ jufammen. äuö bemfelben ©runbe, 
ber für Sefuö ein 3««9«i^ ©otteö nötig mad&t, l^at 3iefuö ben 
3Wenfd&en gegenüber bie (Stellung eineö 3cwgen. SSermöge ber 
9iä^e bei ©Ott, bie il^m ein ©el^en unb ^ören ©otteö möglid^ 
mad&t, ift er ben aRenfd&en gegenüber, benen ©Ott t)erborgen ift, 
3euge. 3n bem SBorte liegt aber ebenfo mie in ber Slnmenbung 
beöfelben auf ©Ott ber ^inmeiö barauf, bafe 3efUd burd^ fein 
SB ort für ©Ott eintritt. SDa er nid&t in ber ©rfd^einung beö 
©otteöfol^neö, fonbern al« aJlenfd^enfinb auftritt, fo ift bie gorm, 
in ber er ©otteö ©egenmart, aJlac^t unb ^^nlid^feit benjeift unb . 



1) e§ ift Ilar, bag für go^anncö oße§ barauf ontontmt, bog 3cfug 
ben tarnen he^ ©ol^neS (Hottet ni(]^t öon bcr ©cmeinbe atS ein „Söert«' 
urteil", fonbcrn öon (äJott empfangen l^at. 



.— 77 — 

Dcrmtttclt, baö SBott. SJcörocgcn rcd^nct aud& Scfuö auf ©lauten. 
SDa er burd^ fein 2Bort für (Sott eintritt, fo ift ein ©laube an 
Scfuö ©laubc an ©ott unb bie aSerroeigerung beö ©lauben« 
3cfuö gegenüber Unglaube gegen @ott. 

Site ber 3Kenf $enf ol^n , beffen ©rfc^einung mit bem i^m 

gegebenen Slamen beö ©ol^neö ©otteö in ©pannung ftef)t, bebarf 

3efuö ber ©rp^ung, burd& roeld^e jene ©pannung aufgel^oben 

Toirb. S)ic ®r^ö^ung 3efu ift nid&t räuntlid& t)orgefteIIt, fonbem 

qualitatio, ebcnfo n)ie bie 33erl^errli(;^ung. ©rl^öl^t mufe Sefuö 

werben, bamit er jum Duell beö eroigen SebenS für jeben 

©taubenben roerbe/) 3/15. SDurd^ 3efu ©rl^öl^ung wirb feine 

göttlid^c ©cnbung offenbart, 8, 28. SBenn er erpl^t roirb, roirb 

CT atte ju fid& }iel)en, 12, 32. S)er ^inauftritt ^efu ju ©Ott, 

fein Slütftritt in bie 3Serborgen^eit roirb int (Soangeliunt niemals 

als ©(ä&ranfe, alö 6rf(ä^roerung feiner SBirffamleit, fonbem regel- 

tnäfeig aU ©rroeiterung unb Steigerung berfelben, b. f). alfo alö 

®r^ö^un0 gebadet. 

S)er 9iücftritt ^efu ju ©ott entjie^t i^n freilid^ ber ffia^r:: 

ne|mung ber SBelt, aber nid^t bem „©el^en" ber ^ö^Ö^^/ 14, 19. 

©ie werben feine ©inl^eit mit ©Ott, feine ©egenroart in il^nen 

unb t^r ©ein in '^t^w^ crfennen, 14, 20. 2)ie (grl^ö^ung Sefu 

bebeutet feinen aSerlufi für bie 3üi^9<^/ fonbem einen ©eroinn, 

16, 7. 3)a Sefuö jum SSater gel|t, fo roirb ber an H)n 

©faubcnbe nid&t nur biefelben, fonbem größere SEBerfe alö S^fwö 

tl^un, 14, 12. SRa(3^ ber 2)arfteEung beö ©oangeliften l^at gefuö 

feinen eigentlid&en ®rfolg, bie ©rünbung ber ©emeinbe, bie 

„grud^t" feineö 3Birfenö, niemalö alö baö Slefultat feiner irbifd^en 

SBirffamfeit erroartet, mit berfelben Seftimmt^eit aber alö bie 

^mäit ber an i^n ©laubenben in aiuöftd^t geftettt, 4, 38; 12, 24. 

Säie ©Ott l^inter ^^f^^ jurüdftritt unb i^m bie aSoHenbung 

feineö aSerfeö überläfet, fo vermag auc^ 3^f«^ ^dnm Jüngern 

^'c „größeren Söerfe" ju überlaffen. ©Ictd^rool^l bleibt er felbft 

ä^nlid^ roie ©Ott in il^m in feinen Jüngern ber 3Birlenbe. 

2)ie aSerl^errlid&ung 3efu ift aber nid^t nur oon fubjeftioer 

Sebeutung für bie ^jünger, nid&t nur ©rfenntniögrunb für bie 

©tettung 3efu, fonbem von objeftioer unb realer Sebeutung 

für 3efuö felbft. Siegelmäfeig roirb Sefu ^inauftritt ju ©ott 



•) ^V €<iU(o gu r/V ^Q^- ^^^6 S- ö- @t. 



— 78 — 
olö Sebinftung für bic ©cßcnroart beö ©cificd befd^ticbcn. 

1, 39: ovTKo yuQ r^v nvsvjna, ort ^Irjaovg ovtko iSo'^aadTj, 

SDicfcö SSJort erläutert [xi) bur(i 16, 7. 3efu ©rl^öl^ung ift bie 
SBebingung ber ©egenioart beö ©eiftcö in ber SBBelt. S)er ©e- 
bonfe ift in leiner SBeife pf^d^ologifd^ beßrünbet, fonbern objeftit), 
d^riftoloftifd^. 3)urd^ 3efu ©rJ^öJ^ung ifi feine 9Bir!famfeit beö- 
wegen gefteigert, weil er am Drte ®otted fielet. @r ift ben 
©einigen gegenüber nid^t mel^r äufeerlid^, fonbern, ba er an 
©otteö 3)afeindn)eife teilnimmt, innerlid^. 3)arum wirb er ben 
Jüngern burii^ feine ©r^öl^ung näl^er gerüdt: er ift nunmehr 
„in" il^nen, unb pe „in" il^m. Slbfifttliii^ roei^feln bie Sc? 
jeid^nungen: „id) in eud^" unb „il^r in mir", ba bie ^taum? 
Dorftettung nidfet genügt, um bie ©teDung 3efu auöjubrücfen. 
©ie mirb burd§ lofale SBenbungen audgebrüdt, ba fie etnft^of/ 
unb realiiiif(i& gebadet ift. 3iefus ifi burd^ feine ©rl^öl^ung raum^ 
frei geworben, l^at teil an ber 2lllgegenmart ©otteö. 6r umfänßt 
unb burd^maltet bie ©einigen. SSBeil nun baö SBalten 3^w unb 
beö @eifteö niemalö audeinanbertreten , fonbern }ufammenfaQen, 
fo gut afö baö aBirfen 3efu unb ©otteö, fo iji bie ©rl^ö^ung 
3efu aud& für baö SBirfen beö ©eifteö eine ©pod^e. 3nbem 
Sefuö in ben Jüngern gegenwärtig ift, ift ®eifi ba. 6r fommt 
im ©eifte. ©rft burd^ SSefu neue innerlid^e ©egenmart in ben 
©einigen ift ber ©cift ©otteö bei il^nen. 

SDurdö feine ©r^ö^ung ift Sefuö ©cifi, wie ©ott ©eifi ift. 
3)aö bebeutet freilid^ plr 3iefuö ebenfo wie für ©ott weit me^r 
alö ben ©egenfafe gegen 3Baterialität unb räumlid^e Segrenjtl^eit. 
3)afe ©Ott ©eift ift, bat jur golge baö nQogxwstv iv nvsv^axi 
xai dXsi&ua, 4, 28 ff. ©ewö^nlid^ beutet man biefeö 3Bort fo, 
bafe auö ber unräumlid^en aittgegcnwart ©otteö bie Snnerlid&feit 
beö aSetenö folge. ^) 2lllcin nvsvfia l^at beibe aKaie benfelben 
©inn, unb h nvBv^ari ift bie befannte 3Benbung, bie oom 
©eifte ©otteö fprid^t: ©otteö ©eift ift ber ma^re Drt ber Sin:: 
betung. S)er ©ebanfe, bafe man ©ott fud&en ober fid^ ju i^m 
erl^eben müjfe, wirb befeitigt: ba ©ott ©eift ift, fo fi^afft er im 



') SSgl. j. §8. 2Bci6 j. b. ©t : „2)ic ^nbchmg ift nid§t eine X^ätigleit, 
tt)e((^e in finnlid^cn §anb(ungen, öJcbörben, Zeremonien, ^t\U unb Drt§^ 
befd^ränlungen, überl^au^t im QJcbiete beS ©innlid^en gefd^ie^t, fonbern fie 
öoßäiel^t fid§ in ber ©|)§äre beö öJeiftigen, baö in feiner reinen Snnerlid^tdt 
öon aHen fol(^cn 33ebingungen unabpngig ift." 



— 79 — 

üKenfd^en, inbcm er il^n in ^iä^ l^mcinjicl^t unb ifjm inncrlid^ 
flCßenroäTlig wirb, fclbft baö @ebet. Sluö feiner ©egcnroart beim 
3Kenfd^en entfpringt bas ®ebet. ©ebet entfielet ntd^t baburd^^. 
bo§ ber 9)?eufd& ju ®ott fommt, fonberu babur(|, bafe @ott jum 
3Renf(J^en lommt. 

35ie8 SBort erläutert, was es für bie ©emeinbe ju bebeuten 
l^al, ba§ 3efud burd^ feine ©r^öl^ung ©eift geworben ift. ®S 
bebeutet nid^t nur feine unräumlid^e ©egenwart, fonbern feine 
roirlfome 3Kad^t. ^nitm er il^nen nid^t mel^r äufeerlid& gegen^ 
ilbetftcl^t, fonbern fle in fi^ aufnimmt, greift er mit fd^öpferifd^er 
Waä)i geftaltenb in il^r S^nenleben l^inein. 3n il^m ift nun 
®otteS ©eift In il^nen. S)arum wirft ber ®rl^öl^te mel^r, afe 
SSefuiJ in feinem gleifd^eöleben. 

®inen Slnftofe giebt Sefuö nid^t nur inxö) feine bem 
iübifd^en ßl^rifiuöbilb miberfpred^enbe, menf^Ud^e 2lrt, fonbern 
au^ burd& fein Sßerl^ältniö jum ©efefe. S)er aus 3efu greil^eit 
t)om ©efefe entfpringenbe Slnftofe wirb naä^ ber 2lrt beö gol^anneö 
an einem Seifpiel erläutert unb an baöfelbe ber l^ierauö ent^ 
fpringenbe 33rud^ angefnüpft.^) 

Seine greil^eit üom ©efefe begrünbet Sfefuö nid^t etwa burd^ 
ein bas ©efefe entmertenbed Urteil, fonbern attein burd6 einen 
^inwetö auf feine ©emeinfd^aft mit ©Ott. ®r wirft, weil ©Ott 
wirft. 2Beil fein 2:^un burd^ ©otteö 2;^un begrünbet ift, fo ift 
ber 33ru($ bed ©abbatl^geboteö für il^n feine ©ünbe. S)a bie 
am ©abbatl^ gef^el^ene 2^l^at ein SBunber ift, fo ift fie ein 
Seugniö ©otteö für il^n. Dl^ne ©Ott l^ätte er fie nid^t ju ll^un 



1) SBcisfädcr bcmcrtt ^icrju <B. 521: „^bcr ba§ ift avtäj qUcS, wa§ 
no^ cinigcrmaSen an jene (Streitig!citen erinnert. Unb ntd^t nur tiefe finb 
in ben §intergrunb getreten, fonbern wa§ bie ^auptfac^e ift, 3efu§ felbft 
l^at überl^aupt !eine ©teHung gum @efe^, e§ ift für il^n nic^t öorl^anben . . . 
^nx in einer 3eit, bie ben Äampf unb bie grage be§ ®efe^c§ ööKig l^inter 
fid^ l^atte, tonnte biefeS S3ilb öon 3efu§ entworfen unb biefe ßel^re öor^ 
getragen werben." W)tx Aap. 5 nimmt bei gol^anneS leine untergeorbnete 
(Stellung ein, bie gan§e 9lebe Qefu ift bur(3^ feine greil^eit öom ^efe^ 
bcranlagt unb begrünbet. ^iefelbe unb ha^ Kapitel geigt, wie eS baburi^ 
5um S3ru(3^e !am. gerner wirb in Aap. 7 ber tonpt be§ 5. ^ap. wieber 
aufgenommen unb ^a}p. 9 bringt no(3^ einmal einen ©abbatl^tonflüt. 5ln^ 
9efi(3^t§ biefer ©ad^lage muß man SöeigfödferS 33e]^auptung grunbloS nennen. 



— 80 — 

t)crmo(|t, in il^rcr löunbctl^aftcn SKrt trägt ftc mit betn SKctf- 
mal bcö göttliij^cn Urfprungö aud^ baä 3^^^^^ ^^^ göttlid^cn 
SRc(3^ted an \xä): fic fonntc nid^t im ©cgenfafe gegen 
®ott, fonbcrn nur in ber t)ölligcn 2lbl^ängig!eit x>on xf)m ge- 
f(^e^en. ^t^u^ erfäl^rt nid^t ans bem ®cfc| ben SBitten ©otteö 
unb bie Siegel feines SBirfenS, fonbern burd^ feine birefte, bur(^ 
bas ©efefe ni^t »ermittelte ©emeinf^aft mit ©Ott. 3)ie ©eroöl^r 
für bas JRed^t feiner ^l^at liegt alfo ni^t in il^rer Überein- 
ftimmung mit bem ©efefe, fonbern in ber SReceptioität 3efu ©Ott 
gegenüber, ^nbem er nur tl^ut, moju ©Ott i^m eintrieb unb 
Äraft giebt, ift er geroife, in ber öal^n bes SBittenS ©otteS ju 
bleiben, hierin beftel^t feine grei^eit üom ©efefe. S)ie Se^^ 
grünbung berfelben in feiner 3lbl)ängigfeit oon ©Ott erl^ebt il^n 
über bie ©efal^r, burd^ feine grei^eit t)om ©efcfe fid^ aud^ von 
©Ott JU emancipieren. 

3n berfelben SGBeife wirb ^efu greil^eit 8, 35 beftimmt. 
2lls ber ©ol)n ift er ben Äned^ten gegenüber ber greie. S^bem 
bie Unfreiheit beS Äned^teS burd^ ben ©egenfafe feiner Stellung 
JU ber bes ©ol)neS erläutert wirb, mirb flar, ba§ bie fj^eil^eit 
in bem SSer^ältnis ju ©Ott gefel)en wirb. SBie bie Unfreil^eit 
beS Äne(^teS bamit befd^rieben mirb, ba§ er nidfet immer (m 
^aufe bleibt, fo foff mit ben SBorten, bafe ber ©ol)n auf immer 
bleibt, beffen greil^eit bejeid^net merben. ©ie befielet in ber 
greil^eit oon jeber il^n oon ©Ott fd^eibenben ©darauf e, in ber 
ungei^emmten , bauernben ©emeinfd^aft mit ©Ott, bie aud^ in 
feiner irbifd^en ©jiftenj nid^t befd^ränft ift: er „bleibt in bes 
aSaterS ^aufe". 

5DaS aSerpltniS ^icfu jur altteftamentlid^en Offenbarung ift 
aber burd& feine greil^eit oom ©efefe nur nad^ einer ©eite l^in 
beftimmt. 2lnbrerfeits betont ^efus ben ftrengften 3wfönimen= 
l^ang jmifd^en ber in ii^m oorl^anbenen Offenbarung unb ber alt^ 
teftamentli(|en. 3n biefer öejiel^ung ift ber ©d^lu§ ber Siebe, 
bie fi($ an ben Äonflift mit bem ©efefee anfnüpft, entfd^eibenb. 
S)ie SRcbe fd^liefet 5, 45—47 bamit, bafe nid^t bei Sfefus, fonbern 
bei ben ^uben bie Übertretung beS ©efe^es ift. 2)er ©ebanfen- 
gang ift genau berfelbe mie 3Kattl^. 23. SBie bort ber 35rud6 
mit ben ^l^arifäern abfid^tlid^ nid^t burd^ il)ren ©egenfafe 
gegen SefuS, fonbern burd^ il^ren aSrud^ beS ©efefeeS begrünbet 
mirb, fo auc^ in ber bei Sol^anneS gegebenen Siebe. S)ie in ber 



— 81 — 

Stblel^nung 3efu ttcöenbc @(36ulb finbet f(i^on in 3Kofeö il^ren 
jllägcr. 2)ctttt bcr Unglaube 3efuö gegenüber l^at feinen 
©runb im 3Kangel beö ©laubenö an 9Kofe§. S)ie ©teile 
liat 7, 19 eine 5ßaraIIele, weld^e jeigt, ba§ eö ftd^ nid^t nur 
-um bcn Unglauben an bie mejftanifd^e 3Ser^ei§ung ^anbelt. 
®ort lautet ber SBorraurf, ber ben ©egenfafe gegen 3efu§ 
erflärt: 9iiemanb t)on eud^ tljut baö ©efefe. ©o ift axiä^ 
5, 46 ber Unglaube gegen 3Kofeä ber umfaffenbe 2luSbrudE für 
bie 9li(ä&tad^tung feines SBorteö: 2)aä Übertreten beö ©eboteö ift 
Unglaube gegen ben ©efefegeber, 5Der ©oife, bafe ber Ungel^orfam 
gegen 3Kofe§ bie ©d^ulb ift, burd^ bie Sefuä unüerftänbli(i& wirb, 
^at jwr Äel^rfeite ben anberen, 7, 17, bafe ber, ber @otte§ SBillen 
tljun roiff, ben göttlid&en Urfprung ber Seigre 3efu erfennt. 
3cfus ^ai alfo 3Kofeö unb bad Sitte SCeftament für rt4 e^^^eilid^ 
giebt es eine falf(3^e ©ci&äfeung be§ SKlten 2^eftamenteö in ^öraet, 
bie fld^ in ber 9Jleinung jeigt, „in ben ©d^riften eroigcö Seben 
^u l)aben", S)iefer 3Sorn)urf erflärt jt($ barauö, bafe man bie 
?Btrfung be§ ©eifteö auf bie ©rjeugung beö ©d&riftn)orte§ be- 
jiiötänfte, roeölialb man mit bem ©eift and) baö emige Seben im 
33u(3^e fud^te.O 

3öie aWofeS ftel^t aud^ 2lbral)am auf 3efu ©eite unb freut 
^ an 3efu „2:ag", 8, 56. 35aö pofttiüe SSerl^dltniä jroifd^en 
2Wofeä unb ^efuö wirb 1, 17 in ben ©afe gefaxt, ba^ burd| 
STOofcö baö ©efe| gegeben mürbe, mälirenb baö SBerf 3efu barin 
befleißt, baj3 bie ©nabe unb bie SBal^r^eit burd^ il^n „mürben", 
b. f). al§ mirffame Gräfte in ben ©efd&id^tslauf eintraten. S)urd6 
3Jiofeö tritt ber forbernbe SGBille ©otteö, ber ba§ ^anbeln Dom 
3Wenfd^en erwartet, burdö S^f^^ "^^^ gebenbe SBiffe ©otteö, in bem 
©Ott felbft ber ^anbelnbe ift, unb mit il^m bie SBergebung unb 
bie SBal^rl^eit in bie SBelt ein. 

SDie Slnfnüpfung an baö Sllte 2^eftament liegt fd^on in ber 
Übernahme beö 6f)riftuönamenö unb jeigt fid^ in bem burd^ ba§ 
ßüangelium fid^ l^inburd&jiel^enben ©d^riftbemeiö. SBie ber Un- 
glaube ber Suben mit ^efuö aud^ 3Kofeö trifft, fo glauben bie 



M W- <ö(3^tatter, ^et erlaube, 2. 5lufl., @. 17: „Snbent ber ©eift 
ni(ä§t anberS tt)irljatn gebadet toixb, al§ fo, baß er hie 6(^rift infpiriert, 
roirb nid^tS ®anjc§, nid^t bie ©inl^eit unb S^otalität einer lebenbigen QJe* 
ftaltung öon il^m erwartet, ©eine @abe ift etwas SJereinjelteS unb bleibt 
über ber ^crfon unb il^r fremb." 

8 U t g e r t , ^ie iol^. e^nflologie. 6 



— 82 — 

Sünger, inbcm jte an S^fu SBort glauben, aud^ an bic ©d^rift, 
2, 22. 2)ic ©d^tift fann ni(^t aufgelöfl werben, 10, 35. Über 
ben Qa^ unb bie 3Setlorenl^eit beö 3nbaß ttöftet fid^ Sefuö 
bamit, bafe bieö gefd^al^, bamtt bie ©d^rift erfüllt werbe, 13, 18 ; 
17, 12. S)er 33eleg bafür, bafe ber aSerrat nid&t auö bem 
3lal^men beö SBittenö ©otteö l^eraudfättt, liegt bar in, bafe er 
geroeiöfagt ift. 

3fleben bie Seugnung beö gleif(^eö 3efu [teilt ber erfte 33rief 
bie Seugnung feines 33tuteß, 5, 6. S)aö kommen 3efu burd^ 
SBaffer, b. i). bie öebeutung feiner 2^aufe unb alfo ber ©eifteö^ 
mitteijung, leugnen bie Slntid&riften nid&t, aber im S^f^w^w^^w^ 
l^ange mit ber SBerleugnung feiner aKenfd^l^eit leugnen pe baö 
kommen 3efu burd& 33lut, b. \). bie öebeutung feineö ©terbeinö. 
©ein 2;ob fommt in biefem ©ebanfengange als bie Äonfequenj 
feines kommend im gteifd&e in 33etrad6t. 2)ie ©miebrigung, bie 
l^ierin liegt, finbet in feinem ©terben il^re 3)urd^fül^rung unb 
i^ren 3lbfd&lufe. ©o gut Sefuö als ber ©ol^n ©otted im 
gleifd^e fommt, fo gut finb nid^t nur ©eift unb SQBaffer, 
fonbern a\x6) fein 33lut baö B^^öwis für feine aWeffianität. ©ein 
©terben fielet fo wenig aU fein %Ui^^ im ©egenfaft ju feinem 
©eiftbepfe. es ift ebenfato ©otteö Beugniä für 3efu ©otteä:= 
fol^nfd^aft. ©benjo wie baä gleifd& 3efu überl^aupt entfpringt eö 
bem ©eifte. SBie ber ©eift in laufatem aSerl^ältniö jur ganjen 
menfd^lid^en 2lrt Sefu fte^t, fo aud& ju feinem ©terben. 

2lu4 im 6. Äapitel beö ®t)angeliumS ift eö fd^merlic^ }u= 
fällig, Da6 bie für bie menfd^lid&e 3lrt gebräud&lid^e gormel: 
5leif(^ unb a3lut — getrennt wirb, inbem junad^ft nur x>om 
©ffen beö gleifd^eö unb bann üom ®ffen beö gleifd^eö unb t)om 
Xrinfen beö 33luteö bie SRebe ift. 3)iefe getrennte ißert)orl^ebung 
ber beiben einjelncn ©lemente beö menfd^lid^en SBefenö wirb bie« 
felbe 33ebeutung ^aben wie bie a3etonung beö 33efenntniffeö jum 
a3lute ß^rifti neben ber SBarnung t)or ber Sßerleugnung feineö 
gleifd^eö. S)er @t)angelift benft aud^ im 6. Äapitel an ^t\\x 
Xob, burd^ ben ^J^eifd^ unb 33lut gefd^ieben werben, ©ein 
gleif^ ift beöwegen lebenfd^affenbe 3Kad^t, weil eö il^n jum 
2'obe fü^rt: alö ber ©terbenbe bringt er ber SBelt baö 2tbm. 
2)aö %Ux'\ä^ '^t^n ift bemnad^ für ben ©oangeliften bebeutfam 
alö ®rmöglid^ung feineö ©terbenö: in feiner SBeife brüdt er 



— 83 — 

bicö burd^ bic lufnal^mc ber gormcl „fjlcifd^ unb SSlut" aus. 
6ö ift alfo fcincörocflS tid^tig, bofe nad6 il^m baö %ki^ä) Sefu 
nur ba§ 3Jtittel bcr Offenbarung feiner ^crrlid^feit fei.0 SSicl- 
me^r Derfolgt aud^ Sol^anneö wie bie ©pnoptifer jwei Stellten 
Don aWcrftnalen an Sefuö, bie SHerfmale feiner aWad^t, feiner 
ioerrlid&feit unb bie feiner ©d&roäd^e, feines gleifd^es. 2)ad 
f^Ieifdö ift wie eine Offenbarung, fo aud^ gleid^jeitig eine 3Ser- 
l^üHung ber ^errlid^feit S^f^- biefelbe leud^tet nur in feinen 
S^l^aten unb SBorten burd^ baS t)erl^üttenbe gleifd^ l^inburd^. Unb 
auf biefc ©eite ber aWenfd^l^eit 3efu fällt atterbingS bei Sfol^anneö 
ein fiarfcr %on. 



») ©0 i. ». »arbenf|)ergcr. 



6 



4. ^Raptfel. 

bapcl)t, toirb ni^t nur fotmcll bcftimmt, aU ©cl^orfatn gegen 
©Ott, fonbern, ba ©ottcä SBittc Siebe ift, inJ^altliil ate SieBe, 
unb jttjar junäiä^ft alö Siebe gegen ®ott, 14, 31. ^n biefer ffi 
fein ®el)orfam gegen ©Ott begrünbet unb butd^ ba§ Sewa^xen 
ber ©ebote ©otteö bleibt er in ber Siebe ©otte§. Slud^ ble 
Siebe ^t\\x ju ©Ott fielet unter berfelben Siegel, unter ber bie 
Siebe ber ^Kenfd^en ju ©Ott fielet, gür bie ©emeinbe gilt, baj5 
baö Siebeäüerl^ältniö ju ©Ott nid&t t)on unten l^erauf entfielet, ate 
würbe bie Siebe ©ottes in il^m burc^ bie Siebe ber 3Kenfd&en 
tieroorgerufen. SBielntel^r entfielet alle Siebe t)on oben l^erunter, 
bie ©ottl^eit ©otteö, feine übergeorbnete Stellung, bleibt geroal^rt. 
©otteS Siebe erroedtt bie Siebe ber 3Renf(ä&en ju ©Ott unb untcr= 
einanber, 1. ^ol^. 4, 10. Um beötoiffen gebrandet gol^anncö 
ftänbig ben 3luöbrudE: bie Siebe ©otteö. OTeö, roaö t)on Siebe 
ejiftiert, ift ©otteä ©igentum, weil fein SBerf. S)a baö Sieben 
ber 3Renfc^en t)om Sieben ©otteä abpngig ift, fo erlifd&t bie 
Siebe be§ 3Renfd&en baburc^, bafe er ou§ bem Äreife ber t)on 
©Ott ©eliebten l^erauäfättt unb umgefel^rt: bur(i^ baö ©rlöfd^en 
feiner Siebe fällt er auö ber Siebe ©otte§. S)Q^er ber fd^einbare 
S)oppelflnn ber gormel: bleiben in ber Siebe ©otteö, ober: S)aö 
bleiben ber Siebe ©otteö im 3Renf($en, moburd^ fowol^l bie 
SDauer feines eigenen Siebenö als fein Sleiben im Greife ber 
Äinber ©otteö be}ei(|net wirb. 

3lu($ atteö Sieben 3efu ifi burd^ ©otteö Siebe ju il^m 
begrünbet, 3,35; 10,17; 15,9; 17, 23 ff. Sefuö ift ber 
birefte ©egenftanb unb ©mpfänger ber Siebe ©otteö. 2llö 
Sufeerung ber Siebe ©otteö jur SBelt wirb regelmäßig bie 
©enbung ^efu bejeid^net: barin offenbart fie fid^, 3, 16; 1. 3ol^. 



— 85 — 

4, 9. S)ic Siebe ©otteö fommt burd& ben Sol^n in bie SBelt. 
SDie gießel, bofe ber, bcr @ott liebt, aud^ \>k SBrübet liebt, gilt 
aud^ für 3cfud. 3)arum ift boö ©ebot @otte§ an Sefuö bie 
ßiebeöübung: SB3ie @ott Sefum liebt, fo liebt Sefnö bie ©einen, 
15, 9. ©0 ifi Sefud ber SBermittler bet Siebe ©otteö an bie 
SBelt. 6r ifi aud^ ber SBetmittler bet Siebe ber 3Belt ju @ott. 
2Ber ^efuö liebt, ber wirb üon ®ott geliebt, 14, 21. Snbem 
Sefuö bie Siebe ber 3Kenfd&en auf fxd& jiel^t, jiel^t er bie Siebe 
©otteö auf bie 3Renfd^en. SB3er Sefum liebt, ben üerniag @ott 
JU lieben, ba et burd^ bie Siebe ju 3efud „an baö Sid^t fomntt", 
im Unterfd&iebe r>on benen, bie „bie ginfiernid mel^r liebten, aU 
ba§ ßidjt." 

3fn ber Siebe 3efu ifi unbegrenjte SEBiUiöleit jut ißülfe mit 

unbefcä^ränfter ©rmäd^tiflung ju berfelben geeint, wie fie ft(^ in 

bem Slnetbieten äufeett: aSätefi bu mid&, fo gäbe xä) bir, 4, 10. 

S)ie ßiebe ift beömegen bie einjige öebingung ber ®abe, ja bie 

%ot otlein aud& ol^ne Sitte ifi il^t auöteid^enbeä 3Kotit): 2)er 

fttanfe am Xä^, 5, 1 ff., mirb gel^eilt burd^ 3efu fpontaneti 

»tten. SDie unetfd&öpflid&e SBittigfeit Sefu jum ©eben brädt 

So^anneö mit ben 2Borten au§, ba§ bie jünger „@nabe um 

©nabe" von xi)m empfangen l^ätten. ®r gab nid^t, um bem 

Segel^ten unb ©eben ein @nbe ju mad&en, fonbern um ein 

immer neueö a3egcl^ren ju wedfen unb ju befriebigcn. ©ein 

&eben erjeugte fid& fietö burd& fid^ felbfi. 2)aö SBerl^ältniö von 

bitten unb ®mpfangen erlifd&t ni^t, fonbern fe|t fxd& bauernb 

fort, ba 3efu ßiel nid^t nut bie fad^lid^e ^ülfe, fonbetn bie 

Sinbung be0 Süngerö an feine 5ßetfon ift. ©eine abfolute 

SBittigfeit jum ®ebtn, bie im öebütfniö il^ren einjigen ©runb 

l^at unb auf bie ©rmecfung beö öegel^renö ausgebt, um eö ju 

ftiHen, brüdft 3efu0 in bem SBort 7, 37 auö: 3Benn jemanb 

butftet, fo fomme et ju mir unb trinfe. 3)ie ©igenart feiner 

Siebe befleißt barin, bafe fte fid& am 3Wangel entjünbet unb in 

il^m il^r oott jureid&enbes 3Kotio l^at, ba berfelbe baö öegel^ren 

auö bem 3Kenf^en l^enjortreibt. 

SBäl^renb in biefem SBorte bie unbefd^rönfte ©nabe C^rifti 
in bem SRuf ju fid& l^in fid^ äußert, mirb fie 6, 37 in bie SBorte 
gefafet, bafe er niemanben, ber ju i^m fommt, l^inauöftüfet 3)aö 
J^ommen ju i^m ift bie einjige unb t)öüig genügenbe öebingung 
ber 3lnnal^me. SBeibe SBorte l^aben baä miteinanber gemeinfam 



— 86 — 

bafe Sefuö feine Siebe nl(3^t barin äufeett, bafe et ben S!Renf(|cn 
nad^gel^t, fonbctn boirin, ba§ et jte ju ft(^ tuft obet ju ftd^ 
fommen läfet. ©eine Siebe fpti(^t 3efud babut(]^ aus, ba§ et 
fein mefftanifd^eä Slmt but(| ba§ a3ilb beS ißitten batfiettt. S)aö 
33ilb jeigt, waö et als fein 3^^^ ctgteift: afä bas eißentliiä^c 
aSJcfen feines ©l^tiftuSamteö fielet et nid^t basr©ebieten an, fonbctn 
bas ©eben. 3lls ißett bet aWenfAl^eit ift et bet, bet fie fd&üfet 
unb üetfotgt. ®t ift xi)x baju ^eQ^ben, um fie üon bcm %m\el 
JU ettettcn unb ju „fpeifen". ©einet Siebe entfptid^t bie SEBittig^ 
feit, mit bet il^m bie ©einen folgen, ol^ne bafe es bes Stt^ö^Ö^^ 
bebatf: bet 3^0 f^ßt anfd^aulid^ bie gteil^eit bet ©emeinbe bat. 
SEBäl^tenb es im meffianif($en ©ebanfen liegt, ba§ baS SBolf unb 
bie 3Belt im ßl^tiftus il^ten ^votd ^at, um feinetroitten ejiftiett, 
um fein ©igentum }u bilben unb il^m ju bienen — liegt es 
anbetetfeits in bet 9ltt, wie fid^ ^efus ben meffianifd&en ©eboufen 
aneignet, bafe et in ben ©einen feinen 3^^^ P^^^/ fü^ ^^^ ^^ 
fein Scben unb feine 5petfon bal^ingiebt. S)iefe n)C(3&felnbe S^tU 
fe^ung ift bet Siebe wefentlid^. 

SBcil Sefus niä)t nut bem aWangcl, fonbetn bet ©ünbe 
gegenübetflel^t, fo witb feine Siebe jut SSetjeil^ung: et „tid^tet 
nid^t". ^ietbutdö fd^eibet et fid& t)on bet mef^anifd^en ©twattung, 
bie als ben 3n)e(f bes ©^tiftus bas ©ctid^t anfal^. S)aS SRid&ten 
3efu roitb nid&t nut fo beftimmt, bafe fein pofitiüet ^xozd baS 
©ttettcn bet SBelt unb bas ©etid^t nut ein t)on i^m nid^t beab^ 
ftd^tigtet, abet unüetmeiblid^et ©tfolg feinet SBitfenS fei. 3n ben 
SBotten übet baS ©etid^t 3, 17 ff.; 8, 15 ff.; 9, 39; 12, 47 
roitb am beutlid^ften 9, 39 bie ölenbung bet ©el^enben ebenfo 
ftlö Sefu ^kl genannt, mie bie ©tleud^tung bet Slinben. 3)ct 
35etjid^t auf bas ©etid^t unb bie 3luSübung besfelben tteten nid^t 
in einen fid& gegenfeitig auft)ebenben obet bef^tänfenben ©egenfafe 
JU cinanbet ; baS bejal^enbe unb baS t)etncinenbe Utteil übet 3cfu 
!Ri(^ten l^at oiclmel^t eine ^PataUele in ben SEBotten übet feine 
ißettlid^feit : wie et üetl^cnlid^t roitb, inbem et feine ißettlid^feit 
nid^t fud^t, fo tid^tet et, inbem et aufs SRid^ten üetjid^tet. S)ft 
SSetjid^t auf baS Sudeten bebeutet füt bie einen SRettung, füt bie 
anbetn ©erid^t. 5DaS ungel^emmte ©efd^el^enlaffen beS ööfen ifi 
einetfeits 3Setjei{)ung bcsfelben, anbetetfeits ©ttafe. S)et Sßetjid&t 
auf bas ©etid^t ift nid^t esd^atologifd^ gemeint, fonbetn ctflätt baS 
SSctl^alten ^efu in feinet itbifd^en ©jiftenj. S)ct ncgatioe 2luSbtud 



— 87 — 

^aroftcrifictt feine ^kffbudt bem ööfen gegenübeT: et oe^inbett 
eö nid&t, fonbent lä^t es gefdbeben. 2^iefer Segriff umfponnt ba« 
gtti^e aSet^Üen 3efu wob Mögt, h(j^ er bie SRenfiöi nidbt na* 
intern 3:^un be^onbelt, boft er fiilft, giebt unb rettet ungeadbtet 
bcS im 3Rmf<ibcn loirffamen SSöfeiL 3)ie Sünbe wirb il^m mit 
}um ©tunbc beö 9tidbtend, fonbem beö §elf«i«, beö ^Stettcns*', 
2)cnn 3efu £ie6eii bleibt niAt SSo^tiooOm, pafnoe @üte, fonbem 
es Dodenbet ^ jur SSot|[t^. 

9[u(ib f^ bQ4 ^^^onnedenongelium bebeuten bie ^Sunber 

3efu Snoetfe feiner Siebe, benn fie finb ©htubendmotioe. ^ie 

^ifferenj ^mifciben bem ^o^onne^oangelium unb ben S^noptüern 

in bcr Seurteilnng ber äSunber ^^u entfpriijt beö^alb genou 

ber SDiffereiq im @(auben^griff.^) @Iaube nennt ^ol^anneö 

ben erfolg ber 9Sunber gefu erft bonn, roenn fie bie grfenntni« 

jciner 3Refftanität ermetft ^oben. SJcdroegen ei^lt ;^ol^anned 

\olä^ 39Snnber, bie b(ö mefftonifcbe 3^^^ 3^f^ barftcHen, feine 

^enlid^teit fi(|tbar ma<j^. 2)ie Srotnermanblung f)at nad^ aDen 

©öangelien eine befonbere Sebeutung imb SBirfung gehabt. 

äud^ in ber f^noptifd&cn ©i^o^Iung bebeutet biefc "S^at me^r, 

üfe üe unmittelbar wirft. 3)ur(j& Re ftellt ft<6 3cfud ald ben 

SctjoTgcr be§ 3Soßeö bar, unb jroar ate ben, ber ed mit 

fd^öpfctif^er SKad&t fpeift, mie @ott Sdrael in ber aBüfle fpeifte, 

b. ^. er tritt ate ber @^rifhtd auf. SLudbrücfUd^ mad^en bie 

©pnoptifcr barouf aufmcrffam, bofe bicfc 2^^ot nid^t in einer 

3lot motiDiert war, ber nicbt onbcrd obge^olfcn werben fonnte, 

bQ§ ferner bie ®abe gcfu weit über bad Scbürfnid ^inaudging: 

ftc ^at alfo nid&t nur ben 3«^^^/ ^ölfc in einer augenblicflidien 

3lot ju fein, fonbem flc l^at ben Sinn, bie ß^rijiudftcttimg 3cfu 

ju jeigcn unb bie mefftantfc^e ißoffnung bcö SJolfed auf Scfum 

JU jie^en. 3)abci l^at bie Xf)at aber bodb nid^t einen f^mbolifd&en 

ß^arafter. 3l^r 2Bcrt befielt ni(^t nur in ber 2lnbeutung unb 

3)arficllung cincö ©ebanfenö. aSiclmel^r ftcHt 3efud fein Icftte« 

3icl nur burd& eine Xl^at bar, bie ben ©l^araftcr l^ülfreid^er 

Sicbeöübung l^at. aiUcin burd& feine ®abe jeigt er, bafe fein 

SBille unb feine 3Kaci&t weit l^inaudge^en über gclegentlid^e §ülfe= 

lelftungen in momentaner 5lot, unb beöroegen fein SBcrf J^inaud^ 



1) über bicfen öergtcid^e ©(ä^latter, S)cr Glaubt im 9Jeuen 3::cftament, 
<S. 112. 



— 88 — 

Tci(^t über bic bur(3^ bic 3tot geforbcrtc ißülfe. S)arum ruft l^icr 
bie 33itte nid&t bic Xi)at \)txvox, fonbcrn baö 3Bcrf fott bicö 
33e9ct)tcn auf il^n jicl^cn. 

©inen ä^nlid^cn ©inn l^abcn alle üon 3ol^anne§ berid^tetcn 
SEBunber. 9ln erftet ©teile bexiä^tet ^o^anneä ein SBunbet, baö 
unter flöttj äl^nti(3^en öebinflungen Qe^^kf)t 2)aß aSetJ^ältni^ 
t)on anta§ unb 2^at ift l^ier nod^ auffallenbet. 2)ie 2^^at teilt 
mit bet Speifung beö 3Solfe§ ben 6l^ara!ter ber SSetroanblung. 
3lu(^ bieö fd^lie^t einen ^inroeiö auf bas ^immelxtxä^ in ftd^: 
man ermattete im ßl^riftus ben aSermanbler ber SBelt: ba^ 
kommen beö ^immelrei^ö ift SBeltüerHärung. 3lu^ ber Um^: 
fianb, bafe bie ^^at jur J^eier eines geftes gef^iel^t, l^at beutlid^ 
eine aSebeutung, bie mit bem SEBort 3Jtattl^. 9, 15 ff. jufammen^- 
trifft: ber 6l^riftu§ bringt bie greube beä ^immelreid^S, für bie 
ba§ ^od^jeitöfeft ein ftel^enb geworbenes 33ilb ift. ®r l^ilft ni^t 
nur in ber 3loi, fonbern er giebt roeit mel^r, als burd& bie 3lot 
geforbert mirb, feine ®abe trägt nid&t nur ben ßl^arafter ber 
SBieberl^erftellung beö 2llten, fonbern ben Stempel ber 3)laä)t, bie 
5Reueö fd&afft. S)enn aud^ bas Äommen beö ißimmelreici&ö, ob- 
glcid^ burd^ ©ünbe, 3lot unb 2^ob vtxanla^t, ift nid&t nur 
SBieberl^erftellung, fonbern eine neue ©d^öpfung. 

2lm einfa(|ften jeigen bie ^^otenermecfungen bie ©inl^eit Don 
Siebedtl^at unb meffianif^er Äunbgebung im 3Birfcn 3efu: inbem 
3efuß bie 2^oten ermedt, tritt er als ber ßi^riftuS auf. Xnxä^ 
bie ^otenermedEung offenbart er fid^ als ben ©eber bes S^bens. 
2)ie 2)otenermecfung ift aber feinesmegs nur ein ©pmbol ber 
©penbung bes emigen Sebens. Sßielme^r gehört au^ nad^ 
So^annes jum ewigen Seben bie 3luferftel^ung. ©o gut er mit 
bem Swbentum unb ber apoftolifd^en ©emeinbe im ißimmelreid^ 
eine neue Slatur erwartete, fo gut ift bie bie 3flatur umfaffenbe 
3Bir!ung nidjit baS ©pmbol ber innerlid&en SBirfung 3efu, fonbern 
beren SBotlenbung unb Slbfd^lufe. 2)ie ^^otenerroedungen jeigen 
Sefum als ben ©eber bes üoUenbeten ewigen ßebens. ©ie jeigen, 
bafe bie ©tunbe „fd^on jefet" ift, in ber bie 2^oten bie ©timme 
bes ©ol^nes ©ottes l^ören werben. 

3n ä^nli(^er SBeife werben bie übrigen SBunber 3efu als 
2)arftettungen feines innerlid^en S^dt^ aufgefaßt, bie ißeilung beS 
ölinben als 3^i<^^«# ^^fe S^f^ö baS £id^t, bie ©peifung als 
3eid&en, bafe er bas a3rot bes SebenS ift. Slttein bie einjelne 



— 89 — 

%\)at tt»irb bamit ni(|t auf bic Stufe einer für fid^ tuertlofen 
©orftellung eineö ©ebanfens l^erabgefefet : fic ^at t^ren aBert 
aud^ für fid^ ate fonfrete ißülfeleiftung. 2lber biefe %\)at jeigt 
ftetö äugleii^ \)a^ über emjetnc ioülfelciftunaen J^inauöliegenbe 
3icl 3efu. Unb bic ^ülfe in äufeerer 3flot ifl beSroeflen mel^r 
olö ©pmbol beö gciftigen ^xtU Sfefu, weil fein lefeteö 3^^^ ®^ift 
unb 5Ratur umfafet. S)arum ift bie 3Raä^t über bie Jiatur 
©eroäl^r ber geiftigen 3Ka(ftt ^^fu. 

35er 33licf von ben einzelnen ^ülfeleiftungen S^fw biö l^in= 

auf ju feinem ei9entli(i6en ^id oeranlafet ben ©oangeliften, nid^t 

nur von ben einjelnen SBerfen 3^fw^ fonbern t)on feinem einen 

einl^citU(^en SBerf ju reben, 4, 34; 17, 4, SRid&t als jerflele 

bad eine SBerf 3efu in eine 3leil^e von einjelnen SBerfen/) afo 

loäre alfo bad eine SBerf bie ©umme ber SBunber ^cfu. %üx 

ben ®oangeliften befielet bie grud&t beS SBirfenö 3cfu nid^t in 

ben ©injelnen, benen er l^alf. 3Sielme|ir liegt ba§ SSerl^ältnid 

kr Dielen SBerle ju bem einen SGBerf fo, bafe [xä) in jebem 

SBerf bas eine aBerf Sefu barftettt. 2)iefeö SBerf ift (Sottet 

3Serf. 3efuö t)oaftredt ben aSitten ©otteö, er realiftert bai^ 

SBeltjiel ©otteö, ftettt biejenige SBeltgeftalt ^er, bie ber 2lbfid&t 

@otte§ entfprid^t. 2)er 2luöbrud fa§t bei ^o^anneö bie inner= 

licfee unb äufeere ©eite beö aBirfenö 3efu in ein aBort jufammen. 

3)iefelbe 3^f^wi^^"f^öw ^^^ geiftartigen unb naturl^aften 

SBirfungen bietet ber öegriff ber ^errlid&feit 3efu. aBie bie- 

felbe balb als gegenwärtig, balb als jufünftig bef(^rieben wirb, 

fo wirb pe aud& teils in naturl^aften, teils in geiftigen, innere 

lid^n aBirfungen erfannt. 2lu(3& bies ift für ben ©üangeliftcn 

fein aBiberfprud^. aBer in ben mobemen Sllternatiüen 3latur 

unb ©eift et^ifd^ unb metapl^pfifd^ u. f. m. benft, für ben be^^ 

l^alten äße ©ebanfengänge bes ©oangeliften etroaS Ungreifbares, 

Sd&illernbeS. 3lber barin jeigt fi^ nur, bafe für ben ©üangeliften 

biefe Sllternatiuen nid^t befleißen. 2)ie ©inl^eit ber geiftartigen 

unb naturl^aften ^[ufeerungen ber ißerrlid^feit liegt ni(^t etwa 

barin, ba§ für ben ®t)angeliften bie 5Ratur auf bie ©tufe eines 

©pmbols, einer für ft(^ bebeutungslofen 3)arftettung bes ©eiftigen 

l^erabgefunfen wäre; fte liegt in feinem ©otteSgebanfen. 2)ic 

bas 3«^^"^^^^^ geftaltenbe unb bie nad& aufeen tretenbe, bie 



') ©0 ^ol^mann, 447. 



— 90 — 

SRatut umfpanncnbc 9Mad^t fiettt ber ©oangelift im Scötiff bct 
iQcrrlid&fett als eine einl^eitltcä^c bar, rocil für ®ott SEBitte unb 
'S:f)at, 2Bort unb SEBcrf nid^t auöeinanbcr treten. S)er ®eift, ber 
©otteö innerli(i^eä 3Befen bilbct, ifi jugleii^ bad Organ ber 
fd^öpferifci&en naturl^aften SBlrfungen ©otteö. 3m Scbenötoerl 
3efu, tt)et($eö in „biefc SBelt" i^ineinfättt, treten bcibe ©eiten 
freilici^ außeinanber. aWit bem eroißen Seben tft bie Sluferftel^ung 
allerbinöö g^wä^rleiftet, aber nid^t unmittelbar gegeben. Umgefcl^rt 
ift burd^ bie Teilung beö natürlid^en ©ebred^enö ber 33tinbe xxoä) 
nid^t jum ,^8ici&t ber SBelt" gekommen. aiHein gleid^rool^l bcft^t 
Sefuö in feiner ^enlid^feit mit ©otteö ©nabe unb SBal^rl^eit 
aud^ feine 3Kad^t über bie Statur. 

2)od^ nennt ^ol^anneö in bem 3Borte, in bem er bie 
§errli(^feit 3efu burd^ einen umfaffenben auöbrud befd^reiten 
n)ill, abft(4tlid§ nicfit feine 3Ka(^t über bie 5iatur, fonbem feine 
©nabe unb SBafjrl^eit, 1, 14. ^n einen gcroiffen ©egenfafe jut 
natur^aften 3luffaffung ber ißerrlid&feit S^fw tritt baß SBort 
13, 31 f. Snbem 3efuö burd^ eigene 2^^at ben SBerräter ent^ 
fernt, fütirt er felbft bie ©ntfd^eibung feines S^obeögefd^ideö l^erbei. 
Sn äl^nlid^er SBeife roie 12, 31 mirb bie l^ierin liegenbe ©in:: 
roittigung ^efu in fein Sterben als ber feinen 2^ob begrünbenbe 
SBiUenöaft, fofern fein Xoi feine eigene 3;i^at ifi, als ber eigent* 
lid^e 3Jioment, in bem fein Sterben liegt, angefetien. S)ie Äraft, 
burd^ eigenen SBillen unb eigene 2;^at in ben Xob ju gelten, 
bilbet ^efu ißerrlid^feit. 35as SBBort erläutert ben ©ebanfen, ba§ 
feine ©nabe feine ^errlid^feit ifi. @s jeigt, mie raeit ber ©ebanfc 
fül^rt, bafe S^fu ^nxlidi)hxt in innerlid^em geiftigem SBefife befielet. 
3n bem @ntf(ftlu§ jum Sterben liegt bie größte 3Wad^t unb 
©nabe feines SBidenS jufammengefdöloffen : er ift eine Dffen^ 
barung feiner ißerrlid^feit. S^bem ber 9Moment aber als SBer^ 
^errlid^ung befd^rieben mirb, mirb bie ©inmilligung ^t^u in fein 
Sterben auf bie i^m von ©Ott gegebene Äraft unb ©rmäd^tigung 
jurüdEgefü^rt. 3^bem it)m ©ott bie gäl^igfeit unb aBittigfeit 
jum Sterben gab, oerljerrlid^te er il^n. ©ben weil biefer SBiUe 
jum Sterben von ©ott ftammt, ift er nidöt nur eine S8er? 
^errlid^ung Sefu burd^ ©Ott, fonbem aud^ eine SSerl^errlic^ung 
©ottes burd^ S^fwö- Snbem SefuS auf baS il^m oon ©ott er^ 
mögli(^te SBoIlen eingeigt, aus bem i^m von ©Ott gegebenen 
©eift bie Äraft jum Sterben nimmt, mad^t er an fid^ bie ißerr^ 



— 91 — 

lidbfcit ©ottcö ftd^tbar. ^n ä^nlid^cr SBcife wirb 12, 23 ©tcrbcrt 
unb 58erl^errli(ä&unfl 3^fw tncinanbcr gelegt. 5Da Sfßf^^ i« feinem 
Seben „atteirt bleiben" mu§ unb erft buri^ fein Sterben oiele 
grud^t bringen wirb, fo fielet er in ber 9lnfunft ber ©ried^en 
boö 3ßi<^^ti/ i>öfe ^^^ ©tunbe feines ©terbenä gefommen ift. 
©ein (Sterben aber ift feine Sßerl^errliiä^ung. 

35oö 6l^arafteriftif(|e beS ©ebanfenö liegt barin, ba§ ^err= 
lid^feit unb 3liebrigfeit ^^f^ ^W öIö ®egenfä|e erf(^einen, bie 
einanber befd^ränfen, aud& jtnb beibe Segriffe nici^t nur faufal 
miteinanber oerbunben, fonbem fie liegen ineinanber. 3efu SBitte 
jum Sterben ift feine 3Ser^errli(|ung. 2)ie in bemfelben liegenbe 
gäf)igfeit üöttiger ©etbftüerleugnung ift bie ®abt beö il^m ge^ 
gebenen ©eifteö ©otteö: fie ift bie f)ö#e Offenbarung fomol^l 
ber aJla($t alö ber @nabe feines SBillenS. 

3lm beutlid^ften ift bies in benjenigen SBorten, weld^e bie 
?8erl^errlidbung ^S^fu burd^ ben S^erminuS ixpovadai roiebergeben. 
Der ausbrud ixpovad-uL finbet fid^ 3, 14; 8, 28; 12, 32. 34. 
3)ie ©igentümlid^feit besfelben befielet barin, bafe baS SBort foraol^l 
bie Sreujigung als bie ©r^ebung 3efu in ben Fimmel bejeid^net, 
nl 8, 28 unb 12, 33. ^efu %oh ift jugteid^ feine ©r^öfjung, 
feine 3Serfefeung an ben Ort cSotteS. 2)er @t)angelift wäl^tt 
einen beibe ©reigniffe umfaffenben 2luSbrudE, weil fte für ifjn in 
faufalem 3ufanimenl^ang ftel^en. 

®er ©el^orfam 3efu gegen ®ott begrünbet mit ^efu ^tn^^ 
Ud^feit aud^ feine 5»iebrigfeit. mnn Sfefu SBirfen unb ©ottes 
SBirfen ibentifijiert werben, fo einigt ftdö bas für ben ©oangeliften 
nid&t in ber SBeife, bafe baS in ^efus felbft entfpringenbe SBirfen 
„religiös betrad^tet" als ©ottes SBirfen angefel^en würbe. Sßielme^r 
befielet neben bem ©d&lu§: SfefuS, alfo ©Ott — bie älternatioe : 
©Ott ober S^fuS. 2)ies wirb burd^ bie regelmäßig wieberfel^renbe 
gormel auSgebrüdEt: „nid^t oon mir felbft ^er, fonbem x>on 
©Ott." 3"fofem baS SBirfen ^efu aus ©Ott entfpringt, ent- 
fpringt eS nid^t aus i^m felbft. aWan m\x^ biefe gormel nid&t 
baf)in abf(^mäc^en, als lautete fie: nid^t nur aus mir felbft, 
fonbem aus ©ott — als follte mit berfelben nur gefagt fein, 
baß baS aSirfen 3efu einen tieferen Urfprung ^aU, als feinen 
eigenen SBiHen. SBielmel^r jeigt biefe SBenbung, baß ber 2BiIle 
Sefu nid^t nur als ber 2)urd^gangSpunft bes SBirfenS ©ottes 
gebadet ift. 2)er ©ebanfe ift ber: wenn S^fwö ftc^ jwm Organ 



— 92 — 

©otteä ma(j&t, fo gefd^iel^t bieg burc^ eine SBetnetnung feines 
eigenen SBittenS, burd^ eine SBerleugnung feiner felbft. 2)ie &n^ 
l^eit feineö SBittenö mit ®ott ifi nid^t naturl^aft gemeint, b. f). 
nid^t fo, als t^tt Sefuö ©otteö SBillen, inbem er feinen eigenen 
SBillen t^ut, roeil biefer mit ©otteö SBillen einig ift, fonbern baö 
2^un beö SBittenö ©otteö fefet boö ftänbige 5jireiögeben feineö 
eigenen SBittenö oorouö. SBenn er ©otteö SBitten tl^ut, fo l^eifet 
baö, bofe er feinen eigenen SBitten nid^t tl^ut. 3)er ©el^orfam 
gegen Oott ifi ein beftänbiger 3Serjid&t auf eigenes SBotten unb 
^anbeln. 2)ie 3leceptii)ität @ott gegenüber ift bebingt burd^ 
beftänbige Sluötilgung feines SBittend, burd& ©elbftüer leugnung. 
3tud^ 3efu ©el^orfam befleißt nid&t in ber Slrt, bo§ er bem oon 
9iatur in il^m auftaud^enben triebe einfad^ folgte, geroife, bem 
SBillen ©ottes ju entfpred^en, oielme^r befielet er in ber %t)m, 
ba§ er feinem eigenen SBillen nid^t folgt, fonbern benfelbcu 
oerneint. 2)en SBillen beffen, ber il^n fanbte, fud^t Sefuö baburi, 
bafe er feinen eigenen SBillen nid^t fud^t, 5, 30. Snbem feine 
Seigre ©ottes Seigre ifi, ift fie nid^t ^efu eigene Se^re, 7, 16. 
Sllfo aud& ber @mpfang feines SBorteS üon ©Ott ift baburd^ 
bebingt, bafe er auf eigenes probuftioeS S)enfen t)erjid^tet. 

ißierin jeigt fid^, in roeld^em aWafe ber ©oangelifl bamit 
@rnft mad^t, bafe 3efuS „gleifd^" ift. 2)en SBitten ©ottes, beö 
©eiftes, fann er nur fo tl^un, ba^ er ben SBiQen bes gleifd&eS, 
feinen eigenen SBillen, ni(^t tl^ut. 3lii)t als fefete Sol^annes in 
Sefu etroa einen reellen, fünbigen SBillen oorauS, ben SefuS erfi 
überminben müfete. 3lber einen SBillen beS gleifd^es, einen 
eigenen SBillen, fefet er in iljm ooraus, beffen ^kl bie ©elbft= 
er^attung, beffen Snl^alt bas „Sieben ber ©eele" ift. S)ie SBer- 
neinung biefes auf ©elbfterl^altung, auf bie eigene ©eele ge« 
rid&teten SBillenS burd^ ben il^m oon ©ott gegebenen ©eifi ift bie 
gorm bes ©e^orfamS 3efu, bie S^i^anneS burd& bie regelmäßig 
mieberfel^renbe gormel „nid&t id&, fonbern ©ott" miebergiebt. 
©ünbig ift nid^t bie ©Eiftenj biefeS natürlid^en SBoIlenS, fo menig 
baS Sleifd^ etroas ©ünbiges ift. Sßielmel^r ift S^fwö baburc^ 
ol^ne ©ünbe, bafe er biefes SBoHen beftänbig t)emeint. 3)iefer 
beftänbige 3Ser}i(^t auf baS XJ^nn feines SBillenS ift bie 6r- 
niebrigung S^fu. 

3n bem SBerjid^t auf eigenes, ©ott gegenüber felbftänbigeS 
SBirfen liegt ber Sßerjid^t auf eigene ißerrlid^feit, 5,41; 7, 17 f.; 



— se — 

8, 50. SScil 3«^ &Irn5>frIfÄOTny ^:e Ä^xr^wwi bei ^rtmi 
@otte4 burdb ibn i^. »o ^z!h ^ie baraod «5rTinoira>c „^«tIü= 
feit^ ni4t om ^inu^, »ri^«ii «m Srn. oiid be« $<iä ^rtm 
cntfprmgt Ztz Stejiii out icine ^KirliÄe::, b« ^»i ü^:, 
roirb niiil in bot IRxrinflU iriner Gehin wrie Jit, n:it aU J5rr= 
immblttng angdeben, aU %miTrrc;^ ber trine ati^dbe ^cbnimn^ 
f)ätte, fonbem er burd^ieiit unb nnniHinm ieui ^m<!d :^eboi dU 
bcT bauemb bmdbgmibTtf, in Kber 2bdt frt.T;fbü;tflK unb iPtd>et= 
ffoltt SeT)i& auf ^Bmolgung ffinet &it, Jlraitm nai Sbi^ 
eriennung, an^ubung ffintr %(u&t, aU bo^ ni^ miebeTbolit 
SSerjici^ten ouf feinen eigenen SiDen, 3^ö§ ^efn^ ben ibm wn 
@olt gege6enen Sein unb bamit bie goulidbe ^errlidbfdt nijit }u 
einem 9uftmen in @otte$ ^Radst ge6rau(&t, fonbem jut fHlbnmg 
unb @eikdtung eined biotenben, belfenben, bm ^ibernanb 
bulbenben Sebend — bieö ift feine Gmiebrigung. 

3)eT 9Aaxdt vsixb 7, 18 am flarften au$gefpn>^, 
Su§ bei GiEenntnid, bog mit 3^ud @ott unb mit @ott ^fud 
net^etrli^t roirb, folgt nidbt etroa, bafe 3efud, inbem et feine 
^CTtUd^feit fu(i^t, inbitcft omj^ @ott Derberrlüt, fonbem eä 
jol^t, bog er auf boS S^iad^ten xui^ feinet eigmm ^rtli^Ieit 
Dcxji^t, inbem er ni(i^t oon fidj felbfl ^er rebct: nur fo 
fann er bic ^crrlid^fcit @otted fuAen. 3«fw "^^^ 9<^it ^«^ 
einen Sei^i^t l^inbur<i^, bcr mit Sott geeinte S8ittc entfielt 
nur burd^ Verneinung bed natärtid^n äSSoQenö unb Sege^rend. 
®urd& bicfc Verleugnung feine« eigenen SBoÜcnö, S)en!end 
unb feiner ©l^re, umfaffenb audgebrücft: feiner ^Seelc'', feiner 
^crfon, uer^inbert eö Sefud, bafe au8 ber Wac^t feine« Sorte« 
unb feiner 3;i^at eine @d^ä|ung feiner ^erfon erroad^fl, roeldbe 
ntci^t jum ©tauben an (Sott würbe. SBeil biefe Selbft^ 
t)er leugnung Sebingung feine« oon (Sott i^m gegebeneu Sejtfte« 
ift, fo bient 3efu ,,^errHd&feit'' jur Offenbarung ®otte«, roä^renb 
im anberen galle M 3efu« al« ein 3"^^^^^^ ^^^^^ ^^^ einigen 
©Ott, 5, 44, fieHen würbe, unb babur(3& nid^t für ©Ott, fonbem 
für fidö ®^re geroinnen roürbe. Snbem er ft(3& aber bmi^ Ver- 
neinung feine« ©elbft oöHig jum Organ ©otte« mad^t, roirb burcb 
bie if)m gegebene @l^re ©Ott nid&t etroa verleugnet, fonbem geeiert.*) 

1) Xie (M)ojtolif(^e SJere^rung Scfu ift alfo ba« öJcgenteil atteS „^^erocn- 
tultug". ^ie ?Rebe 7, 17 ff. ift motiviert burc§ eine 33cwunbmm9 ferner 
?5crfon, bie ba§ mxtm öJotteö in i^m öerlennt. ^iefc foH öerl^i^bert 
»erben. 



— 94 — 

3)iefe ©clbftücrlcugmmg ift bic notrocnbige SScbingung be§ 
©el^otfamö gegen @oti, weil fic bie Sebingung bet Siebe ifi. 
SDieö loirb an bet guferoafd^ung gejeigt. 2)ie ®tjäl^lung jeigt 
anfdöaulic^ 3efu aSerjid&t auf eigene ®^re. S)ie ißaublung fielet 
nid^t im ©egenfafe ju 3efu (Stellung: gerabe als ber xvgiog xai 
MaaxaXog oettid^tet 3efuö bie SKrbeit beö ©Hauen. 3^f^ Siebe 
ift 2)ienft. 2)eön)egen fiellt fie il^n nid^t über, fonbem unter bic 
©einigen. 5Rur in bicfer gorm ift er il^r igerr. 3m Siebeö^ 
bienft offenbart fid& jugleid^ feine ^errlid^feit unb feine 5Riebrigfeit. 
3)a§ natürlid^e SBolIen gefit auf ©elbfterl^altimg, ber Siebeöbienft 
aber, ben 3efuö übt, ift ©elbftüerleugnung. 

35ie t)on 3efuö geforberte unb barum geübte 3Serneinung 
be§ eigenen 3BilIenö wirb auf eine umfaffenbe Siegel gebrad^t in 
bem SBorte 12, 25: 2)em Sieben ber Seele, bem auf bie §r- 
l^altung unb ^Pflege beö eigenen SBiHenö gerid&tetcn SBiHen, tritt afe 
3efu ©ebot baö „Raffen" ber eigenen ©eele, bie ©elbftDerleugnunß, 
gegenüber. 2)iefe ©elbftüerleugnung fd&liefet bie Sereitmittigfcit jum 
©terben in fid^: auö bem aSerjic^t auf baö eigene SSegel^ren folgt 
ber ajerjid^t auf ba§ eigene Seben, 10, 24 ff. Unb ba für 
3ol^anne§ bie ©elbftoerneinung bie Äel^rfeite ber Siebe ift, fo 
oerftel^t eö fid^, bafe für il^n Siebe bic 2Billigfeit jum ©terben in 
fid^ fd&liefet, ebenfo xok ber ißofe i^^^ aBitten jum S^öten, 
1. 3o^. 3, 15 ff. 

2lud^ bie ©rjäl^lung oon ber gufetoafc^ung fielet an ber 
©pifte ber Seibenögcfd&id^te alö ®rlöuterung berfelben. 2)aö 
Sterben g^fu ift bie aSottenbung unb 3)urd6fül^rung feines 
S)iencnö. S)ie ^anblung ftettt nid^t nur baö 2)ienen afe Snl^alt 
beö aBir!en§ ^t^n bar, fie erläutert aud^ jugleid^ baö ^kl fcineö 
Sieben^. @ö ift nid^t rid^tig, bieö als einen weiteren „oer= 
borgenen Sinn" ber gujjtoafd^ung ju bejcid^ncn. ®r ift nid&t 
weiter unb nid^t oerborgener, alä bie fd^on angegebene 35eutung, 
beibe ©ebanfen gel^ören unmittelbar jufammen. 3)a 3^fu 3^^^ 
bie Steinigung ber jünger ift, fo tritt ber ^err afe ber ©flaoc 
auf. S)ie ^anblung jeigt mit bem S^ek ber ®rniebrigung ^cfu 
i£)ren ©runb : bienen mujs SefuS, meil bie ©einigen ber Steinigung 
bebürfen. ätud^ bic Heiligung 3efu gefd^ie^t für bie jünger, 
bamit aud^ fic gefieiligt feien in ber aSafir^eit, 17, 19. Söeil 
Seben unb ©terben ^ßfu alö ^[ujserungen feiner ©elbftoerlcugnung 
jufammeugefafet rocrbcn, fo gelten beibe „für" bic ©einigen. 



— 95 — 

2)ct ^irtc Icßt feine ©eele für bic ^etbe ab, 10, 11 ff. 2)ied 

ift bie aSolIenbung feiner ßiebe: er giebt nidfetö ©adfeUd^eö, nic^l 

nur natur^afte ©aben, wie in feinen SBunbern, fonbern itdfe felbfi 

3)aö Sterben 3efu ift ein freiroilligeä. 5Riemanb fann feine 

©eele von i^m nel^men, er felbft legt fie ab, 10, 18. 2lud6 bied 

öefd^icl^t burdfe einen aSerjid^t auf bie Sludübung feiner 3Kad&t. 

3)aä jciflt ber ©oangelift bei ber ©efangenna^me Sefu: tro| 

feiner SDiad^t über bie ißäf^^Jf ergiebt er fxd^ i^nen freiroiflig, 

18, 5 ff. 9lur burc^ bie SSemerfung, bafe aud^ gubaö gegen^ 

roärtig war, erinnert ber ©oangelift baran, bafe biefer i^n über^ 

gab. 3n ber erjäl&lung l^ebt er l^erDor, bafe Sefuö felbft fid^ 

burd^ einen freiioißigen aSerjid^t auf ben ©ebraud^ feiner SWad^t 

Eingab. S)iefer SBerjid^t aber ift 3«fw SBitte, weil er ©otteä 

SBille tfi: um bedroillen liebt il^n ber SBater. 3)arum wirb bad 

2eiben 3iefu ganj ebenfo aus ©otteä wie aud 3efu SBißen ab^ 

jeleitct: nur roeil bem 5ßilatu§ bie 3fta6)t t)on oben ^er gegeben 

% fo ^at er 3Kad&t über 3efud, 19, 11. Sie SWad^t, feine 

Seele abjulegen ober ju nel&men, ifi, wie ^t\u ganjeä aBirfen, in 

jeincr ®in^eit mit Sott begrünbet. ©ein ©terben ift nidfet oon 

äußeren aSerl^ältnijfen, oom SBillen ober ber 3Rad&t ber SBelt 

abhängig, fonbern ed tritt ein, wenn bie „©tunbe" gefommen ift. 

3)ieä aber l^ängt allein oom aBillen ©otte« ab unb biefen feinen 

SBüIen t)ollftrecft ©ott nidfet burdfe 3Renfd^en an 3^1«^/ ^W f^/ 

baj§ er einem 3Wenf(^en bie iiovala gäbe, 3efu Seben ju nehmen, 

fonbern fo, ba§ er biefe slovoia Sefuö giebt. S)ie SDiad^t S^fu 

über feine ©eele ift alfo nid^t fo gebadet, als wenn er im 

Sterben aufeerl^alb beö SRaturprojeffeö ftdnbe, nid^t „gleifd^" 

»ärc, ate wäre alfo fein ©terben fein roal^r^aftiged. 2)ie 

SBitflid^feit beö ©terbenä betont So^anned ebenfo wie bie SBirfc 

lid^feit beä gleifd^eö 3efu. ©leid^rool^l fällt er aud^ in feinem 

Sterben nid^t au§ bem fein ganjeö Seben regierenben aSerl^ältnid 

ju ©Ott. aBie fein ganjed Seben burd^ ©Ott geleitet toirb, unb 

ixoox nid^t oon außen ^er, fonbern oon innen l^erauö, burdö ein 

gnneroirfen ©otteö in Sefuö, fo entfpringt aud^ fein ©terben 

bem SBiUen ©otteö, ber burd^ 3efu eigenen 2BiIlen wirft. 3« 

bem 33efenntniö, bafe Sjefuä einjig burd^ ©otteä SBiflen fterben 

mufe, liegt für ben ®oangeliften, bafe er nur burd^ feinen eigenen 

SEBiUen ftirbt: benn burd^ niemanben alä burd^ 3efu§ oottftrecft 

©Ott feinen äBitten. 



- 96 — 

2)a bet Xoh 3efu aU !I)ur(^fül^run9 feiner ©ettpoerleugnunfl 
angefel^en wirb, fo roitb er ebenfo wie fein gefamter Sebenölouf 
nid^t nur als 2)ienji an ben SWenfd^en, fonbern aud& als ©e- 
^orfom gegen ©Ott, als 2)ienft an ®ott angefcl^en. 9Bie burd^ 
baö fortlaufenbe aufgeben feine« SBillenö in feinem Seben, fo 
ntad^t er fid^ aud^ burd^ baä oottenbete preisgeben beö eigenen 
üßoHenö, roeld^eö im ablegen ber ©eelc befielet, jum Drgan 
©otteö. 35er 2lu«brucf 17, 19: ,,3d^ ^eilige mid& felbft/' ^at 
an biefer ©teile eine beutlid^e Sejicl^ung auf 3efu ^ob. SBeife 
bemerh, bafe ber SluöbrudE „auf bic tl^atfäd^lid^e SBei^e (ge^e), 
raelcbe ßfiriiiuö, inbem er fid& burd^ feinen Xoi ®ott jum Dpfer 
barbringt, an fid^ felbft oolliiefit". SBenn nun alö 3^^^ ^^^K^ 
Dpferö bejeidfenet wirb, bafe aud& bie jünger gel^eiligt werben 
foHen, fo ift beutlid^, bafe an biefer Stelle unter Heiligung bie 
Slneignung jum Drgan ©otteß gemeint ift. 3Bei^ fagt: „@etabe 
auf bem 3)oppeIfinn beö ayiat^nv berul^t bie ^ointe beö 2lu§5 
fprudbö." Slber biefer ©ebraud^ beö SludbrudEö jeigt gerabe, bafe 
Seben unb Xoh S^fu unter einem ©efid^tdpunft jufammengefajjt 
werben. 2)urd^ feinen gefamten ©el^orfam mad^t jid^, mie gejeigt 
rourbe, S^fwö jum ®igentum unb Drgan ©otteö. S^^fofem mm 
biefeä Eingeben beö eigenen SBittenö, biefeö ©id^öffnen für bic 
©inmirfung ©otteö fid^ in 3efu S^obe t)oIlenbet, ifi biefer bic 
t)oIIenbete ©elbftl^eiligung 3efu: er mad^t fld^ baburd^ jum Drgan 
ber ©nabe ©otteö: burd^ il^n, burd^ feine 5ßerfon, burd^ fein 
£eben unb Sterben „wirb" bie ©nabe ©otted, 1, 17. 3)urd& 
i^n tritt fie afe roirffam geworbene 3Jlad^t in ben SBeltlauf ein. 
2)urd& ben 2luöbrudE bejeid^net 3efuö fid^ aU Dpfer an ©Ott.*) 
Slber biefer SSegriff wirb eben nid^t nur auf feinen Xob, fonbern 
auf fein ganjeö &tbm angeroanbt. 2)em ©ebanfen liegt genau 
berfelbe Dpferbegriff ju ©runbe, ber fld& aud^ im igebräerbrief 
finbet: baö 2lufgeben beö eigenen SBiHenö unb baö Seja^en beö 
SBiHenö ©otteö wirb alö ein ©Ott bargebrad^teö Dpfer bejeid^net. 
3)iefeö Dpfern feineö aSiUenö, feineö ganjen Sebenö, feiner 
^erfon an ©Ott DoHenbet fid^ in feinem 2^obe. 2)arum ift ^e^u^ 
nid^t nur alö ©terbenber, fonbern fd^on beim beginn feineö 2luf- 
tretenö ©otteö Samm, nicfet nur fein ^ob, fonbern er felbft, feine 
^erfon, ift bie SBerföl^nung. 



') §8gL aSeig §. b. ©t. §olfemann II, 476 f. 479. 



— 97 — 

3cfu S)ienfi an bcn 3Kcnfd^cn unb fein S)icnfl an (Sott 
[leiten in jroeifad^cm SBct^ältniö ju einanbct : feine . Siebe jur 
SBclt wirb butd^ feine Siebe ju (Sott nid^t nur begtünbct, fonbetn 
aud) bcgrenjt. SDieö fptid^t 3efud 6, 36—39 aus. SDafe er 
niemanben, ber ju ü^m fommt, ^inaudftöfet, fiat feinen ©runb 
barin, bafe er nid^t oom ^immel l^emieberftieg , um feinen 
eigenen, fonbem um ©otteö SBillen ju tl^un. ®ie Siebe 3efu 
berft fid^ i^rem Umfange nad^ oollfommen mit ©otteä Siebe. (Sr 
ftöfet beöroegen feinen, ber ju il^m fommt, ^inauö, weil, wer ju 
il^m fommt, ifim oon (Sott gegeben ifi. ©eine Siebe ^at aber 
aud& an ©otteö Siebe il^re ©renje: benen, bie nid^t ju il^m 
fommen, ge^t er nid&t nad^, ba fie beö^alb nidfet ju il^m fommen, 
Toeil ©Ott Re il^m nid^t gab. 2Baö ©Ott i^m nid^t giebt, baö 
nimmt er ftdfe aud^ nid^t. 

©eine Siebe jur 3Belt tritt nid^t in @egenfa| ju feiner 

Siebe ju @ott unb fd^liefet barum feine Slnerfennung ber ©ünbe . 

ber 2Renf($en in Rd&: benn Übertretung beö ©ebote« ©otteö iji 

^erroeigerung ber Siebe ju ©Ott, 1. ^oi). 5, 3. 2)arum ftellt 

bet ©oangelift ebenfo tief mie bie Siebe 3efu ben ^oxn 3^fw 

bat. SSJie ber 3om ©otted jtd^ äujjert in ber aSerroeigerung beö 

®laubenö unb ber 5BerftodEung, 12, 38 ff., fo äußert fid6 ber 

3oTn 3^u in ber 6nt}ief|ung ber ©laubenömotioe, in ber aSer- 

i^üHung feines SBorteö. ^^fu« ift nid&t nur gefommen, bamit bie 

3?rcljtfe^enben feigen, fonbem aud6 bamit bie ©el^enben blinb 

loerben, 9, 39. ^ierauö erflärt fid^ ber eigentümlid^e ©l^arafter 

ber SReben ^^fu bei ^^ficinneä. 

S)er aSerftänbniölofigfeit begegnet ^^fud aud& bei SRifobemuö 
unb ber ©amariterin. Slllein bem ©d^riftgele^rten wirb rüdEroärtö 
fd^reitenb biö ju ber einfad&en gorberung, bie SBal^rl^cit ju 
t^un, bie anfangt unoerftänbUd^e gorberung jugänglid^ gemad^t, 
ber ©amariterin offenbart fid^ S^fwö aU ber ©l^rijiuö. S)en 
©egnern bagegen fommt er nid&t entgegen, er befeitigt bie 
Slnftöfee feineö 2Borteö nid^t, er oermittelt nid&t. 2)er aSer= 
ftänbniölofigfeit gegenüber fteigt er nid^t l^erab auf ben ©tanb= 
punft ber ©egner, fonbem ^ebt fid^ empor ju Sßorten, bie i^nen 
immer unoerftänblid^er werben. 2)ie Slnftöfee milbert er nid)t, 
fonbem oerfd^ärft fie. älm fd&örfften fommt ber 3ötn "^e^n jum 
Sluöbrud in ber Siebe 8, 31 ff. 3)ieö ift um fo auffattenber, alö 
bie SRebe an bie gläubig geworbenen ^xiim gerid&tet ift, roaä fld& 

8ütflert, 5Die H. C^rifloloflie. 7 



— 98 — 

batauß ergiebt, bafe cß ftd& im Untetfd^iebe t)on bcr fd^on oott- 
jogcnen 2lufna^me beä SBorteß 3cfu um bad Slcibcn in bcm- 
fclbcn, 58. 31, unb umjbcn gottgang bcöfclben in il^ncn, 33. 37 
— XiOQu — l^anbclt. ©erabc im ÜBibcrftteben bcrcr, bie bereite 
gläubig geiDorbcn finb, ift 3cfu ^oxn bcgtünbct 2)ie 3iebc er- 
läutert bie tieffte ©d&rüierigfeit, mit bet 3efud ben 3uben gegen= 
über ju ringen l^atte. SBä^renb il^m im 5. Äapitcl baö ©efeft, 
im 6. bad trabitionette ß^riftuöbilb entgegengel^alten wirb, ftöfet 
er bei benen, bie feine SDtcffianität anerfannt l^aben, auf eine 
3lbneigung gegen baö S^Ö^ftänbnid, baß fic feiner ©aben, be= 
fonberö ber Befreiung, bebürftig feien, ißier tritt i^m baß ©elbft- 
bewufetfein unb ber 2lnfprucb ber Äinber 2lbral^amß entgegen, 
5B. 33, 52, bie feiner ißülfe nicfet bebürftig finb. 2)arum wirb 
i^m l^ier oorgeworfen, bafe er fidö jum geinbe bed aSolfeß xaaä^e, 
58. 48. S)ie Siebe jeigt nun, bafe fid^ Sefu ßo^n nic^t etma nur 
gegen biejenigen roenbet, bie jid^ il^m t)on oornfierein üerfd&liefecu, 
fonbem ba6 ber ©laube in feinen Slugen baö felbftgenügfame 
SBerfd&liefeeti gegen feine ®oi>z ju um fo größerer ©d&ulb ftempelt. 
Sefu 3ötn wenbet fi(^ nid^t etwa nur nad^ aufeen l^in gegen feine 
©egner, fonbern nod& fdfeärfer gegen bie, bie fld^ im Greife ber 
©laubigen auf irgenb einem fünfte feiner ©inrairfung üerfd&liefeen. 
S)iefeß 2Birfen S^fu ift fein 3lid&ten. (So ift barum nid&t 
üutreffenb, bafe ^ol^anneß baö ©erid^t alö einen „immanenten 
^ßrojefe" auffajfe. S)er 3Renfd& bleibt in biefem ®rlebniß nid^t 
fidb felbft unb feiner natürlidöen ©ntmidlung überlaffen, fonbem 
baß ©erid^t ift 3efu 2^^at unb t)olljie^t fid& bur(^ ben ©ingriff 
beß 2Borteß Sefu. S)er ©ebanfe ift feineßwegß ber, bafe baß 
einl^eitlid^e unb gleid&mäfeige aSer^alten 3efu allen 3)lenfd^en 
gegenüber nur je nad^ il^rer fittlid^en 2lrt jwei entgegengefeftte 
©rfolge ^ätte, bie jid^ bann nur auß bem feiner eigenen ®nt= 
midElung überlaffenen 3Jlenfd^en erflärten. S3eibe 2Birfungen 
werben ni(^t alß unbeabfi(|tigte naturgemäße ®rfolge, fonbern alß 
3efu SSille unb Slbfid^t befd&rieben. S)em entfpri(^t eß, ba§ 
Sefuß bei ^o^anneß ben 3Renfd^en nid^t in gleid^er SBeife gegen- 
übertritt: er rebet ju ben ©egnern anberß alß ju benen, bie 
„auß ber SSafir^eit finb". S)er Unglaube ber ©egncr ift nid^t 
nur i^r eigeneß, fonbern ©otteß unb Sfefu 2Ber!. 2lud& finb bie 
beiben ©ebanfen, bajs bie 3Renfd&en felbft baß ©eri(|t an M 
DoUjiel^en unb baß gefuß ber SRid^ter ift, nid^t jmei oerfd^iebene 



- 99 ~ 

SetTQ($tungdn)eifen be§ gleid^en (Sefd^e^end: e§ roirb an eine 
tccllc SBed^felwirfung jwif^en bem 3Rcnf(|en unb S^M 
gebacä^t. SBie bic einen ©nabe um ®nabe empfangen, b. \). für 
bie ©nabe, bie ftc empfangen l^aben, mit immer neuer ©nabe 
belol^nt merben, fo bafe [x6) S^fu ©abe beftänbig fteigert, fo iji 
aud^ baö SQBer! gefu an ben Ungläubigen nid^t nur ein Äritifteren, 
ein gacitjic^en, fonbern ein ißanbeln, ein ©teigem il^red Un^ 
glaubend unb il^red iQaffed. ^znn bad 9lu3bleiben bed ©laubend 
alö aSottjirecfung bed ©eric^teö bejeid^net wirb, 3, 18, fo liegt 
fd&on in biefer Deutung beö Unglaubens bie ®rfenntnis, bafe ber 
Unglaube Qefu SBerl unb ©träfe ift. SBaö ü^ncn an S^fud 
Toibermärtig ift, wirb barum niiä^t jurüdtgejieHt, fonbern J^ertjor^ 
gcl^oben. 



5. HaptfBL 

|)ie ^oßeti ^efn an bie '^ett 

3)ic SSebcutung, bie 3efu« in feinet ©in^eit mit ©Ott für 
bie 3Belt fiat, wirb von So^anneö in eine 3ieif|e eigenartiger 
Segriffe gefaxt. 3^ bin baä 33rot beö Sebenä, 6, 35. 3d& bin 
ba§ Sic&t ber SBelt, 8, 12. 3c& bin bie S:^ür, 10, 7. 3d& bin 
bie ätuferftei^ung unb baö Seben, 11, 25. 3(36 bin ber SQBeg mb 
bie 2Bat)rl^eit unb baö Seben, 14, 6. 34 bin ber roatirJ^oftige 
äBeinftod, 15, 1. aSgl. im erften 33rief 2, 2: xai uvxoq iXaam; 
aar IV negi rdov ufjtuQxioov ^f.i(ov, SBeife bemetft ju ber legten 
Stelle: ,,®ö liegt aber aud^ im SKuöbrud feine befonbere Slb^ 
ftd&tlid^feit, fonbem berfelbe erflärt fid^ einfad^ burd& bie betannte 
aKctonpmie, roonad^ bie 33ejeid)nung beö SKfteiS für ben fielet, 
meld^er Url^eber, SBermittler beöfelben ift." SKIIein man braud&t 
nur bie gegebene ©tatiftif ju bead^ten, um ju bemerlen, bafe 
Diefe Si^ß^tifijierung ber &aU ^t^n mit feiner ^erfon woJ^l- 
überlegte SKbfid^t ift. S^fwö felbft, feine 5ßerfon, unb jroar feine 
menfd^lid^e 5ßerfon, fein „gleifd^", nid^t eine t)on il^m ablösbare 
fad&lid^e ®abe ober eine an i^m gewonnene ®rfenntniö, ober ein 
burd^ il^n geftifteteö aSer^ältniö, aud6 nid^t ein oon ifim ju 
fc^eibenber ®eift, er felbft ift bie ®abe ©otteö an bie SBelt, 
4, 10. 3" feinem S)afein, 9Bir!en unb ^anbeln beftel^en alle 
&aben ©otteö an bie SBelt. !I)aburd& erleud&tet unb belebt ®ott 
bie Söelt, ba§ er 3ßfwm l^ineinfteHt. 2)arum befielet feine fiiebe 
barin, bafe er fid^ felbft für bie ©einen liingiebt, fein gleifd^ unb 
Slut, .feine ©eele. ©r felbft ift 35rot, Seben, 9Beg unb aßa^rl^eit. 
©ben beöroegen beftelit ber ©mpfang aller biefer ®üter im ^in- 
nel^men unb Slneignen feiner 5ßerfon, im ,,®ffen feines gleifd^eö". 



^iefelben foHen l^ier nid^t erfi^öpfenb unterfud^t werben, fonbem nur 
infoweit, al§ fie §ur Erläuterung ber G^riftologie beitragen, ^ie folgenbc 
Hnterfud^ung fott erlldren, inwiefern biefe QJaben Sefu mit feiner ^erfon 
ibentifiäiert werben lönnen. 



J 



— 101 — 



• • • » 



>• • • • • • 






S)er @dKtn{e tfi fo loemg gelegentlid^ unb sufölDg, baB er mel^ 
me^r bog eigentlUle ^i^tereffe bۤ ermtigelt^en ausfprid^t. 6$ 
liegt ^iertn biefelbe ^lemit, bie üti^ im etjten Sriefe beobadbten 
lagt: bie ^olonif gegm jd>e SbUfung irgmb einet @Qbe ^efu, 
imb fei eö (uwi ber @eift, dou feinem ^gleifd^'', feiner menfd^- 
lic^ ^Serfon. ^tä)alb fann ^uS bem @lauben ben 3"^^^ 
geben: ^bofe id& bin". 9Jid&t auf feine ©gcnfd^cn, ®orte ober 
SaSerfe bqie^t n^ ber ©Urabe, fonbem auf fein ^ä^'', feine 
^fcrfon, feine ©fiftenj. 3SeiI affein fd&on baö 3^afcin 3^u unb 
bementfpre^i^enb t>c^ Se^, bie auf i^n gerid^tete SSa^me^mung 
ba^ @[aubfndmotin iß, fo in @Iaube bie notmenbige §orm ber 
Snerfennung feiner gräten; unb Unglaube ein ignorieren, ein 
Verleugnen bcrfelben. 

3>arum üt ba$ 6oange(ium S^ri^Iogie. 6§ bringt ben 

@d)anlen ber S^noptifer forreft jum 9[bf(|Iug. Ser @[aubend= 

alt ber Spnoptifer fprid^t fid^ in bem SelenntniS ouS: mit ^n 

Kommen fommt baS Sleid^. Cbgleid^ ed nod^ nid^t offenbar 

geiDorbcn iji, fo iji eö ba, weil ber ^nig ba ifL 2^icfcö 35e= 

!emttmd nollenbet ftc^ in bem Se&nntnis bes S^^^neS- 3^u$ 

{db^ ift baS Seben, ba$ Sid^t. S3ie nid^t nur feine SSerfe unb 

Sorte, fonbem feine ^Uerfon aus bem ^immel nammt, fo ftnb 

ni^ mir bicf e feine SSirbingen, fonbem er felbfi baö Sid^t ber Seit. 

fflö Sid^t ber Seit bqeid^et 3efud fid^ fdbft, 3, 19 f.; 8, 12; 
9, 5; 12, 35 f. 46. 3)iefe Se^eid&nung entfprid^t bem S5?orte beS erftai 
33riefe«, ba§ @ott £id&t ifi.*) Sei feinem ber jo^anncifc^n @mnb= 
begriffe }eigt ed {td^ fo fe^ mie bei biefem, mie menig bie feine 
©ebonfenmett inteSeltualiiterenbe Se^anblung bem goangeliften ge^ 
red^t ;u merben oermag. Süic^ bamit ift ber Segriff nicbt oer= 



^) S^^^ biffm beibat ^n^ogen fonftnrifit ^olfnumn, U, 400 f. 
einen äStberfpnic^. „(St fclbft, ber wahrhaftige öott, öciBt 5, 20 enrige^ 
fieben, nrie er an^ 1, 5 felbtt 2ic^t ift, im fprec^enben Unterfc^iebe l>on ber 
f(^arf geff^iebenen SJegriffsiDett bcö ©tjangdimn^ , wo sunäcfiit dbrinu* 
geben 11, 25 raib 8, 12 fiic^ üt" tU§ ob na^ bem düangclium 6brt^^ 
im Unterf^iebe öon öott 2\^t fein föntue, wöbrenb er gerabe allee, 
Wad er üt, bnr^ feine (^emeiitfc^ mit ®ott üt nnb niÄtö bat, nwi^ er 
nic^t t>on @ott onpfangen ^at! (E^rimiS üt natnr(i^ nur be^wcgrn Si(bt, 
Weil ©Ott Si(^ ift. (£^ftn§ einen ß^araftcr beijufegen, bot er nicbt oon 
®ott §at, ift für ben (StKtngeliften wiberünnig. £»ol|imann felbit muS feine 
Se^auptnng eittfc^önfen bim^ hk Semerfimg, ba% „bann freiliÄ binjn* 
gefftgt wirb, bog biefed )Beben in feinem So^ne ift". 



, » - ' • 



• . • . * . > - 



102 - 



panben, ba§ man einen intetteltualifiif(3^en unb einen et^ifd^en 
©inn jufammenabbiett. @o bemerft SBeijs ju 8, 12, bafe „baö 
Sid^t immer nur SSilb für baö 9JlitteI, burd^ meld^eö ©ticnntniö 
mitgeteilt wirb", fei. ®r finbet beöroegen in bem SBorte, ba§ 
©Ott Sid^t ift, ben ©cbanfen ouögebrüdEt, bafe ®ott burd& unb 
burd^ erfennbar fei. Jlid^t fe^r oerfd^ieben baoon ift bie 3)eutun0 
^olfemannä. Mein baS Sid^t^) ift ein geläufiöeä SSilb für baö 
eiement beä Seben«, be« ©lüdfeö/) ber greube. aSerroanbt ift 
ber begriff ber „^errlic^feit" unb fo realifiifd& mie biefet ift 
aud& ber be§ Sid^teö gebadet. 3)er ©cgenfafe t)on Sid^t unb 
ginftemis bei S^i^anneö fielet bem ©ebraud^ ber Silber bei ben 
©pnoptifem fel^r nal^e. 3Jlit bem ^immelreid^ uerbinbet fid6 bie 
SSorftettunö beö Sid&te§, „bie ginfterniö braufeen" ift bie fiöffc. 
Sid&t bejeid^net bie ©pl^äre ber ©eligfeit beö Sebcnä, beö ^eifö. 
2lud& bei S^i&cmneö fte^t Seben unb Sid&t jufammen, 1, 4. SBle 
atte jol^anneifd^en Segriffe, fo ^ängt aud& biefer Segriff mit bem 
©otteSgebanlen jufammen unb läjst fid^ t)on biefem auö am 
leid^teften erläutern. SBenn oon ©Ott gefagt mirb, bafe er ßid^t 
fei unb feine ^infterniö in il^m, fo fielet biefe ©rfenntniö ber 
anberen na^e, bafe ©Ott Siebe ift. ©Ott ift fiid^t bebetttet: er ifi 
ganje ©üte, fein SBitte ift nur baö ©ute, baö Seben, bie greube. 
SBeife menbet ein, bafe biefer ©ebanfe etmas ©elbftüerftänblid^es 
ausfpred^e. ©elbftt)erftänblid6 aber ifi biefeö SBort fo menig mie 
baö anbere, bafe ©ott Siebe ift. 2)afe ©ott Sid^t ift, ifi bie 
SSerfünbigung, bie bie Sipofiel erft S^fuö tjerbanfen, 1. ^ol^. 1, 5: 
meil 3efuö Sid^t ifi, fo meife So^anneö, bafe ©ott Sid^t ift. 
SDiefer ©otteSgebanfe ift fo menig felbftt)erftänblid&, ba§ er mh 
melir ben ©laubenöaft in fid^ fd^liefet. 3)er ©laubenöfd^lufe liegt 
barin, bafe er feine ©otteöerfenntniö nur an ^efuß bilbet. 3)er 
felbftt)erftänblid6e, b. 1^. ber auö ber Seobad^tung beö 2Beltlaufs 
gebilbete ©otteögebanfe mürbe ber fein, bafe in ©ott mie in ber 
SBelt Sid^t unb ^infterniö ift. 3)arum mufe auöbrüdflid^ auö= 
öefprod^en merben, bafe nid^tß oon ginfiemiö in il^m ift. SBürbe 
auö bem SBeltlauf auf ©ott gefd^loffen, fo fäme biefe völlige 
58erneinung ber ginfterniö nid^t juftanbe. 3i«bem ber äpoftel 
feinen ©otteögebanfen nid^t ber empirifd&en 3BirIlid6feit anpafet, 

^) ^gl. (Bremer s. v. ^mg. 

«) Sögl. aud^ ©ol^mann ^m l, 4.: „gm ^Iten Xeftament ift Äid^t faft 
immer »ilb be§ %\vidt^" 



— 103 — 

fonbcrn il^n allein auf ^iefuS aufbaut unb bic ßattjc SRci^c aller 
entöeßettöefcfeten ®rfal^runßcn unb SScobad^tungen nid^t auf fein 
©otteöbilb mirten läßt, fonbem fraft beö an 3i^fwß gewonnenen 
©inblicfö in baö 3Befen ©ottes üerneint, ift fein ©otteögebanfe 
©laube. aSaö bie SBelt an ginfterniö in fid& trägt, ftammt nxä^t 
auö ©Ott. 

©ine le^rreid^e Erläuterung erhält bcr Segriff beö ßid&teö in 

ber ©rjäl^Iung oon ber Teilung beö 35linbgebomen , Aap. 9. 

S)ur(^ biefe Teilung jeigt ^t^n^, bafe er baö SicJ^t ber SBelt ift. 

S)ie grage ber jünger fefet üorauö, bafe irgenbwo ©ünbe fein 

muffe, wenn bieö Seiben oerftänblid^ fein folle. ^\)xz grage foll 

fagen, bajs bod& biefe 2)eutung beö Seibenö biefen gall nid&t 

erfläre: mag man ifin ober feine ©Itern oer antra ortlicä^ maien, 

baö Seiben bleibt ein bun!leö SRätfel. 3)ie grage gel^t natürlid^ 

Don jübifd^en 9lnf(J^auungen auö, allein fte berül)rt ein SRätfel, 

baö niä)t nur für jübifd^e« S)en!en eyifiiert. Äönnte man einen 

Sufamtttenl^ang t)on ©Aulb unb ©träfe erfennen, fo märe ber 

2;^tfad^e ber ©l^arafter beö ©innlofen/ Unoerftänblid^en ge^ 

nommen. SBeil jene 2)eutung in biefem galle oerfagt, gehört 

baä ©ef(^icf beö Slinbgebornen ju ben S^^atfad^en , bie baö 

SScUregiment ©otteö t)erf|üllen, e§ ift ,,^infterni§". 3)aö folgenbe 

SBott 3efu giebt fid& alö Slntroort auf biefen 3w>cifel. 5Der 

^ufammeni^ang oon ©(^ulb unb ©träfe erflärt fein ©efd^id 

freifid^ nid&t, b. f). läfet ©Ott nid^t erfennen. ©leiÄmofit ift ber 

Sßnbgcborne baju ba, bamit ©otteS SBerte an i^m offenbar 

merben : au^ er foll ni(^t jur aScrl^üUung, fonbem jur SSejeugung 

©ottes bicnen. 2)iefe SBerfe ©otteö ju mirfen, ift ^t^n Aufgabe. 

SBcnn Sefuö fein Seben aU ben 2:ag, feinen Xoh als bas ^er= 

einbreciben ber ^taä^t bejei(^net, fo ift bamit nicä^t gemeint, bafe 

i^m felbft mit bem SJobe baö SiAt untergel^t, fonbem, mie bie 

folgenben SBorte jeigen, bafe mit i^m ber SBelt baö SicJ^t untep 

flcl)t: folange er in ber SBelt ift, ift er baS Sid^t ber SBelt. 

©olange er in ber SBelt ift, mufe baö SBerf ©otteö gefd^e^en, 

benn menn mit feinem ^ingel^en bie SRad&t fommt, ift niemanb 

ba, ber eö vollbringen fönnte. 

S)ie erjäfilung jeigt, in meld^em Sinne ft(S 3efu§ baö Sid^t 
ber SBelt nennt, ^efuö offenbart bie ^enlid^feit, bie l^elfenbe 
©Ute ©otted, meldte bie SBelt jured&tbringt. 2ln i^m ift fid&tbar, 
bafe ©Ott nid^tö alö Siebe ift. Sefuö mirb nid^t nur afe bet 



— 104 — 

©rfenntniägrunb bet ißenlidfefeit ©ottc« betrautet, ber ©ottcö 
Siebe barftettt, fonbern al§ ber, burd^ ben bie ©nabe unb 3Bal^r^ 
fieit „wirb", roirffam in bie SBelt l^ineintritt. @r befeitigt alleä, 
tt)aö bcm gütigen aBeltregiment @otte§ TOiberfpriAt, feine SKufgabc 
ift eö, bie ginfterniö in 2iä)t ju uerroanbeln, SÜle ginfiernid, 
roie j. 33. baö ©efd&id beö SSlinbgebomen, ift für il^n ber antrieb, 
©otte« fd&affcnbe Tla^t ju offenbaren. 3)er @efi(StöIreiö ift 
unioerfaliftifd^ , 3efuö ift baö 20^1 ber SBelt, er erleud^tet 
jeben 3Jlenfd^en. SKudö biefer Unioerfaliömuö ift ©laube nnb 
i)at feinen ®runb unb fein SRe^t in ber 3wfantmenfof|ung 3efu 
mit ©Ott. SRidfet für bie empirifd^e SScobad^tung wirb alle ginftcr? 
niö in Sid^t oerroanbelt, oielmelir lautet bie jo^anneifd^e fjötmel: 
2)ad Sic^t fdöeint in ber ginftemi«. SBegen ber SSefeitigung ber 
ginflemis an einer einjigen (Stelle f ann ^efuS baö Sidfet ber 
SBelt genannt werben, toeil auö feiner S^^at auf ©otteö SBltte 
gefd^loffen wirb. 3ft eö ©otteö 2Bille, ber in biefer ^l^at fid&tbat 
wirb, fo erleudbtet fie bie SBelt. ©ie ift „3^^^^^"/ f^^ i^ißt baö 
3iel ber SBelt, ben ewigen, bauernben SBitten ©ottes, ber ber 
ganjen SBelt gilt. 

®S ift alfo freilid^ rid^tig, bafe ber begriff eine SSejie^ung 
auf bie ©rfenntniö in fid& fi^liefet. 3Wan fann befinieren: Sid^t 
ift alleö, was ©otteö ©üte fid^tbar wad^t, ginftemiö atteö, wa& 
Re Der^üttt. Sid^t ift Sefuö alä ber „3euge ©otteä". 

SKfä baö Sid^t ift Sefuö ©egenftanb ber Siebe. 2)ie Siebe 
ift für 3ol|anneS eine boppelte Bewegung bcd SBittenö: fie ifi 
Segel^rung, 3ieceptit)ität unb 2;i|at, älftioität, beibeö in SBedbfeU 
wirfung untereinanber, fie ift ein ^inne^men — lafißavBiv — 
feiner 5ßerfon, unb S)ienft, baö S^l^un feine« ©cboteö. 3)er 
lielfenben, gebenben ©üte 3efu entfprid^t alö bad notwenbige 
SSerl^alten beö 3Kenfd^en ba§ fid& für il^n öffnenbe SSegel^ren» 
2)iefeö fül^rt juni SJerjid&t auf baö eigen« SBotten unb jum S^i^un 
beö SBitlenS Sefu. Umgelel^rt bebingt aud^ baö 2!l^un bie Siebe. 
SBer 35öfeö tl^ut, bei bem ift ed t)erftänblid^, bafe er bie ginftcrnii^ 
nie^r liebt afe baö Sid&t. 3)arum ift SefuiS alö ba§ Sid^t aud^ 
©egenftanb beö ^affeö ber 3Belt, 3, 20; 7, 7; 15, 18. 23 ff- 
SBeil er alö baö Sid^t ebenfo wie ©Ott alle ginfterniö unb bamit 
ade ©ünbe oon fidb auöfd^ließt, bringt er burc^ fein SBirlen unb 
Sieben, burd^ feine gefamte ©Eiftenj bem 3Jlenfd^en feine ©ünbe 
jum 33ewuj3tf ein , er überfülirt il^n, 3, 20; 7, 7, unb wirb 



— 105 — 

borum von i^m gcnticbcn unb fd^Ucfelid^ gel^afet alö ber „S^^Ö^" 
feiner 33oöl^eü. 

2lu(^ ben i^xn eigentümlici&en Segriff ber SBatirtieit roenbet 
So^anncö auf 3efuö an. SDie SBa^rfieit ift ^efu ®abe unb 
SEBirfunö, 1, 17, unb 3efuö felbft ift bie SEBa^r^eit, 14, 6. S)aß 
6^arafterifiifd&e beö Segriffä, baä in bem legten äßorte flar! 
I^eroortritt, befielet barin, bajs bei 3of|anneö bie aSa^r^eit nxä)t 
alö ©ebilbe beö menfd&Ud^en ©rfennenö erfd^eint, fonbern aU eine 
objeftiüc aWad^t, bie oberl^alb beö, menfcftlicJ^en ®rfennen§ ftel^enb 
baöfelbe geftaltet. gerner ift bie SBal^rfieit nid&t nur bie baö ®r= 
lennen gcftaltenbe 3?eflel, fonbern awä) bie SRegel beö ^anbelnö 
unb ber gefamten ©yiftenj beö aJienf(ä&en, wie fid^ bieö in ben 
SBenbunflen: bie 2Bat)rl^eit tl^un, aus ber SBafirfieit fein, in ber 
SSal^rl^eit ftefien unb fein, bie 2Bal|rf|eit in ficiö Ijaben, auöbrüdt. 
2)icfcr tealiftifd&en Raffung ber SBal^rl^eit entfpridfet bie Stellung, 
bie bei ^ol^anneö baö ©rfennen l^at. 2)en ©egenfaft jur 2Bal^r= 
^eit bilbet gleid&roo^I nid&t ber ©dfeein, fonbern bie ßüge, bie niä)t 
MX im SWeben, fonbern aucö im ^anbeln beö 3Kenfd^en erfannt 
tüitb. 9Jid^t nur baö jur ®r!enntni§ in ©egenfaft tretenbe 2Bort, 
jonbem aud& ein fold&eä SBerf ift ßüge. 5Daö SBort über ben 
Satan, 8, 44, bilbet einen genauen ©egenfafe ju bem SBorte 
übet bie ^enlid^feit beö ©oI;ne§. SBie biefe in @üte unb SSa^r^ 
^eit beflef)t, fo ift baö aWerfmal beö @atan§ ^afe unb Süge. 
2)er ^iifömmen^ang oon iSünbe unb Süge ift bem oon ©ünbe 
unb ginfterniä analog. SBenn ©ünbe unb ßüge für S^licinneö 
jufammengepren, fo l^at baö nii^t ben ©runb, bafe für i^n 
SBai^rl^eit baö ^beal, bais, maö fein fott, im Unterfd^iebe oon bem, 
was ift, bejeic^net,^) fonbern biefe Swfömmenftellung t)on @ünbe 
unb ßüge l^at ben ©runb, bafe für ifin burd^ bas 33öfe ein SRife 
burd^ bas 33en)ufetfßi»^ gemad&t mirb, burd^ ben es jroiefpältig 
unb innerlid^ roiberfprud^SDolI wirb. 2lngefid^ts beS unaustilg- 
baren 33en)UJ3tfeinS um baS, was red^t ift, unb beS nid^t ganj 
ju Derioifd^enben ©ottesberoufetfeins ift bie iSünbe jugleid^ eine 
Süge, eine 33erleugnung beS oon ©Ott ©erooHten ober eine 33e= 
jal^ung beS oon ©Ott nid^t ©emoHten. 2)arum ift bie SSa^r^eit 
nur baburd^ erreid^bar, bafe fie getl^an mirb. 3Son einem „iSd&ittern" 
bcs Segriffs barf man alfo nxä)t reben. 2)er über ben blofe 



') @o mf^iet a. a. D. @. 35. 



— 106 — 

formalen ©inn beö SBortcä übcrgtctfenbe ©cbraiid^ bcöfelbcit bei 
3ot)anne§ ^at feinen inneren ©runb barin, bafe ber Segriff 
ebenfo wie ber beö Sid^teö, bcm er auä) am nä(ä&ftcn oeriDanbt i|i, 
im engeren ©innc tl^eologifd^ ift. SBal^rl^eit wirb nid^t jebe ®r= 
fenntniö genannt, fonbem bie ©otteöerfenntniö. ®inen ©tnblicf 
in biefen ©inn beä 3Borte« gicbt 8, 55: wenn ^iefuö bie il^m 
gegebene @otteöer!enntniö verleugnen wollte, fo mürbe er jum 
Sügncr merben, fomie bie 3uben beöl^alb Stigner finb, meil fie 
bie i^nen möglicä^e ©otteäerfenntniö nieberl^alten. 3)cr ®ebrau(| 
beö SBorteä aber jeigt, bafe man eö ebenfomenig mie ben Segriff 
beö Sid^teö inteücftualifieren barf. SBenn S^fuö ate ber Sringer 
ber ©rfenntnis ©otteö bie SBai^rl^eit genannt mirb, fo jeigt ebm 
biefe perfonl^afte Sbentifijierung ^e^n mit ber 3Bal^rl^eit im S^- 
fammenfiange mit bem fonftigen ®ebrau(J^ be« SBorteö, bafe baöci 
feineömegö nur an fein SBort, an feine „Seigre" geba(ä^t \% 
3liö)t nur fein SBort, fonbem er felbft ift bie SBal^r^eit, inbem 
er bie SBa^r^eit tl&ut, auä il^r ftammt unb fie in fi(i& l^at. Snbem 
feine ®r!enntniä ©otteö mit feinem ©cbanfenlauf aud^ fein SBort 
unb fein SBerf regiert, ift er in feiner ^erfon bie äßal^t^cit, 
b. \). ber, ber @ott in feinem gefamten Seben erfennbar maä^t, 
©eine ganje ©jiftenj ift eine Seja^ung @otte§, ein 33e!enntni5 
©otteö, ein S^wgnis für @ott, eine SSerneinung bed Söfen unb 
beö^alb SBa^r^eit. 

3u ben ©aben, bie 3efu§ als mit feiner 5ßcrfon gegeben 
anbietet, gel^ört oor allen 2)ingen baö ßeben: 3<^ bin baö Seben, 
11, 25. S)ie eigentümli(ä&e SBenbung, burd^ bie baö SBort 1, 4 
nid&t nur alö lebenbig, fonbem als Drt bcö Sebenß befd^rieben 
mirb, !e^rt bei So^^^^^ö aud^ fonft mieber, 1. 3ol^. 5, 11. 
©Ott tritt baburd^ für feinen ©ol^n ein, bafe er emige« Seben 
giebt, „unb biefe§ Seben ift in feinem ©ol^ne". 3[m ^aben ober 
5Rid^t^aben beö ©ol^nes l^ängt beömegen SSefife ober SBerluft bes 
Seben«. SDaö Seben ift nid&t ein oom ©ol^ne ablösbarer Seft^, 
ben biefer abgiebt, fonbem man befi^t es nur burd^ bie ©egen= 
mart bes ©ofineö. SBenn es ®aie 3efu an ben ©laubenben ifi, 
fo mirb es biefem bod^ nid^t in berfelben SBeife eigen mie bem 
©ol^ne. 2lud& ber ©o^n l^at bas Seben als eine i^m t)on ©Ott 
t)erliel^ene ©abe. ätllein er trägt es in berfelben SBeife in pd^ 
felbft, mie ber SBater es in fid^ felbft l^at, 5, 26. greilid^ mirb 
6, 53, t)gl. 1. 3o^. 3, 15, baS Seben ebenfatts als Sefife, ben 



— 107 — 

ber aRcnfd^ „in fid^ fclbfi" trägt, bcfd&riebcn.O 3LMn biefc 
©tctten rocrben eben butd& 1. 3ol^. 5, 11 erläutert. 3n ben 
SBorten 3efu o, 26 erhält bad h havrff) baburd^ eine befonbere 
SSebeutunft, ba§ ber ScbendbeRl 3efu ber Sebenbigfeit ©otteö 
ftleidbgcficnt wirb. S)ie 3Rcnfd&en ^aben bod Seben im ©lauben, 
ber ben über il^m liegenben Seft| 3efu fein eigen nennt, 3efud 
bagegen trägt e« in Rdfe felbfi. ©ein 2ebenöbeft| ifi jo wenig 
als feine (Semeinfd^aft mit @ott burd^ Ol au ben Dcrmittelt. 
Sud^ an biefer ©teile fprid&t ber ©oangelifi nid^t von einem 
©lauben S^fw. 6t ifi vermöge feiner ©emeinfd^aft mit ©Ott in 
berfelben SBeife mie ©Ott ber Ort beö Sebenö. 

Snbem S^fwd nur bad, roaö in i^m felbfi mo^nt, Seben 

nennt, gilt il^m bie 3)ofeinSn)eife ber 9Kcnfd&en alö S^ob. 

3efu§ allein ift ber Sebenbige. ®ieö Seroufetfcin fprid^t fid& am 

mdd^tigflen barin aud, bafe 3efud ben ©lauben an x\)n in ben 

«u«bru(f fajfen lann: glauben, bafe i* bin, 8, 24. 28; 13, 19. 

S)cr 2luöbru(f ifi fiel^enb unb barf bedroegen nid^t auö bem 

icbeSmaligcn ß^fcnnmen^ang ergänjt werben. SBie Sefud allein 

Scbcn julommt, fo gilt aud& oon i^m allein, bafe er „ifi". 6r 

^at ein ©ein, wie eö ©Ott ^at, roeö^alb bie jufammenfaffenbe 

§ottnel für ben auf i^n gerid^teten ©lauben lauten fann: 

glauben, ba§ er ifi. Sludfe biefe gormcl fd&liefet ^ an alt- 

teftamentüd&e SBortc an: wie ber ©laube an ©Ott ftd& in bem 

Sefenntnid jufammenfafet, bafe er ifi, fo aud^ ber ©laube an 

3cfuö. 3)er ©ebanfe ifi nid^t auffallenber alö ber anbere, bafe 

3efu§ allein lebt, unb ifi bemfelben burd^auö paraßel. 

SBie bie Äinber ®otte§ il^ren SebenöbeRl ber B^wgimg burd& 
ben ©eifi ©otteö oerbanfen, fo ^at aud^ 3cfuä fein Seben 
burd^ ©otted ©eifi. ©eifi unb Seben gel^ören jufammen, 6, 63. 
SBie Sefuö ben ©eift ol^ne 9Kafe f)at, fo l^at er aud^ baö Seben 
öanj. ©ein Sebenöbeftfe ^at eine aSoDftänbigfeit, oermöge beren 
er t)on ber B^funft feine ©rgänjung unb güDung beöfelben 
me^r erwartet. SBer baö Seben b«t, ber l^at bamit alled reid&lid&, 
. 10, 10. 2)aö lebenbige SBaffer ftillt ben Surft auf ewig, 4, 14. 
SSermöge feiner ooHfommenen ©emeinfd^aft mit ©Ott, fraft 
beren er burd^ leine ©d^ranfe oom ^immelreidfe gefdfeieben ifi, 
unb feine ^immlifd&e ©jifien} nid^t nur als SBergangenl^eit hinter 



') SBorauf §amad fi(^ beruft. 



— 108 — 

fic^ unb aU jufünftigcö 3^^^^ t)ad crfi nod^ crrcicJ^t tüCTbcn 
müfete, oot ftd&, fonbcrn aU ©cßentüort unb Slcalität bei ficä^ 
^at, [teilt er im gricben, 14, 27. 2)a fo bet ßebenöbcfife Sefu 
i^m nid&t nur in einem ß^itlauf fncceffit) unb ftücteeife gegeben 
mitb, fonbetn ein fcrtißet unb ganjer ift, fo wirb er butd^ ben 
aiuöbrud ,,eroiöeä Seben" bejcid^net, roeld^er ben gegenroättigen 
Sefift mit bem jufünftigcn, ben bieöfeitigen mit bem ienfeitigcn 
in eine ©inlieit juf ammenfafet. *) 3n feiner einjigartigen ©e^ 
meinf(ä^aft mit ®ott unb feiner eiujigartigen l^immlifd^en ©Eifienj, 
bie ifim feinen Drt in ©Ott unb im ^immel befümmt, ift 3efu§ 
ber einjige Sebenbige. 

S)arum ift anä^ mit feinem Eintritt in bie äBelt ,,baö 
Seben erfdbienen", imb mit feiner ©egenwart beim aKenfdJen 
empfängt berfelbe baö ßeben. Seben unb ©eift i)at 3efuS ate 
etmaö 3Jlitteilbareö empfangen. SBenn er nid^t nur ber Sebenblße, 
fonbern ber, „in bem Seben ift", ber Drt beö Sebenö genannt 
mirb, fo foll bamit auägebrüdtt werben, bafe er jugleid^ ber JQuett 
beö Sebenö ift. 2)ied mirb im 6. Äapitel mit bem 93ilb: „Srot 
beö Sebenö" bejeici&net. 2)a§ a3ilb bejeid^net Sefum ate ben baö 
Seben SSegrünbenben imb (Srl^altenben : oom ©enufe biefeö SSroteö 
pngt ber Sefife - beö Sebenö ab. Unb jmar ift ^efuö afö ber 
aus bem ^immel Äommenbe baö ,,lebenbige" a3rot, ein 33rot, 
bad Seben fd^afft, meil es Seben in fid^ trägt. SDurd^ bie 
SRebe bejeid^net Sefuö pd^ ni(|t nur afe ben ©peifenbcn, fonbern 
afe bie ©peife. ®r giebt nid^tö ©ad^lid^eö, nichts oon i^m 3Cb= 
lööbareö, fonbern fid^ felbft, feine 5ßerfon. 5Wit bem ißwmeiö 
auf feine oöllige ©elbft^ingabe an ben 3Jlenfc^en Derbinbet jid^, 
mie fc^on nad^geroiefen in ber SRebe, burdö bie S^rennung ber 
beiben jufammengel^örigen (Elemente: %Ui^ä^ unb 33lut — ber 
^inmeiö auf feinen %oh, 

©ein 2^ob gel^ört ju feiner DoIIenbeten ©clbftl^ingabe, er ifi 
bie aSoflenbung feiner Siebe: burd^ ilin erft giebt er pd^ il^nen 
üöHig jum ©enufe ^in: mie fein gleifd^ Sebingung feiner 
fpeifenben aWad^t ift, feine aJlenfd^l^eit — fo ift eö aud^ fein 
33lut, fein Sterben. S)er ©ebanfe fte^t auf einer Sinie mit ben 
fd^on erläuterten ©ebanfengängen , bie bie 6rl|öl^ung ^jefu jur 

Xie Definitionen be§ ewigen ßebenS, hie cS im QJegenfat 5ur ^eiU 
öorfteUung al§ etmaS £lualitatiüe§ ober 3ntenfiöe§ ober gar ©tl^ifd^eS be* 
jeid^nen, finb ju formell. 



— 109 — 

Sebingung bet ©ciftcämittcilung unb bct ©inrool^nunö 3efu 
inad^cn. 

SDcm Silbe beö 33rotcö cntfprec^enb iDitb baö ®ffcn unb 

Sltinfcn aU öcbinöung bcä Scbcnö bcfd^ticbcn. 2)ie SEBottc 6c= 

jeid&nen mit ftarfct Sctonung bic 3teceptit)ität bcö 3Jlcnf(^cn, bic 

ber ^etfon ^z]u gegenüber gefotbett roirb. 2)er gteid^e ©ebanfe 

wirb ol^ne 35ilb a\x^ fonfi auögefprod^en : boö ^innel^men — 

lafißaveiv — ift baö t)on bet SBett erroattete SBer^alten ^t\vi^ 

öegenübcr, 1, 12. 5Diefet 33egtiff ift bei Sol^anneö bem be§ 

©laubenö fpnonpm, ba biefet aud^ ein receptbeö SJet^alten 

bc5ei(^net. 2)a§ Sitb beö @ffen§ unb ^tinfenö erläutert bie 

gorberung „^injune^men", inbem es jeigt, baj3 eö fi(^ nid^t um 

ein äufeerU($eö 2lnne^men l^anbelt, fonbern um ein 3lufne|)men, 

bur(i^ roeld&cö 3efuä inö Innenleben beä SJlenfci^en einbringt unb 

cl id^affenb gefialtet. 2)ur(^ baö auf x^n gerid^tete Segcl^ren 

öffnet jtd^ ber 3Jlenfd^ einer ®lnn)ir!ung 3efu, bie ein S^^newirfen 

\m ^enfd&en ift. 2)em entfprid^t eö, bafe ^efuö fid^ ein ©ein in 

feinen Sängern beilegt, roeld^eö ber ©egenroart ©otteö in ^efuö 

analog ift, unb burd^ roeli^eä er in berfelben SBeife mit feinen 

3ünöctn eins wirb, wie .©Ott mit i^m einö ift. S)iefeö SBer^ 

lältnis wirb in ganj äl^nlid^er SBeife wie bei ^ßauluö burd^ 

einen boppelten 3lu§brud bef(^rieben: Sefuö ift in feinen 

3ünaem unb biefc ftnb in il^m: ber roed^felnbe 3lu§brucf mad^t 

'i^axau^ aufmerffam, bafe baö SRaumbilb bod& nid^t genügt, um 

'titn @thoixdtxi barjufteDen. 

So realiftifd^ baö SBer^ältniö oorgeftettt wirb, fo ift eö bod^ 
m(i^t naturl)aft gebadbt. SDaö ©lauben, baä begel^renbe ©id^öffnen 
3efu§ gegenüber ift bie 33ebingung feiner einbringeuben SBirt 
famfeit. S)aä 3Serl^ältni§ ift ein SSerl^ältniö ber Siebe: mie bie 
DöHige ©elbft^ingabe 3efu feine oollfommene Siebe ift, fo äufeert 
ftö& in ber nii^t nur auf fad^lid^e ©aben unb naturl^afte 
SBitfungen, fonbern auf i^n, auf feine ^erfon, auf fein 
,,gleifd^ unb Slut" gerid^teten 33egel)rung bie Siebe be§ aWenfi^en. 
5)a baö ^^nenroirfen 3efu im SJlenfd^en baö ^kl beö „@ffenä 
unb S^rinfenö" ift, unb feine ©rp^ung Sebingung biefeS S^tnen- 
n)ir!en§, fo ift bie SSottenbung feiner ©elbft^ingabe im S^obe bie 
Sebingung bafür, baj3 fein „^Jl^ifd^" genoffen toerben fann. S)ie 
SRebe ift oom ©oangeliften f(^n)erlid^ o^ne 5lücfft(^t auf baö 3lbenb= 
nta^l formuliert: nid^t nur in bem oon Sefuö gebraud^ten Silbe, 



— 110 - 

fonbcm in il^tcm ©inne fommt fic mit bet ©cbeutung, bie bic 
©pnoptifet bcm 2lbcnbma^l geben, übetein. 

S)ie Sebenögabe roirb 6, 63 Dgl. 68 an baö SBort 3efu 06= 
bunben: feine 2Borte ftnb (Seift unb Seben. 2)icfcr ©ebanfc 
erläutert fid^ auö ber Sebcutung, bie Sefuö feinem SBBorte beilegt. 
S)ie Selbftl^ingabe, bie im 6. Äopitel ald Eingabe feiner menf^= 
lid^en ^erfon, feineö ,,gleifd^eö" befd^rieben mirb, ooUjiel^t 3efu3 
burd^ fein SBort: burd^ fein 2Bort giebt er mel^r alö fac^lid^e 
naturl^afte @abm, nämlid^ fid^ felbfi, feine ^erfon. ®ben meil 
baö äebzn an il^n, an feine 5ßerfon gebunben ift, ift eß beäroegen 
an fein SBort gebunben. hiermit mirb ber ©ebanfe beö ®in= 
gangä aufgenommen unb erläutert: ,,im SBott mar Seben." S)aö 
SScrl^ältniö ber Sänger jum äöorte entfpri(^t beömegen genau 
il^rcm Sßerl^ältnid ju 3efuö unb mirb in benfelben SBenbungcn 
befd^rieben: aufnel^men 12, 48. 2)em bleiben in Qefuö tritt baö 
©leiben feineö 3Borteö in ben Süngern an bie ©eite, 15, 1. 
3lu^ bie gorberung in feinem äBorte ju „bleiben" finbet ^ä^. 
2)em 2lufnel^men beö 2BorteS entfprid^t ba§ ©ernähren beöfelben 
— TfjQstv 8, 51. 52; 14, 23. 24; 15, 20; 17, 6 — momit 
meber nur an ein 3lufl&eben in ©emufetfcin unb ©rinnerung, noc^ 
nur an eine (Erfüllung feiner gotberung gebadet ift. SBielmel^r 
crflärt fid^ ber 2luäbrucf barauö, bafe baö 2Bort 3efu ate objef:= 
tioe SKad^t, als reeller ©eftfc gebadet ifi, ber im SBoflen unb 33c- 
gel^ren beö 3Renfd&en feftgel^alten werben mill, fo bafe er im 
aJlenf^en „bleibt". aSom ^örcn beä SBorteö fann beämegen ber 
©efl^ bes bebend abhängig gemad^t merben, 5, 24, ba bad 
^ören afe receptioer 3lft gebadet ift. 

2)a an baä SBort 3efu bqö emige Beben gebunben ifi, fo 
mirb aud^ bie S^otenermedEung auöbrüdlid^ an baö „^ören feiner 
Stimme" gebunben. Sluö bemfelbcn ©runbe faßt ber Sebenöbcflfe 
in baö irbifd^e Seben ber 3ö"g^^^ ebenfo mie bas ©erid^t 12, 48. 
2)ie Begabung mit Seben mirb im 5. wie im 6. Äapitel afä 
örmedEung auö bem S^obe befd^rieben. Sie ift baö pd^fte SBerf 
3efu, baä il)m mie ©Ott eigentümlid^ ift: er mad^t lebenbig, 
meldte er roill, 5, 21. 2)er SebenSbefife l^ängt allein oom aOBitten 
3iefu ab, entfpringt in feiner SBeife im SBillcn beö 3Jlenfd&en.^) 

§arnac!, a. a. D. 6. Iö5, 5(nm. 1 beäei^uet „ba§ betonte ot\ »Uh 
als bunfcl, aber auij^ niij^t au§ ber SogoSlel^re ju crtl&ren. @§ giebt l^ier 



— 111 — 

3n ben SGBortcn über bie S^otcncTOeduna im 5. Äapitcl l^at 

cd bcfanntUd^ ©d^iDicxigfcitcn gcmad^t, bafe bic S^otenettocdEung 

balb als QZimxüixxÜQe^, halb als eöd^atologifd^eS SEßcrf ^^f^ ^^' 

fd&cint; wie bct Ungläubige fc^on gerid^tet ift, fo ift bet @lau= 

benbe bereitö auö bem S^obe in baö Seben übergegangen. 3)ie 

©tunbe, in bct bie ^oten ble Stimme beö (So^ne§ ®otteö pren, 

fommt unb ift bod^ aud^ fd&on jefet. 2)iefelbc gormel, bie bie 

aSirfung 3cfu einerfeitö alö gegenwärtig, anbrerfeitö aU sufünftig 

bejeid&net, ftnbct fid& 4, 23. ^n ber 3tebe übet bie SCotenerroedung 

finb SB. 28. 29 ol^ne S^^^if^l eäd^atologifd^ ju beuten. 2)ie 58or= 

auöfefeung, bafe 3fol^anneö bie iötaelitifd^e Sluferfte^ungöl^offnung 

,,petgeiftige", l|at SBenbt auf ben ©cbanfen gebrad^t, bie ©teile 

als ©loffc }u ftreid^en. 2)as Reifet auf baö SBcrftänbniö ber 

©teile oerjid^ten. ©o wenig bie ©egenwart be§ ewigen &ebtm 

unb bes (Serid&teö für 3<>^önneß bie ©twattung beö Offenbar- 

roerbens biefer ©rgebniffe beö SBirfend 3^fu mit feiner 5ßarufle 

auSfd^Uefeen, fo wenig x)erjid&tet er auf bie äuferftc^ungS^offnung, 

benn aud^ fein ©oangelium fd^tiejjt mit ber ©rjäl^lung t)om Sluf- 

exftanbenen. fjreilid^ trifft man ben ©cbanfen beö ©oangeliften 

ou^ nid^t, wenn man „x)on einem einjigen jufammenl^ängenben 

Sßetlauf ber ^(oonoltjoig rebet, weld^er ben SKenfd^en nad^ feinem 

5Perjon= unb feinem SRaturleben umfaßt, fid^ aber nur aömä^lid^ 

nad^ beibcn ©eiten ooUjicI^t." ^) SBon einem ,,allmäl^lid^en Über- 

d(inß einer fittli^en ®rwecfung in eine pl^pfifd&e" fann fd^on 

wegen ber völligen Unflarl^eit biefer ©rflärung nid^t bie SRebe 

fein. 2)ie Siebe bleibt unoerftanben, folangc man pcrfennt, bafe 

bie burd^s ganje 3leue ^eftament l^inburd&ge^enbe Slnfd&auung loor- 

liegt, nad) ber baö ^immelrei^ mit allem, waö e§ in fic^ fd^liefet, 

Bercitö gegenwärtig ift. 2)aö SBort, bafe bie Soten bereits jefet 

crmedt finb, ift nid^t parabofcr, als bas anbere, bafe bas ^immel- 

in bcm ebangelium leine beutli^e ^arattcle." 2)ic greil^cit be§ SSittenS 
Sefu ift aber ni(3^t QJott gegenüber betont, bann wäre ha§ 2Sort nid^t nur 
einzigartig, fonbern e§ ftdnbe in bire!tem (^Jegenfa^ ju aUent, wa§ baS 
eöangeUum fonft über Seju m^dngigleit bon ÖJott fagt. 5lber aUerbingg 
Wirb bie Unab^dngigteit beg SSerfeS 3efu bom SSiUen be§ 9Kenf(^en auS^» 
gefprod^en. STrägt e§ in biefer S3e§ie]^ung ein (SJel^eimniS in fid^, fo fielet e§ 
bod§ ni(j^t, wie §arnad meint, ol^ne 58eifpiet ba, fonbern l^at fogar bei ben 
@t}nopri]fem eine (el^rreid^e ^arallete. 9Katt^. 11, 27. ^ud^ ^ier wirb ber 
SSiUe gefu al§ ber le^tc ©runb feiner X^at bejeid^net. 
^Ö^t- ^ol^mann j. b. @t. 



— 112 — 

tcic^ öefommen unb baö ßcben etfd&icncn ifi. 3)ie Xotcuenoedung 
fommt in öettad^t als SBcrlci^ung beö ßcbenö. 2)ie gegcnmärtige 
©rtüedunö, bic fid^ butd^ baö SOBort 3cfu oottjicl^t, befielt mä^ 
bcm B^föttimcn^auö bcr SRebc batin, bafe bic ©taubenbcn bur<| 
baö SBott 3efu bem ©erid&t bereits entnommen fxnb, bafe il^nen 
il^r Slnteil am ^immelteid^, an bet Slufcrftel^unö burd^ baö SBort 
3efu bereits jugefprod^en ifi. Sie finb aus bem 2^obe ins Seben 
^inübergeaanöen, fie finb bereits auferfianben — biefes SBort 
fd&liefet ben ©laubensaft in fid^. 3)ie 2luferftel^ung ifi für fie ber 
jroifd^en gurd^t unb Hoffnung fd^roanfenben ©rmartung entnommen, 
fie ö^^ört i^nen bereits, tiefer ©laube ifi d^rifiologifd^ motioiert 
unb beruht auf ber reellen Sebeutung beS SBorteS 3efu, tocK^cS 
bireft ins 2d)zn ruft, ermedEt. 9Kan trifft alfo ben ©ebonfm 
beS ©oangelifteu aud& nid^t, wenn man bie ins geöenroartifle 
Seben fallenbe (grmedEung im Unterfd^iebe t)on ber pl^pjtfd^en 3luf= 
erfiet)unö eine ,,fittUd^e" (grmedEung nennt, als menn eS fic^ ^let 
nur um einen 3Ser0lei(i l^anbelte. 3)er ©ebanfe l^at feine ^ax-- 
adele am paulinifi^en ®lauben> bafe bie (Semeinbe mit ©J^rifluä 
ermedt ifi, nämlid^ für bas Urteil OotteS, meld^cs fie im ©laubcn 
als gemife unb reell, als SBir!lid^!eit anfielet. 

S)er aSerjid^t auf bas (Serid^t, ber im ©oanßelium als S"' 
l^alt ber ©nabe ©^rifti bejeid^net ift, ifi l^iemad^ nid^t ettoaö 
SbeelleS, ober nur ^RegatioeS. ß^riftus mirb ftets als l^anbelitb 
gebälgt. SBie fein SRid^ten nid^t nur ein Urteilen ift, ober ein 
paffioes 33etrad^ten einer ,,immanenten" ©ntmidElung beS 3Renfd^cn, 
fo ift ber SSerjid^ auf baS ©eric^t, bas ©rretten eine pofitioc 
fd^öpferifd^e Begabung mit Seben. 

2)ie @abe 3efu an bie SBelt mirb nii^t nur 2zbm genannt, 
fonbern aud^ ®eift. 33eibe begriffe finb fpnon^m. 3Sgl. 6, 63. 
3)en ©eift nennt SefuS als feine ®abe nid^t nur in ben SJlbfd&iebö- 
reben, fonbern aud^ im ©efpräd^ mit $RifobemuS, im ©efpräd^ 
mit ber Samariterin, in bem SBorte 6, 63; 7, 37. 2Bie feine 
aJla(fet barauf berul)t, bafe er ber S^räger beS ©eifieS ift, fo be- 
fte^t fein SBerf barin, bafe er ber ©eber beS ©eifteS ift. ©eift 
ift nidE)t etma eine feiner ©aben, fonbern in i^m fajst fid^ atteS 
jufammen, maS SefuS ju geben l^at. 2)ur(ft i|)n mirft er bie 
^inbfd^aft, ^av- 3, unb bas wahrhaftige ©ebet, ^av. 4. Snbetn 
er ©eift giebt, mad^t er ben 5IJienfd^en nid^t nur jum paffioen 
©mpfänger, fonbern jum 2^^äter: er ftittt ni^t nur ben Surft 



- 113 — 

bcö 3Rcnf(^cn, fonbetn ma^t ii)n fclbft jum Quctt, 7, 37 f. 3)iefc 
Segrünbung ciöencr 2lftioität unb ^tobultbität mad^t bie aSott= 
fommcnl^eit bcr @abc 3cfu auö unb jciQt bie aSoDfommcnl^eit 
feiner Siebe: Sefuö begrabiett bie ©einiöcn nid&t ju blofeen ©m- 
pfäugern, fonbetn er l^ebt fie empor auf bie ©tufe oon X\)ätem, 
beren 3)ienfi er [x^ ßcfallen läfet. @r oermaö nid^t nur ju geben, 
fonbetn aud^ ju nel^men, ja er überlädt ben Seiniflen bie 
„ßtöfectcn SBBetfe" unb fteut ftd^, bafe fie etnten, was et gefäet 
f)at, 4, 3. 11. 

ajie ©tettung, bie 34«^ ^^^ Oebet feinen 3tingetn gegenübet 

etl^ält, n)itb in bem 33ilbe t)om SOBeinftodE Äapitel 15 befd^tieben. 

2)utd& baö 33ilb roitb etläutett, bafe baä oon @ott bet 2Belt ge= 

gebene &Azn in feinem ©ot)ne ift. ®a ^^fwö bet einjige Dtt 

unb Dxtell beä Seben« ift, fo ift eä ol^ne i^n nid^t ju geroinnen 

unb jroat giebt et eä nid^t an ben Sänget ab, fonbetn bel^ätt es 

in bet aSeife als feinen eigenen 33efife, bafe baö 2zbzn oon bet 

®emeinfd&aft mit il^m abl^ängig ifi, n)ie bie gtud&tbatfeit bet SRebe 

Don i^rem 3^f^wi^^J^^öng mit bem SGBeinftod abl^ängt. 3n biefem 

%Tmtniö regiert eine objeftioe SRegel, bie bem Jlaturgefeft oer* 

ftlci^bar ift: foroenig bie vom SBBeinftodE getrennte $Rebe g^^ud^t 

bxittöen fann, fo wenig ber oon gefus gefd^iebenc jünger: o^ne 

Scjuö !ann er fo roenig etmaö tl^un, wie ^efuö ol;ne (Sott, ©ad 

Siel bet eJemeinfd^aft mit Sefuö ift bie grud^t. SDer auSbrud 

bejetd^net fo roenig wie ber SluöbrudE „3Berf" ba§, roaö ber jünger 

au§ ftd^ felbft mad^t, fonbern ba§ bleibenbe ®rgebnid feiner Siebeö- 

Übung an ben aWenfd^en. ^olfemann bemerft ju 15, 16: „(pdguv 

mQnitv erinnert jroar an 58. 2. 4. 5. 8, ift aber bod^ etroaä anbetö 

gemeint." ®t bejiel^t es mic SBeife' u. a. auf bie aWifflondt^ätigfeit 

ber Slpoftel unb unterfd&eibet eö oon ber allen SReufd^en gebotenen 

Siebeöübung. 3)a8 ift angefid^tö beö ganj gleid^en SluöbrudEs unb 

öngefid^tö ber SBieberl^olung be§ SiebeögeboteS SB. 17 ganj um 

begrttnbet. 2)ie ben Jüngern gebotene Siebesübung wirb ganj 

analog ber Siebesübung 3efu gebadet: am ^anbeln 3efu wirb 

erfannt, was Siebe ift. 2)ie Segrünbung bes ©laubens iji bie 

oon ben Sö^Ö^tn erwartete ^rud^t, bie il^nen gebotene SiebeS= 

Übung, ©efliffentlid^ mirb niefit jroifd^en einer nur ben Slpofteln 

geftcdEten unb einer aßen ©liebem ber ©emeinbe gegebenen Sluf? 

gäbe gefd&ieben. 

3)a bie grud^tbarfeit bur($ bie ©emeinfd^aft mit ^efus be- 



— 114 — 

bingt iji, fo lautet bet Smpcratio: bleibet in mir. änbrerfeiti^ 
ifi eine SSerbinbung mit 3efuß möglid^, o^ne ba§ grudbt entfielt, 
wie ed frud^tlofe Sieben giebt. 3n biefem gatte wirb bie ®e^ 
meinf^aft mit 3efud gelöfi. 3)ie Sdfung bicfer SBerbinbung fann 
aber nid&t nur ©träfe, fonbem aud^ eigene 2:^at be§ Süngcrd 
fein. Slud^ für jte ifl Döttige unb befinitiDe S^eibung Don 3efud 
bie ©träfe. 3)a3 33ilb jeigt, ba^ bie Sebenbigfeit bes ^üngetd 
feine 3BirIfamfeit in ^6) fd^liefet, mie bie lebenbige Siebe grud&t 
bringt. 3efuö l^at in bem einjelnen, bcr an i^n gläubig ge^ 
roorben i% nod^ nid^t fein lefeteö giel eneid^t, fonbem fein 3iel 
gel^t über bcn ©injelnen ^inauö auf eine ©emeinfd^aft, barum 
ge^t fein 2Birfen burd^ ben ©injelnen ^inburd^, eö fd^liefet fi^ 
ni(^t in bcr ©rjeugung beö ©laubend ob, fonbem gel^t in ber SSe^ 
grünbung ber Siebe weiter burd^ ben ©laubigen ^inburd^ auf onbere. 
SBie 3efud im @oangelium nid^t nur afö baö 3^^^ ^^ 
©laubenö, fonbem au^ afe baö 3^^^ ^^^ Siebe befd^rieben ToiÄ, 
fo ifi er nid^t nur ber Segrünber beö ©laubenö, fonbem au^ 
bcr ermcdEcr ber Siebe, 13, 34 f.; 15, 12. 17. @o fel^ 
bcr ©oangcUfi bie frud^tbringenbc SBirffamfeit S^fw im &^ 
fpräd^ mit cinjclnen fielet, möl^renb feine SReben jum Solf 
©treitreben finb,^) fo ift gleid^mo^l fein S^tl nid^t in ben @in= 
jelncn in i^rer Sfolicrtl^cit erreid^t, fonbem ebeit roeil fein SBiUe 
in bcn ©injelncn bie ©rmedfung bcr Siebe ift, fo ifl fein 3^^^ 
eine ©emeinfd^aft. 3)icö liegt fd&on im ©^riftuönamcn : er fommt 
als ber Äönig, bcr baö aSolf fammelt. 3)cr Oebanfe tritt im 
Silbe x)om ^irtcn unb ber iperbe mieber: bem einen Wirten 
cntfprid&t bie eine $crbc, 10, 16. S)ic ©rböl^ung 3cfu l^at bad 
3icl, atte ju il^m ju jic^cn, 12) 32. 3)urd^ feinen ^ob fül^rt er 
bie jerftrcuten ^inber ©ottcö }u einer ®inl^eit jufammcn, 11, 52. 
S)ic Sitte für bie ©einen lautet, „bafe fic eins feien, fo mie 
wir." 2)cm cntfprid^t baö ^kl, mcld^cö Sol^anncä feiner eigenen 
5ßrebigt ftcdEt: bamit aud^ il^r ©cmcinfd^aft l^abt mit un§. 2)iefe 
aber fommt juftanbe burd& bie ©emeinfd^aft mit bem SBatcr unb 
mit feinem ©ol^nc Scfuö ©^riftuö. 2lud^ bas 33ilb oom aBcim 
ftod ftcllt alö 3efu 3tel bie ©inigung bcr 3)lenfd^en ju einem 
gcgliebertcn Drganiömuö bar. 

1) ^Ql Sc^ratter, ^er S3ru(^ Sefu mit ber gubenfd^aft ©. 7, in bcr 
Dreöi gewibtneten (Sammlung: 3lu§ ©d^rift unb GJcfc^ic^te. 



6. KapifeL 

SBcnn ^ol^anncö an bic ©pifee beö ©öanöcliumö eine aRc- 

bitatton über baö ,,2Bott" ftettt, fo entfptid^t baö ber fd^on 

(J^atafterifierten 3ltt feiner ©ebanfenbilbung, bie fid^ ni(ä^t nur an 

ben einjelnen 3teben, fonbern aud^ im ^anitn beobai^ten läfet. 

©ine ©inleitung ift ber Slnfang be§ ©oangeliumö ni^t. 3Sielmel^r 

wirb aud^ für baö ganje (goangcUum bie umfaffenbe, l^öd^fte, 

ticfftc aiußfaße, beren 3lu§füt)rung baö ©oangclium bringt, an 

bie ©pifee gefiettt. 3)aö ©loangelium entfaltet bann, roaö bie 

6ingang§tt)orte enthalten, im einjelnen. 2lber aud^ ber ©ingang 

bes ©tjangeliumö felbft ift wieber nad^ berfelben SRegel gebilbet. 

6r bilbet nii^t einen ftetig voxmxt^ fd^reitenben ©ebanfengang, 

fonbern mel^rere Äreife. ®ie vom ©anjen jum ©injelnen aU 

fteigenbe (Sebanfenbctuegung roieber^olt fid& me^rfad^ in parallelen 

©tüdfen, bie fortfc&reitenb benfelben ©ebanfen immer fonf reter 

auöfül^ren. — 

SDie SBejeid^nung 3efu al§ bes ^^SBorteä" fielet formett nid^t 
oereinjelt im ©oangelium ba. Sie x)ergleid^t fid^ oielmel^r ber 
butd^gel^enben 3i>cntiflfation ^efu mit feinen ©aben, bie für baö 
©t)angelium d^arafteriftifd^ ift. Sefuö ift ba§ SGBort, wie er baö 
2iä)t, ba§ Seben, bie 2Ba^rt)eit, ber SEBeg, bie 3Serfö|)nung ift. 
S)ie %xaQt ift mir bie, roarum baö 3Bort ate ber umfaffenbfie 
Segriff an bie ©pifee beö ©oangeliumö gefteöt mirb. 3Jun jeigt 
fd^on bie ©infü^rung beö 3luäbrudö alö eineö befannten unb 
Dcrfiänblid^en, ba^ er bem ©oangeliften gegeben war. 2)ie 2ln= 
fnüpfnng an eine f(^on t)orl)anbene Sogo§Ie()re fann afö erwiefen 
angefetien werben.^) ©ine Sogoäfel)re aber gab eö nidit nur im 
3lleEanbrini§muö, fonbern au(^ in ber paläftinenfifd^en ©pnagoge. 

1) 2)ie Seugnung einer jol^anneifd^en SogoSlel^re bei Qal^n, Einleitung II, 
536 tt)äre nur bann aufregt ju erl^alten, wenn fonft feine SogoStel^re nad^* 

8* 



— 116 — 

SBatum nun bcm ©oangelificn biefe Sel^rc^) itäQmt etfd&icn, 
bem aSetfiänbniö 3cfu ju bicncn, baö läßt fi(^ nur aus feiner 
eigenen Sluöfü^rung entnehmen. 3Jlan gerät fonft in ©cfal^r, 
Sntereifen, bie il^m fern liegen, in bie Sogoäle^re ^ineinjutragen. 
3Kan fann na(§ ber 3)ar|iellung ber jo^anneifd^en Sogoölei^re 
rüdroärtö f(J^Iiefeenb biejenigen ©ebanfen feftfietten, roeld^e feiner 
Sogo§le|)re mit ber x)oraufge^enben iäbif(i§en gemeinfam flnb. 

SBenn man bie jo^anneifd^e Sogoölel^re aus ber 3lnfnüpfung 
an alejanbrinifd^e ^l^ilofopl)ie erHärt, fo pflegt man il^r SKotit) 
fo ju beftimmen, wie es gegenwärtig SBeijfäder^) formuliert: 
,,^iefer neuen, ber iol)anneif(^en Seigre (bient) ber ßogosbegriff 
beö atejanbrinifi^en ^Jubentumö, burd^ roeldöen biefeß ben alten 
©ottesglauben ju einer ißl^ilofopl^ie* umgefialtet, bie alle SBeft- 
rätfei löfen unb biefen ©lauben aud^ bem tieibnifc^en 3)enfen 
genel^m matten follte." SBenn aber bie jotianneifd^e Sogoöle^te 
i^re bireften 2lnfnüpfimgspunfte in ber paläftinenfifc^en ©^nagoge 
f)ixt, fo ifi es aud^ roa^rfd^cinlid^, bafe il^re 3lufna^me anbere 
9J?otiDe \)at 3Han wirb fid^ beSroegen nad& ben im @oangelium 
felbft erfennbaren 5IJiotioen umfel)en muffen. 

©d^on aSBeijf ädEer ^) Iiat barauf aufmerffam gemad&t, ba§ bie 
Übertragung ber Sogoslel^re auf 3efuS ein 3Kittelglieb im d^rifi^ 
liefen ©emeinbeglauben x)orauSfefee. 2)iefeS aJlittelglieb jroifd&en 
ber paläftinenfifd^en unb ber jol^anneifd&en SogoSlel^re l&at aber 



wei^bar roäre. 2)a e§ aber eine fold^e gab, fo ift eine ^ntnitpfung an bie* 
felbc ni(j^t ju beftreiten. S^^n meint, man !önne öon einer SogoSlcl^rc fo 
wenig wie öon einer Sid^tlcl^re fpre(3^en. %hex im 1. unb im 14. ^erfe 
ptte Sol^annejJ nid^t ßid^t ober ßcben ober eine anbere ber „formal öcr»» 
gteid^baren ^Benennungen ß^l^rifti" gebraud^en lönnen. 

^) ^li^t bie ^jl^itonif^e ober :paläftinenfifd^e, fonbern bie jol^anneif^e 
Sogoölel^re allein foU bargefteßt werben. 3n il^rem ^rif^ait liegt ber ^c* 
weis bafür, wo il^r 5ln!nü^fung§:pun!t ju fu^en ift. 

2) ^oftoUf^eg Seitolter. 2. 5luft. ©. 531. 

8) „SSenn man nun bcnnod^ glaubte, unter biefem Sogo§, ber anf&ngli^ 
bei OJott ift, ba§ SSort be§ ©bangcliumS öerftel^cn ju bürfen, fo ift ba§ 
wol^l al§ ©rllärung be§ S3egrip ni^t ri^tig, unb bod^ ift bie gäl^rte nid^t 
ganj eine falfd^e. ^a§ rid^tige baran ift, ba^ e§ fic§ um ein SWittelglicb 
bei ber Übertragung jeneS ^Begriffs l^anbelt. Sdngft ift für bie Seigre be§ 
^öangeliumö bie Söejeid^nung SSort ÖJotteÖ köyog rou (^soC gelaufig ge* 
worben, unb e§ finb namentlid^ fpatere ©d^riften, wie bie £ula§fd§riften, 
weld^c biefelbe mit Ißorliebe gebraud^en " ^. a. D. ©. 532. 



— 117 — 

eine t)iel ßxöfeete Sebeutung/) eine öebeutung, bie [x^ auä) butd^ 

eine ©tatifii! beö ©ebraud^ö ni(i§t ganj batfiellen läfet. 3Ran l^at 

^äufi0 batauf oufmetff am ßemad^t, bafe $ebr. 4, 12 in ber 

tealifiifd^en Slrt vom SOBorte ofe einet wirffamen 3Jla6)t ju tcben, 

bem jol^anneifc^en ©ebtaud^e beö SBorteö nal^e fiel^e. 6ä l^anbelt 

fid^ aber nic^t bloß um biefe einjelne ©teile, fonbetn um bie 

SBebeutunß, bie bem SBorte ©otteö in bet apojiolifd&en ©emeinbe 

butd&gel^enb beigeleßt ift. 2lu^ bie ßlitifioloßie beö ^ebräetbriefed 

iji üom ,,2Botte" auö gebilbet. ^efus ift für ben ^ebräerbrief 

^propl^et, b. 1^. ber SSejxfeer unb öringer beö 2Borte§ ©otteä: 

butd& i^n ,,rebete" ©Ott. 3)er 2lnfto6, ben ber ^ebräerbricf be- 

feitigcn fott, befielet barin, bafe ben Sefern ber Sefifc ber neu^ 

tejiamentlic|en ©emeinbe ju gerinöfügiß erfd^eint: 3efu§ rebete, 

TOäl^rcnb bie ©emeinbe einen l^anbelnben, fd&affenben, bie 2BeIt 

üetflärenben (Sl^riftuä ermartete. 2)em geßenüber leitet ber Srief 

bie ßefer an, 3efu SBort als bie umfaffenbe ©abe ©ottes ju 

^^äftcn. ®iefe aRad^t ^at eö, weil eö afe 3efu SBort ©otteö 

5Bort ifi. 3)ie umfaffenbe Sebeutung beö SBorteö 3efu unb ba- 

mit ber apoftolifd&en ^rebigt ju begrünben, baju bient ber gange 

cxfte S^eil ber ßl^rifiologie beö Sriefeö. 3QBät)renb ber 2lnfto§ ber 

©emeinbe barin befte^t, bafe am SBeltlauf burd^ ^efu Äommen 

ni(!^tö geänbert ift, ba§ beöwegen bie auf i\)n geftellte (grroartung 

cnttäuf^t unb ber 2lbfan gered^tfertigt ju fein fd^eint, jeigt ber 

Srief, bafe bie ©emeinbe mit 3efu SBort ©otteö ganje (äaU 

beult. 

©ine äl^nlid^e Seobad^tung lä^t Rd^ im erften ^etruöbriefe 
mad&en, 1, 24 ff. 3)ie SBiebergeburt jum ewigen Seben gefd^iel^t 
burd^ baö ewige SBort ©otteö, b. 1^. burd^ baö SBort ber eoan^ 
gelifd^en aSerfünbigung , roeld^eö an bie ©emeinbe gefommen ifi. 
3n berfelben SBeife wirb bie ©rjeugung ber ©emeinbe 3af. 1, 18 
auö bem aSBorte abgeleitet. 2)ie rettenbe SRad^t ift baö SBort. 
älud^ $auluö be^anbelt baö äBort ©otteö alö ©otteö äRadbt, bie 
bie ®rrettung fd^afft, SRöm. 1, 16; 1. Äor. 1, 18; 2, 4; 2. Äor. 
6, 7; 1. 5C^eff. 1, 5. 3lm eigentümlid&ften ift biefe 3lrt, x)om 
„aOBorte" ju fpred^en, befanntlid^ in ber 2lpoftelgefd^id^te auö= 
gebilbet. 

35iefer auf baö „SBort" gerid^tete ©laube ift l^iftorifd^ fe^t 



*) SJgt Bremer s. v. koyog. 



— 118 — 

TOO^I t)erftänbli($. ®r cntfianb birelt auö bct ©ituation bcr Sipofiel. 
3nbcm fic [xä) aU bic Sringcr beö ^immcltcid^ö , beö eroißcn 
Scbenö, bcr 58erföl^nunö, beö ©ctftcö anfallen, waren fie in i^rer 
in bie erfal^rbare aBirÄi(i^feit fallenben aBirffamfeit auf baö SBort 
befd^ränft. ^urd§ ben @($[u^ bes ©laubend n)irb nun aUed, wad 
ftd^ Don ißoffnuna an ben ßl^rifiuönamen anfnüpft, and SEBort 
gel^eftet. 3n berfelben SBeife einißte aber weiter rücfraärtö fd^on 
Sefuö felbft bas 33efenntniö ju feiner SKeffianität mit feiner auf 
baö aOBort eingefd^ränftcn aBirffamfeit. 3)ie eJ^age, in roeld^er 
SBeife fid^ baö 3Wad&tbeu)u^tfein 3efu mit ber beobachtbaren SBBirfc 
lid^feit »ertrug, wirb x)on allen ©loangelificn fo beantwortet, bafe 
er feinen SWad^tbefifc in feinem SBort ftd^ gegeben wußte. S)arum 
eint fid^ aud^ bei ben Spofteln in jwanglofcr unb gefd&id^tlidj 
oöllig oerftänblid^cr SBeife baä Sefenntniö jur SKeffianität 3efu 
mit ber ©rfa^rung ber oollen gefd^idbtUd^cn SBirf lid&f eit , in ble 
feine ©fifienj eingefd^loffen war. S^bem um beöwillen bie au^ 
i^n geftellte Hoffnung nid&t auf baä aWafe beö 6rfat)rbaren l^erab- 
finft, fonbern ftd^ in ber ^ö^e ber mefjtanifd^en i&offnung l^ölt, 
wirb atteä, was biefe Hoffnung umfafet, an fein SBort gefnüpft. 
Stuf biefe SBeife wirb bie a3ejal^ung ber SWeffianität 3efu jum 
(Stauben unb jwar jum ©lauben an fein SQBort. 2)aö SBort Ifi 
ber ,,©amc", bur^ ben er baö 3tcid& wirft, baö unfd&einbare 
©enffom unb ber ins SKe^I gelegte Sauerteig, ^eilid^ wäre 
biefe ©ad^Iage gefd^id^tlid^ gar nid^t benfbar, ol^ne fein bas SBBott 
bcgleitenbes SOBerf, wel(^eö eben bafür forgt, ba§ bie auf S^fwö 
geftellte Hoffnung nid&t auf baä SRafe ber empirifd^en SBirflid&feit 
I)erabftnft, b. l). ungläubig wirb. SlHein bie ©inigung beö Se- 
fenntniffeö jur aRad&t mit ber ©rfa^rung ber 3Wenfd^Ud&feit 3efu 
ooffjog fid^ bod^ baburd^, bafe man in feinem SBortc (Sotteö 3Wad6t 
erfannte. 

S)ieö gilt befonberö von ber Scbeutung, bie in ber Jol^an- 
neif(^en S)arftellung bem SBorte 3efu im 3Ser^ältniö ju feinem 
SBerfe beigelegt wirb. 

3efud giebt feinen SBerfen ein boppelteö SJer^ältniö ju feinen 
Borten: baö 2Berf fte^t \)'6\)tx afe baö SEBort, eö ift bad mäi^'^ 
tigere ©laubendmotio, weldfees feine SBirfung audb bann nod^ ju 
enei^en Dermag, wenn ba§ SBort oerfagt, 10, 38; 14, 11; 
15, 24. 9lls aRad^terweiö fte^t baö SSBerf, bie ftd^tbar nad^ außen 
tretenbe, 2;i^atbeftänbe fd^affenbe SBirfung über bem SBort. 3)enn 



~ 119 — 

im SBcrfe jcigt 3efuö feine ©inl^eit mit (Sott in unraibetfpred^Rd&et 
^eife. S)aö SBetf geiDinnt getabe beöl^alb ctpl^te S3ebeutunö, 
metl mit bem kommen beä ßl^rifiuö baö ißimmelteid^ nid^t offenbar 
mirb. SDaö SBetf jeigt, bafe eö 3efu« ni&t an bet beim ß^tifiuS 
crmarteten 'Sfla^t fe^lt. ®§ loergröfeert beöroegen bie ©(^ulb bed 
«oifcö, 15, 24. Sol^anneö berid^tet alfo baöfelbe Urteil 3efu, 
mie bie Spnoptifer: bie ©d^ulb ber galiläifd^en ©täbte wirb ba^ 
bur(äb grofe, ba§ fie 3efu SBunber fallen, 2lnöefi(ä^§ ber citierten 
Säotte ift es freili(ä& oöDig loerfel^lt, bem Sol^anneö ben mobemen 
IScbanfen unterjufd^ieben, bafe baö SBcrf nur alö erläutentbeö 
©ijmbDl einen 3Bert l^at, roäl^renb baö SBort bie ,,58er0eijiigun9" 
t)er X^at biete. ®in ßl^riftuö, für ben eö nur ein 3teben, unb 
nid^t ein ^anbeln, nur SBol^lmoEen unb nii^t SBol^ltl^at, nur 
ol^nmä(^tiöe ®üte göbe, ifi für ü^n nid^t möglid^. ©ntmeber wäre 
bie ®in^eit 3efu mit ®ott jerriffen, wenn gefuö nur an ©otteö 
^ort unb nid^t an feinem ^anbeln 2lnteil l^ätte, ober bie ©d^ranfe 
läge gar im ©otteSgebanfen felbft: ein fold^er ß^riftuö würbe 
«inen nur rebenben, nid^t aber l^anbelnben ®ott oorausfefeen. 35ie 
mad&t über bie Jlatur ift ein für ®ott unb alfo für ß^riftuä 
«benfo mefenttid^eö 3lttribut, wie bie 3Rad^ über ben ®eifi. 

Mein inbem Sefuö 4, 48; 20, 29 einen ©lauben tabelt, 
ber bem S^^eifelnben erft bur^ baö 3^i<ä^ß" abgenötigt toirb, 
fprid^t er inbireft baö Urteil auö, bafe fein SSort mel^r ift, alö 
fein SBerf. 3)enn jener 2^abel verlangt nid^t, bafe ber ©laube 
ftdp an bem (Geringeren genügen laffen müfete, fonbern bafe er 
ba^ SBort alö baö 2Sertt)ottere fd^äfeen müfete. SDie ©d&ranfe 
bicfeö ©laubenö liegt in hzm ifim ju®runbe liegenben 33egel^ren. 
®r »erlangt fad^lid^e ®aben anftatt beö aSorteö. 3)arum fteHt 
Sol^anneö biefen ©lauben in ©egenfafe ju bem ber Samariter, 
ber um feineö SBorteö mitten entfielet, 4, 41, unb feinen ®runb 
im ^ören l^at, SB. 42. 5Diefer ®laube äußert fic^ beöroegen aud§ 
nid^t in ber Sitte um naturl^afte SBirfungen, fonbern in bem auf 
feine ^erfon gerid&teten Segel^ren: fie baten i^n, bei il^nen ju 
bleiben. 

aSie S^fwö ben ®lauben um beö SBunberö mitten ivm 
©louben an fein SBort tierauf^ebt, fott bie ©rjöl^lung 4 , 46 ff. 
feigen, ^bem ber Äöniglid^e auf S^f^ SBort l^in glauben mufe, 
fott fein ®laube an ^efuö über bie ©d&öfcung feiner ^ülfe l^in^ 
ouögel^oben werben jur (Srfenntniö ber SBlad^t unb ^errlid^feit 



— 120 — 

feines SEBorted, alö beö größten Sefifecß 3cfu. 2)icfe ©d&äfeung 
beö SBotteö but(^}ie^t nun boö ß^nje ©loangelium. 3luf einen 
umfaffenben 3luäbrud ift fte in bem 33efenntniö flebrad^t, bafe 
3efu SBott bas emge Seben Dcxmittelt, 5, 24; 6, 63. 68; 8, 51, 
SDa Sefu SBort ju ben 30^8^^" ^föm, fo ftnb jxe rein, 15, 3. 
©roigeö Seben wirb niemals an S^fu 3Betf, fonbem nur an fein 
SGBort öefnüpft. 3)er Sebeutung, bie bem SBorte QZiebzn wirb, 
entfptid&t ber SBert, ber bet ©tfenntniö beigelegt ift unb bie 
©teDung; bie bie aSal^tl^eit etl^ält. 3Kan befiniert ben jol^an^ 
neifd&en ©ebanfen ni^t beutlid^ genug, wenn man von einem 
©rfennen, meld^ed auf „innerer ©emeinfiaft" rul^t, rebet, ober 
mie SBeife ju 17, 3 t)on einem „©id&oerfenfen in baö l^öc^ftc ®r- 
fenntniöobjeft", einem „geiftigen 2lnfd&auen". 2)ad ®igentümK(§e 
beö. ©ebanfenö liegt loielmel^r barin, ba^ für Soi^anneö beim 
SBcrftel^en, menn eö auf 5ßerfonen, jumal auf ©Ott gerid^tet \% 
feiner ber beteiligten paffio bleibt. SBie ber SBerftel^enbe ni^t 
paffit) einen ©inbrucf aufnimmt, fonbem mit feinem SBegel^ren in 
ben anbern einbringt, fo nimmt ber anbrc nid^t bie Stellung 
eines rul^enben Dbjeftes ein, fonbem er bleibt ^erfon. 2)as 
aSerftänbnis läfet fid^ nid§t erreid^en, menn er fid^ nid^t ju erfennen 
giebt. 3)abur(^ unterfd^eibet fid^ bie 5ßcrfon t)on ben fad^lid^en 
Dbjetten beS SBerftefienS. SDer ©rfennenbe unb ber ©rfannte finb 
beibe altix) unb beibc receptio. 3)aS oerftel^enbe (ginbringen beS 
einen ift nur möglid§ burd^ ein mitteilenbes ©id^öffnen bes anbem. 
SBerftänbniS ift ftets etmas ©egenfcitiges, fid^ SebingcnbeS. 

SBie SefuS bie ©einigen fennt, fo mirb er Don il)nen er^ 
fannt 10, 15 unb wie SefuS ben SBater fennt, fo fennt ber SBater 
il)n, 10, 15. SDem entfprid^t es, bafe bas JRefultat bes ©rfennenS, 
bie aOBal^rl^eit, als eine objjeftioe aJlad&t erfd&eint, bie nid&t unter- 
f)alb beS (grfennens fielet, als fein ^ßrobuft, fonbem oberf)alb bes^ 
felben, als bie baS ©rfenncn regicrenbe SKad^t. 

3)ie tiefere Sebeutung bes SEBorteS |)ängt bamit jufammen, 
bafe es allein oermag, ©rfenntnis ju geben. 3n biefer SBesiel^ung 
ift bas SBerf ftumm, ber SDeutung bebürftig, weS^ialb ben SBBerfen 
fiets beutenbe SReben folgen, bie il^nen il^re SBBirfung fidlem follen- 
3)as aOBort bagegen begrünbet besl^alb SBerftänbnis, weil burd& 
basfelbe ^t^m fid^ felbft öffnet, ©ein innerfies, perfönlid^es, gei- 
ftiges 2Befen oermag er nid&t im SBerf barjufteHen, fonbem nur 
nod^ ins SGBort ju faffen. ©ein lefetes ^kl ift, ©emeinfd^aft mit 



— 121 — 

ftd^ felbft in ftiften, ftd^ felbft ^u geben. Sid^ felbft aber fann 
er nm nod^ im SBotte geben, ©cift läfet ftd^ nur inö 2&ott 
faffen. 3)ieö wirb in bem Sffiotte 6, 63 außgcfprot^en. 2öte 
Won feftöeftettt ift, faßt biefer ©pru*, bafe 3efu gleifd^ beöl)alb 
Seben f(^afft, roeil but(^ baöfelbe ber ®eifi wirft, ^niüiefern 
bur(fi Scfuö ber ©eift toirft unb warum er eineö 3Jlenfd^en bebarf, 
um ju mirfen, beibeä erWärt ber ©d^Iujs be§ ©prud^eß: S)er 
©eift wirft burd^ 3efu gleifd^, infofern feine SBorte ©eift unb 
Seben finb; in feinem „%UxW ift ©eift, ba er in feinem SBort 
ift. Unb tim beöl^alb, weil ber ©eift beö SBorteö bebarf, um 
JU wirfen, bebarf er eines SKenfc^en.^) SBeil bieö bie öebeutung 
fcincö SBorteö ift, fo giebt 3of)anneö 3efu SBort als feine ©elbft^ 

mittcilunö.'O 3^f^^ ^^'^^^ ^^^ ft^ f^'tbft, ba er fidb felbft burdfes 

aBort mitteilen will. 2Bie allein baö aßort bie 5ßerfon ^efu in 

ftd^ JU f äffen loermaß/ f o loermag eö aud^ allein in baö perf ön^ 

lidöc ö^iftige innere beS 2Kenfd&en ju bringen. 2)ie natur^aften 

SBirfungen 3efu bleiben bem SJlenfd^en ttroa^ äufeerlii^eö. S)aS 

SBort fielet als ©ingriff in ba§ perfönlid^e geiftige SBefen beS 

3Jlenfd&en pl^er als baö SBerf, ba biefes nur ein geftaltenber 

eingriff in bie 5Ratur ift. 2lllein von S^fw SBort gilt, bafe es 

(Seift unb Seben ift. ®S ifi bie Sebeutung ber ©d&lufeworte bes 

12. Kapitels, bas ©ewid^t bes SBorteS 3efu Jöeroorjulieben : 

von ber ©tellung ju feinem SBorte l^ängt bas aSert)ältniS ju il^m 

felbft unb bamit bas SBerl^ältniS jU ©Ott unb bas befinitioe 

©efd^idE bes aWenf^en ab. ©ein SBort ift bie ri(^tenbe 5IJiad^t 

unb jwar in einem fold^en Umfange, bafe SefuS fagen fann: 

nid^t id^ rid^te, fonbern mein SBort. 

3n basfelbe SBerpltniS wie ju fidö felbft, ftettt 3efuS bie 
jünger ju ©Ott. 3nbem fie wie von il^m, fo aud& t)on ©Ott 
ni(^t fad^lid^e natur^afte ©aben, fonbern i^ri felbft, ©emeinfd^aft 
mit il^m, aSerftänbniS ©otteS erwarten follen, f)abzn fie ©ottes 



*) S'iebenbci bemer!t crgiebt ji(j§ l^ictauö, wie öcrfel^rt eS ift, bie S^l^efe, 
ha^ ber ®eift bur(3^§ SSort wirlt, in QJegenja^ ju ber anbern ju fteHen, 
*ba6 er burij^ SRctifd^cn, burd^ ^erfonen wirft. Söeil er bur^ ^erfonen 
wirft, f4) wirft er burd^S SSort unb untgefel^rt. 

*) 9(Rögnd^erweife l^at aud^ ba§ biel umftrittene SSort 8, 25 biefen Sinn: 
^ic 5lntwort auf bie grage: wer er fei, lautet: öon öornl^erein (ober: ganj 
unb gar) waS id^ aud^ rebe ju eud^. Seine $erfon liegt in feinem SSorte, 
fein SBort ift er felbft. ^gl. Sutl^arbt unb Sd^latter g. b. @t. 



— 122 — 

aBort als feine innetlid^fie unb tieffie Oobe, in ber ftc il^n felbfl 
l^aben, ju fd^öfeen. 2)arum ^ebt Sol^anned an ber ©teile, in ber 
et jufammenfaffenb S^f« Sebeutung audfprid^t, l^etoor, ba^ et 
ben x)etbotöenen ®ott butd^ö SBott bem ©tfennen bet SRenfd^en 
nal^e bxa^tt, 1, 18 ixstvog igiyy^aaTo. ^nhtm 3efuö afe 
äuöleßet bejeid^net witb, foH auöflebrüdt werben, ba^ et bnrd&Ä 
2Bort ©Ott erfennbar ma^te, bafe er aber baö 2Bort nid^t pro- 
buciert, fonbern bafe es ein il^m gegebeneö ifi. 2)a Sefuö eben 
inbem er burd^ö SBort wirft, mit feinem eiflenen SBefen ©otted 
innerfieö petfönlid&eö SBefen öffnet, fo ift bad „SBort" ber treffenbjie 
Sluöbrud für baö SSer^dltniö 3efu ju ®ott. älö bie Offenbarung 
bed geiftartiflen , perfönlid^en ©otteö ifi Sefuö bad perfönlid^e 
SBort. 

35ie Sebeutung, roeld^e bie Slnlnüpfung ber ©l^riftologie an 
bie Sogoälel^re l^at, wirb Har, rotnn man auf baö aSerl^ältniö bet 
jol^anneifd^en ß^rifiologic ju ber Stuftbilbung berfelben in ben 
übrigen neuteftamentlid&en ©d^riften ad^tet. aBeijfädEer*) bemerlt 
über baö 58er^ältniö ber paulinifd^en jur jo^anneifd^en ei^tifto^ 
logie: „®ie ßel)re von bem göttlid&en Sogoö afe bem gottwefen^ 
gleid^en unb einzigen ©ol^ne ©otteö, weld^e baö ©üangelium an 
bie Spifee fiellt, ift bod^ ztvoai ganj anbres afe bie paulinifd&e 
Seigre von bem ©ol^ne ©otteö afe l^immlifd^em ©eiftroefen, ber 
gleifd^ angenommen l^at. 3)er ©ol^n ©otteä im ©inne bed ^au^ 
lud ifi nid^tö anbreö afe ber t)on ®ott t)oraud bereitete SKeffta« 
unb ©rlöfet; unb wie er fid& benfelben beult, bad ifi ganj von 
biefer feiner 93efiimmung abl^ängig, unb fü^rt beöl^alb weber jur 
wefentUdben ©ottl^eit, nod& ju ber fodmifd^en Sebeutung, wcld^e 
il^m baö oiertc (goangeliitm beilegt." 

5Dafe fid^ ^Paulus ßl^riftum afe 3Wenfd^en präejiflierenb ge^ 
bad^t l^abc, wie SBeijf ädtcr ^) mit anbern annimmt, beruht auf 
einem aWifeoerftänbnis von 1. Äor. 15, 47.*) SSielmel^r l^aben 
gerabe bie weitefigel^enben Sefenntniffe beö ^Prologs, bie bie fau^ 



*) S)ic ?lu§fül^tung jcigt, baft §arna(f nid^t im 9led§tc ift mit bet Sc* 
mertung, bag „in bem bicrtcn ©öangclium leine SJcrbinbungSlinie gebogen 
fei jwif^en bem iperfönlid^en Sogo« unb bem ßogo« al« (äJnabenbotf^aft 
OJotteS." 

«) ©. 530. 
») ©. 120 f. 

<) SSgr. eJreifj^warbcr ©tubien, @. 209 f. 



— 123 — 

t 

fale unb ftnalc ©teDung 3efu jur SBctt auöfprcd^en, il^rc unjroci^ 

bctitißcn ^parallelen bei 5ßaulu§ unb im ^cbtäerbrief. SDiefer 

^l^atfad^e ßeßenübet ifi eß loöDifl unbegtünbet, biefe SuSfagen 

bireft ober inbiteft fo ju betianbeln, als wären jie auö ber Sogoon 

lel^re entftanben. 35er Unterfd^ieb ber jol^anneifd^en ß^rifiologie 

t)on ber paulinif(i§en unb überhaupt t)on ber gemeind^rifiliiä^en 

befielet barin, bafe biefe mit bem Seßriff beö ©eiftes gebilbet ift. 

2Bir Iiaben jroei ^rifioloflifd^e ©ebanfenrei^en im 5Reucn 2^efta= 

ment, bie pneumatif(i§e unb bie Soaoöd&riftoloßie. 3)aö SBer^ält? 

nid 3>efu JU ©Ott unb feine barin begrünbete Stellung jur SBelt 

erflärt man fid^ baö eine 3Jlal burdö ben SKittelbegriff beö ©eifieS, 

baö anbre 9WaI bur(^ ben beö SBorteö. 3^^^ Sogoäiä&riftologie 

gel^ört in geroiffem ©inne aud^ ber ^ebräerbrief. SBenn man 

nun nad^ ben 5IRotipen ber Sufnal^me einer £ogoöIe|re fragt, fo 

i|i baö ^Problem genauer bal^in ju formulieren: aud roeld^em 

©runbe mirb bad SBer^ältniö 3efu ju ©Ott fiatt burd^ ben Se= 

griff bcö ©eifteö burd^ ben beö SBorteö befiimmt? SBerbrängt 

Töirb ber ©eiftgebanfe nid^t. 2lud6 für ^ol^anneö ift S^f^ö i>cr 

aus bem ©eifte gebome ©ol^n ©otteö, ber 2:räger beö ©eifieö 

©otteö. 2)ie pneumatifcöe ©l^riftologie fott alfo burd^ bie Sogoö- 

^riftologie nid§t foioo^l erfefet alö erläutert loerben-O 3Ba§ für 

einen ©runb fann biefe ©eftaltung' ber ©l^riftologie ^aben? 6ö 

leud^tet ein, bafe man, roenn bie ^rage fo liegt, oon einer 3iüc!= 

ftdjt auf bie „©ebilbeten" ni($t mel^r reben barf. 

35ie aSertung beö SBorteö in feinem aSerl^ältniö jum SBerr 
im Sol^anneöeoangelium fül^rt auf eine anbre ©pur, bie fid^ aud^ 
fonfi im bleuen 2^eftament oerfolgen läfet. 2)ad SBort wirb, mie 
fid^ gezeigt l^at, aU Eingriff in baö perfönlid^e, geiftige Seben 
bem aCBerf alä SBirfung auf bie SRatur übergeorbnet. SBort unb 
SBerf aber werben beibe x)om ©eifte abgeleitet. 9lun ift in ben 
neuteftamentlid^en ©d^riften * ju erfennen, bafe bie naturartigen, 
tounberl^aften SBirfungen beä ©eifieö in ben apoftolifd&en ©e- 
tneinben leid&t überfd&äftt unb feinen innerlid&en geizigen SBirfungen 
gegenüber in ben SBorbergrunb gebrängt würben. 



») ^Ql Sd^lattcT, ^cr QKaube. 2. ^tuflage. ©.. 147: SBill man öon 
einem gortfd^ritt in ber ß^riftologic bei Sol^anncS fipred^en, fo befielet er 
barin, bag er bur<j§ ben iBogoSgebanlen ben ^Pegriff gegen ISerflad^ung 
energif(^ gef^ü|t l^at. 



— 124 — 

©(^on in ben f^noptifd&cn ©oangclicn roirb auf bicfc 6r= 
fd^cimmß 3lücffid&t öenommcn. SRattl^. 7', 21^-23 tpcnbct ftd^ 
gegen fold&e, roeli^c weiöfagten, 3)ämonen oertticben unb oiele 
Sffiunbet traten. S)ieö finb bie ©tücfe, bie man in bet apo= 
ftolifd&en ©emeinbe alö SJBirhtngen beö ©eifteö f(]^äfctc. ©ie 
werben aufgejä^lt alö ber unroiberleglid^e Seroeiö für bie ®c= 
nieinfcä^aft mit 3efuö unb als öeßtünbung beö änteife am 
^immelteidö: gerabe in ber munberl^aften 3lrt i^rcr SBerfe liegt 
für bie JRebenben bie überjeugenbe Äraft i^reä 2lnfpru(ä&ö. '^xi 
biefem SEBorte fprid&t fid^ alfo eine abfolutc ©d^äfeung ber natur- 
^aften SBirfungen bes (Seifteö auö : fie begrünben einen unjmeifel- 
l^aften 2lnfprud^ an baö ^immelrei(^. Die 2lntmort 3efu jerftört 
biefe SHufton: fie tl^aten bie ©ünbe. ©erabe weil fie burd^ ü^re 
d&ariömatifd&e ^Begabung ben öefifc beö ©eifteö bemeifen, fo werben 
fie um i^rer (Sefefeloflgfeit mitten nermorfen. 3li^t natur^a^e 
SBirfungen, fonbern baö SC^un beö aBittens ©otteö ift baö 3iel 
3efu unb be§ ©eifteö. 

3Kit einer Überfd^äfcung naturl^after d^ariömatifd^er ^Begabung 
f)ai befanntlid^ aud& ^pauluö in feineti (Semeinben ju fämpfcn. 
1. Äor. 13 mirb ben 3Birfungen beä ©eifteö auf bie 5Ratur bie 
ßiebe als fein eigentlid^eS innerlid&eS 3^^^ gegenübergefiettt. ®iefe 
beiben §3eifpiele jeigen, bafe es fid^ nid^t um oereinjelte, gelegent- 
lid^e jufättige SSerirrungen , fonbern um meit t)erbreitete, tief^ 
greifenbe ©efa^ren ^anbelte. 

♦ aOBenn nun aus ä^nli(^cn ©rünben im ^ol^anneSetjangelium 
Sfefu SBort über fein SBerf geftettt mirb, fo mirb man bas aMotit> 
ber Erläuterung ber pneumatifd^en ©J^riftofogie burd& bie Sogos^ 
d^riftologie in biefer SRid^tung ju fud^en ^aben: inbem ber aus 
bem ©eift ©rjeugte baS SBort genannt mirb, fott einer Jlaturalis 
fierung bes ©eiftbegriffs unb bamit einer aSerftad^ung ber ©^rijlo:: 
logie Qmzf)xt merben: als baS eigentlid^fte ©rjeugnis beS ©eiftes, 
als feinen abäquateften 3luSbrucf ^at bie ©emeinbe nid^t feine 
natur^aften aOBirfungen; fonbern bas SBort ju fd^äfeen. S)arum 
mirb unter ben oorl^anbenen Gegriffen biefer als bie treffenbfie 
SBejeid^nung für bas, mas SefuS ift, gemä^lt : nid^t im SBerf, 
fonbern nur im aBort oermag ©ott, ba er ©eift ift, fid6 felbft ju 
geben.^) 

») gal^n, ©. 537 er!(&rt bie SBal^l ber 33eäeid§nung folgenbcrmajen: 
Söcil aber biefeS Seben oug ber ftummen SScrborgenl^cit bei ®ott l^crbor*' 



— 125 — 

2)Qd 9Roth> ber Sogodle^re geitatm einen Sinblicf in i^ren 
@tnn. ^nbtm ^^^ned für ben Sobn @otte^ gerabe on ber 
@pi^e bed eoangelium^, loo 3^ Ser^Itnid )u ®ott ouf einm 
ttmfaffenben äbtsbnicf gebraii^ loiib, bie Sejeid^mmg bed ä&orted 
einführt, bejmnmt ex fein Ser^öltnig }u @ott in eigenartiger 
2Beife. 3>er Segriff brücft }unäd^ bie »efentlid^ 3uge^örigfeit ju 
@ott oud: ber Sogod ge^rt ebenfo niefentli(| ju @ott ote ber 

@eifi.O 

2)a ©Ott ®eifl ijt, fo ge^drt bad ^SBort^ ju feinem SBefen. 

9Bo @ei{t i% ba iß qu(6 Sort )S^a% SBort ijt bie SBeife, »ie 

ber @eifl ^ äußert unb bed^lb fein SRerbnoL 2}er Sogoö 

forbert nid^t als fein ^rrelat bie Seit itnb ed ifl ni<i^t jutreffenb, 

i^n ate ben Offenbarer @otted }u beftnieren. Sie Xufna^me bed 

Segriffs ruft im Sponel nid^ ben @ebanten an bie SBelt ^erDor, 

}u ber (Sott rebet unb ber Segriff brüctt bedmegen biefen ©e^ 

banlen anä^ maß auS: bas äSort nmr f(|on im äbifang unb ed 

iü JU @ott ^in gemenbet. dUä^t um ber SSelt loillen ^at @ott 

einen £ogoS, fonbem er ifl in i^m fettfi^ in feinem eigenen geifi^ 

artigen SBefen, bas fid^ nur ind Sßort }u faffen oermag, be^ 

gtünbet. 2)ur(i^ ben So^nednamen mirb bad Ser^ältnid 2[efu 

iu @ott aus @otteS Siebe erf lärt : ®otteS Siebe ifl ber ®runb 

feines 3)afeinS. Sud^ biefer Segriff giebt i^m ben @runb feiner 

giften} auSf(|Ke6U(!b in @ott unb nid^t au(]^ nod^ nebenher in 

efnem Seburfnis ber SSelt. aniein inbem bie €^rifio[ogie an 

ben SogoSbegriff angefnüpft wirb, wirb fie mit ber @eifiigleit 

@otteS in Serbinbung gebrad^t. 3)ie 6^ri{lo(ogie bes @oangelifien 

fd^Iiegt fid^ an baS oon @ott gegebene ^!tum an: fie ifl Sr^ 

fcnntnis 3efu. SÜIcin fie oottenbct fid^, inbem bie n)cfentli<|e 

Buge^örigfeit 3cfu ju ®ott erfannt wirb : fie läuft htH)a\i> fpefu- 

latio aus: burd^ bie Sogosle^re mirb bie S^riflologie als ein 

notmenbigeS SRoment beS ®otteSgebanfenS erfannt. 



getreten ... ifl, barum !ann man c3 baS SBort beS ßebenS nennen." «Hein 
ein ©egenfot i^^ ©c^weigen ift burd^ bicfe 33c5eid§nung nid^t nal^e gjclegt. 
®oS SBort wirb im ©öangelium immer nur öcrglid^en mit bcm SBer!. Äuc^ 
ift nic^t JU öerfte^en, wie e^ Sal^n mit bem Eingang bt^ ©öangclium« 
bereinigt, wenn er fogt: „^Ifo ift okoyog ein 9^ame nic^t be« präejiftentcn 
e^riftuS al§ fold^cn, fonbem gerabe beö fleif (^geworbenen." 

») 28eiäfä(fer 6. 531, „ol^ne eine weitere Ableitung, al« baß cS jum 
SBcfen ©otteö felbft gehört." 



— 126 — 

^olfemann^) dcmcrft: „3^ä^t nur jum Scflriff bct SBBelt^ 
fonbern ium SScgriff @otteö gehört bcrfclbe" (ber Sogod). atttein 
bcr iol^anncifd^e Sogoö gehört eben nid^t ^,jutn 33egTiff ber SBelt.'*' 
3n biefem fünfte nnterfd^eibet ftd) bie jol^anneifd^e Sogodlel^re 
x)Ott ber pl^ilonifd^n in d^arafteriftifd&er SBeife. Sefanntlid^ ijl 
für 5ß^iIo ber ßogod ein Sinbeglieb jroifd^en @ott unb SBelt. 
3!)er Sogoö l^at feinen ^totd in ber ^erfieHung ber Sejiel^ung 
jroifd^en ®ott unb SBelt: er ift ein für ben SSerfel^r @otteö mit 
ber SBelt notn)enbiged äRittel. 2)cr pl^ilonifd^e Sogod l^at alfo 
QÜcrbingö ben ®runb feiner ®Eiftenj nid^t in (Sott allein, fonbern 
er gehört ebenfo roefentlid^ jur SBelt. 

^er jol^anneifd^e Sogoö gel^ört allein }u ®ott: bied ifl fd^on 
bamit audgefprod^en, ba^ er burd^ eine jeitlid^e 93efiimmung am- 
brüdlid^ vom ®efd^affenen aufgenommen n)irb: in @ott aDetn 
^at er @runb unb ^xd feiner @Eiilenj, nid^t jur SBelt, fonbern 
}u ©Ott l^in ifi er geroenbet ngog tov d^eov, 3)ie ©inl^eit t)on 
©Ott unb feinem SBort befielet oor unb beö^alb abgefe^en t)Ou 
ber SBelt. ©ie l^at il^re Sebeutung in fid^ felbft unb bleibt mit 
bem 58er^ältnid ©otted jur SBelt untermengt. S)ied brüdEt bie, 
befanntlid^ im ©oangelium 17, 5 mieberfel^renbe jeitlid&e Se^ 
ftimmung auö. 

3)iefer 3^8 i^^^ jol^ianneifd^en ßogoöle^re ift foroenig neben^ 
fäd^lid^ ober jufällig, bafe er im ©oangelium regelmäßig loieber:: 
f^rt. ©efliffentlid^ n)irb ber ©ebanfe, bafe ^efuö für baö SSer^ 
l^ältniö ©otteö jur SBelt bie Stellung eines bienenben aWittel^ 
gliebeS einnel^me, abgemel[)rt. 3)ie SBelt fielet nid^t als ber bem 
Sogoä geftedte S^zd, um beäroiHen er ba ift, über il^m. S)ie 
2lnmenbung beö meffianifd^en ©ebanfenö auf 3[efuö ergiebt oiet 
me^r ben Äanon, bajs bie SBelt fein Eigentum ift. 25ie burd^^ 
fd^lagenbe SJebeutung biefeö ©ebanfenö für bie jo^anneifd^e 
ß^riftologie liegt auf ber ^anb. '^n ©Ott ^at er, toie ben 
©runb, fo aud^ baö 3^^^ ]tim^ ßebcnö. 9lid^t um ber 
SBelt unb ber aJIenfd^en willen ifi er ba, fonbern umgefel^rt: 
bie SBelt ift um feinetroiHen ba, fie ift fein Eigentum, ©iefeö 
Seroufetfein beftimmt bie ganje igaltung ^t^n im ©oangelium: 
fo fe^r ber ^err als ber S)iener auftritt, fo bleibt bod^ fein 
Dienft an ber SBelt in feinem Dienft an ©Ott begrünbet 

1) ©. 392. 



— 127 — 

unb barum burd) bcnfelbcn begrenjt. 35a er um ©ottcö xoxüm 
lebt, fo bleibt trofc feines ©ieufteö an ben 3Kenfd^en, feiner i0in= 
gäbe an bie 3Wenfd&en fein 3^^^, bafe ®otteö SBille unb nitä&t, 
ba§ ber aOBiUe ber 3Wenfd&en oefd^el^e. ©eine Siebe bleibt vereint 
mit bem 3orn gegen bie meufd^lid^e ©ünbe unb mad&t xf)m ani^ 
ben aSerjitä^t auf ben Sol^n beä SBerberbenö mögli^ 17, 12. @r 
Detmag beöwegen vom ®rfolg üöllig unabl^ängig ju bleiben, ßäge 
bie aSBelt alö baö 3^^^ f^^^^^ SEBirffamfeit über i^m, fo würbe 
buxä^ jcben aWifeerfolg ditä^t unb Äraft feineö SEBirfenö in grage 
geficllt. 2)a er aber um ©otteä roiHen lebt, fo bleibt er in feiner 
aOBirffamleit oon ber aOBelt gänjlid^ unabl[)ängig. 6ine dit^U 
fertigung erhält fein SSirfen nid^t burd^ ben ®rfolg, fonbern ba- 
bur(ä^, baj5 er ©otteö SöiHen t||ut. S)er ©oangelift jeigt bed? 
wegen, bafe 3efu SC^un ni(ä&t burd^ 3wedEmä§igfeit geregelt ift: 
er pafet fid^ ber Slrt ber 3Wenfd§en nid^t an, er rid^tet fid& nid^t 
nad^ i^nen unb fud^t feine SSermittlungen, er tl[)ut oielmel^r bie 
,3öl)r^eit", er ift in feinem SBirfen allein oon @ott äbljängig 
unb „fielet" unb ,,l^ört" aud^ nur auf ©ott: er rid^tet fid& nid^t 
nadft ben SEBünfd^en feiner Umgebung, fonbern roartet auf feine 
„@tunbe". 

3lm fräftigjien ift bie auöfd^liefelid^e 3w9^^örigleit 3efu ju 
©Ott 5, 23 auögefprod^cn. gefus ift baö ©erid&t, bie SCoten- 
erujedhmg unb bamit bie i^öd^fte X\)at ©otteö übertragen. 
SBarum? 35amit ade ben ©o^n eieren, wie fie ben aSater 
eieren. @ott rid&tet fein SBerl nid^t beö^alb burd& il^n auö, 
weil er felbft etwa eineö fol(|en SJlittelgliebeö bebürfte, ober weil 
ed um ber SBelt willen aus irgenb einem ©runbe notwenbig 
ober jwedEmäfeig wäre, fonbern bamit SefuS göttlid^e 6^re empfange. 
SDafe ber ©o^n baö 3iel ©ottes unb nid^t baö 3Kittel ©otteS 
ift — ober oielmelir nur beSwegen fein 3Jlittel, weil fein 3^^^, 
lönnte nid^t ftärfer ausgebrüdt werben. S)ie 58ermittlung beS 
göttlid&en SBirtenö burd^ 3efuS ^at jum einzigen ©runb unb 
3we(f, baj5 Sefuö feiner ©ottl^eit entfpred^enb als ©ott be^anbelt 
werbe. S)er ©ebanfe liegt burd&aus in ber Äonfequenj bes 33e- 
!enntniffes }ur ©ott^eit 3efu. ©o gut es eine aSerleugnung ber 
©ott^eit ©ottes wäre, wenn man i^n als 3Jtittel ju einem über 
il^m liegenben 3«^^^ be^anbeln woßte, fo gut folgt aud^ aus ber 
®ottl)eit 3efu, ba§ nid^t er in ber SEBelt, fonbern bie SBelt in 
i^m il^r 3iel erhält unb jwar weil ©ott nid&t in ber 2Belt, fom 



— 128 — 

bern in i^m ficö ba§ 3^^^ f^i^^^ ißonbelnö, aud& feine« SBBirfenö 
in ber SEBelt giebt: bet 33ater liebt ben ©o^n unb l^at i^m äße 
©inge übetfleben. 

3luö biefcr Bwß^^örigfeit be§ S090S ju ®ott erflären fid& 
aud^ bie übrigen SluSfagen bet Sogoölel^te : aud^ bie SBeltfd^öpfung 
ifi burd^ ben Sogoö oetmitlelt. S)a§ nid^t crft bie Slnroenbung bet 
Sogoölel^re auf Sefuö biefen ©ebanfen erjeugt ^at, etgiebt fid^, wie 
oben bemerft, fd^on barauö, bafe er fid^ befanntlid^ aud^ bei ^auluö 
unb im ^ebräerbriefe finbet. 3l&^tx liegt eö, an ben ©d^8pfungö= 
berid&t ju benfen, unb bei ben fonftigen Slnflängen biefe« 3lb= 
fd^nitteö an ben SInfang bet (Senefis {iv dg/J) ift eö nid&t roaf)x^ 
fd6einlid&, bafe bet ©öangelift an bie ©d^öpfung bet SBelt butd^ö 
2Bott nid&t f oUte gebadet f)abtn : et fielet im altteftamentlid^en 2^ef t 
eine SBeftötigung beffen, maö et oom SBotte fagt. äudfe fd^elnt 
bie Seobad^tung , bafe im alten ^Tefiament baö SBBott aU baä 
3Rittel be§ fd^öpfetifd^en äBitfenö (Sotteö be^anbelt mitb, einet 
bet 3lnfnüpfungöpunfte bet paläftinenpfd^en Sogoöle^te gemefen ju 
fein. Die JRücffid^t auf ®en. 1 mäte bann f^on butc^ ben Sn- 
fd^luB an biefe Sogoöle^te gegeben. 2lbet man lann nid^t fagen, 
baB 3ol^anneö feinen ©ebanfen etft auö ®en. 1 l^etauögelefen 
i^abe. 6t ctflätt fid& auö bet ßl^tifiologie , meiere baö ganje 
©Dangelium bel^ettfd^t, unb liegt im 33efenntni« jut ©ott^eit 
Sfefu. S)ie SRegel, bafe aUed, mad bet SSatet tl^ut, aud^ bet 
©ol^n tl^ut, gilt in fttenget SlUgemeini^eit unb mitb aud^ auf bie 
fd&öpfetifd^e ^^ätigfeit ®otteö auögebel^nt. ©0 gut im ®vaiu 
gelium biefe oöHige ©emeinfd^aft ©otteö unb 3^fw ^wf ^'^^ £1^^^ 
©otteö jutücfgefül^tt mitb, fo gut ift aud^ in bet Sogoäle^xe 
biefet ©ebanfe ni($t itgenbmie aud bem ^rozd etflätt. 

^n 33. 10 unb 11 metben bie beiben ©ebanfen nebem 
einanbet geftedt, bafe bie aOBelt baö Eigentum beö Söotteö, unb 
bafe fte fein SBetf ift. S)ie Slnmenbung beö etfien ©ebanfenö 
aufS^fwö liegt fd^on in bet Übetttagung beö ß^tiftuönamend auf 
i^n. Snbem beibe ©ebanfen nebeneinanbetgeftellt metben, u)itb 
il^te 3^föwimengeptigfeit tjotauögefe^t : bie SBelt fann fd&liefelid^ 
nut beömegen Eigentum beö 2Botteö fein, meil fte fein SBetf ift. 

gtaglid^ ift befanntlid^, auö roeld^em ©tunbe auöbtüdflidb bet 
©ebanfe abgerael^tt roitb, bafe oon bet ©d^öpfung butd^ ben Sogoö 
uid^tö ausgenommen fei. 3)ie SBejie^ung auf ben aßcltftoff lann 
aud^ ^ol^mann ,,nut alö eine jufätlig offen gelaffene SUlögUd&feit 



^ 



— 129 — 

be^ 5Dcnfenö, uic^t alö ©egenftaub einer auöbrüdlic^en Sc()re" 
X)ctfiel^en. S)iefe 33eäiel^unö tft but(| nid^tö' begrünbet. 2lbet ber 
©Dangelift fd^reibt feine gebanfcnlofcn unb jroedlofen Säfee. 
^tgenb einen ©runb niufe biejc SSetfid&erung ^abm. @r läfet 
ft(^ im ©oangeüum etfennen. S)ie S;i^atfa(|e, bafe bie SBelt burc^ 
baö aOBott würbe, fte^t in ftarfem Äontraft ju ber anbern, bafe 
bic SBelt il^n nid&t etfannte, 58. 11. 5Darauö, bafe fie fein SBerf 
toar, l^ätte eigentlidfe folgen muffen, ba^ fie if)n erfannte. 35ie 
aScrftänbniölofigfeit ber aOBelt 3^fwö gegenüber mirb angefid^tö ber 
©d^öpferfteHung ^efu jur ©d^ulb. 

2lm eigenartigften feiert ber ©ebanfe im Silbe t)om Wirten 

unb ber ißerbe Äapitel 10 roicber. Snbem S^f^^ fi<^ init ber 

%f)üx jur ißürbe oergleid^t, bejei(^net et fid^ alö ben, ber allein 

3utritt jur iperbe üermittelt, ä^nlid^ wie er fid& burd& baö 33ilb 

beö 9Begeö ben nennt, ber allein ju ©Ott bringt. 2Ber fic^ ber 

(Semeinbe mit Seifeitefe^ung ^z^xx nat)t, ber roirb babur(^ jum 

35teb, b. \), er vermag fid& ber aWenfd&en nur mit ©eroalt ju be= 

mä(^tigcn, ipäl^renb bie ©emeinbe ben, ber il)r burdö Sefuö ^xx- 

geführt roirb, fdfeon bei feinem Eintritt in bie ^ürbe von bem 

25ieb unterfd^eiben fann unb i^m ofine ^wanQ freiwillig folgt. 

3n ber SBenbung, bie bem ©leid^niö von 33. 11 abgegeben 
roirb, besein^net fid^ ^t\n^ nic^t nur alö ben, ber ben Betritt jur 
^erbe gerodl^rt, alö ben, burc^ ben man jum Wirten roirb, fon= 
bem alö ben ißirten felbft. 2lud6 in biefem ©leid&niö liegt ber 
SBcleg bafür, bafe er ber rechte ^irte ift, barin, bafe er „bie 
©einen fennt unb bie ©einen it)n". ©d&on roenn er bie ißürbe 
betritt, erfennen i^n bie ©dfeafe unb folgen if)m roiHig. 3lud^ 
bie ^erbe in ber „anbern ipürbe", roirb i^n, wenn er bie ißürbe 
betritt alö if)ren Wirten erfennen. 3n beiben ©leidfeniffen roirb 
üorauögefefet, bafe jroif d^en ipirt unb ^erbe t)ort)er xxoä) feine 23e= 
jiel^ung beftanb. S)aö 3^^^ b'eiber SBergleid^e ift gerabe auöju- 
fpre($en, bafe beim erften S^^fömmentreffen von Qixt unb ^erbe 
bie ^erbe fofort unb von felbft geroife ift, roer ber redete §irte 
ift. ©ben l^ierin befielt baö 3Herfmal feineö ^irtenamteö unb ber 
Seroeiö für fein 3ieä^t, rod^renb baö aWerfmal ber 3)iebe barin 
befielt, bafe bie iperbe if)re ©timme nidfet fennt unb il^nen nid^t 
folgt. S)aö ganje 3ißl beö ©leid&niffeö, bie Unterfd^eibung jroifien 
i^en roaf)ren Wirten unb ben S)ieben, bie fid^ nur baburd^ untere 
Ijd^ciben, ob fie bur(^ $^efu§ ber ^erbe naiven ober ol^ne il^n, unb 

«ütgcrt, ^ie jo^. (S^tifloloöie. 9 



- 130 — 

bemöcmäfe bie ^etbe folßfam finben ober nid§t, — biefcö 3*^^ 
bcd ©cbanfenä fc^t t)orauö uub fpricä^t auö, bafe ^cfuö allein eö 
t)enna9, menfd^Hd^er ©intoirfung baö Snnere beö 3Renfd^en ju 
öffnen. 2)er 2;on ber SRebe liegt barauf, ba§ eine jenfeitä beö 
betDujsten 3Setfe^tß unb ber gefcä^id^tlid^en Sejiefiunßen Uegenbe 
3Serbinbunö jroifd^en bem Ritten unb ber ^erbe befielt, hierauf 
beruht bie gäl^ißfeit ber (Semeinbe roa^rc unb falfd&e Wirten ju 
unterfc^eiben unb ben redeten Wirten fofort ju erfcnnen. iß^erauf 
beruht tl^re greil[)eit. S)ie falfc^en gül^rer Sf^raelö müjfen bie 
(Semeinbe burd& nomiftif(|en Qroan^ tjergeroaltiöcn, wenn Re fie 
leiten unb bel^errfd^en wollen. SBenn bie Wirten, bie burd^ 3efus 
jt(i ber ©emeinbe naiven, bieö nid^t nötig ^aben, fonbern burdj 
i^r aOBort bie ©emeinbe leiten, ite nid^t treiben, fonbern Dotan- 
gelten unb gewife finb, bafe bie (Semeinbe il^nen willig folgt, ^o 
erflärt fi(^ bieö zbtn baraus, bafe ber ©inroirfung ^t^n ba§ 
Sfnnere ber ajlenfd&en offen fte^t, bafe er bie „^^ür" jur ©emeinbe 
ift. ©eine ©inwirlung reid&t in il^r inneres l^inein unb t)ermag 
fie beöl^alb non Snnen l^erauö miliig ju mad^en. S)iefe gä^igfeit, 
bie ©emeinbe für bie ißirten jugänglid^ unb miHig ju mad^en, 
biefe ©eroife^eit, fofort unb mit ©id^erl^eit alö ber redete ^irte 
erfannt ju merben, berul^t nid^t auf ber SBirffamfeit beö „gefd§id&t= 
lid^en" 3efu§, ba ber ©rfolg be^felben ja gerabe erflärt merben foll, 
fonbern auf einer über bie gefd&i(^tlid^en S^f^wimen^ängc ^inauö= 
reid^enben ©emeinfd^aft mit ber ^erbe, bie in ber (Sinfieit 3efu 
mit ©Ott x\)xm ©runb ^at. 6r fennt bie ©einen unb bie 
©einen fennen i^n vermöge feiner S^gc^örigfeit ju ®ott. 

6ö giebt freilid^ nod& @($afe, bie nid^t jur ißerbe gel^ören, 
unb bemgemäfe nid^t auf 3efu ©timme pren, SS. 26 f. 3lllein 
bieö mirb alö ©d)ulb angefel^en. S)ie SWenfdfeen merben nid&t 
naturliaft ju i^m l^ingejogen. ®em (Sleid&niö entfpric^t e§ genau, 
menn eö 1, 10 alö unnatürlid^ bejeidönet mirb, bafe bie SBelt i^n 
nid^t nerftanb, obgleid^ fie fein SBerf mar. S)ie SRebe fe|t nor= 
auö, bafe baö SBort baö Sid^t ift, meld^eö „jeben SKenfc^en er= 
leud^tet", obgleid^ fie nid^t alle baö £i(^t in fid^ aufnel^men. 
Sluö feiner ©d&öpferfteHung }ur 2Belt folgt, ba§ er 35erftänb-- 
niö oon i^r ju erwarten bered^tigt ift, nid^t aber, bafe pe il^n 
mirflid& nerftel^t. Söol^l aber mirb il^re 5Berftänbniölortg!eit ba^ 
burd& }ur ©d&ulb. Sefuö trägt fraft feiner (Scmeinfd&aft mit ©Ott 



— 131 — 

baö 3)Jcrtmal beö ®(|öpfcrö an fid^, weä^alb er bem 3)icnfd^en 
von SRatur t)crftänbli($ fein mufe. 

35er ©tjangelift lennt aber no(^ einen anbern Urfprung aus 
©Ott ober auö ber SBal^r^eit, ber bem Ursprung 3efu auö bem 
^ittimel analog ift unb me^r in fid^ f(iliefet aU bie naturl^afte 
Slbpngigfeit beö (Sefd&öpfeö oon ®ott. 2Ran ^at i^m beöroeßen 
bualiftif(36e ©ebanfen jugefd^oben. Slllein gerabe gegen eine bua= 
lifiifd&e Sluffaffung ftd^ert er fein SBort burd^ ben S^f^fc' ^^^ 
ntd^tö, roaö geworben ift, ol^ne i^n würbe. 3lnr in biefem ©egen? 
fafe f)at bie negatioe ©rläuterung beö pofitioen Sa^eö ein oer= 
ftänblidbeö, fonfretes 3Jlotio. 3^m entfprid&t in 33. 9 bie SBe^ 
tonung, mit ber befannt toirb, ba^ baö Sid&t jeben SÖienfd&en 
erleud&tet. 3)iefer ©laube fid&ert ben unioerfaliftifd^en ^orijont 
beö @oangeIium§. 

©eöroegen ift i^m bie fd^öpferifd&e Stellung 3(efu jur 2Belt 
unb bementfpred^enb bie natur^afte öejiel^ung ju ben 3Wenfd^en 
bebeutfam. S)enn biefem 9Serf)ältni§ ju i^m ift niemanb entjogen. 
Slbfid^tlid^ ift ber neutrifd^e Sluöbrucf gebraud&t : nid)tö, aud^ nid^tö 
©adölid&eö ift ausgenommen, aud^ bie SRatur, baS „S'f^if^" ^"^' 
fpringt ber fd6öpferif(|en 3Jlad^t bes SBorteS. 3n ber erfal^rbaren 
SBirflid^feit tritt biefem ©lauben bie „ginftemis" gegenüber, bie 
nid&t aus ®ott ift, alles mas feinen Urfprung aus ber SBelt unb 
auQ bem Teufel nimmt. Sßenn es ma^r wäre, ba§ für ^o^annes 
ber SBeltlauf, nur bie jeitUd^e ©rfd^einung, bas bur(|fid§tige ®9m= 
bol jcitlofer 3been märe, fo märe baS Jlebeneinanber jener beiben 
©cbanfenreil^en freilid^ unoerftänblid^. Slllein für ben ©oangeliften 
l^at bas meltlid^e ®ef(|el^en ben ganjen ®rnft ber 2^l^at, nod& 
mel^r beS SBerfeS, b. ^. beS bleibenben ©rgebniffes, meld^es 
bem iganbeln entfpringt unb als ein gaftum an ber aSirflid^feit 
teilnimmt. Dbgleid& nid^ts bem ©(Raffen ©ottes unb feines SffiorteS 
entjogen ift, fo giebt es beSmegen bod& fold^eS, mas nid^t aus 
©Ott ift. 5Run ift ^probuftioität im ftrengen Sinn für Sol^anneS 
ftets etmas Übermeltlid^eS, 3^«f^WgeS. 2ltle menfd&lid&e ^probufe 
tioität ift burd^ SReceptioität bebingt, oermöge beren ber 3Wenfd^ fid^ 
ber erjeugenben ©inmirfung einer jenfeitigen ©p^äre öffnet. 3n 
biefem ©inne fielet ber ©ol^n ©ottes in ber SOBelt ben 2Berfen 
unb ben Äinbern beS 2^eufels gegenüber: mäl^renb ber 3Wenfd^ in 
feiner ©ünbe receptio ift, rebet ber 2^eufel, menn er lügt, aus 
feinem „eigenen", ©o ernfifiaft unb realiftifd^ alfo bie 5ßrobufc 

9* 



— 132 — 

tioität bcs 2^cufclö gebadet ift, fo bleibt bod^ ücmtögc bcr @im= 
gung 3(cfu mit bem ©d^öpfer iebet S)ualiömuö fern, ©arum 
fielet Sefuö bem, ber in ber SBelt ift, als bet gtöfeete gegenüber. 

3Kan befd^ränft bie Sebeutung ber ßogoöle^re, wenn man 
t)on „fporabifd^en SBirfungen" beö Sogoö rebet. ©d^öpferifd&e 
Stellung unb uniDerfeHe 33ebeutung gehören für ben ©Dangeliften 
jufammen. ®r leitet üom SBorte nid^t etma nur biejjenigen ab, 
bie aus ber ,,Söa{)rl^eit" ober aus ®ott finb.^) 2lu(| t)on 3n- 
farnationen beö SBorteö oor unb aufeer^alb ^e\u ju reben ift 
eine miüfürlid^e Eintragung gegen baö auöbrüdflid^e SBort beö 
äpoftels: Sefuö ift i^m ©otteä einjiger ©o^n. ebenfo irrtümlid^ 
mirb aus 1, 10 eine ^mmanenj bes Sogos in ber SBelt l^erauS- 
gelefen. 35en ©ebanfen, ba^ ber SogoS ber SBelt immanent ift, fonntc 
So^anneS nid^t mit ben SBorten auöbrücfen : er mar in ber SßeÜ. 
S)urd) feine ganje 9luSbrudEömeife mirb außer B^^^f^l gefteHt, bafe 
biefe SBenbung bie gleifc^merbung bes SBorteS bejeid^net. 2)urc^ 
biefe „fommt er in bie SBelt'' unb infolge berfelben „ift er in 
ber SBelt." @S ift millfürlid^ bem SluSbrud, an biefer einen 
©teile einen ganj anbern ®inn unterjufi^ieben. 

9ln bas Sefenntnis }ur fd^öpferifd^en 5fJlad^t beS aSortcö 
fd&ließt fid^ ber ©afe an: in i^m mar &ebtn. ®as ^wtperfeftum 
giebt feinen ©runb, biefes ^ßräbifat auf ben irbifd&en ßebenslauf 
Sefu ju bejiel^en, ober oielmel^r ju befd^ränfen, ba eö ja aud^ im 
Eingang gebrandet mirb. 3to(| weniger freilid^ barf man bie 
3luSfage auf ben ^räejiftenten befd^ränfen, ba fie ja gerabe bie 
SBirffamfeit '^t\u in feinem irbifd^en Seben erläutern unb aus 
feiner @inl)eit mit @ott begrünben foll. S)aS ^mperfeftum ift 
oeranlaßt bur4 ben 3iücfblidf auf ben „Slnfang", in bem baö 
SBort mar, unb bel)errfd^t beömegen bie 33ef(|reibung besfelben:*) 
bas SBort mar oon Slnfang an ber Drt unb Duell bes SebenS. 
2)er ©ebanfe bel)errfd^t bie ß^riftologie bes ©oangeliumö nid^t 
nur infofern bas Seben als umfaffenbe 33ejei($nung für SBefife 
unb &abz '^t^u genannt mirb, fonbern au(| infofern, als bas 
Seben an baS SBort gebunben mirb. S)ie SBirffamfeit gefu be= 
mälirt bie ©rfenntnis, bafe im SBorte äzben mar. S)arum i)at 
biefer ©ebanfe im ©ingang bes ©oangeliums feinesfalls nur ben 



1) ÖJegen ^olfemann n, 358 f. 

2) ^a§ gmperfeftum bcr ©tää^rung, ^arnadf ©. 218, 3lum. 1. 



— 133 — 

©inn, ju erläutern, inroiefcrn burd^ ben Soßoä aUeö geworben 
fein fann. 

3lx6)t nur biefer eine ©ebanfe, fonbern bie ganje ß^riftoloßie 

beö ©oangeliumö baut fid^ auf ber Ji^atfad^e auf, ba^ baö 9Bort 

ba§ Seben in fi(| trägt. @lei(|n)0^l befielet jn3if(|en beiben ®e= 

banfen ein innerer S^fontmen^ang : al§ Duett beö Sebens ^at 

baö SBort an ber ©d^öpfung teil. S)iefer B^f^^^^^^^^i^Ö "^äre 

freili<^ nid^t möglich, wenn für Sol^anneö jtüifi^en bem „pl^gfifdöen" 

unb beut ewigen Seben ein 2lbftanb beftänbe, ber eö t)ern)e{)rte, 

beibe im Segriff 2zbzn jufammenjufafferi. ®n)igeö unb p^gfifdieö 

Sebcit finb für ^o^onneö nid^t unoergleid^bar oerfd^ieben, fonbern 

baö eroige Seben ift baö n)af)r^aftige, ganje Seben, bie ^integrierung 

beö irbifd^en Sebenö. 2)a§ eroige Seben als ©egcnfa^ jum p^g- 

fifc^cn ju erllären, pa^t fd&on barum ni(|t, roeil eö fidb ja in ber 

9lufcrftef)ung oottenbet. ®ie SluferroedEung, bie '^z\\x^ fid^ beilegt, 

ift eine fd^öpferif(^e ^{)at, bie ausbrücflid^ auö bem SebenöbcR^ 

3eju abgeleitet roirb. 3n berfelben SBeife roirb ber Slnteil bcö 

3Borte§ an ber @(|öpfung barauö erflärt, bafe in iljm Seben roar. 

SBenn im ©oangelium an Sefu SBort bie Sebenögabe gefnüpft 

roirb, fo erHärt fid& aud^ bie§ auö ber fd^öpferif($en 3Kad&t, bie 

3iefu§ feinem Söort gegeben roeife: eö giebt Seben unb ©eift. 

gür ben (Soangeliften fd^liefet fid^ ber ©laube an bie fdböpferifd^e 

Tla^t beö Söorteö 3efu an bie Sr^iatfad&e, bafe ba§ SBort Sefu 

aud& bie aWad^t ift, bur($ bie er feine 2Berfe oerrid^tet, 4, 46 ff. 

2)afe baö Sid^t nid^t ebenfo unmittelbar com 2Borte abgeleitet 
roirb, fonbern bafe ber ©oangelift bie SRei^e: 9Bort, Seben, Sid^t 
giebt, ift rool^lüberlegte 2lbfi($t.^) 3^^ Offenbarung ©otteö roirb 
baö SBort baburd^, bafe e§ Seben roirft. 2)ie irbif(|e ©jiftenj bes 
50Jenfd^en t)erl^üttt eben babur($, bafe fie 2^ob ift, ©otteö SEBalten: 
bie SBelt unb baö gleifd^ finb für ben ©oangeliften ginfterniö. 
3um S^wß^tt ©otteö unb bamit jum Sid^t, jum ©otteöberoeiö 
roirb ber aKenfd& erft baburdö, bafe er am Seben teil geroinnt : mit 
bem Seben trägt er bie ®abz unb bamit baö 3JJerfmal @otte§ an 
fi(^. @o ift aud^ ^e\n^ als ber Sebenbige unb Sebenfd^affenbe 
aud^ ber, ber ©otteä 2Bitte unb ©abc fid^tbar unb gegenwärtig 
in bie SEBelt bringt unb bamit baö Sid^t ber 2Belt. SDie mxh 
famfeit be§ Sid^teö roirb jebod^ nid&t alö SBertreibung ber ginfter- 



1) SSgl. §aruac! unb ©d^tatter j. b. ©t. 



— 134 — 

niö befdötiebcn , foubern burd& bic gormcl: eö fd&cint in bct 
ginftctniö. 5Rcben beni Si^t bleibt bic ginftcrniö in ber 3Beft 
als reelle 3Rad§t in bcftanb. S)ad ©d^luferoott biefeö etften Slb- 
fd&nitteö batf man nid^t auf bic Unübcrroinblidbfeit bcö ßid^ted 
bejic^cn/) fonbern ate einen ^inroeiö auf bcn bcötcnjtcn ©rfolg 
bed ßid^ted. SKit biefem ^inroeiö fd^licfet fid^ aud^ bct folflcnbe 
©ebanfenfreid SS. 11 unb 12. 5Die 5Belt tjctfianb xf)n ni*t, bic 
©einen nahmen i^n nid^t auf, bic gi^^ft^^^^i^ «tgriff es nid^t — 
baö finb beutlid^e ^parallelen, bic ben ©rfolfl beö Sid^tcö befd^teiben. 
®et Sluöbrucf xaTuXuiiißavsiv fotl nur ben (Sebanfcn auöbtüden, 
bafe bic ©rleudltung fein ©rlcbniö ifi, roeld^eö einem pafüpen 
3Wenfd^en wiberfäl^rt, fonbern bafe baö Sf^^i^tingen beö Sid^teä in 
fein 3nnereö burd& ein aftiüeö, receptiües SBer^alten beö ajlenfdjen 
bebinflt ift. ^raglii^ ift im ßiifömmenl^anö bie Sebeutung, bie 
bem SBed^fel beö 2^empuö jufommt. Dafi bie öejiel^ung au^ 
bie irbifd^e SBirffamfeit Sf^fu ni(^t erfi mit SB. 14 beginnt, 
wirb fd&on burd^ bie SBorte in 58. 10 feftgefteHt: er war 
in ber SBelt. 2)er gortfd^ritt befielet barin, bafe bie Sefd&rei- 
bung fonfreter, beftimmter, fd^drfer mirb. ©eine ©inglieberung 
in bie SQBelt mar ernftfiaft unb ganj: er rourbe gleifd^: 
aS. 9—13 reben alfo von ber irbifd&en SEBirffamfeit 3efu. 2)ic 
33efd§reibung gipfelt in einem ^inmeiö auf ben ©rtrag feined 
Scbenö. ^n bemfelben ©ebanfen gipfelt ber 3lbfd^nitt SB. 1—5. 
3!)iefer Slbfd&nitt ift alfo ebenfattö dn in fid^ gefd^loffener noll^ 
ftänbiger ©ebanfenfreiö , eine tl^ematifd| an bie ©pi^e gefiettte 
Sluöfage, bie alleö, maö oom Sogod ju fagen ift, umfaßt unb im 
golgenbcn nid^t ergänjt, fonbern erläutert mirb. SB. 5 wirb burd& 
aS. 10 — 13 mieber aufgenommen unb befd^reibt ben ®rfolg 3efu. 
SDie erjä^lenbe gorm ■— 'Aarilaßsv — nimmt bie 9tebe ba an, 
mo ber ©oangelift an bic hinter i^m liegenbe (Sefd^id^tc ^t\vi 
benft, mä^renb abfid^tötjott baö ©d^einen beä Sid&teö als bauernbe 
©egenmart bejeid^net mirb. 3)iefe bleibenbe ©egenmart beö ßid^teö 
fd^liefet bie pofitioe grud&t beS SEBirfens ^efu mit ein, bie in 
33. 12 f. lonf reter gefennjeid^net wirb. 3)enn bic Äinber ©otteö 
finb für ben ©laubcn beö ©oangcliften ber Drt unb baö Drgan 
beö ©ol^ncö ®otte§ in ber SBclt: in il)nen ift fein Si(^t in ber 
SBelt gegenmärtig. SlUe übrigen Urteile beö erften ®ebanfen= 



») mt SBcig. 



— 135 — 

Iteifcö bejic^en fid^ fteilid^ auf bic itbii(^e SBirffainfeit 3efu, bie 
in bet bef^ricbcncn Slrt beö SBortcö ©otteö il^ten ©runb l^at. 
3)enn bicjc ©tcHung bcö Sogoä liegt, wie ßcjciot roorben ift, 
nid^t als aSetgansenfieit, fonbctn aU bleibenbe ©cßenToatt, ate 
bauernbcr ®tunb feinet ©yiftenj hinter ober in Sefuö. S)arum 
gilt fein SBort beö ©oangeliften über 3efuö nut t)om ,,5ßrä= 
ejiftenten". ©benfomenig aber gelten fie nur t)on ber irbifd^en 
SBirffamfeit 3efu. gür bie fd^affenbe SBirffamfeit beä SOBorteö 
ift bieö fd^on nad^geroiefen unb jroar alö ein bie ßl^riftologie beö 
©oangeliumö regierenber ©ebanfe: Dermögc feiner (Sinl^eit mit 
©Ott fte^t 3(efuö ber SBell ni($t nur als feinem ©igentum, 
fonbern aud& alö ber burd6 i^n geworbenen gegenüber, bie i^n 
barum oon ben falfd^cn ißirten oon SRatur ju unterfd^eiben oer= 
mögen. 

5Rod& weiter greift baö SBefennlniö, n)el(|eö baö SBort nii^t 
nur ben ©(^öpfer, fonbern baö Sid^t ber 3Jlenf(|en nennt. 2luö 
ber fd^öpferifd^en ©tedung beö 2Borte§ werben nur bie naturl^aften 
SBebingungen unb bamit nur eine fold&e SJJöglid^feit ber ©rfennt^ 
ni§ 3efu abgeleitet, fraft beren baö Unterbleiben beö ©laubenö 
jur ©d&ulb wirb; bagegen berjenige SSerbanb mit ©Ott, aw^ bem 
jtd^ baß faftifd&e ©ntftefien be§ ©laubenö an Sefuö ergicbt, ift 
nid^t in ber natur^aften 2lbf)ängigfeit beö ©efd^öpfeS oom ©d^öpfer 
begrünbet, fonbern barin, bafe ba§ SBort baö Sid^t ber SRenfd^en 
mar. 2lud& biefer ©ebanfe burd^jieljt baö ©oangelium. 35er 
©oangelift fennt eine Slbftammung auö ©Ott, bic ber 2lbfunft 
Sefu aus ©Ott t)erglei(|bar unb weit melir ift, als baö ©efd&affen= 
fein t)on ©Ott. S)ie Formeln: aus ©Ott fein, aus ber 2Bal^r^eit 
fein, feine SBerfe „in ©Ott" tl^un, bejeid^nen eine ©emeinfdöaft 
mit ©Ott, bie burd^ Sefus nid^t t)ermittelt ift, benn biefe 35egriffe 
follen ja gerabe ben boppelten ©rfolg 3efu erflären. 3n biefen 
©ebanfengängen {el^rt ber ©laube wieber, ba^ bas SJBort bas 
Sid^t ber 3)lenfd^en war. 

2lud& l^ier bleibt ber ißorijont unioerfaliftifdb. aSom Söorte 
©ottes wirb nid^t nur bie altteftamentlid^e Dffenbantng abgeleitet. 
Slud^ bie ©rlftuterung, bie 3Bei^ ^) bem SBort giebt, ift ju eng : 
„dagegen nimmt er an, ba§ ©tral^len bes Sid^tes, weld^es ber 
Sogos oon 9lnfang an allen 3Jtenfd&en gefpenbet ^at, audfe in bie 



') 9leuteftamentÜc^e ^^l^eologie § I52d. 



— 136 — 

^cibcnmclt gefallen unb bort auföeuomnien unb löirffam getDorbcii 
finb." SBenn ber ©oanaelifi fagt, bafe baö SSort jcben SJlen- 
f(]&en erleud^tet, fo fpritä^t er nid^t nur t)on einjelnen ©tral^kn, 
bie in bie öeibenroelt gebtungen ftnb. gteilii^ f(^Uefet ber 2luö- 
brud ,,erleud&ten" ben ©rfolg nid^t mit ein. Dad ©inbringen beö 
ßid^teö in ben SKenfd^en ift baoon abl^ängig, bafe berfelbe cö 
ergreift. 

S)er ©üangelift fpri(^t alfo von einer jebem aMenf(|en ju^ 
gänglid&en, bur(^ baä SBort vermittelten ©otteöerfenntniö, bie il^n 
befäl^igt, fein SBerf ,,in @ott" ju tl^un unb bamit '^z^um ju r)er= 
[teilen. 3)urd^ ben ©lauben, bafe baö Sid&t an jcben 3Kenf(^en 
fommt, fd^liefet ber ©oangelift aßen S)uali§muö auö. 2)er @e- 
banfe ergiebt fid^ wieber au§ ber ©in^eit beö SBorteö ©ottcö mit 
©Ott unb ift ein im ©otteögebanfen beö ©oangeliften begrünbetc§ 
!®laubenöurteil, baö nid^t weiter erläutert ober begrünbet wirb. 

§at ein foldbeö 33efenntniö im SSeroufetf^in eineö 3lugenjeugen 
3efu SRaum? 9Jad^ ajJattl^äuö nimmt ^t]m bie Reiben, bie i^n 
nie gefannt ^aben, menn fte Siebe geübt l^aben, inö igimmelrcid^ 
auf. 2)iefe öebeutuug fommt ber an fid^ geringfügigen 2^^at 
babur(^ JU, ba§ 3f^fuö fie alö il^m felbft getf)an anfielt: baö 
Siebeöroerf bejiel^t fidft auf i^n, eö ift it)m getl^an, ift fein ©igen- 
tum. 33ei ^o^anneö entflammt baö in ®ott getl^ane SEBerf bcm 
aSerbanb mit ®ott, bem SBorte ©otteö, eö ift baö SBerf beö 
SBorteö. Der 3lbftanb jroifd&en beiben ©ebanfen ift berfelbe loie 
in ber ganzen (^riftologifd^en ©ebanfenrei^e. S)a 3Jlatt^äuö bie 
©^riftologie im 9tal^men beö 3Kefftaöbilbeö barfteHt, fo ^ebt er bie 
finale Stellung 3^fw jur Söelt ^crt)or: pe ift fein ©igentum. 
S)iefen ©lauben unterbaut ^oljanneö bur(| baö 33cfenntniö jur 
fc^öpferifdien faufalen ©teßung ^t\\x jur 3Belt : fie ifi fein ©igen= 
tum, meil fie fein SBerf ift.^) 

2)ie übrigen ^tuöfttgen öon ^ 1—18 finb an \f)xex ©teile erläutert 
ttJorben. 9?id^t alle ejcgetifc^en Probleme biefe§ 5lbfd^nitte§ finb für bie 
^orftettung ber ©l^riftologie üon SBebcutung. §ier5u rc^ne i(ft ou^ bie 
©rmül^nunö beöXäuferÖ. SBalbenfperger l^ot auf biefe eine SSeobad^tung eine 
X^eorte onfgebaut, au§ ber wieber einmal atte^ erfldrt werben fott. ^ie 
^urd^fül^rung feiner §t)pot]^efe in ber ©rflärung be§ „^rolog§" grünbet 
fi(^ auf ein nic^t fe^r reid^^altigeS unb mit menig ^itif auögefud^teö SOlaterial 
ft)nagogaler @eban!en. Sine ^u^einanberfe^ung mit i^m im einjelnen wäre 
in einer pofttiüen ^arftellung ber ßogoölel^re ni^t fe^r fruchtbar, fonbern 
nur ftörenb. 



— 137 — 

SDic aiuöfagcn über ben ^^täcEiftentcn finb nid^t als „Slücf- 

fd&Iüffe" auö bcr empirifd&en SBa^rncl^munö beö ^iftorif(|cn ^cfuß 

ju ctflätcn. 3)aö ift eine unbercd&tigtc ©intraßunfl mobcrner 

crfcnntniö = tl^corctifd^et 3)Jetf)obcn in bie 2)cnfn)cifc bcö ©Dan- 

öeliftcn. SBäl^renb man bod^ fonft scgcnroättig mit Siedet ßCöeu 

bie ©intraguuö moberncr Segriffe in bie apoftolifd^e ©ebanfen- 

melt proteftiert, ift eö in ben roeiteften Greifen üblid^ geworben, 

gerabe ben ganj mobernen in feinen ^iftorifdfeen 3Kotit)en völlig 

burc^ficfetigen 9lgnofticiömu§ ben Slpofteln unterjufd^ieben. 5Rur 

einige 33eifpiele feien genannt: fo fagt öalbenfperger @. 9: ,,®ö 

finb nid^t irgenb roeli^e feinfinnige, foömologifd^e Spefulationen, 

bie er anftellt. . . . Söa§ l^ätten aud^ fold&e S)inge mit feinem 

2Berf gemein? 2Bo märe eine ©pur bauon im ganjen 6t)an= 

gelium? Slud^ auf biefem ^^unfte bemä^rt fi(| bie praftifd^e SRid^- 

tung ber neuteftamentlid&en Sd^riftfteder , bie burd^aus in il^rer 

Seit leben unb t)on ben 3nteref[en berfelben fid^ beftimmen laffen." 

§reilic& l^at ber 2lpoftel feine Äoömologie, aber eine S^eologie 

unb ni(^t blofe mie bie 3Kobernen ein ^fpd&ologie, aui) ift ber 

Oegenftanb feines 23enfen§ ni($t bie Sleligion, fonbern (Sott. 

^arnadE^) fagt: „SBie jemanb, ber aU 3JlenfdC) geboren werben 

wirb, fd^on oon ®rf(|affung ber SBelt bei ®ott meilen fann, fragte 

man nid^t, weil man nic^t p^ilofopl^ierte." 3)iefe moberne 3flefig= 

nation liegt meit ab t)on bem ®rfenntniömute, ben ben Slpofteln 

ilire Äenntniö ßl^rifti gab. SBepfdblag^) glaubt bei ber ©arftedung 

ber jol^anneif(^en ßl^riftologie ,,ber Unbe^olfenl^eit eines t^eologif(| 

ungefd^ulten ©enferö, SRed^nung tragen" ju muffen. ®ine fold^e 

©eringfd^äfeung beö apoftoIif(^en ©ebanfenS fielet in ftarf em ®egen= 

fa|e ju ber Danfbadeit, mit ber bie 3lpoftel bie i^nen ermög= 

lid^te Kenntnis ß^rifti unb ©otteö be^anbeln. @anj unbefangen 

trägt S(|renf^) bie moberne ©rfenntniötl^eorie in baö ^^oJ^anneö- 

eoangelium ein: ,,2)afe folc^e Sebenöfpenbung nur möglid^ mar 

burd^ einen felbft ßebenbigen, berülirt ^^^önneö aud&, aber nur 



^ie oben gegebene ^arftellung ber Sogo^Ie^re fott geigen, ha^ bie QJe* 
bauten berfelben bie gange jo^anneifd^e ©l^riftologie tragen, bag alfo ber 
©üongelift nid^t, wie §arnacf in ber öfter« citierten Slbl^anblung au^gefül^rt 
l^at, im ©öangetium felbft ben Sogo^begriff l^at fotten laffen. 

1) 51. a. D. @. 202. 

«) 9ieuteftamentUd§e S^eologie II, 432. 

8) ^ie iol^anneifc^e ^nfc^auung üom Seben, @. 60. 



— 138 — 

in Äürjc imb o^ne auf bcn 3n^alt bicfcö Sebcnö eiujugcl^cn. 
(£§ fie^t eben l^ierin toie mit oiclen anbern 35inöen: bic 3Bir:: 
fungen werben auöfüJ^rlid^ bel^anbelt. betreffs ber Urfad^en begmüßt 
man fid& mit rocniöen 3tücff(3^lüffen ; bie SBirlungen finb baß a3e= 
lannU, bie Urfad&en ba« üer^ältnismäfeiß Unbefannte." 5Ric^t 
nur bie jo^anneifd^e, fonbem bie gefamte apoftolifd^e @ebanlen= 
bilbung verläuft genau in ber cntßeßengefefeten Slid^tung unb man 
mi^Derftel^t fie beftänbiß, ro^nn man baö nid&t immer im Sluge 
bel^ält. Die SÄpoftel Rnb feine ^ßf^d&ologen , fonbem ^^eologen. 
Sie fd^lie^en nid^t oon unten nad^ oben, fonbern oon oben nad& 
unten, nid^t oom aWenfd^en auf @ott, fonbern t)on ©ott auf ben 
3)ienfd^en. 3)aö ift baö SBefen beö ©laubenöfd&luffeö , barum 
tritt berfelbe in Oegenfal ju rein empirifd&er 3Ketl^obe. 3!)ieö ifi 
befonberö mid^tig für bie ß^riftologie. ©ie bleibt x)öttig un= 
üerftänblid^, folange man nid&t erfennt, baj5 jte nid^t allein burö^ 
gitidf^lüffe gebilbet ift, fonbern bafe meil biefe „JRücffd&lüffe" auf 
©Ott führen, oom ©otteögebanfen ein fonftltutioer ©ebraudb gc= 
mad^t mirb, fpefulatio auö i^m gefolgert wirb. 3n berfclben 
SBeife mie a\x^ bem (Sotteögebanfen — alfo im genauen 
©egenfa^ ju ber Sel^auptung ©d^renfs mirb aud& aus ber 
e^riftologie gefolgert. Sei S^^anneö entfielt bie ß^riftologie 
uid&t auö 9Wicff(^lüffen aus ber Se^re vom ©Triften, fonbern 
umgefe^rt auö ber ß^riftologie folgt, maö t)om ©Triften gilt, 
eben meil bieö afleö nur von ßl^riftuS gilt unb bem ©Triften 
im ©lauben eigen ift. 3tidbt meil mir lebenbig finb, mie Sd^renf 
meint, fd&liefet man, ba§ ßl^riftuö lebt, fonbern weil „baö Seben 
ift in feinem ©ol^ne", fo f)abm mir mit bem ©ol^ne aud^ baö 
Seben. 35arum ift bie Se^re oom ©Triften bei ^ol&anneö eine 
©rläuterung ber ß^riftologie. SBorte, mie bie üiel befprod^enen 
über bie Unfäl^igfeit beö ©laubenben jur ©ünbe finb alö em- 
pirifd^e Seobad^tungen gar ni(|t oerftänblid^ , fie finb nid^t 33e= 
fd^reibungen beö „d&riftlid^en Semu^tfeinö", fonbem ©(^lüffe auö 
ber 3)ia(|t ß^rifti, bie trofe ber ©rfa^rung feftgel^alten werben. 
Unb ganj parallel verläuft bie gefamte ©ebanfenbilbung beö 
2lpofteld unb nid^t nur bie feinige, fonbern aud^ bie beö 5ßauluö. 
3)aö Dbjeft beö apoftolifd^en ©enfenö ift nid^t baö (^riftlid^e Se= 
roufetfein, fonbern @ott. 3lx^t einmal bie 2luöfagen über ben 
„^iftorifd^en" ^e\\x^ laffen fid6 alö ©d&lüffe auö ben an i^m mög- 
lichen 33eoba(^tungen oollftänbig erflären, ba fie ja ben ©laubenö- 



— 139 — 

a!t in fic^ fd^licfeen. 3Sielmc^t ift bic 6t)riftoloötc fottticH butd^- 
auö fpcfulatio, ftc entfielet oon oben l^cxuntcx auö bem ©ottcö- 
ßcbanfcn. Snbcm bic ®int)cit 3cfu mit ®ott an feinen „3^i<ä^en" 
beobad&tet wirb, toitb fie, wo jte nid^t beobad^tbar ift, geglaubt. 
®atum wirb aHeö, waö im ©otteögebanfen liegt, auf i^n über- 
tragen. 3)arum fd^eint mir aud^ bie Semerfung oon Ää^ler^ 
nid&t jutreffenb: „Unb fo liegt in allem, waö man ß^rifto- 
logifd^eö im "iflmtn S^eftament finbet, immer nur bie Sluöfage ber 
33ürgfd^aft für ba§, maö bie ©laubeuben an bem ©etreujigten 
unb 6r^öt)ten für i^re ©emeinfd^aft mit ®ott traben fönnen, 
l)aben foHen unb roirflic^ traben." 3)enn aud^ ^iernad^ fd^eint eö, 
afe fei bie apoftolifd^e ß^riftologie burd^ SRüdfd&lüffe ober ^oftu- 
täte auö bem ©lauben entftanben; wä^renb umgefeljrt bie @laubenö= 
fd^lüffe auf bie ©t^riftologie gegrünbet finb. 3^ti^t nur bie ®r= 
fenntniöt^eorie, fonbern aud^ bie grömmigfeit beö ®oangeliften 
toirb oetfannt, wenn man feine ß^riftologie nad^ 2lrt ber 3Jio= 
bernen auö ^oftulaten oom „praftifd^en" Sebürfniö auö ent:: 
[tauben benft. 3)ie grömmigfeit beö ©oangeliften wirb l^ierburd^ 
infofern angetaftet, alö er ©Ott nid^t burd^ ^oftulate fein SBerf 
Dorfc^reibt. ®r bleibt mit feinem ©ebanfen nid^t ba ^kf)zn, too 
ia^ praltif^e „Snterejfe" erlifd^t. 5Da fein „Snterejfe" toirllid^ 
auf 6t)riftuö gerid^tet ift, fo f)at ü)m ba^ ®rfennen, ba§ aSer= 
fielen ß^rifii an fid^ Sebeutung. 5Denn ßl^riftuö gilt il^m nid^t 
nur ak ©rmöglic^ung beö ©laubenö, fonbern aU ©egenftanb ber 
fiiebe. 3^^ Sieben aber gehört bie greube an einem ©rfennen, 
roeld^eö feine 33emegung nid^t nur auö bem egoiftifd^en Sebürfniö 
nimmt. 



*) ?Rcalcnct)I(opäbie für proteftantifc^e ^^^eologie unb ^td^e. 4. S3anb. 
3. ^ufl. ^rt. e^riftologie, ©. 16. 



YB ?76,.'!9 



I